Die neue Bodenfrage: Grünflächen ?!

Um den Klimawandel zu dämpfen, müssen vor allem in den Städten Grünflächen, Gärten, Wald und Parks grundsätzlich erhalten bleiben. Das Land Berlin hat ein entsprechendes Abkommen in seinen Koalitionsvertrag geschrieben. Kein Kleingarten oder Park soll einem Bauvorhaben geopfert werden. Angesichts des Dürrejahrs 2018 mit seinen vielen Waldbränden und unerträglicher Hitze in den Städten, dem ein ähnliches Dürrejahr 2019 folgen könnte, ist das nur konsequent. Nur eine weltweite Wiederbewaldung und eine Politik des konsequenten Naturbodenerhalts kann den Klimawandel noch so verlangsamen, dass auch die nächsten Generationen auf diesem Planeten werden leben können. Es darf kein Boden mehr versiegelt werden, vielmehr müssen nicht mehr benötigte Fläche von den Investoren, Grundstückinhabern und Fabriken selbst wieder entsiegelt werden, um bewaldet, beackert oder beweidet werden zu können.

Die derzeitige Debatte in Berlin um die Wohnungsnot, wofür es angeblich nötig wäre, diese Koalitionsvereinbarung aufzuheben, geht an den Realitäten vorbei. Der Wohnungsnotstand ist ein Erfolg der internationalen Finanzpolitik. Das viel zu viele virtuelle Geld, dass sich in immer größerer Schieflage bei einigen Wenigen ansiedelt, sucht nach Anlagemöglichkeiten. Erst wenn dieses Buchgeld zu „real estates“ – wie es im Englischen so hübsch heißt, auf deutsch könnte man frei übersetzten in „Reales“ – verwandelt ist, ist es vor der nächsten Krise gerettet. Infolge der Finanzpolitik stehen auch überall Wohnungen leer, weil die begüterten Bürger aus Krisenländern wie verängstige Südeuropäer Wohnungen kaufen, um sich vor dem nächsten Finanzcrash zu bewahren. In Berlin und anderen Großstädten wurden zudem massenweise Wohnhäuser in Hotels oder Hotels verwandelt. Und last but not least gehen die Investoren den gewaltigen Leerstand, den wir in der Stadt und allen Städten haben nicht an, sondern wollen unbedingt neu bauen, statt umzubauen. Beispielsweise wäre da in Berlin das leerstehende Flughafengebäude auf dem Tempelhofer Feld. Es steht größtenteils leer. Teile davon sind durchaus geeignet relativ rasch in Wohnungen umgewandelt werden zu können. Die südseitige Fläche, wo die Flugzeuge früher parkten, wäre gut geeignet, dort Container für Flüchtlinge aufzustellen, statt auf die Rasenfläche, wo sie zum großen Leidwesen der Betroffenen nach kurzer Zeit wieder abgebaut werden müssen. Eine derartige langweilige Fläche unter Denkmalschutz zu stellen ist  inhuman. Bebauen müssen wir die versiegelten Flächen, all´ die vielen nieausgelasteten Parkplätze und Parkhochhäuser, die leer stehenden Bürogebäude überall, nicht jedoch noch offene Grünflächen. Es ist im übrigen gerade auch das Neubauen, das die Preise für Wohnungen in unbezahlbare Höhen treibt! Stattdessen ist angesagt, Fehlinvestitionen umzubauen, wie z.B. das ewig leerstehende Parkhaus auf dem Gleisdreieck, das fünf mal so groß wie die anvisierten Flächen für Gemeinschaftsgärten dort über ein Dutzend von Jahren leer stehen durfte. Ähnlich könnte man in der ganzen Stadt den Gebäudeleerstand angehen.

diese Zusammenhänge habe ich ausführlicher erläutert u.a. hier:

http://www.taz.de/Debatte-Wohnungsnot/!5276783/

 

Stadtgrün und Bodenfragen

Die Presse ist neutral. Wenigstens meistens. Nicht aber, wenn es um Besitz- und Bodenfragen geht. Der Grundgesetzparagraph, demzufolge Eigentum verpflichtet, ist vergessen. Das Magazin „Focus“ fragte kürzlich die Leser, was sie von Tübingens Bürgermeister Boris Palmers Idee hielten, die leerstehenden Grundstücke Tübingens einzuziehen: habe er damit völlig unrecht oder nur übertrieben, war die Frage. Die Option für die Leserinnen, ihr Kreuzchen bei, „damit hat er völlig recht“ machen zu können, die war nicht dabei. Was hatte Bürgermeister Boris Palmer verbrochen? Er hatte alle Besitzer von langjährig unbebauten Grundstücken angeschrieben und gefragt, was sie mit ihrem Grundstück vorhätten. Falls sie es im nächsten Jahr nicht zu bebauen vorhätten, wolle die Stadt es bebauen lassen. Zu diesem Zweck bot er an, das jeweilige Grundstück zum Verkehrswert zu kaufen. Eine sehr vernünftige Idee, der wahrscheinlich 95% aller Stadtbewohner zustimmen würden.

Besonders jene, die sich über ein jahrzehntelang nicht bebautes Grundstück in ihrer Ecke wundern. Wie z.B. mitten in Berlin an der Potsdamer Straße, Ecke Alvensleben. Es verbirgt sich hinter einem hässlichen Zaun. Die wild darauf wachsenden Birken werden alle Jahre abgesägt und zeigen so an, dass es einen Besitzer gibt, der auf Kosten der Allgemeinheit mit seinem Grundstück spekuliert. Das Grundstück ist seit dem Kriegsende leer.  In New York wäre hier wohl längst zumindest ein Nachbarschaftsgarten entstanden, für die Alten im Kiez, denen man eine Bank unter Bäumen gönnen kann. Hier aber passiert seit Jahren: nichts. So bleibt uns das traurige in die Brandwand des Nachbarhauses eingravierte Portrait von Hans-Jürgen Rattey erhalten. Er wurde Opfer eines martialischen Einsatzes der Polizei gegen eine Hausbesetzer-Demonstration Anfang der 1980er Jahre. Dem Engagement der Jugend damals verdanken wir den behutsamen Stadtumbau, die Altbauten erhielt, eine viel Klimafreundlicher Umgangsweise mit Gebäuden und grüne Hinterhöfe einführte.

Den Mut von Bürgermeister Palmer hat die Politik in Berlin noch nicht an den Tag gelegt. Stattdessen wechseln  weiter Wohnungen und ganze Häuser und Wohnanlagen ihre Besitzer und die Preise steigen in exorbitanteHöhen, mit der die durchschnittlichen Löhne und Gehälter nicht im Entferntesten mitwachsen können. Die Hälfte der Wohnungsverkäufe gehen durch „Share Deals“ an den Behörden vorbei… Die Spekulanten sparen sich so die Grunderwerbssteuer und können das Vorkaufsrecht der langjährig in den Wohnungen wohnenden aushebeln. Dass es auch anders geht, zeigte an diesem Wochenende die Berliner Tageszeitung (die) taz, die den Idealisten und Hausbesitzer Gerhard Oschmann würdigte, der bis heute nur 3 €uro pro Quadratmeter nimmt. Hoffentlich bieten ihm seine Mitbewohner rechtzeitig an, im gegenzug die Repapraturen selbst übernehmen zu wollen, ev. sogar genossenschaftlich?

Immerhin setzt sich die derzeitig  rot-rot-grüne Regierung für eine Grüncharta ein. Man möchte das vorhandene Grün in der Stadt dauerhaft sichern. Berlin besticht seit bereits über 100 Jahren durch seinen Dauerwaldvertrag. Damals wollte man die Wälder zugunsten der Grundwasserqualität erhalten. Aber auch an den großen Erholungswert der Stadtwälder war damals mitgedacht. Sie bilden bis heute eine unverzichtbare grüne Lunge der Stadt und beherbergen neben zahlreichem Wildleben auch Waldschulen, Badeseen und Jugendsommerlager.

Heute will die Politik dieses Grün zusammen mit den öffentlichen Parks einschließlich der entsprechenden Kleingartenanlagen durch eine Art neuen Dauerwaldvertrag resp. nunmehr Dauergrünvertrag endgültig sichern. Eine große Stadt braucht grüne Parks für Erholung, Spiel und informellen Sport. Auch die allermeisten Kleingartenanlagen, glücklicherweise ohnehin oft am Rande von Parks gelegen, stehen dem Publikum für Spaziergänge offen, vergrößern den Grüne-Lunge-Effekt der Parks. Sie tragen im Übrigen viel mehr noch als die Parks zur Biodiversität bei.  Dazu kommen die Gemeinschaftsgärten Berlins, die – wie unter anderem das Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld – laut Internet zu den Top Ten gehören, die für Berlin-Besucher sozusagen absolut verpflichtend sind. Sie gehören daher als Schwerpunkt einer zeitgemäßen Klima- und Erwachsenenbildung ins Zentrum eines jeglichen Grüncharta-Prozesses. Hier wäre eine aktivere Förderung sinnvoll, weil sie lebenslanges Klimalernen mit sozialer Integration verbinden, Ernährungsreflexion mit einem Guten Leben im Grünen.

 

Essbare Stadt: Klein- zu Waldgärten?

Charlottenburg, bis 1920 selbständige Stadt am Rande Berlins, wird essbare Stadt! Genauer gesagt: es wird ein essbarer Bezirk. Und das auch nicht gerade als der allererste in Berlin, da gab es ganz andere als Vorreiter wie etwa Friedrichshain-Kreuzberg.

Wie auch immer: Zur Feier der erfreulichen Neuerung war die Auftakts-Veranstaltung im  großen Saal des Charlottenburger Rathauses bis auf den letzten Platz besetzt. Die Leute lauschten mit steigender Aufmerksamkeit den engagierten Bürgern, die an verschiedenen Ecken der großen Kommune Charlottenburg-Wilmersdorf es schon einmal ausprobiert haben. Die einen haben am Lietzensee ein kleines Bürgerhaus mit Café und vorbildlich bepflanzten Äckerchen eingerichtet. Und andere, wie etwa die Kleingartenkolonie „Am Stadtpark 1“ (heute Volkspark Wilmersdorf) haben die Parzelle am Vereinshaus für alle zugänglich gemacht und eine weitere für eine Kita und eine Schule geöffnet, die die nun mit steigender Begeisterung bepflanzt haben.

Am besten hat mir der Kleingartenverein Habsburg von der Gaußstraße gefallen, der sich einem geheimnisvollen „OFA“-Projekt verschrieben hat. OFA, das heißt, „Obst für alle“.  Es geht darum, einige Parzellen der kleinen Kolonie samt Allee in vorbildlich essbare Waldgärten zu verwandeln. Was ist ein Waldgarten? Ein Garten mit Bäumen, mit hohen Bäumen, die also Schatten spenden und das doch so in einer lichten Art und Weise tun, dass darunter – so wie im mehrstöckigen tropischen Urwald, wo die Kaffebüsche am besten unter den Kohlbäumen gedeihen – auch noch andere Sträucher und Pflanzen wachsen können. Neben mir raschelte ein älterer Herr mit seinen maschinengetippen Seiten und fügte hier und dort noch ein Wörtlein in sein ausformuliertes Manusskript ein. Um dann, als er endlich dran war, es – ohne auch nur einmal auf sein Manuskript zu schauen – überzeugend ins Publikum zu schmettern: „OFA“ macht zwar tüchtig viel Arbeit, sagte Dr. Krüger uns, aber vor allem noch viel mehr Spaß!  Obst für alle: Es ist einfach überzeugend, den Menschen zeigen zu können, wie die Pflanzengemeinschaften von essbaren Waldgärten für kühlere Luft und dennoch reiche Ernte sorgen können. Auf lange Sicht macht so eine Waldgartenabteilung im eigenen Garten weniger Arbeit als die ewig austrocknenden Sonnenbeete. Und die in den Städten zunehmend diskriminierten Hochstamm-Obstbäume hätten hier auch wieder eine Chance.

Am Langen Tag der Stadtnatur, am 25.5.2019, wird zwischen 15.00 bis 18.00 das Ganze an Ort und Stelle übrigens noch einmal genauer erklärt.

 

Gartenstadt Staaken: Denkmalschutz statt bezahlbarem Wohnraum?

Gartenstadt Staaken, Berlin-Spandau: Eine Reihe enger Reihenhäuschen in einer baumlos schmalen Straße nach dem Vorbild der Arbeiterhäuser in der Gartenstadt Hellerau. Dahinter das große grüne Geviert der zusammen liegenden schmalen Gärten in ihrer ganzen Vielfallt. Von den schmalen Arbeitswegen sieht man neben verwilderte Gärten viele säuberlich gepflegte. Überall alte Hochhstamm-Obstbäume, dazwischen Gemüsebeete und Blumen, ab und an gackern Hühner. Fast an jedem Haus gibt es eine Werkstatt oder einen Freisitz im ehemaligen Ziegenstall. Die Fenster der kleinen Wohnungen ermöglichen einen Durchblick von den Gärten auf die Straße, sie ähneln den  Reihenhäusern englischer Arbeitersiedlungen.

Leider sei heute das Weitergeben der Wohnungen nicht mehr so leicht möglich, erfahre ich im Gespräch, denn die Gartenstadt Staaken stehe nun unter Denkmalschutz. Auch gäbe es Klauseln im Mietvertrag, die zum Rückbau aller Eigeneinbauten verpflichten. Die anschließend zu erfolgenden Modernisierungen nach heutigen Standards machen die kleinen Wohnungen für die einfachen Arbeiter und Rentnerinnen einfach zu teuer. Während Alteingesessene 400 Euro für ihre Wohnung von etwa 70 qm zahlen, müssten die Neuen bereits 700 Euro zahlen und wer kann das schon? Eine Nachbarin wollte zu ihren Kindern nach Falkensee ziehen.Sie erhielt vom neuen Vorstand die Auflage des kompletten Rückbaus. Sogar die notwendigen Verbesserungen wie das Unterputzlegen von Leitungen oder die Modernisierung von Küchen und Bädern sollten rückgebaut werden Aber wer könne das schon im höheren Alter? Kurzum, die Seniorin ist kreuzunglücklich, weilfinanziell überfordert. Zwar stünde es so im Mietvertrag mit der Genossenschaft, aber ob man die entsprechende Klausel nun so eng auslegen müsse?

1990 verloren die Wohnungsbau-genossenschaften qua Gesetzes-änderung auf Bundesebene die Gemeinnützigkeit und sind ent-sprechend nicht mehr steuerbefreit. Die Genossenschaft der Gartenstadt Staaken ist bei den alten Statuten geblieben, sieht sich intern weiterhin dem sozialen Ideal verpflichtet. Das stand am Anfang des 20. Jahr-hunderts mit Gartenstadt-Siedlungen für die Arbeiter zwecks Hilfe zur Selbsthilfe. Die berühmte erste deutsche „Gartenstadt“ Hellerau bei Dresden, als Siedlung für die Arbeiter einer Fabrikbelegschaft erbaut,  wurde  Beispiel gebend, die Obstbaukolonie Eden war der Vorläufer. Für Staaken ist der soziale Gedanke verbürgt, handelt es sich schließlich um diejenige Selbstversorger-Siedlung, die bauen zu lassen der Arzt, Journalist und Hochschullehrer Max Oppenheimer den Staatssekretär des Inneren, Delbrück überzeugen konnte. Dieser veranlasste, dass die Bahn ein nicht mehr benötigtes Grundstück herausrückte und die Rüstungswerke Spandau die Gartenstadt bauen ließen. Die viele Pazifisten unter den Gartenstadt-Befürwortern waren über diesen Bauherrn allerdings weniger entzückt. Aber Staaken wurde gebaut: kleine Wohnungen und große Gärten. Die Häuschen wurden mit „Gemüseanbaugebot“ an Arbeiterfamilien vergeben. Manche Familien wohnen dort heute bereits in der vierten Generation.

Die Gartenstadt Staaken wurde 1945 nach dem Verschwinden des Staats Preußen in bester Tradition der Gartenstädte eine gemeinnützige Genossenschaft. Das gemeinsame den Bodenbesitzen verhinderte, dass unbedachte Erben mit dem Land spekulieren konnten. Die Bewohnerschaft besaß als Genossenschaft das Grundstück gemeinsam. Daher sind die Wohnungspreise bis heute sehr moderat geblieben. Das ist sinnvoll, denn in Berlin wie auch in Spandau leben nach wie vor ein knappes Viertel der Bevölkerung von Hartz IV. Ein weiteres Viertel der Erwerbstätigen verdient mit Minijobs kaum genug zum Leben, ihre Renten werden unter dem Harz IV-Satz liegen. Nach wie vor verdienen die Berliner im Durchschnitt 1000 Euro weniger als andere Bundesbürger. Berliner Rentnerinnen knapsen knapp an der Existenzgrundlage oder müssen sogar „aufstocken“. Gerade Spandau war immer auch eine Arbeiterstadt und so auch Staaken. Wenn also der heutige Aufsichtsrat der Siedlung den Denkmalschutz zu eng auslegt wirkt das unsozial und schränkt besonders den Bewegungsraum von Witwen ein.

Aber ist nicht die ursprüngliche Vision von ‚Gartenstaat’, eine für alle und für besonders die, die sich mittels Gemüsegarten durch Zeiten von Arbeitslosigkeit hindurch helfen möchten? Ist es sinnvoll, dass nun auch Gartenstädte die Wohnungsnot verschärfen? Ist es wirklich wichtiger an einen Architekt zu erinnern als nicht viemehr an die soziale Idee, die die Siedlung erst ermöglichte? Ist diese Politik des Denkmalschutzes nicht neo-patriachal: nämlich zu erinnern an einen heroischen (männlichen) einzlenen Architekten auf Kosten oder sozialen Idee resp. heute hier lebender älterer Frauen und engagierter Gärtner?

 

  • für Ernährungssouveränität mit Nyeleni

    ,

    ,

    „Wir wollen auf die Kleinlandwirtschaft als Kampfbegriff nicht verzichten“. Das hörte ich Januar 2018 bei der Projekte-Vorstellung in der Böll-Stiftung nach „Wir haben es satt“-Demo zum ersten Mal. Nun trafen sich 200 meistens junge Kämpfer~innen für das Recht auf Ernährungssouveränität. Gärtnerinnen, Studentinnen, Bäckerinnen und Kleinbauern und andere Food-Aktivisten wieder. Sie luden ein zu einem ersten regionalen Nyeleni-Treffen für deutschsprachige Raum Anfang Dezember 2018 in Freiburg, Schweizer, Österreicher und Südtiroler dabei. – Bäckerin Anke aus dem Hannoverschen war von dem Treffen beeindruckt. Auch wenn es aus ihrer Sicht etwas wenig Verarbeiter dabei waren. Besonders begeisterte sie die Arbeitsgruppe Technik für Agrarökologie von den Freiburger „Agronauten“. Einfache (Acker-)Geräte u.a., deren Baupläne von den Entwicklern ins Internet gestellt werden, die jeder nachbauen und reparieren kann. „Da muss der Bauer nicht erst Ingenieur werden, um seine Geräte reparieren zu können!“ Hier vielmehr geht’s um Technik als open source. In England und Frankreich sind die entsprechenden Gruppen schon gut etabliert. Denn es sei so viel an einfacher Technik verschwunden. Als kürzlich einige Bauern hier wieder Hirse anbauen wollte, mussten sie feststellen, dass in der ganzen Republik keinen mehr gibt, der noch Hirse schälen kann.  Aber es sind kleine Techniken wie Bauern-Bäcker-Mühlen die finanzierbar sind  und die Kreisläufe klein halten. Zu große Anfangsinvestitionen hingegen verunmöglichen kleinere Betrieb neu einzurichten.

    Der Kongress begann mit einer öffentlichen Abend-Veranstaltung im Audimax der Freiburger Universität: „Essen. Macht. Glück,“ zur Forderung nach Ernährungssouveränität für die anstehende Transformation. Am zweiten Tag wurde via Exkursionen die vielfältige Agrarszene von Freiburg und Umgebung vorgestellt bis hin zu den Saatguterhaltenden Gärten im Kaiserstuhl. Freiburger Gemeinschaftsgärten arbeiten erfolgreich mit Flüchtlingen… Am nächsten Tag berichteten die teilweise von weither angereisten Tagungsteilnehmer sich begeistert gegenseitig davon.

    Am dritten Tag ging es in der Turnhalle und einigen Klassenräumen in einer Waldorfschule „theoretisch“ weiter, d.h. es wurde in Kleingruppen zu unterschiedlichen Themen gearbeitet. Es ging es um Themen wie „Ernährungssouveränität gesetzlich verankern“, „Saatgut als Allmende“  oder den Zusammenhang zwischen Klima und Ernährungsweise. Was können Ernährungsräte für die kleinbäuerliche Landwirtschaft tun? war eine andere Frage etc. etc. Im Hintergrund wurde mit regionalen Produkten vegan gekocht“.  Brot aus Sauerteig, Bärlauchmargarine, Linsen-Pesto und Früchteriegel ohne alle Chemie- und Zucker-Zusätze, ausschließlich aus fair gehandelten, ökologischen Beeren und Datteln.

    Die Agronauten organisierten auch eine Arbeitsgruppe „access to land“ und hatten Referentinnen aus mehreren Ländern dazu geladen. Denn Europaweit sind die meisten Bauern über 50 und stehen vor keiner geregelten Hofnachfolge. Die wenigsten kommen von allein darauf, ihren Hof jenen jungen Agrar-Studierenden anzubieten, die keinen Hof erben werden. Dafür braucht es Vermittlergruppen, die sogar anonym arbeiten müssen, damit vor einer ev. anstehenden Hofübergabe die Nachbarn nicht sofort versuchen, das Land zu übernehmen.Meike aus Bern arbeitete über Jahre an einer Erhebung zur Landwirtschaft in Europa. Sie erinnerte daran, dass nicht nur in der ganzen Welt sondern auch in Europa, das meiste Essen von kleinbäuerlichen Höfe stammt, dass in Rumänien 70 % der Höfe unter 5 Ha groß  sind und generell auch in ganz Europa die Durchschnittsgröße der Höfe bei gerade mal 14 Hektar liegt.

    Biobauer Wolfgang berichtete von der Landlosenbewegung in Brasilien, die er seit Jahrzehnten unterstützt, die erfolgreich mithilfe der Gesetze über Hunderte von Hektar unter die Hacke nehmen konnten, jedoch durch die neue Regierung wieder gefährdet sind. Meike aus Bern arbeitete über Jahre an einer Erhebung zur Landwirtschaft in Europa. Sie erinnerte daran, dass nicht nur in der ganzen Welt sondern auch in Europa, das meiste Essen von kleinbäuerlichen Höfe stammt, dass in Rumänien 70 % der Höfe unter 5 Hektar haben und generell in ganz Europa die Durchschnittsgröße der Höfe bei gerade mal 14 Hektar liegt…

    Weiterlesen in der „Bauernstimme“ Nr.1 /2019, S. 20

    und hier: http://nyeleni.de/kongress-fuer-ernaehrungssouveraenitaet/

    Das liebe Vieh und seine Hörner

    Am 25.11.2018 wurde in einer Schweizer Volksabstimmung gefragt, ob man den Kühen ihre  Hörner gönnen soll. 54 % der Bevölkerung waren dagegen. Das interessante Abstimmungsergebnis dieser Schweizer Volksabstimmung zeigt vor allem eines: Die Leute schreien zwar gerne nach Tierschutz, aber im Zweifelsfall geht die neue Pan-Gottheit „Sicherheit“ vor…   Ein Teil der Allgäuer Milchbauern schaffen es auch ohne Staatshilfe wie mir meine Käsefrau auf dem Wochenmarkt erzählte. Dort geben die Molkereien jenen Bauern und Bäuerinnen, die die „Hörndl“ dran lassen, 5 Cent mehr für die Milch. Denn zu einer Touristen-region gehört nun einmal das liebe Vieh. Und zwar auf der Weide. Ohne Hörner sehen die armen Rindviecher in den Augen Besucher irgendwie undvollständig und traurig aus…  Dass es den Tieren ohne ihr Kommunikationsorgan Hörner nicht gut geht, kann man merken. Sie können der Nachbarkuh schlechter ansehen, ob sie gerade guter oder schlechter Laune ist. Mit den Hörnern können sie zudem sozusagen Dampf ablassen, beim Wiederkäuen erwärmen sich die Hörner…

    Wir als städtische Einkäufer können natürlich auch etwas dran drehen, indem wir versuchen, konsequent nur noch die Milch von solchen Kühen zu kaufen, die ihren Kopfputz behalten durften. Z.B. Demeter-Milch: da bleiben die Hörner den Tieren erhalten. Oder reine Weide-Milch, denn da ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kühe draußen grasen durften und daher auch ihre Hörner behalten durften groß. Denn problematisch in die Hörner nur in den angeblich so tierfreundlichen Laufställen. Aus den kommen die armen Tiere heute oftmals das ganze Jahr nicht mehr raus. Frustriert über den Bewegungsmangel nehmen sie sich schließlich gegenseitig auf die Hörner. So erscheint das alte System der Anbindehaltung während der Nacht mit „Freigang“ während des Tags sehr viel tierfreundlicher als das neue mit dem Wegsperren der Tiere in übrignes auch für die Landwirte überteure angebeliche Wohlfühl-Ställe.

    Veronikas 12 Kühe zumindest (wir nächtigten bei ihr mit einer ganzen Studentengruppe im Heu), die kamen abends stets von ganz allein nach Haus und trotten von allein auf ihren angestammten Platz neben der besten Freundin, wo sie dann zum Melken und über Nacht angebunden wurden. Am nächsten Morgen kamen sie dafür gleich nach dem Melken sicher wieder raus, selbst bei Nebel durften sie allein im Warthebruch herumziehen. Diese Kühe wurden 20 Jahre alt, ohne jemals krank zu werden. Die Nachbarn rannten Veronika die Bude ein, um sich am Küchentisch einen Teil ihrer Milch in ihre mitgebrachten Verhältnisse einfüllen zu lassen. Dann kam die EU. Und Vorschriften über den angemessenen Platz im Stall. Ob die Kühe tagsüber raus durften, wurde nicht berücksichtigt. EU-bedingt nahm auch bei Poznan / Posen die Werbung so überhand, dass immer mehr Städter glaubten, tot gekochte Milch aus Riesenmolkereien sei „hygienischer“ und also „sicherer“ als frisch gemolkene Milch. Und die Industriemilch sei daher der wilden Milch von freilaufendem Hornvieh vorzuziehen. Vonwegen der angeblich mangelhaften Hygiene galt nun die ab Hof verkaufte Milch als nicht mehr statthaft, wurde schließlich sogar illegal…  Wäre es nicht im Sinne modernen Tierschutzes: keine Milch mehr von Kühen zu kaufen, die sich in Ställen langweilen? Zumal es auch im Sinne des Klimaschutzes wäre, Weide-Milch zu kaufen zumal die den allermeisten Menschen deutlich bekömmlicher ist….

    (CC) Elisabeth Meyer-Renschhausen

    Fotos: Freilaufende Kühe in Siebenbürgen bei Cluj; Weiderinder in Marzahn-Hellerdorf.

    Schafe auf dem Tempelhofer Feld

    Die Berliner sind begeistert von den Schafen auf dem Tempelhofer Feld. Sie kamen an einem Sonntag am frühen Nachmittag für eine Woche nach Berlin. Die armen Schafe kamen über so viel Entzücken über ihre pure Anwesenheit kaum zum Fressen, denn die Berlinerinnen folgten ihnen beglückt auf Schritt und Tritt.- „Wo ist Achmed?“ hörte ich im verbuschten Wildwuchs des „Alten Hafens“. „Der sucht die Schafe.“ – Denn die Herde hatte auf der Weite des Tempelhofer Feldes schnell verkrümelt. Die Schafe bleiben zunächst ängstlich zusammen. Wenn doch einmal eines ausbrach, weil es einen noch fast grünen Grashalm erspäht hatte, jagte der schwarze Schäferhund Karl  es pflichtbewusst  wieder zu den anderen… Zunächst  mussten die vielen Schafsbegeisterten Berlinerinnen baldeine ganze Stunde warten, bis die Brandenburger Schäferei endlich ankam. (Unterwegs war einer der Transporter kaputtgegangen, ein Teil der Schafe blieb sozusagen auf halber Strecke liegen.) Kaum angekommen rumorte es in dem bisher stillen LKW. Die Schafe hatten offenbar das Gras des Tempelhofer Feldes gerochen und machen „Mäh!“. Das machen die Schafe immer dann, wenn sie auf eine Veränderung drängen: jetzt wollten sie raus. Aber nun hatte der lang gewachsene Brandenburger Schäfer Knut Kucznik Bedenken, denn seinen tapferen 100 Schafe standen zumindest 1000 Berlinerinnen und Berlinern samt Kindern, Buggys, Fahrrädern und Dackeln entgegen, die allesamt die Ankunft der Schafe fiebrig erwarteten. Da baute er mit seinen Helfern dann lieber erst einmal ein Gatter, damit die armen Schafe sich nicht in der Menge sozusagen gleich verlören. Und auch der junge Lehrling unter den zwei Schäfer-Hunden fand so viele Menschen um ihn herum ziemlich beängstigend.Erbekam Dünnschiß.

    Aber dann öffnete sich die Klappe: Das erste Schaf auf der Rampe guckte etwas verdutzt: sooo viele Leute auf einen Haufen hatte es eigentlich noch nie gesehen. Aber seine Begleiterin und die anderen drängten raus und so blieb auch dem bedächtigen Oberschaf  nichts anderes über, als tapfer auf diese so grässlich vielen Berliner zuzurennen. Zum Glück war da der Chef, Schäfer Knut Kucznik und der hielt eine Rede: er wolle den Berliner für eine Woche zeigen, wie das Schafe hüten geht. Und so eine bekannte Stimme hört man als Schaf doch immer gern. Dann sprach der Organisator des Ganzen: Niels Rickert vom Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor mit ähnlich ländlich-vertrautklingendem Küsten-Tonfall. Niels Rickert dankte allen Beteiligten, wie vor allem dem Verband der Berufs-Schäfer, den Sponsoren und Behörden, der Grün Berlin GmbH und dem Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor. Danach hielt Klaus Prätor, Betreiber eines „Arkadien“-Blogs zu den Themen Hirtenwesen und Allmenden,eine erhellende Fest-Rede. Es war zu erfahren, dass das Zusammenleben von Schaf und Mensch am Anfang der menschlichen Kultur stand und über 10.000 Jahre praktiziert wird.Das westeuropäische Alphabet entstand in Kreta vor etwa 3000 -35000 Jahren und zwar einzig und allein,um das Zählen und Erzählen der resp. über die kostbaren Schafe zu ermöglichen. Klaus Prätor erinnerte daran, dass bei einer Umfrage in den 1990er Jahren die Berliner nichts sehnlicher gewünscht hätten, als die Wiederkehr der Schafe zurück aufs Tempelhofer Feld. Und er machte darauf aufmerksam, dass die momentanen Finanz-, Privatisierungs- und Einzäunungspolitik dabei ist, der uralten Kulturform der Wanderschäferei wie des Hirtenwesens generell ein endgültiges Ende zu bereiten… Dass die Berlinerinnen und Berliner mit dieser Politik nicht einverstanden sind, das war heute deutlich zu erfahren. Sogar die angeleinten Hunde schwiegen beeindruckt. Nur ein großer Schäferhund einer mediterran wirkenden Familie konnte nicht an sich halten, er jaulte herzzerreißend. Es klang wie: „Ach, wie gern wäre auch ich ein echter Schäferhund geworden!“

    Nachdem die Schafe aus dem Gatter raus durften retteten sie sich aus freie Feld. Womit sie nicht gerechnet hatten: diese Berliner folgten ihnen von nun an auf Schritt und Tritt. Wie soll man da bloß zu geruhsamem Grasen kommen?

    Es bestand die Einladung allabendlich zum Schäfchenzählen beim Zusammentreiben der Herde zu ihrer Schlafstatt rings um das Haus 104 zu helfen. Mit der Chance, Schäfer Knut Kucznik beim Spinnen vom Schäferlatein lauschen zu können. Gleich am ersten Tag wären drei Schafe fast ausgebrochen, erzählte er einmal. Die wollten abhauen! Aber dann hätte ein beherzter Berliner sich in voller Länge ins Eingangstor gelegt und die Ausreißer konnten gestoppt und  zur Herde zurück geführt werden…

    Die Schafe regten an: zum Spinnen von Zukunftsvisionen. Seine Frau erzählte mir Hussein auf der Parkbank würde ihren Joghurt viel lieber von frischer Schafsmilch als aus Supermarkts-Milch machen. – Am Ende der Woche hatten Schafe und Berliner sich gut einander gewöhnt, die Schafe grasten friedlich inmitten der sie beglückt bestaunenden Berlinerinnen samt Kinderscharen. Man fragt sich wieso eigentlich es in Berlin keinen Wanderschäfer gibt wie in etwa in Nürnberg, Turin oder Paris? Wo übrigens die Schafe im Sommer durchaus über die Straßen von einer Fläche zur anderen getrieben werden.

    Weiterlesen: https://arkadienblog.org/category/allmenden/

    https://www.tempelhoferfeld.info/

     

    ,

    Agrarwende zum Erntedankfest

    Grünschwarze Bandnudeln aus Algen, salzige Schokolade mit 98%igen Kakao-Anteil, Köche, die auch das Grüne der Karotte mitkochen, Fischer, die den Beifang verwerten und Fleischer mit ausschließlich handwerklich verarbeiteter Wurst, das war das „Stadt – Land – Food“-Festival rings um die Markthalle Neun in Kreuzberg. Dazu kamen z.B. auf einem der vielen Podien junge Bäuerinnen und Gärtnerinnen aus den Philippinen, Kenia und die Oderbruch, die berichteten, wie sie selbst den Weg zurück in den Landbau fanden. Jane berichtete beispielsweise aus Kenia wie und warum sie mit Freunden einen Biogarten betreibt und Saatguttausch-Treffen organisiert. Der von den Rettern der Markthalle 9 ausgerichtete zweitätige Austausch-Markt „Stadt – Land – Food“ war ein inspirierendes Treffen von Hunderten von Essensaktivsten und Kreativunternehmern aus sprichwörtlich Nah und Fern. Natürlich überwogen unter den Marktstandbetreibern jene aus der näheren Gegend – manche von ihnen sind an bestimmten Tagen sogar auch sonst in der Markthalle Neun zu finden. Zum ersten Mal stand „Stadt –Land – Food“ unter der Schirmherrschaft eines Senators, dem Senator für Verbraucherschutz, Dr. Dirk Behrendt, der in Zusammenarbeit mit dem Berliner Ernährungsrat eine Ernährungsstrategie für Berlin auf den Weg bringen möchte. Gerade die Woche zuvor hatte der Berliner Ernährungsrat erfolgreich die „Regio-Woche“ durchgeführt: hier war mit Hilfe von zahlreichen Berliner Akteuren und Brandenburger Biohöfen und anderen Gruppen 170.000 Biomahlzeiten an den Berliner Schulen ausgegeben worden und zwar nahezu ausschließlich aus der Region. Nun muss nur noch die Brandenburger Landwirtschafts-Politik mit ins Boot geholt werden, die hinsichtlich der Förderung der arbeitsintensiven Biolandwirtschaft in den letzten Jahren – gelinde ausgedrückt – versagt hat. Aber auch die Berliner könnten sich besser um ihre landwirtschaftlichen Flächen kümmern, sind doch bisher manche Biohöfe im Stadtgebiet buchstäblich abgesoffen, weil die Bezirke beispielsweise die Gräben nichtmehr gepflegt haben. Heute muss jeder Quadratmeter kultivierbaren Landesfür eine Klima- und Zukunftsverträgliche Landwirtschaft bewahrt werden.
    Nur die kleineren und handwerklichen Betriebe, ob auf dem Acker oder in der Werkstatt, stellen die Beschäftigungs-Möglichkeiten resp. Arbeitsplätze, die vergleichsweise krisenfest die Grundbedürfnisse der Städter auf die Dauer befriedigen können, betont der Rinderhalter David Peacock von der Müritzer Seenplatte. Oder um es mit dem Landwirt Rudolf Bühler aus Wolpertshausen zu sagen: „Es gibt uns Bauern Mut, dass sich mitten in Berlin in der Markthalle Neun, ein Nukleus fur die Good Food Bewegung entwickelt. Hier entstehen die wichtigen gesellschaftlichen Bewegungen für eine bessere und lebenswerte Zukunft, für den korrekten Umgang mit den natürlichen Ressourcen, mit unserer endlichen Welt.“ Das lustigere Leben bietet der klimaverträgliche Landbau allemal, das zeigte am gleichen Wochenende das Erntedankfest im Berliner Gemeinschaftsgarten Rosenduft, wo fröhlich geschnattert, gespeist und gesungen wurde. https://stadtlandfood.com/

    Freie Künstlerinnen an den Unis

    Die Privatdozentinnen sind die freischaffenden Künstler der deutschen Universitäten. Derzeit tagen die großen Wissenschaftsverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Soziologie in Göttingen oder der der Historiker in Münster. Die Politologen treffen sich in Frankfurt am Main. Während die Historiker wie auch die Philosophen sich mit der seit der Austeritätspolitik (1990/1995/2002) merkwürdigen Lage der Privatdozenten und Privatdozentinnen angenommen haben, hat man sich seitens der Soziologie mit der Thematik noch kaum befasst.
    Tatsächlich sind die Privatdozentinnen dem Gesetz nach unbestallte also unbezahlte Hochschullehrer mit allen Rechten und Pflichten. Sie sind keine Angehörige des Mittelbaus und auch nicht auf „Arbeitssuchende“ zu reduzieren, wie man das in der DGS wohl auch tat. Sie sind vielmehr die freischaffenden Künstlerinnen unter den Hochschullehrern der deutschen Universitäten. Ebenso wie seit der Wende in Ostdeutschland nahezu jede(r) Dritte in die Freiberuflichkeit als Selbständige(r) gezwungen wurde, sind auch die Privatdozentinnen als freiberuflich tätige Kollegen zu betrachten. Während in den angelsächsischen Ländern der Brauch herrscht, dass etwa bei reduzierten Tagungsbudgets die etatierten Kollegen zugunsten der Freischaffenden auf ihr Honorar verzichten, ist das in der Bundesrepublik Deutschland eher seltener der Fall. Eventuell Ergebnis einer im Prinzip positiven gewerkschaftlichen Orientierung, die jedoch die Tatsache missachtet, dass selten viel mehr als 40 % der erwerbstätigen Bevölkerung eine „sozialversicherungspflichtige Tätigkeit“ beschieden ist. Migranten, Frauen, Querdenkern und anderen Künstlernaturen bliebt daher nur der Weg in die Selbständigkeit – soweit unrealistisch hohe Versicherungsbeiträge das zulassen. (In manchen Fällen hilft hier die Künstlersozialkasse.)

    Als den Freischaffenden unter den Hochschullehrern blieben die Privatdozentinnen auf Grund ihrer besonderen Lage bis zum Lebensende aktiv und können auch nicht „pensioniert“ werden. Meistens reicht ihre Rente ohnehin nicht und zwingt sie daher, sich weiter aktiv aus der üblichen interessanten Mischung von Buch- und Vortragshonoraren und gelegentlichen Dozenturen oder Gastprofessuren über Wasser zu halten. Indem die Festangestellten resp. verbeamteten Kollegen sich die Lage der Freischaffenden in den eigen Reihen klar machen und zusehen, die kleinen Schikanen, die die neoliberal gewendeten Unis ihrer Unbezahlten so bereit halten, mindern zu helfen, wird diese Solidarität unter Intellektuellen sich auch auf das Betriebsklima an den Universitäten allgemein positiv auswirken. Eine Verabschiedung der relativen Intellektuellen- und Lehrerfeindlichkeit, die in der Missachtung der Privatdozenten angelegt ist, kann die gedrückte Stimmung an den von der Austeritätspolitik gebeutelten Universitäten mindern helfen. Denkbar wäre etwa eine Art Dienst, der freie Gastdozenturen aus den jeweiligen Fachkollegigen vorrangig den PD anbietet oder aber auch Regelungen, die das wissenschaftliche Publizieren von Freien erleichtern resp. ermöglichen.

    Weiterlesen: https.privdoz.de

    Elisabeth Meyer-Renschhausen, Die neue Bildungskatastrophe – Zur Lage der
    Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen, in: Blätter für deutsche und
    internationale Politik Heft 11/2012, S. 111-120 (im Internet als:
    http://privdoz.de/c/se?p=pd/meyer1211)

    Paul Kellermann, Manfred Boni, Elisabeth Meyer-Renschhausen, Hrsg., Zur
    Kritik europäischer Hochschulpolitik – Forschung und Lehre unter Kuratel
    betriebswirtschaftlicher Denkmuster, Wiesbaden: VS-Verlag 2009

    Sommercamp der Gemeinschaftsgärten

    Die Interkulturellen Gemeinschaftsgärten trafen sich zu ihrem alljährlichen Vernetzungstreffen resp. Sommercamp diesmal im Garten Neuland in Köln. Am ersten September-Wochenende führte bei schönstem Wetter interessante Spaziergänge, Radtouren oder auch solche mit der Straßenbahn zu den verschiedenen Gartenprojekten der Millionenstadt am Rhein. Die Stadt Köln unterstützt die Gärten im Rahmen der Idee „essbare Stadt“ und die Kölner Gemeinschafts-Gärten waren maßgeblich daran beteiligt, den Kölner Ernährungsrat mitzugründen.
    mehr siehe hier http://www.neuland-koeln.de/ und hier: https://anstiftung.de/