Kleinlandwirtschaft als Sozialpolitik

In immer mehr Städten der Welt werden kommunale Landwirtschaftsprogramme aufgelegt. Um die lokale Bevölkerung vor Hunger zu bewahren oder ihr die Möglichkeit zu geben, sich aus eigener Hände Arbeit selbst ernähren zu können. Durch den Verkauf der Überschüsse auf den lokalen Gemüsemärkten tragen die Stadtbauern zur Versorgung der Bewohnerschaft des entsprechenden Quartiers mit frischem Gemüse bei. Positive Beispiele sind Rosario in Argentinien, Quito in Ecuador, Nairobi in Kenia und viele andere mehr, wie eine „Urban Farming Konferenz“  in Berlin im September zu Tage  brachte.

Tatsächlich ist die Förderung von Kleinlandwirtschaft als sozialpolitischer Maßnahme in Zeiten von Dauerkrisen mit geringem Lohnniveau oder hoher Erwerbslosigleit nichts Neues in der Geschichte. Vielmehr hat es die staatliche Förderung von „individueller Hauswirtschaft“ überall im sozialistischen Osteuropa gegeben. Das war u.a. in der ehemaligen DDR der Fall, als die „private Hauswirtschaft“ die LPG-GenossInnen motivierte, auf dem Land und im Dorf zu  bleiben. Heute wählen ländlich geprägte Regionen reihenweise Protestparteien, weil ihnen eine sinnvolle Tätigkeit abhanden gekommen ist. Angesichts dessen, dass die Regionen zudem infolge der Abwanderung der Jugend mit den Menschen die Lebensqualität verlieren, wäre es wohl angebracht, über Landwirtschaftspolitik als Sozialpolitik erneut nachzudenken. Im Deutschlandarchiv, Heft 4, Jahrgang 2005, 607-612 habe ich einen Überblick zur Politik der Kleinlandwirtschaft vor 1989 verfasst.

Meyer-Renschhausen, Elisabeth (2005) Kleinstlandwirtschaft in der Regionalpolitik

Urban Gardening strebt aufs Land

AnnaLindeEinsEMR VorhandeneProjekteKennenLernenEMR MöglicheFlächenErkundenGniesterSchweizEMR PottenBeiDerBahnhofsGenossenschaftBadDübenEMRMittels verschiedener Workshops im Rahmen des Naturparks Dübener Heide e.V. prüfen derzeit Gartenbegeisterte aus Stadt und Land, ob das Phänomen des derzeit allseitig bestaunten „Urban Gardenings“, also der gemeinschaftlichen Gärtnerei auch auf dem Land eine Chance hat. Insofern es beim Urban Gardening um kollektive Weiterbildung geht in Richtung eines Klima-neutralem und giftfreiem Essens sollte dem eigentlich nichts entgegen stehen. Und die Rückbesinnung auf regionale Eigenarten und traditionelles Wissen und „local food“ hat ebenfalls die meisten bereits überzeugt. So begann man nach einem theoretischen Auftaktworkshops mit einer Exkursion zum bekannten Gemeinschaftsgarten AnnaLinde in Leipzig. Zudem besuchte das Team die im Land bereits vorhandenen Projekte ähnlicher Ausrichtung wie z.B. Mischkultur e.V. in Gniest. Auf der Suche nach geeigneten Flächen streift man so durchs Land und lernt wunderbar verwunschene Orte kennen, geeignet für spannende Experimente aller Art. Zwischenzeitlich mussten die dem Vorhaben bereits zugewachsenen Pflänzchen umgetopft werden. Hoffentlich müssen sie das nicht allzu oft. Aber bevor die Setzlinge an ihren endgültigen Bestimmungsort kommen können, möchten die Projekt-Beiräte erst alle Möglichkeiten nach geeigneten Garten-Orten sorgfältig gesichtet haben. Dazu sucht man auch und besonders nach experimentierfreudigen „Pfadfindern“ und Gemüsefreaks aller Art, Umweltschützern, Naturfreunden und Gartenfreunden, die vielleicht Interesse und Zeit hätten, für kürzer oder länger eine Weile dabei zu helfen und mitzumachen. Bei Interesse bitte melden: torsten.reinsch@naturpark.duebener-heide.de

weiterlesen hier:UrbanGardeningInBadDüben.pdf

und hier: Paula Passin

Die Stadtbauern von Da Nang

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Da Nang ist eine junge Großstadt in Mittel-Vietnam. Überall sind Baustellen, umzingelt von Heerscharen von Mopeds, mit denen die Bauarbeiter zur Arbeit kommen. Auf Fahrrädern sieht man fast nur noch Kinder und Seniorinnen. Der Stadtteil am offenen Meer mit dem Strand „Chinabeach“ wird gezielt für den Massentourismus ausgebaut. Breite Straßen mit wohlgepflegten grünen Mittelstreifen führen zur Küste, in denen Gärtnerinnen und Gärtner unter ihren großen Kegel-Strohhüten permanent im Einsatz sind. Bauern, die hier bis vor kurzem noch ihre Äcker hatten, mußten hingegen aufhören und die Flächen hergeben. Sie wohnen nun Reihenhaus-Manier in meistens zweistöckigen neuen Betonhäusern nach vietnamesischem Stil. Unten ein großer offener Raum, der als Werkstatt, Laden, Café oder auch als Wohnzimmer genutzt wird. Oben die Schlafzimmer. Da die Grundstücke maximal genutzt werden sollen, spielt sich in den schmalen Wohnstraßen das Familienleben auf den zu Terrassen umfunktionierten Bürgersteigen ab. Überall sind die Gehwege mit Schattenbäumen bepflanzt oder sogar komplett von Pflanzgefäßen oder sogar Hühnerställen okkupiert. Während die einen noch auf ihren Feldern arbeiten, wie sie das als Kleinbauern immer gemacht haben, bauen die anderen auf Brachen oder Bürgersteigen Gemüse an, weil sie demjenigen in den Supermärkten nicht mehr trauen mögen. Zu oft gab es in den letzten Jahren Skandale mit giftigen Rückständen im Supermarktgemüse. Da die Stadt ein massives Abfall-Entsorgungs-Problem hat, liegen viele der säuberlich angelegten Äcker zwischen unschönen Müllbergen. Abends versuchen zumal manche Bewohnerinnen ihren Plastik-Müll zu verbrennen und erzeugen so mir schier unerträgliche Giftwolken. Die Jugend jedoch interessiert sich für ein „weg vom Gift“ hin zu einer gesunder Ernährung. Die älteren Bäuerinnen hingegen freuen sich über mein Interesse und bieten mir ihre Salat-Pflänzchen zum Verkauf an. In den beiden Markthallen von Da Nang wird das Gemüse direkt verkauft oder von geschickten Garköchinnen teilweise auch gleich verkocht. Sie sind umringt von ihren speisenden und schwatzenden Kunden. Denn die exzellente vietnamesische Küche ist bestimmt durch stets frische Gemüse und Salate zur Nudelsuppe oder dem Reis. — Die derzeitige Verkehrspolitik jedoch nimmt auf die Belange der Gemüse- und Reis-Bauern keine Rücksicht. Sie zerschneidet vielmehr die Dörfer und mit ihnen auch die dörfliche Ökonomie samt gegenseitiger Hilfe per ebenerdig hindurch führenden Autobahnen. Das gestattet auch dem gutmütigen Wasserbüffel, einer Art Haus- und Symboltier des ruralen Vietnams, kein selbständiges Überqueren der Straße mehr. Das bisher selbständige Aufspüren neuer Weideflächen am Wegesrand – das ist vorbei…       P1040002 P1040456 P1040056

Landwirtschaft zwecks Ernährung?

KleinbäuerinnenMitEinkommenFotoEMRDieHauptstadtgärtnerAufDerGrünenWocheEMRBodenLebenLassenFotoEMR„W130TreckerInBerlinFotoEMRir haben es satt“ 130 Trecker in Berlin, 20.000 Demonstranten bereits zum siebten Mal: Macht endlich Schluß mit der zerstörerischen Landwirtschaftspolitik, die die Umwelt und ja eigentlich noch nicht einmal nur die Böden, sondern die ganze Erde zerstört! Auf der Grünen Woche in der Halle des Ministeriums für Wirtschaft und Entwicklung ein ganz anders Bild: Die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft als Einkommensquelle und Prävention gegen Migration Richtung Europa wird endlich, nun, da es fast zu spät ist,  anerkannt. Der Entwicklungsminister zeigt sich mit Kleinbäuerinnen und Köchen aus Kenia, Äthiopien oder Burkina Faso. Die kirchlichen Entwicklungshilfe-Organisatonen „Brot für die Welt“ und „Misereor“ treten erstmals auf der Grünen Woche auf. Beide treten für eine Umwelt- und Menschenverträgliche Ernährungsform ein, die den ökologischen Fußabdruck unseres täglichen Brots auf den Level reduziert, der in Afrika (noch) Gang und Gebe ist und die einzige Variante, unsere Erde nicht zu zerstören. Die Autorin gibt zu, dass sie überrascht war, im Maßspiel von „Brot für die Welt“ als sozusagen „low budget“ Verbraucherin eingestuft zu werden, AufKleinemÖkologFussAbdruckLeben3kldie sich im Prinzip mit kaum einem viel größeren ökologischen Fußabdruck ernährt, als die meisten.Menschen des globalen Südens. Kaum Fleisch oder Fisch, kein Fertigfutter, sondern saisonal, regional, fairtrade und bio – das geht in Berlin mit seinen vielen Wochenmärkten, Biobauern und Bioläden leicht.

Urban Gardening, städtische Agrarkultur oder Landwirtschaft war das Thema am Stand nebenan bei der Entwicklungshilfsorganisation Misereor. In den Megastädten des globalen Südens mit ihrer notorischen Arbeitslosigkeit für die meisten der Bewohnerinnen ist der systematische Gemüseanbau „ohne Gift und Geld“ für die Selbstversorgung eine Überlebenshilfe und Notwendigkeit. Noch besser ist es, wenn die Garten-Grundtücke groß genug ist, so daß auch für den Straßen-Verkauf oder den lokalen Gemüsemarkt produziert werden kann: in Belo Horiconte in Brasilien helfen die Gärtnerinnen sich gegenseitig im Rahmen einer Kooperative. Diese Form der „urban agriculture“ bringt so den Einen ein kleines Einkommen und den Anderen auch in Armenvierteln bezahlbares frisches Grün mit dem Aroma des natürlich Gewachsenen und frisch Geernteten auf den Tisch.

Das wunderbare „Green Me Global Festival For Sustainability“ litt leider offenbar an der Terminhäufung: Bisher immer sehr gut besucht, fanden sich in diesem Jahr, GreenMeFestivalFotoEMRklda die meisten Berliner Öko-Aktiven wohl noch auf der Grünen Woche am Sich-vernetzen-waren, unangemessen wenige Besucher ein. Das ist schade, denn auch wenn der Eröffnungsfilm „Bevor the Flood“ von Fischer Stevens, obschon sehr informativ,  etwas traurig und dröge war, waren andere Filme, wie besonders derjenige aus und über Nigeria „Nowhere to run: Nigeria´s Climate and Environmental Crisis“ von Dan McCan, ausgesprochen erhellend und sehenswert. Boko Haram ist eben auch ein Ergebnis des vom globalen Norden verursachten Klimawandels und der rücksichtslosen Agrarpolitik des IWF, der USA oder der Europäischen Union mit den Folgen wie einem ausgetrockneten Taschadsee und einer riesigen Erwerbslosigkeit und also oft auch Aussichtslosigkeit in Stadt und Land, zumal für Jugendliche. Erschreckend wirkte auf die Autorin besonders ein Dokumentarfilm übers Fracking: „Groundswell Rising – Protecting our Childrens Air & Water“ von Renard Cohen. Er zeigt die Bürgerproteste gegen die rücksichtslose Zerstörungen von Trinkwasserquellen und ganzen Landschaften durch das Fracking in den USA, das brutalst Bergtäler oder Dörfer vernichtet, das Grundwasser und so auch Kleinkinder vergiftet. Immerhin konnten die Bürgerproteste im Einzugsgebiet des Delaware River weitere Frackingbohrungen verhindern.

Die Gärten von Marrakesch

majorellegartencemr marokosgaertenklcemr kleinbauerngemueseindermedinacemrMarokko ist ein fast märchenhaftes Gartenland. Da, wo es am Westabhang Bergketten regnet, oder wo man aus den Bergen Bewässerungskanäle abführen kann, dort gibt es Gärten. Gemüsegärten, Bauerngärten, Olivenhaine, berberzeltinandrehellercemrWeingärten, Stadtparks, überall gibt es Gärten, zu den großen Städten gehören überall blühende oder Früchte tragende Stadtbäume, Parks und Hausgärten. Die klassische Hausform, das „Riad“, was eigentlich Garten heißt, ist ein schön bepflanzter Innenhof mit Brunnen in der Mitte. Es handelt sich um  jene grünen Innenhof-Gärten, die Araber und Berber Marokkos von den Ägyptern, Persern und Griechen der Antike übernommen haben. Die Hotels von und bei Marrakesch sind grüne Oasen, das berühmte La Mamounia Hotel beschäfftigt über 60 Gärtner, jede reiche Villa ist umgeben von einem großen, üppigem Garten. Allerdings sind die öffentlichen Gärten derzeit gefährdet. Mancher große Stadtpark wie jener von Meknes wurden auch schon mal komplett in eine Golfanlage verwandelt und so dem Volk entzogen. Und der Klimagipfel von Marrakesch fand in einem traurig vertrockneten Olivenhain statt – gleich neben dem berühmten Menara-Garten. Einst war die Stadt Marrakesch stolz darauf, bereits seit dem 12. Jahrhundert von einem ausgeklügelten System von Bewässerungskanälen zu leben, die außer Menschen und Tieren auch die berühmten Palmenhaine der Stadt mit Wasser versorgten. Aus den nahe gelegenen Atlasbergen, an deren dem Atlantik zugewandten Hängen es stets ausreichnend regnet, kam immer genug frisches Wasser. Die Palmenhaine versorgten die Stadtbewohner mit guter Luft, ein wenig Kühlung im Schatten und Auslauf im Grünen. Die Ackerbürger und Hirten unter ihnen versorgten sie mit Arbeitsplätzen bzw. Beschäftigungs-und Selbstversorgungsmöglichkeiten. Aber der Bauboom der letzten Jahre ließ viele der Palmenhaine vertrocknen. Zum Welt-Klimagipfel in Marrakesch im November 2016 wurden im Innenstadt-nahen-Bereich einige der kleineren Stadtparks rings um die Medina wieder neu instandgesetzt und sie sind – auch wenn sie nachts geschlossen werden – für alle, auch die vielen jugendlichen Erwerblosen, zugänglich. Viele Straßenränder wurden liebevoll bepflanzt. Aber die weitere Umgebung der Stadt leidet unter Wassermangel und vertrockneten Gärten und Palmen. Die heute schönsten Gärten von Marrakesch wie der Jardin Majorelle oder der Garten „Anima“ von Andre Heller sind privat geführt und nur nach Bezahlung eines Eintrittsgeldes zugänglich. Und so sind sie für die meisten Marrokkaner und Marokkanerinnen mit Stundenlöhnen, die nur knapp über einem Euro liegen, bei um die 200 Euro im Monat, nicht zugänglich.

Nyeleni-Kongress für Selbstversorgung

Ende Oktober trafen sich in Cluj, Rumänen, in den Zelten der „Expo Transilvania“ 2000 überwiegend junge Ernährungsaktivisten und Bäuerinnen aus ganz Europa. Hauptanliegen war, für das Recht auf eine eigenständige Ernährung einzutreten. Schließlich würde 70 Prozent der Menschheit immer noch mittels kleinbäuerlicher Landwirtschaft ernährt. Lebensmittel nachhaltig vor Ort anzubauen und auf lokalen Märkten zu verkaufen, erhält nicht nur ländliche Arbeitsplätze und überhaupt weltweit überall benötigte Erwerbsgelegenheiten, sondern auch die Artenvielfalt, Biodiversität und die Umwelt. Und zwar in Osteuropa oder Südeuropa oder Afrika so gut wie in Asien, es gab neben der Chefin von La via Campesino Afrika, Elizabeth aus Zimbabwe, auch einige Delegierte aus Birma, Sibirien oder Kirgisien. Beeindruckend war sich an den Länder-Ständen zu informieren, wie etwa der Kampf für den Erhalt der Umwelt und der bäuerlichen Landwirtschaft etwa in Griechenland oder der Türkei von vielen verschiedenen Organisationen getragen wird. In Ungarn haben Ernährungsaktivisten die ersten Gemeinschaftsgärten gegründet, in Polen boomt derzeit die Solidarische Landwirtschaft (CSA, community supported agriculture). Der Kongress wurde ausschließlich von regionalen Produkten ernährt, die von einem schweizerisch-österreichisch-rumänischem Kochkollektiv täglich frisch zubereitet wurden. Das Interessanteste waren natürlich die Besuche lokaler Umweltinitiativen und Bauern oder Bäuerinnen am Exkursionstag.

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Nyéléni calls to action!

Mutter Erde geht in die Stadt

imvalentinoparkemr   albanientanztemr Der 9. Terra Madre Kongress von Slow Food verließ die dunklen Fiat-Hallen und ging in die Stadt. An allen Ecken Turins wuchs der Kohl. Auf dem Marktplatz wurde beispielhaft gekocht. Im Innenhof der Universität gab es eine Ausstellung zu der unglaublichen Diversität von Honig und dessen Sammelformen. Im wunderschönen Valentino-Park entlang des Flusses Po standen saatgutundmusikausborneoemrklHunderte von Ständen und präsentierten traditionelles Saatgut, alte meterhohe Roggensorten oder das Bier aus handwerklichem Betrieb. Die 7000 Delegierten aus 141 Ländern der Erde präsentierten ihr Engagement für klimatisch und landschaftlich angepasste Rindersorten, ihre auch zu Heilzwecken guten Kräutertees und diskutierten in zahllosen Workshops kohlinmittenturinsemrklauch bedrückende Probleme, wie das fortgesetzte Landgrabbing auf Kosten von Kleinbäuerinnen weltweit. Oder sie freuten sich über so ermutigende Projekte wie „10.000 Gärten für Afrika“, das rein aus Afrikanischer Initiative vor etwa fünf Jahren in Ruanda entstanden, jetzt schon über 2400 Gemeinschaftsgärten umfasst, in den vorbildlich und ökologisch Gemüse angebaut und kompostiert wird.  Viele der Delegierten hatten ihre traditionellen Gewänder mitgebracht und manche dazu auch ihre Musikinstrumente. So wurde spontan immer wieder mal getanzt, beispielsweise  bei den Albaniern oder bei den Musikanten aus Borneo.

Im Carignano-Theater, in dem ehedem Italien einmal gegründet worden war, fanden die großen Konferenzen statt. Alice Waters aus konferenzimtheateremrKalifornien, die Vizepräsidentin von Slow Food, bekannt dafür, dass sie die Menschen in ihrem Restaurant aus dem eigenen Garten versorgte, präsentierte stolz ihre Initiative für Schulgärten in der Westküstenregion der USA. Slow-Food-Gründer Carlos Petrini war begeistert von den Massai in Tansania, denen es gelungen ist, einen Angriff auf ihre traditionellen Landnutzungsrechte abzuwehren.

Insgesamt kann man den Slow Food Terra Madre Kongress 22. bis 29. September als eine gelungene Kooperation zwischen der Kommune Turin, der Region Piemont und einer überaus erfolgreichen „NGO“ betrachten, auf die Turiner nach anfänglichem Desinteresse heute stolz sind. Der bunte Umzug, die „Slow Food Parade“, hat mit den dieschoenstenaufderparadedietaiwaneremrbeeindruckenden Wildpilze-Sammlern mit ihren Kiepen (übrigens aus New England), den wunderschön bunt gewandeten Südost-Asiaten oder den lustigen Delegierten-Gruppen aus Afrika alle vergnügt gestimmt. Auf der Abschlußkundgebung beschenkten die Beteiligten sich gegenseitig, Alemitu neben mir bekam japanische Salzfischchen geschenkt, ich geräuchertes Salz aus Südafrika. „Vote with your Fork“ und unterstütze so die weltweit ackernden 500 Millionen Familienbetriebe, die die uns vielfältig ernähren, trotz der Übermacht der wenigen, den Weltmark dominierenden Giganten. Beeindruckende Foto-Ausstellungen, Kurz-Workshops von lokalen Wasserspar-Initiativen, Künstler-Events und Installationen in der ganzen Innenstadt zogen Tausende an…

Wandelwoche im Allmende-Kontor

wandelwocheauftaktWandelwoche im Allmende-Kontor: Ein wunderschönes Wandelwochen-Auftakt-Fest, mit Debatte zu Frage der Wiederkehr der Allmenden, ein Permakultur-Workshop mit Swantje vom Gleisbeet und Caterina, Martina und noch einer vom Allmende-Kontor resp. der Kompostgruppe. Zum Schluß bepflanzten die Workshopteilnehmerinnen das in Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet zwischen die gut angekommenen Erdbeeren vom letzten Jahr Kohlstauden-Setzlinge, die der Biohof „herb´s“ aus Dötlingen (im Oldenburger Land) gespendet hatte.

Während des tief in den Abend währenden Auftaktfests waren besonders die Gäste aus München und Stuttgart  entzückt von Blumen- und Gemüsefülle zu Wildwuchs und fantasievoller Anlage des Gartens.

Auch Filippos Polatsidis von „den Gärtnern“, einem Solidaritätsgarten von Arbeitslosen für Arbeitslose in Thessaloniki in wandelwocheimallmendekontorGriechenland war beeindruckt vom Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor, dem neuen Windrad und der Fahrrad-Reparaturinitiative auf dem Tempelhofer Feld… Auch eine öffentliche Debatte einiger Parlamentarierinnen, organisiert vom in Berlin neu gegründeten „Ernährungsrat“, mehr unter www.ernaehrungsratschlag.de, war Teil der Wandelwoche. Die Wandelwoche läuft noch eine ganze Woche in Berlin und Brandenburg mehr hier: bbb.wandelwoche.org

wandelwochebeackertlennebeetPS.: Und auch im Bundesumweltministerium ist der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor angekommen: auf der neuesten Postkarte zum 30-jährigen Bestehen des BUMB wirbt man mit einer Ansicht des Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld… Zum „Geburtstags-Fest“ im TU-Campus am Gasometer in Berlin-Schöneberg war das „Urban Gardening“ – wie man so sagt – „prominent“ vertreten und auch nicht nur in Form von Postkarten und Pflanzenbegrünten Palettenbänken, sondern auch im Rahmen eines Workshops zum „Urban Gardening im Quartier“.

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Antinationaler Wurmhumus in der POG

künstlerinnenwurmhumus POGBücherMarmelade P1000823 DerSchönsteGartenDerPOGKartoffeln-Ernten an der Müritz, Tiere aus altem Eisen in einem Garten in Dangast am Jadebusen, Wildschöne Gemeinschafts-Gärten wie „O gpflanzt is“ im grünen München, ein freundlich gut besuchter Interkultureller Garten Rosenduft im Park auf dem Gleisdreieck Ost und schließlich der Wurmhumus des Ostasiatischen Gemeinschaftsgarten in der POG im Park auf dem Gleisrdreieck West – republikweit wird in Stadt und Land voller Leidenschaft gegärtnert und erfreut die Menschen mit erstaunlichen Ernten. Die Autorin kommt mit dem Beschreiben beeindruckender Gartenprojekte und ihrer Aktivitäten und Feste schier nicht hinterher.

Am Sonntag nun das Radio-1-Fest auf dem Gleisdreieck. Die wildeste Kleingartenanlage der Stadt, die POG, machte mit. POG heißt übrigens „Potsdamer Güterbahnhof Eisenbahn-Landwirtschaft“. Die Kolonie liegt am Bülowbogen in Berlin unter der hier hochlegten U-Bahn Nr.2.  Sie entstand ab 1945 in Westberlin zwischen zertrümmerten Bahnhöfen, nachdem die Sowjets die Schienen abmontiert hatten.Das Bahngelände gehörte wie die ganze Reichsbahn jedoch zu Ostberlin und so entwickelte sich unter der U-2 ein ganz besonderer Wildwuchs, da kein Bezirksamt je prüfen konnte, ob dort wohl das Kleingartengesetz auch brav eingehalten würde. Seitdem diese letzte Gartenkolonie Kreuzbergs vor eingen Jahren in den Park auf dem Gleisdreieck eingegliedert wurde, sind die hohen Bäume, die in Kleingärten nicht erwünscht sind, hier eigentlich sogar gerne geduldet. Denn ein Park ohne Schattenbäume, was wäre das in einer oft so aufgehitzten Großstadt wie Berlin? Unter solchen hohen Bäumen pflegen Okyun und ihre Freundinnen einen kleinen – nur 110 qm umfassenden – Gemeinschafts-Garten: einer der schönsten überhaupt. Hier blüht und gedeiht es hier in einem fort und fast alles ist eßbar. Die besondere Spezialität von Okyoung ist der Wurmhumus, den sie mit ihren Mitgärtnerinnen auf dem oben genannten Park-Fest dem staunenden Publikum vorführt. Im Stand nebenan bietet Laure eigene Kirschmarmelade an und Christophe präsentiert Berlin-Garten-Bücher der AG Kleinstlandwirtschaft. Und viele weitere Stände mit Stauden, Erdforscherprogrammen und Thüringer Würsten und anderem zeigen die erstaunliche Vielfalt, die heutige Kleingartenkolonien aufweisen können. Der Höhepunkt des Fests der POG-Aktiven vor dem Café Eule am 28.8. aber war sicherlich der Auftritt der Band „Antinational Embassy“, einer Gruppe junger Leute Hiesiger und Geflüchteter, die sich im letzten Jahr in Kreuzberg in der der Schule in der Ohlauer Straße kennen gelernt haben. Sie gründeten dort zusammen eine Hipp-Hopp-Band, mit der sie nun durch die Lande ziehen. – Der nimmermüde Volkmar von der AG Gleisdreieck bzw. der POG hatte die Verstärkeranlage besorgt und auf dem neuen Dorfplatz in der Gartenanlage aufgestellt. Und so begeisterten die Klänge der jungen Leute aus drei Kontinenten Alt und Jung, sogar die ganz kleinen Kinder tanzten mit… Erstaunlich und bewundernswert was ehrenamtliches Engagement so zustande bringen kann… mehr und weitere links hier: gleisdreieck-blog.de

Ein Gartentag im Allmende-Kontor

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Eine frische Briese fegt über das Tempelhofer Feld und macht die Hitze sehr viel erträglicher als anderswo in der Stadt. Aber auch hier ist es heiß und die Kinder haben offenbar mit dem Wasser gespielt, nachdem welche von der „Südstadt“ unseres Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor alle Schläuche aneinander geschraubt hatten, so dass auch die südlichen Randbeete per Schlauch begießbar sind. Ich übernehme und gieße mit Hilfe eines begeisterten kleinen Kindes namens Edu die Gemeinschaftsbeete wie den ehemaligen Getreidekringel. Als das Kind keine Lust mehr hat, hilft mir die alte Hildegard die restlichen Gemeinschaftsbeete wie das Peter-Lenne-Beet und die Obst-Bäume zu gießen. Hildegard, 86, ist neuerdings über Khatol, der sie beim Bewirtschaften ihres Beets hilft, in unserem Garten aktiv. Was mich freut: sie kommt vom Lande, von einer LPG und kennt sich aus. Danach fülle ich die blauen Tonnen auf, die natürlich wieder leer sind. Und schließlich rolle ich mit Hilfe von Hildegard alle die vielen Schläuche wieder ein und verschließe das Feuerwehrbesteck in seinem Kasten. Die jungen Männer, die auf der Bankgarnitur vor dem Bienenbeet sitzen, helfen mir bereitwillig den Schlauch über die Beete zu hieven, sie freuen sich eigentlich sogar, mir kurz helfen zu können. Anschließend werden wir von der türkischen Frauengruppe eingeladen, die sich im Schatten der Weide im amerikanischen „Kibbuz“ niedergelassen haben, mit ihnen zu picknicken. Ich genieße die wunderbar schlichte türkische Rohkostkultur. Wir sitzen da sehr schön und friedlich, aber nicht alle Frauen können deutsch. Es kommt kein gemeinsames Gespräch auf. Ich erkläre meiner Nachbarin, einer jungen Mutter, die öfter hier ist, welche Beete sie zu gießen helfen könnte. Erst den Samstag darauf, als wir uns wieder treffen, beginnt Sina zu erzählen, wer von ihnen kurdisch sei. Sie wünscht sich, dass wir wieder mehr Feste machen.

Zurück zum Sommertag im Juli: später pflanze ich meine Biokräuter, gieße mit Humofix angereichertem Wasser und mulche mit meinem mitgebrachten Rasenschnitt. Obwohl sie heute sehr trocken sind, sehen unsere drei Beete ganz gut aus: Topinambur, Bohnen und Kürbisse wachsen in ihren jeweiligen Kisten tapfer vor sich hin. Die rot blühenden Feuerbohnen bringen im Verein mit den orangenen Calendula Farbtupfer hinein. Die vielen Brennnesseln rings um die Beete verhindern allerdings erfolgreich, dass ich weder Petunie noch vorgekeimte Kartoffeln im Topinambur-Container verbuddeln kann… Als ich nach Sonnenuntergang davon radele, sitzen an den verschieden Tischen oder auch auf dem Rasen zwischen den Allmende-Kontors-Beeten um die acht große Picknickgruppen, die sich englisch, italienisch, türkisch, kurdisch oder deutsch unterhalten. Im uneingezäunten Park auf dem Gleisdreieck, den ich später durchquere, der inmitten der Stadt keine Schließzeiten kennt, sitzen im Dunklen bestimmt 15 Jugendgruppen…