Allmenden und Genossenschaften

Zum Donnerstag, den 26.4. 12.00-13.30 vor dem Reichstag.

Wir gratulieren der Raiffeisen-Genossenschaft zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens. Diese Agrargenossenschaften ermöglichten den Bauern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Überleben. Aber die Genossenschaften wurden im Wendeprozeß ihrer Gemeinützigkeit beraubt und sind heute – extrem gefährdet – von der UNESCO daher zum Weltkulturerbe erhoben. Denn nur Neu-Gründungen von Landbaugenossenschaften ermöglichen im 21. Jahrhundert etwa Hunderten von Kleinbäuerinnen Indiens Überleben und Erfolg. Die Allmenden können wir dabei als Vorform oder eine ältere Form von Genossenschaften oder Gemeinwirtschaft betrachten. Sie hielten sich teilweise bis heute, wie wir dank Elinor Ostrom wissen.

Die Raiffeisen-Genossenschaft möchte zu ihrem Jubiläum Anlaß dem allseits beliebten Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld 20 Hochstamm-Obstbäume schenken. Denn schließlich ist dieser Garten als neue
Allmende so etwas wie das Herz und Symbol des Tempelhofer Felds als neuer „Gemeinheit“ geworden, also einer neuen „commons“ wie es auf Englisch heißt. Vermehrte Neueinrichtungen von commons – das werden wir für die Zukunft überall brauchen. Eßbare Stadtlandschaften verwaltet in Bürgerhand bzw. konkret neuen Allmende-Genossenschaften – die werden wir gerade auch in den Städten benötigen, allein schon deshalb, um die vom Land Vertriebenen vor der für die meisten unerträglichen Bürde der Erwerbslosigkeit bewahren zu können. Um ihnen einen Raum für Eigenarbeit als tätiger Selbsthilfe geben zu können.

Die geschenkten Obst-Bäume wird das Allmende-Kontor allerdings gleich an das Tempelhofer Feld als solches resp. das Land Berlin weiter verschenken, schon mangels Platz im eigenen Garten, zumal Gemüseanbau und Obstbäume sich nur bedingt vertragen. Das Feldforum des Tempelhofer Feldes wird mit Unterstützung der „Feld-Koordination“ entscheiden, wo sie stehen sollen.

Den Namen „Allmende“-Kontor verdanken wir übrigens Ivan Illich, dem Kritiker der Expertokratie, der das schöne Buch „Das Recht auf Gemeinheit“ schrieb, sowie Karl Linn, einem Community-Gärtner in Berkeley. Karl Linns Buch heißt „Building Commons and Communities“, denn das hat er ein Leben lang getan. Karl Linns Mutter war eine erfolgreiche „Zurück-Aufs-Land“-Pionierin der ersten Stunde, 1913 baute sie allein mit Hilfe der Rentengut-Genossenschaft „Freie Scholle“ eine erfolgreiche Obstbaum-Plantage auf, die später vielen jüdischen Mädchen eine Art frühen Kibbuz mit Landbau-Ausbildungs-Möglichkeit bot. Solange die Kirschbäume noch nicht trugen, ernährte sie sich von einer Subsistenz-Landwirtschaft mit Hühnern, Kühen und Schweinen und allem drum und dran. 1933 aber wollte der Nazi-Bürgermeister ihr Land, der üble Bodenraub der Nazis… Gegen das Landgrabbing weltweit hilft nur das „Reclaim the Commons“! Henny Rosenthals Sohn, Karl Linn, trug diese Idee dann durch die halbe Welt und unterstützte dabei auch die Besetzer vom Ziegenhof in Charlottenburg. Als einer, der häufiger die Länder und Städte wechselte, wußte er wovon er sprach: Das „Wiederverwurzeln in der Fremde“, das geht am allerbesten in der Gemeinschaft einer Allmend-Genossenschaft, in einem Gemeinschaftsgarten auf einem Tempelhofer Feld als Gemeinheit, die allen gehört und daher auch auch den „Neuen“ offen steht…

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Vom Paradies, Allmenden und Kühen

Der kleine Küstenort Agonda in Goa ist ein Paradies. Die Fischer und Bauern leben in offenen Palmenhainen. Die Touristen ergötzen sich an den am Strand frei laufenden Kühen. Rindviecher in allen Farben wie auf den Gemälden der Renaissance. Fast alle lieben die Kühe. Aus den edlen Ressorts werden sie jedoch verjagt, wenn sie sich zum Wiederkäuen hingelegt haben. Am abendlichen Strand jedoch müssen manche Mütter länger nach ihren Töchterchen schreien. Da die eben mit einem der Kälbchen schäkern. Das Kalb versteckt sich scheu neugierig hinter der Alten. Erst als das Kind eingesammelt worden ist, macht das kleine Kalb übermütige Bocksprünge, offenbar vor lauter Begeisterung so viel Bewunderung hervorgerufen zu haben. Es versucht einen Altersgenossen mitzureißen, mit Erfolg. Die lustigen Sprünge der Kälber sind ansteckend. Viele der den Strand entlang wandelenden Touristinnen zücken ihre Handys, um an dieser Lebensfreude teilzuhaben.

Zum Sonnenuntergang veranstalten die Kellner mancher Strandressorts fast eine Art Schaufüttern. Einer setzt sich mit den Brotresten in die Herde und ernährt die Kälber. Das Gros der Herde steht um einige Plastikboxen mit den gesammelten Küchenresten. Harte Papaya- und Ananasschalen sind darunter, an denen die Kühe geduldig kauen. Die Abendsonnen-Wanderer bleiben beeindruckt stehen. Später erklärt mir der jüngste Kellner des „Jardim a Mar“, dass sie die Kühe eigentlich nicht füttern dürften, wegen der Hygiene. Wenn sie dabei erwischt werden, müssten sie zahlen. Deshalb warten sie bis zum Abend, weil dann keine Beamte mehr unterwegs wären. Der junge Mann mit der falsch herum aufgesetzten Baseballkappe stammt aus Nepal. Sie wären hier fast alle aus dem Himalaya. Sie wäre Hindus und gäben deshalb den Kühen die Küchen-Abfälle etwa aus der Obstsaft-Herstellung. Die Kühe hätten jetzt Ende der Trockenheit kaum noch etwa zu fressen. Wer die Kühe während des Monsuns füttere, wenn die Touristen weg und die Restaurant zu sind, wisse er auch nicht. Er glaubt, dass die Kühe herrenlos wären.

Nach der Fütterung beginnt das Sozialleben unter den Rindviechern. Jetzt geht das Gerangel unter den verwunderlich vielen Stieren in der Herde los. Die Stirnen aneinandergelegt schieben sie sich über den Strand. Manchmal geraten zwei Bullen auch ernsthafter aneinander. Ihr Kampf wird heißer, sie bewegen sich dabei auf den Wanderstreifen der Feriengäste zu. Da kommt die weibliche Müllbrigade in orange und grün mit Müllsäcken und Reisigbesen bewaffnet. Die zierlichste von ihnen mit Wetter-gegerbtem Gesicht unter dem mit einem Schal festgebundenen Hut winkt mich heftig weg. Dann bewirft sie die Bullen energisch mit einigen Handvoll Sand. Die Tiere lassen sofort voneinander ab. Die zierliche Dame ist stolz und von Stund´ an grüßen wir uns wie alte Bekannte. Andere Jungbullen sind ohnehin friedfertig und beginnen – nachdem sie eine Weile gerangelt hatten – sich gegenseitig abzuschlecken und zu kraulen. Währenddessen die Kühe ihre Kälber anstubsen, nun doch bitte aufzustehen und brav zu saufen. Die freilaufenden Kühe sind jung, halbe Färsen, keine wird gemolken. Zumindest noch nicht.

Am nächsten Tag sehe ich im Dorf zwei blitzblanke Milchkannen. Dahinter wäscht ein Bauer sein Milchgeschirr. Ja erklärt er mir froh, er sei Milchbauer und melke morgens und abends. Davon könne er ganz gut leben. Jeden morgen um neun käme der Milchwagen und hole die Milch seiner fünf Kühe. Da kommt ein weißes Pritschenauto und er hilft beim Aufladen der schweren Stahlkannen und erhält zwei leere zurück. Die indische Regierung ist bemüht genügend Molkereiprodukte für alle anbieten zu können. Die staatliche Molkerei Almu wirbt für ihre Milch und Butter. Tee mit Milch, eine Art Kefir namens Lassie und Süßigkeiten aus Milch gehören in Indien zu Leben dazu. Später sehe ich in anderen Teilen Indiens an viel befahrenen Landstraßen angebunden gehaltene Einzelkühe mit strammen Eutern. Kühe und Büffel als Zug- und Pflugtiere und Milch- sowie Düngerproduzenten sind aus der Indiens Landwirtschaft nicht wegzudenken und bringen der Bauern einen wichtigen Teil ihrer Einkommen.

Ein allzu intensives Interesse an der Herde am Strand zwecks eventueller Fotos wird von den Rindern auch schon mal falsch verstanden. Einmal bemerke ich gerade noch rechtzeitig wie ein Viermonats-Kalb hinter mir seinen noch hörnerlosen Schädel mit schlangenartigen Bewegungen angriffslustig zu drehen und zu wenden beginnt. So als wolle es mir sogleich den wohlverdienten Schubs geben. Als ich mich umdrehe und es auf den Irrtum hinweise, merkt es, dass es sich im Spielkameraden geirrt hat. Es trollt sich von dannen… Es sind wohl besonders diese freilaufenden Tiere, die im christlichen Goa unbekannteren Strände Indiens etwas Paradiesisches verleihen. Aber wie lange noch? Noch sind die meisten Palmen- und Cashewnußhaine rings um die Häuser uneingezäunt. Noch können Affen, Schweinchen und Kühe sowie auch manches Pferd oder auch alte Büffel sich freilaufend durch die Nutzbaumhaine bewegen.

Aber auch in Indien wird sogar in entlegenen Orten Land privatisiert. Immer mehr Land gehört immer weniger Großgrundbesitzern. Der Mittelstand baut sich auch auf dem Land größere Häuser und zieht Zäune ums Grundstück. Die Dorfallmende mit dem öffentlichen Badestrand sei erst kürzlich von einem Investor aufgekauft und mit neuen Holzhütten zu einem Ressort verwandelt worden, erzählt mir eine Dame aus Wien, eine der vielen Dauergäste. Es handelt sich um jenen Palmenhain, den die Kühe gerne für ihre mittägliche Verdauungsrunde benutzen. Mit den freilaufenden Kühen jedoch, wird mir klar, verlöre der ansonsten eher langweilige Badeort zweifelsohne das Paradiesische.

In anderen Teilen Indiens wurden die Flußauen der derzeitigen Bauwut bereits illegal geopfert, erzählt mir die Ökoaktivistin Vandana Shiva empört. Damit verschwänden die wesentlichen Weidegründe der Rinder und der Wasserbüffel. Nun fristen Kühe und Büffel mit ihren prall gefüllten Eutern ein trauriges Dasein in Anbindehaltung an den Straßenbäumen oder in den Höfen. Es sei denn, ihre Besitzer treiben sie wie früher in den Staatsforst, was heute aber nicht mehr statthaft ist. Opfert Indien seine Allmenden? Geht auch hier das Landgrabbing auf Kosten von Viehhaltern und das mittelständige Tourismus-Gewerbe, obschon Landwirtschaft und Kleingewerbe die allermeisten Inder ernähren?

Die neue Landflucht

Jeder siebte ist unterwegs. Auf der Flucht vor Krieg oder Dürren, die ihre Landwirtschaft zerstörten. Oder weil Überschwemmungen Ernten und Höfe weggespülten. Wir erleben derzeit noch nie da gewesene Massenfluchten. Im Durchschnitt setzen sich jährlich 26,4 Millionen nur in Folge des Klimawandels in Bewegung. Extremwetter und Umweltschäden vertreiben sie aus ihrer Heimat und damit oft in jahrelanges Elend. Die Eskimos, Inuit, die von Kanada bis Sibirien durch das Abschmelzen der Gletscher zum Abwandern gezwungen werden, sind in den Städten meistens erwerbslos. Zum Verlust der Heimat kommen für die meisten Flüchtlinge im Aufnahmegebiet Diskriminierungs-Erfahrungen hinzu: die Fukushima-Evakuierten etwa wurden von den anderen Japanern wie Aussätzige gemieden. Immigration großer Gruppen kann für die meistens selbst armen Gastgesellschaften zu großen Belastungen führen…

Das Leugnen des Klimawandels kann Kriege auslösen. Subsahara-Afrika ist vom Austrocknen der Sahelzone bedroht. Die Hirtenvölker kommen verstärkt und immer länger in die Regionen der Bauern. Was dann etwa in Ghana und in vielen anderen Teilen Afrikas zu einer Übernutzung der Böden führt. Gewaltsame Konflikte sind die Folge. Die Dafur-Region des Sudans erlebte Jahrzehnte andauernde Stammes-Streitereien um Land und Wasser. Es kommt so zudem zu der paradoxalen Entwicklung, dass  Klimawandel und Klimakonflikte die traditionellen Wanderbewegungen der Hirten in Afrika und Innerasien zunehmend in Frage stellen. Immerhin haben einige Westafrikanische Staaten nun ein Abkommen, dass ihren Pastoralisten erlaubt, dem Regen hinterher zu ziehen und dabei auch ungehindert die Grenzen überschreiten zu dürfen.

In Syrien trieb eine mehrjährige extreme Dürre zahllose Bauern in die Städte, wo sie sich arbeitslos an den Protesten gegen das Regime beteiligten. Die rasante Urbanisierung führt zu immer größeren Slums mit wachsenden Hygieneproblemen und als deren Folge Seuchen. Nur wenige Länder wie Bangladesh, Guinea-Bissau und Mali haben ihre Landwirtschafts- und Fischereimethoden verändert, um die problematische Urbanisierung zu verlangsamen. In Afrika hat man mit der Kampala-Konvention (2009/12) einen rechtlichen Rahmen zum Schutz von Binnenflüchtlingen, die durch Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen wurden, geschaffen.

Migration hat natürlich oft auch gute Seiten. Die Mittel, die Wanderarbeiter aus der Ferne schicken, helfen den Daheimgeblieben beim Überleben, u.U. sogar dabei, Böden wiederaufzubauen. Der Atlas der Umweltmigration stellt die Migration infolge des Klimawandels an wichtigen Beispielen übersichtlich dar. Was fehlt ist ein Register. Dieser neue Umweltatlas des weltweiten Wanderns gehört in jede Schul- und Unibibliothek.

Atlas der Umweltmigration von Dina Ionesco, Daria Mokhnacheva, Francois Gemenne, Oekom Verlag München 2017, 170 Seiten, 22,70 € (Orig.: London 2017 )

Gemeinsam Ackern in Allmenden

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Ein sonnendurchfluteter Jugendstilhörsaal mit knarrenden Bänken: Farida Akhter aus Bangladesh singt die Lieder der Kleinbäuerinnen von Nayakrishi Andolon. Edie Stone erzählt vom Verteidigungskampf der Community Gardeners in New York City und Brigitte Vogl-Lukasser aus Wien über die Hausgärten als Wohnzimmer der Mayas. Bauer Christian Hiß berichtet in kaum verständlichem Alemannisch von seinem Gemüsegarten am Kaiserstuhl und Krankenpfleger Wolfgang Eisenberg von seinem Nebenerwerbshof im Wendland. Im Hintergrund erzählen die Fotos von den Internationalen Gärten in Göttingen…

Als im Jahr 2000 in Berlin an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät die Konferenz „Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land als weibliche Ökonomie“ stattfand,sollte mit dem Terminus „weibliche Ökonomie“ auf die Zuständigkeit von Frauen für Überlebens- und Krisenwirtschaften hingewiesen werden. Damals ahnte niemand, dass das Thema nur ein Dutzend Jahre später unten dem Label Urban Gardening zu einem Medienhype werden würde. Keine von uns hätte damals gedacht, dass Berlin fünfzehn Jahre später – wohl nur für einen kurzen Moment der Geschichte – zu einer Art europäischer Hauptstadt der Gemeinschaftsgärten avancieren würde.

Zur Jahreswende 2003/2004 wurde als Ergebnis einer Tagung in Berlin-Köpenick die Stiftung Interkultur mit dem Ziel geschaffen, die Gründung „Interkultureller Gärten“ voran zu treiben. Zugleich entstand nach dem Vorbild der 1996 in Göttingen gegründeten ersten „Internationalen Gärten“ ein interkultureller Garten in Berlin-Köpenick. Die deutschen Medien berichteten seit 2009 zunehmend über interkulturelles Gärtnern und städtischen Gemüseanbau. Artikel wie „Kräuter gegen die Krise“ oder „Gurken statt Kapitalismus“ passten zur Tatsache, dass in den USA die Gattin des eben gewählten neuen Präsidenten, Michelle Obama, nach Aufforderung von Slow Food und amerikanischen Community Gardeners in ihrem Hausgarten am Weißen Haus in Washington einen Gemüsegarten einrichtete, in dem sie zusammen mit den Schulkindern der benachbarten Bancroft-Grundschule gärtnert. Als im gleichen Jahr mitten in Berlin-Kreuzberg die Prinzessinnengärten gegründet wurden, war die Zeit jedenfalls reif für ein solches Projekt. Plötzlich interessierten sich alle für das neue Gärtnern in Kisten. Die Prinzessinnengärten wurden über Nacht zum Medienstar… Bals verzeichnete eine Berliner „Gartenkarte“ nahezu hundert neuere Gemeinschaftsgärten bzw. Projekte der urbanen Landwirtschaft im engeren Sinne.

Auch das im April 2011 auf dem Tempelhofer Feld entstandene „Allmende-Kontor“ ist zusammen mit den anderen Gemeinschaftsgärten dort zum absoluten Medienstar geworden, es wird wieder und wieder abgebildet, meistens, ohne das Ross und Reiter  genannt würden. Im Buch „Urban Gardening in Berlin“ (BeBra verlag Berlin 2016) sind die meisten dieser grünen Erzeugnisse von Berliner Bürgerengagement. sozusagen mit vollem Namen sowie Kontakt- resp. Lage-Adresse geannt. Das Allmende-Kontor ließ das verregnete Garten-Jahr mit einem gemeinsamen Kompostworkshop, einem tapferen Smoothiemachen per Rad und einem feierlichen Zeltdachabbauen zu edlem Fruchtpunsch ausklingen…

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Vom Hüten von Herden und der Erde

Commons oder Allmenden sind „Gemeinheiten,“ gemeinsames Land, auf dem etwa Dorfgesellschaften ihre Tiere hüteten. Bis ins 20.Jahrhundert hinein beschäftigten die Bauern dafür gemeinsam einen Hirten. In anderen Teilen der Erde ist das Hirtenwesen eine Lebensform, die die Menschen ernährt. Eine Herde zu hüten ist im modernen Sinne sozusagen eine Arbeit, auch wenn die Hirten das wohl kaum so sehen würden. Ähnlich wie Haus- und Subsistenzarbeiten Tätigkeitsformen sind, die von der Nationalökonomie ignoriert werden. Jedoch sind Allmenden und Allmende-typische Arbeiten in der Geschichte verschwunden und auch wieder neu entstanden, wenn die Umstände es erzwangen. Heute ist die Lage der Hirten in Afrika allerdings dramatisch. Es ist die Frage, ob wir uns diese Bedrängnis der Pastoralisten im Zeitalter des Klimawandels eigentlich leisten können.

Ein gewisses Wiederauftauchen der Gemein- und Hirtenwirtschaft gab es etwa nach der großen Pest 1348 im Languedoc. Weil hier die Bevölkerung halb ausgestorben war, kehrten die Bauern zu vermehrter Tierhaltung zurück. Oder: nachdem zwischen 1650 und 1800 in England das meiste ehemalige Gemeindeland eingehegt war, entstanden in den Alpen ab 1810 das Hütewesen auf hoch gelegenen Gemeindeländern, den Almen, neu. Senner hüteten die Tiere über die Sommermonate im Auftrag der Allmend-Genossen. Und nachdem in Mittel- und Zentral-Europa nach dem I und II. Weltkrieg infolge von vermehrten Grenzkontrollen die Wanderschäferei fast ausgestorben war, zogen ab der 1980er Jahre junge Arbeitslose aus der Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland (u.a. von Longo Mai) mit Schafherden über kommunale Ländereien, sogar Ländergrenzen und Alpenpässe… Allerdings wurden mit Gründung der WTO zum 1.1.1995 das Privatisieren und das Spekulieren mit Grund und Boden weltweit in einem Maße ermöglicht, wie man es bisher nur aus der Zeit des brutalen Manchester-Kapitalismus vor dem I. Weltkrieges gekannt hatte. Dennoch gelang es einer Berliner Bürgerinitiative im Mai 2014 mittels eines Volksentscheides das Opfern eines ehemaligen innerstädtischen Flughafens, des Tempelhofer Feldes, an die Bauindustrie zu verhindern…

Heute sind weltweit die meisten Allmenden und Gemeindeländereien gefährdet. Das viel zu viele Geld, das durch Steueroasen und Finanzblasen geschaffen wurde, wird erst durch Investition in „real estates“ sozusagen „real“. Das bedroht den Lebensunterhalt der kleinen Bauern und Hirten besonders Afrikas. Bis heute dienen dort Allmenden Bauern und Hirten als Acker- und Weideland. Individualbesitz von Grund- und Boden war  z.B. in Mali, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Äthiopien etc. bis vor kurzem fast unbekannt. Besonders Hirten geraten unter Not, wenn ihre Weidegründe infolge von Privatisierungen, Staudammbauten, Kriegen, Wild Life Sanctuaries oder Klimawandel verschwinden.

Am 4. August 2017 war in der New York Times zu lesen, dass Kenia am Fuße des Mount Kenia, die Bauern von Lakipia von der Hirtenbevölkerung bedroht und ausgeräubert würden. In Nadunguru treiben die Hirten ihre darbenden  Rinder auf die Äcker der Landwirte und Bauern, und sogar auf die Äcker armer Klein-Bauern. – Dabei weiß man es seit Jahren, dass die auch etwa die Wilderer sich – als Handlanger von Fremden – oft aus ehemaligen Hirten rekrutieren. Denn seit Jahrzehnten bereits sind die Pastoralisten im Norden Kenias Opfer von Kriegen und Klimawandel, der derzeit durch den El-Nino-Effekt verstärkt wird. Das führt zu Hungersnöten unter den Hirten wie etwa den Turkana vom Turkana-See, die Fischer werden müssen. Blumenfarmen und andere Export-Landwirtschaft graben im Süden Kenias auch den Massai  das Wasser ab. Ihre Weiden fallen trocken, weil das Wasser ihrer Flüße bereits am Oberlauf abgezweigt wird.

Bis heute leben etwa 80 % der Afrikaner von ihrer Landwirtschaft. Industriearbeit gibt es kaum und andere Erwerbsmöglichkeiten nicht in ausreichendem Maßstab. Die meisten bearbeiten Land, das traditionell denjenigen zugeordnet wird, die es bewirtschaften. Traditionell gehört es keinem Einzelnem, sondern einer Dorfgemeinschaft oder einem Clan. Es wird als Kollektivbesitz als Land der Vorväter und der Enkel betrachtet. In der Forschung wird dieses Gewohnheitsrecht allerdings wenig berücksichtigt. Von 200 Aufsätzen über Boden- und Landrecht in Afrika meinte ein Experte aus Mali, würden sich nur zwei mit dem Gewohnheitsrecht befassen.

Problematisch wird es, wenn Regierungen wie 2013 die von Äthiopien, das Land, das bisher als Volkseigentum galt, zu Staatsbesitz erklären, um anschließend große Teile davon für 99 Jahre verpachten zu können. Im Westen Äthiopiens verloren so ganze Dörfer, die bisher von einer Mischung aus Ackerbau, Viehhaltung sowie Sammlen lebten, ihren Lebensunterhalt. Die neu errichteten zentralen Ansiedlungen nützen nichts, weil die Menschen dort keinen Broterwerb finden. Die neuen Großgrundbesitzer arbeiten mit Maschinen und.zahlen einen Lohn, der weit unter dem zum Leben Notwendigen liegt. Diese neue Not führt in Äthiopien, Kenia, Burkina Faso, Mali zu vermehrten Zusammenstößen zwischen Vielhaltern und Bauern, die sich das übrig gebliebene rare Land teilen müssen. Da die Hirten seit Ende des Kalten Kriegs mit Kalaschnikows statt mit Speeren bewaffnet sind, führt das zu wachsender Gewalt und Vertreibungen.

Solange die Böden als Kollektiveigentum betrachtet wurden gab es friedliche Regelungen hinsichtlich der Bodennutzung. In Burkina Faso regelte in den Dörfern ein „Chef der Erde“ die Landverteilung, nach Tradition, Bedarf und Familiengröße. Flüchtlinge bekamen Land zur Selbstversorgung. Sobald die Bauern eines Dorfs ihre Felder abgeerntet hatten, wurden die Felder den Hirten zur Nachnutzung überlassen. Die Tiere fraßen Stoppeln, Strünke und düngten den Boden. Sobald jedoch im Umkreis der Städte die Privatisierungsprozesse einsetzten und Zäune gesetzt wurden, war das nicht mehr möglich. Mit der Einhegung der Allmenden verlieren die meisten Hirten ihre Existenzen. Sogar der gut gemeinte Natur- und Landschaftsschutz kann auf ihre Kosten gehen. In Nairobi weiden die rot gewandeten Massai ihre Herden auf den Mittelstreifen der  Ausfallstraßen. Ihre traditionellen Weidegebiete sind als Nairobi-Nationalpark für Elefanten, Büffel und Nashörner eingezäunt worden. Die Massai, die mit ihren Sprüngen, Speeren und Tieren vom Tourismus eine Art Wahrzeichen des Landes sind, werden um ihre Lebensgrundlage gebracht. Für die großen Grasländer der Erde ist jedoch die Weidewirtschaft durch Hirten die beste Form ihres Erhalts. Durch Beweidung bleibt die Grasnarbe dicht. Die darüber wanderenden Tiere trampeln zudem die Bodendecke zusammen, so daß Stürme kaum Angriffsmöglichkeiten haben..

In Westafrika beweiden Fulani die Trockenzonen des Sahel- und Sudangürtels.Die Rinder gehören den Männern, aber die Milch gehört den Frauen. Der Milch-Verkauf bringt den Familien Geld-Einkünfte. Aber die Europäische Union verwandelt im Rahmen ihrer aggressiven Agrarpolitik überschüssige Milch in Milchpulver. Und subventioniert den Export des Pulvers. Daher kostet das Milchpulver in Burkina Faso weniger als die Hälfte der einheimischen Milch. Das Land hat heute 18 Millionen Einwohner. Die Jugendarbeitslosigkeit ist groß. Auch Universitätsabgänger finden vielfach keine Anstellung. Die meisten Städter arbeiten im informellen Sektor und verdienen kaum genug zum Leben. Die Lebensmittelunruhen von 2007/8 richteten sich gegen die Auswirkungen der sogenannten Sparpolitik. Die Lebensmittelpreise waren infolge der Weltfinanzkrise auf das Doppelte gestiegen.

Der Gründer der „Fairen Milch“ von Belgien, Erwin Schöpges, bemüht sich daher um die Einführung der Idee „Faire Milch“ auch in Burkina Faso. Bei der Eröffnungsfeier in einer Molkerei am Rande der Sahelzone, warnte der Vorsitzende des Verbandes der Kleinmolkereien vor den Auswirkungen der Zerstörung der einheimischen Landwirtschaft durch Weltmarkt-Firmen. Die Hinwendung zum Terrorismus, unter dem die Menschen besonders in den Nachbarländern Nigeria und Mali leiden, erfasst  besonders junge Viehalter ohne Lebensgrundlage. Hirten betrachten ihre Viehhaltung nicht als Arbeit. Aber wenn man ihnen die Möglichkeit dazu nimmt, bringt man sie um ihren Lebensunterhalt. Mit Ihrer Lebensweise verlieren sie Bescheidenheit und Stolz und wenden sich den Boko Haram oder anderen Fundamentalisten zu. Die Tuareg der Sahara etwa verbündeten sich mit dem islamischen Terror und merkten zu spät, mit wem sie sich da verbündet hatten.

Landraub und Vertreibung von Bauern und Hirten von ihren Feldern ist eine Haupt-Ursache für den nicht abbrechenden Flüchtlingsstrom nach Europa. Der Vorgang des Landgrabbing findet auch im Norden statt. Die in den Parks Schlafenden oder die osteuropäischen Musikanten sind Flüchtlinge der äußerst brutal ablaufenden Privatisierungsprozesse im Osten Europas. Aber es entstehen auch neue Formen einer gemeinsamen Landwirtschaft. Winzige, aber überzeugende Beispiels sind etwa die „Bauerngärten“ in den Landschaftsschutzgebieten von Berlin. Oder das „Speisegut“ in Gatow als erste solidarische Landwirtschaft Berlins. In beiden Modellen tragen alle Konsumenten das Risiko gemeinsam mit den Landwirten. Wenn die Ernte schlecht wird, gibt es halt für alle etwas weniger Gemüse… Oder nehmen wir das Stadtgut Blankenfelde ebenfalls in Berlin. Hier sind die Gebäude des ehemaligen Guts mittels unzähliger freiwilliger Arbeitseinsätzen an Samstagnachmittagen gerettet worden. Das Gelände steht Spaziergängern offen, im Gemeinschaftsgarten dürfen auch Nachbarn mitbuddeln und es gibt Versammlungsräume für Konzerte, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen aller Art. Gemeinsam schuf eine Gruppe eine für alle benutzbare Allmende. Und inmitten Berlins wurde das Tempelhofer Feld im Mai 2014 für den Klima-, Natur- und Landschaftsschutz gerettet – mitsamt ihren offenen Allmende-Gärten. Fehlen sozusagen nur noch die Schafe, die zu einer traditionellen Bewirtschaftung von Allmenden dazu gehören, als Landschafts- und Klimaschützer…Besonders eine maßvolle Wanderweide-Wirtschaft schützt Grasländer vor Verwüstung.

Allmende-Kontors Gemeinschaftsbeete

GetreideKringelZuStaudenbeetEMRGärtnerinHildegardHEMR Im Gemein-schaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld gibt es wie in anderen Interkulturellen Gärten etwa 250 individuelle Beete, die von Kleingruppen oder auch von Einzelnen gepflegt werden. Manche Beete sind winzig, andere hingegen sind nahezu schon ganze Haziendas. Denn einige Gärtner haben über die Jahre die Beete der Nachbarn, die andauernd verreist sind, mit in Pflege genommen. Andere wohnen sehr nah und finden auf ihren Wegen immer wieder verstoßene oder sonstwie heimatlose Pflanzen… Und so buchten sich ihre Beete in alle Richtungen aus. Wachsen wie ein Feigenkaktus, mal hier mal da in die schmalen Wege hinein, die so nicht überall mehr die geforderte Schubkarrenbreite aufweisen. — Gemeinschaftsbeete gibt es aber auch. Zum Beispiel sind die meisten Randbeete mit ihren bienenfreundlichen Schlehen, Sanddorn- oder anderen Beerenbüschen oder Apfelbäumchen Gemeinschaftsbeete. Auch der sogenannte Getreidekringel – ein Beet, das im ersten Allmende-Jahr von befreundeten Projekten als Kornkreis angelegt wurde. Nachdem die Krähen heraus hatten, dass hier für sie gesät worden war, war es aus mit den hochwogenden Roggenhalmen. So versuchen einige wackere Allmende-Gärtnerinnen seit Jahren ein Staudenbeet daraus zu machen, um ein lauschiges Plätzchen zu schaffen, in dem sich Gärtnerinnen und Besucher auch mal mit ihrem Buch verstecken können oder pfiffige Überlebens-Künstlerinnen etwa wieder Massagestunden anbieten können. Nachdem im Winter die Rosen- und Holunderbabies aus diesem Common mal wieder lange Beine bekommen hatten und ein Teil der Wildaussaat von einem tapferen Mitgärtner mit Erde zugedeckt worden war, versuchten es einige Nimmermüde kürzlich wieder das runde Hügelbeet zu festigen, zu besäen und als Kräuter- und Staudenbeet zu bepflanzen. Während unter dem Zeltdach die Jugend der Welt fröhlich musizierte, kamen zum ersten Arbeitseinsatz fünf. Das Durchschnittsalter war 77. Kein Kunstück – dank Gärtnerin Hildegard, die mit 87 immer noch mitackert. Dieses Wochenende gibt es ein kleines Porträt von der vielleicht „dienstältesten“ Gärtnerin des in der taz – der tageszeitung.

Hildegard im Allmende-Kontor

SpontanMusikImAllmendeGartenEMRInternationalerJugendaustauschImAllmendeEMR

Gerda Münnich (1939 – 2017)

GerdaMünnichbeiderAGKleinstlandwirtschaft2007EMRDie Berliner Gartenaktivistin Gerda Münnich starb am 12. April 2017 im 78. Lebensjahr. Geboren wurde sie am 4. Oktober 1939 im Spreewald. Im Bild sieht man sie auf einer Sitzung der AG Kleinstlandwirtschaft im ersten Interkulturellen Garten auf dem noch wilden Gleisdreieck 2006 ganz rechts. Sie gehörte zu den bekanntesten Gemeinschaftsgarten-Gründerinnen Berlins. Gerade bereitete sie mit großem Einsatz ihre berühmte Garten-Bustour zum nächsten „Langen Tag der Stadtnatur“ vor, wo es diesmal ganz besonders um das Tempelhofer Feld mit der Kleingartenkolonien Tempelhofer sowie Neuköllner Berg sowie gefährdete Gärten und Bürgergrüns in Neukölln und Marzahn gehen sollte. Im letzten Jahr beriet Gerda Münnich als Vertreterin der Berliner Gartenszene das „Klimagärten“-Projekt an der Humboldt-Universität, wo sie zugleich im Projekt-Beirat war. Für das „Allmende-Kontor“ hat sie unendlich viele Schüler-Gruppen und Studierende empfangen und ihnen den Garten und sein Anliegen erklärt.

Ein Nachruf erschien am 21.4. in der taz – die tageszeitung: Gerda Münnich taz

weitere siehe http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/report/brri0065.html

und hier: http://www.tempelhoferfeld.info/

Die Gärten von Marrakesch

majorellegartencemr marokosgaertenklcemr kleinbauerngemueseindermedinacemrMarokko ist ein fast märchenhaftes Gartenland. Da, wo es am Westabhang Bergketten regnet, oder wo man aus den Bergen Bewässerungskanäle abführen kann, dort gibt es Gärten. Gemüsegärten, Bauerngärten, Olivenhaine, berberzeltinandrehellercemrWeingärten, Stadtparks, überall gibt es Gärten, zu den großen Städten gehören überall blühende oder Früchte tragende Stadtbäume, Parks und Hausgärten. Die klassische Hausform, das „Riad“, was eigentlich Garten heißt, ist ein schön bepflanzter Innenhof mit Brunnen in der Mitte. Es handelt sich um  jene grünen Innenhof-Gärten, die Araber und Berber Marokkos von den Ägyptern, Persern und Griechen der Antike übernommen haben. Die Hotels von und bei Marrakesch sind grüne Oasen, das berühmte La Mamounia Hotel beschäfftigt über 60 Gärtner, jede reiche Villa ist umgeben von einem großen, üppigem Garten. Allerdings sind die öffentlichen Gärten derzeit gefährdet. Mancher große Stadtpark wie jener von Meknes wurden auch schon mal komplett in eine Golfanlage verwandelt und so dem Volk entzogen. Und der Klimagipfel von Marrakesch fand in einem traurig vertrockneten Olivenhain statt – gleich neben dem berühmten Menara-Garten. Einst war die Stadt Marrakesch stolz darauf, bereits seit dem 12. Jahrhundert von einem ausgeklügelten System von Bewässerungskanälen zu leben, die außer Menschen und Tieren auch die berühmten Palmenhaine der Stadt mit Wasser versorgten. Aus den nahe gelegenen Atlasbergen, an deren dem Atlantik zugewandten Hängen es stets ausreichnend regnet, kam immer genug frisches Wasser. Die Palmenhaine versorgten die Stadtbewohner mit guter Luft, ein wenig Kühlung im Schatten und Auslauf im Grünen. Die Ackerbürger und Hirten unter ihnen versorgten sie mit Arbeitsplätzen bzw. Beschäftigungs-und Selbstversorgungsmöglichkeiten. Aber der Bauboom der letzten Jahre ließ viele der Palmenhaine vertrocknen. Zum Welt-Klimagipfel in Marrakesch im November 2016 wurden im Innenstadt-nahen-Bereich einige der kleineren Stadtparks rings um die Medina wieder neu instandgesetzt und sie sind – auch wenn sie nachts geschlossen werden – für alle, auch die vielen jugendlichen Erwerblosen, zugänglich. Viele Straßenränder wurden liebevoll bepflanzt. Aber die weitere Umgebung der Stadt leidet unter Wassermangel und vertrockneten Gärten und Palmen. Die heute schönsten Gärten von Marrakesch wie der Jardin Majorelle oder der Garten „Anima“ von Andre Heller sind privat geführt und nur nach Bezahlung eines Eintrittsgeldes zugänglich. Und so sind sie für die meisten Marrokkaner und Marokkanerinnen mit Stundenlöhnen, die nur knapp über einem Euro liegen, bei um die 200 Euro im Monat, nicht zugänglich.

Nyeleni-Kongress für Selbstversorgung

Ende Oktober trafen sich in Cluj, Rumänen, in den Zelten der „Expo Transilvania“ 2000 überwiegend junge Ernährungsaktivisten und Bäuerinnen aus ganz Europa. Hauptanliegen war, für das Recht auf eine eigenständige Ernährung einzutreten. Schließlich würde 70 Prozent der Menschheit immer noch mittels kleinbäuerlicher Landwirtschaft ernährt. Lebensmittel nachhaltig vor Ort anzubauen und auf lokalen Märkten zu verkaufen, erhält nicht nur ländliche Arbeitsplätze und überhaupt weltweit überall benötigte Erwerbsgelegenheiten, sondern auch die Artenvielfalt, Biodiversität und die Umwelt. Und zwar in Osteuropa oder Südeuropa oder Afrika so gut wie in Asien, es gab neben der Chefin von La via Campesino Afrika, Elizabeth aus Zimbabwe, auch einige Delegierte aus Birma, Sibirien oder Kirgisien. Beeindruckend war sich an den Länder-Ständen zu informieren, wie etwa der Kampf für den Erhalt der Umwelt und der bäuerlichen Landwirtschaft etwa in Griechenland oder der Türkei von vielen verschiedenen Organisationen getragen wird. In Ungarn haben Ernährungsaktivisten die ersten Gemeinschaftsgärten gegründet, in Polen boomt derzeit die Solidarische Landwirtschaft (CSA, community supported agriculture). Der Kongress wurde ausschließlich von regionalen Produkten ernährt, die von einem schweizerisch-österreichisch-rumänischem Kochkollektiv täglich frisch zubereitet wurden. Das Interessanteste waren natürlich die Besuche lokaler Umweltinitiativen und Bauern oder Bäuerinnen am Exkursionstag.

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Nyéléni calls to action!

Wandelwoche im Allmende-Kontor

wandelwocheauftaktWandelwoche im Allmende-Kontor: Ein wunderschönes Wandelwochen-Auftakt-Fest, mit Debatte zu Frage der Wiederkehr der Allmenden, ein Permakultur-Workshop mit Swantje vom Gleisbeet und Caterina, Martina und noch einer vom Allmende-Kontor resp. der Kompostgruppe. Zum Schluß bepflanzten die Workshopteilnehmerinnen das in Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet zwischen die gut angekommenen Erdbeeren vom letzten Jahr Kohlstauden-Setzlinge, die der Biohof „herb´s“ aus Dötlingen (im Oldenburger Land) gespendet hatte.

Während des tief in den Abend währenden Auftaktfests waren besonders die Gäste aus München und Stuttgart  entzückt von Blumen- und Gemüsefülle zu Wildwuchs und fantasievoller Anlage des Gartens.

Auch Filippos Polatsidis von „den Gärtnern“, einem Solidaritätsgarten von Arbeitslosen für Arbeitslose in Thessaloniki in wandelwocheimallmendekontorGriechenland war beeindruckt vom Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor, dem neuen Windrad und der Fahrrad-Reparaturinitiative auf dem Tempelhofer Feld… Auch eine öffentliche Debatte einiger Parlamentarierinnen, organisiert vom in Berlin neu gegründeten „Ernährungsrat“, mehr unter www.ernaehrungsratschlag.de, war Teil der Wandelwoche. Die Wandelwoche läuft noch eine ganze Woche in Berlin und Brandenburg mehr hier: bbb.wandelwoche.org

wandelwochebeackertlennebeetPS.: Und auch im Bundesumweltministerium ist der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor angekommen: auf der neuesten Postkarte zum 30-jährigen Bestehen des BUMB wirbt man mit einer Ansicht des Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld… Zum „Geburtstags-Fest“ im TU-Campus am Gasometer in Berlin-Schöneberg war das „Urban Gardening“ – wie man so sagt – „prominent“ vertreten und auch nicht nur in Form von Postkarten und Pflanzenbegrünten Palettenbänken, sondern auch im Rahmen eines Workshops zum „Urban Gardening im Quartier“.

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