Landwirtschaft zwecks Ernährung?

KleinbäuerinnenMitEinkommenFotoEMRDieHauptstadtgärtnerAufDerGrünenWocheEMRBodenLebenLassenFotoEMR„W130TreckerInBerlinFotoEMRir haben es satt“ 130 Trecker in Berlin, 20.000 Demonstranten bereits zum siebten Mal: Macht endlich Schluß mit der zerstörerischen Landwirtschaftspolitik, die die Umwelt und ja eigentlich noch nicht einmal nur die Böden, sondern die ganze Erde zerstört! Auf der Grünen Woche in der Halle des Ministeriums für Wirtschaft und Entwicklung ein ganz anders Bild: Die Bedeutung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft als Einkommensquelle und Prävention gegen Migration Richtung Europa wird endlich, nun, da es fast zu spät ist,  anerkannt. Der Entwicklungsminister zeigt sich mit Kleinbäuerinnen und Köchen aus Kenia, Äthiopien oder Burkina Faso. Die kirchlichen Entwicklungshilfe-Organisatonen „Brot für die Welt“ und „Misereor“ treten erstmals auf der Grünen Woche auf. Beide treten für eine Umwelt- und Menschenverträgliche Ernährungsform ein, die den ökologischen Fußabdruck unseres täglichen Brots auf den Level reduziert, der in Afrika (noch) Gang und Gebe ist und die einzige Variante, unsere Erde nicht zu zerstören. Die Autorin gibt zu, dass sie überrascht war, im Maßspiel von „Brot für die Welt“ als sozusagen „low budget“ Verbraucherin eingestuft zu werden, AufKleinemÖkologFussAbdruckLeben3kldie sich im Prinzip mit kaum einem viel größeren ökologischen Fußabdruck ernährt, als die meisten.Menschen des globalen Südens. Kaum Fleisch oder Fisch, kein Fertigfutter, sondern saisonal, regional, fairtrade und bio – das geht in Berlin mit seinen vielen Wochenmärkten, Biobauern und Bioläden leicht.

Urban Gardening, städtische Agrarkultur oder Landwirtschaft war das Thema am Stand nebenan bei der Entwicklungshilfsorganisation Misereor. In den Megastädten des globalen Südens mit ihrer notorischen Arbeitslosigkeit für die meisten der Bewohnerinnen ist der systematische Gemüseanbau „ohne Gift und Geld“ für die Selbstversorgung eine Überlebenshilfe und Notwendigkeit. Noch besser ist es, wenn die Garten-Grundtücke groß genug ist, so daß auch für den Straßen-Verkauf oder den lokalen Gemüsemarkt produziert werden kann: in Belo Horiconte in Brasilien helfen die Gärtnerinnen sich gegenseitig im Rahmen einer Kooperative. Diese Form der „urban agriculture“ bringt so den Einen ein kleines Einkommen und den Anderen auch in Armenvierteln bezahlbares frisches Grün mit dem Aroma des natürlich Gewachsenen und frisch Geernteten auf den Tisch.

Das wunderbare „Green Me Global Festival For Sustainability“ litt leider offenbar an der Terminhäufung: Bisher immer sehr gut besucht, fanden sich in diesem Jahr, GreenMeFestivalFotoEMRklda die meisten Berliner Öko-Aktiven wohl noch auf der Grünen Woche am Sich-vernetzen-waren, unangemessen wenige Besucher ein. Das ist schade, denn auch wenn der Eröffnungsfilm „Bevor the Flood“ von Fischer Stevens, obschon sehr informativ,  etwas traurig und dröge war, waren andere Filme, wie besonders derjenige aus und über Nigeria „Nowhere to run: Nigeria´s Climate and Environmental Crisis“ von Dan McCan, ausgesprochen erhellend und sehenswert. Boko Haram ist eben auch ein Ergebnis des vom globalen Norden verursachten Klimawandels und der rücksichtslosen Agrarpolitik des IWF, der USA oder der Europäischen Union mit den Folgen wie einem ausgetrockneten Taschadsee und einer riesigen Erwerbslosigkeit und also oft auch Aussichtslosigkeit in Stadt und Land, zumal für Jugendliche. Erschreckend wirkte auf die Autorin besonders ein Dokumentarfilm übers Fracking: „Groundswell Rising – Protecting our Childrens Air & Water“ von Renard Cohen. Er zeigt die Bürgerproteste gegen die rücksichtslose Zerstörungen von Trinkwasserquellen und ganzen Landschaften durch das Fracking in den USA, das brutalst Bergtäler oder Dörfer vernichtet, das Grundwasser und so auch Kleinkinder vergiftet. Immerhin konnten die Bürgerproteste im Einzugsgebiet des Delaware River weitere Frackingbohrungen verhindern.

Ernährungsrevolution in der Kirche

Stadt – Land – Food: Zum Erntedankfest 2016 zurück zum Essen der kurzen Wege, mit ökologisch vertrebarem „Fußabdruck“, Qualität statt Quantität. In Berlin fand Anfang essenskongressinderkircheOktober erneut rings um die gerettete Markthalle Neun ein Festival des Guten Essens als auch ethisch vertretbarem Sich-Verköstigen statt. Eine große Vielfalt von handwerklichen Nahrungsmittel-Verarbeitern präsentierten bei schönstem Sonnenwetter ihre Käse-Sorten, Brote, lokalen Biere, Öko-Blumen, Vielfalt an Apfelsorten, Würsten etc. Die Berliner würdigten das Angebot und schlenderten in unendlichen Massen durch den alternativen  Lebensmittelmarkt unter freiem Himmel. Nebenbei konnte man in den anliegenden Cafés sich etwa erläutern lassen, was richtigen türkischen Kaffee ausmacht. Immer wieder ist erstaunlich, dass eben dort, wo die Statistiken die handwerkliche Lebensmittelerstellung für nicht mehr rentabel hält, junge und auch weniger junge Leute bereits den nächsten Betrieb aufgemacht haben.Die Motive sind eine Melange aus ästhetischen, physiologischen, ökologischen und ethischen Ansprüchen. Zu deutsch: Man hat einfach keine Lust mehr, durch sein Ernährungsverhalten die Menschen vom Horn von Afrika oder Südamerika in den Hunger infolge Dürre durch Kilmawandel zu treiben. Daher beflügeln diese Ansprüche offenbar in so hohem Maße, dass niedrige Einkünfte oder längeren Hängepartien bei Betriebseröffnung in Kauf genommen werden. Man ist zufrieden im Gefühl, das gute Leben im falschen immerhin zu probieren und dabei von intessanten Gesinnungsgenossen umgeben zu sein. In zahlreichen Workshops, sogenannten Lebensmittelwerkstätten, konnte man in der Markthalle Neun viele Praktiker und Engagierte kennenlernen und mit Bauern und Politikern diskutieren.

berichtausburkinafasoemrParallel dazu fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz ein Kongress statt mit dem p1010542Titel „Wir haben es statt! – Landwirtschaft macht Essen“. Es wurde über Landgrabbng diskutiert und wie eine enseitig auf die industrielle Landwirschaft fixierte Landes Politik Brandenburgs die Böden des Berliner Umlandes zerstört. Es wurde erkärt, wie die wahnsinnige Überproduktion von Milch in Europa, den Milchviehhaltern in Afrika die lokalen Absatzmärkte untergräbt. Zum Schluß traf sich eine Runde junger Aktivistinnen und Aktivisten für das Ziel der „Ernährungsouveränität“, wozu sie sich in einer Organisation namens Nyeleni zusammen geschlossen haben. Man wird gemeinsam zum europaweiten Nyeleni-Kongress nach Cluj in Rumänien, ehedem Klausenburg, fahren, wo sich 800 Ernährungsaktivisten aus ganz Europa treffen werden. Es geht darum zu kären, wie lokales und umweltverträges Essen künftig möglich sein wird, viele der jetztigen food-activits studieren Landwirtschaft oder Gartenbau oder sind schon Jungbäuerinnen oder Gärtner und meistetuerkischkaffeemachenemrns auf der Suche nach geeignetem, bewirtschaftbarem Land…

 

 

Blog „Auf nach Cluj!“: http://nyeleni.de/auf-nach-cluj/ernaehrungslehreniiemr
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Mutter Erde geht in die Stadt

imvalentinoparkemr   albanientanztemr Der 9. Terra Madre Kongress von Slow Food verließ die dunklen Fiat-Hallen und ging in die Stadt. An allen Ecken Turins wuchs der Kohl. Auf dem Marktplatz wurde beispielhaft gekocht. Im Innenhof der Universität gab es eine Ausstellung zu der unglaublichen Diversität von Honig und dessen Sammelformen. Im wunderschönen Valentino-Park entlang des Flusses Po standen saatgutundmusikausborneoemrklHunderte von Ständen und präsentierten traditionelles Saatgut, alte meterhohe Roggensorten oder das Bier aus handwerklichem Betrieb. Die 7000 Delegierten aus 141 Ländern der Erde präsentierten ihr Engagement für klimatisch und landschaftlich angepasste Rindersorten, ihre auch zu Heilzwecken guten Kräutertees und diskutierten in zahllosen Workshops kohlinmittenturinsemrklauch bedrückende Probleme, wie das fortgesetzte Landgrabbing auf Kosten von Kleinbäuerinnen weltweit. Oder sie freuten sich über so ermutigende Projekte wie „10.000 Gärten für Afrika“, das rein aus Afrikanischer Initiative vor etwa fünf Jahren in Ruanda entstanden, jetzt schon über 2400 Gemeinschaftsgärten umfasst, in den vorbildlich und ökologisch Gemüse angebaut und kompostiert wird.  Viele der Delegierten hatten ihre traditionellen Gewänder mitgebracht und manche dazu auch ihre Musikinstrumente. So wurde spontan immer wieder mal getanzt, beispielsweise  bei den Albaniern oder bei den Musikanten aus Borneo.

Im Carignano-Theater, in dem ehedem Italien einmal gegründet worden war, fanden die großen Konferenzen statt. Alice Waters aus konferenzimtheateremrKalifornien, die Vizepräsidentin von Slow Food, bekannt dafür, dass sie die Menschen in ihrem Restaurant aus dem eigenen Garten versorgte, präsentierte stolz ihre Initiative für Schulgärten in der Westküstenregion der USA. Slow-Food-Gründer Carlos Petrini war begeistert von den Massai in Tansania, denen es gelungen ist, einen Angriff auf ihre traditionellen Landnutzungsrechte abzuwehren.

Insgesamt kann man den Slow Food Terra Madre Kongress 22. bis 29. September als eine gelungene Kooperation zwischen der Kommune Turin, der Region Piemont und einer überaus erfolgreichen „NGO“ betrachten, auf die Turiner nach anfänglichem Desinteresse heute stolz sind. Der bunte Umzug, die „Slow Food Parade“, hat mit den dieschoenstenaufderparadedietaiwaneremrbeeindruckenden Wildpilze-Sammlern mit ihren Kiepen (übrigens aus New England), den wunderschön bunt gewandeten Südost-Asiaten oder den lustigen Delegierten-Gruppen aus Afrika alle vergnügt gestimmt. Auf der Abschlußkundgebung beschenkten die Beteiligten sich gegenseitig, Alemitu neben mir bekam japanische Salzfischchen geschenkt, ich geräuchertes Salz aus Südafrika. „Vote with your Fork“ und unterstütze so die weltweit ackernden 500 Millionen Familienbetriebe, die die uns vielfältig ernähren, trotz der Übermacht der wenigen, den Weltmark dominierenden Giganten. Beeindruckende Foto-Ausstellungen, Kurz-Workshops von lokalen Wasserspar-Initiativen, Künstler-Events und Installationen in der ganzen Innenstadt zogen Tausende an…

Vom Verschwinden der Kühe und dem Hunger im Süden

INPoUnterKaritebäumenEMRWie das wohl sein könne fragen mich die Bekannten, sie wären bis nach Portugal quer durch Europa mit dem Zug gefahren und überall, besonders aber in Frankreich, wären ehedem vielfältige Landschaften gähnender Leere und erdrückend langweiligen Flächen gewichen. Kaum sähe man noch Kühe auf der Weide, keine bunten Wiesensäume mehr, auch kleine oder wilde Tiere wären nicht mehr zu sehen. Sie sind schwer enttäuscht. Und sind nicht sehr glücklich auf meinen Hinweis auf die seit Max Webers Zeiten wider alle nationalökonomische Vernunft vornehmlich die „Großgrundbesitzer“ fördernde und darüber leider meistens zugleich „Bauernlegende“ Agrarpolitik der Europäischen Union. Sie führt heute dazu, dass über die „Laufställe“, die zugunsten des Tierwohls eingeführt wurden, den Kühen ihr Weidegang verwehrt wird. Ähnlich grübelt man auch in der FAZ darüber nach, warum der Deutsche Bauernverband noch immer auf die „Umweltschützer“ einprügelt, statt einzusehen, dass keinem Erholungssuchenden wie auch keinem Essenden mit der bisherigen Politik des Immer-größer, Immer-mehr gedient ist. Ín einem Artikel mit dem schönen Titel „Was die Nachtigall stört“ entarnt Patrick Bahners die Landwirtschaft als „kollektivistischen Großindustrie“ (FAZ, 13. Juli 2016), und fragt sich, ob eventuell die Agrarwissenschaft Abhilfe schaffen könnte. Maisfressende Kühe verbannt in dunkle Ställen, Milch, billiger als Mineral-Wasser, Industrie- statt Kulturlandschaften: das will keiner. Könnte also nicht die Agrarwissenschaft durch wissenschaftlichen Nachweis der objektiven Notwendigkeit von Bodenpflege statt Überdüngung, Klimapolitik statt Versteppung, Bienenschutz statt Vermaisung nötig ist, helfen, die Landwirte als Landschaftpfleger anzuerkennen und entsprechend zu honorieren? Um gleich im Anschluß immerhin die Annahme der Agrarökonomie, man könne der Natur unbegrenzt Material entnehmen, ohne dafür eines Tages zahlen zu müssen, kritisch zu hinterfragen… Allerdings beruht der Lösungs-Vorschlag des Autors auf einer Versöhnung von Konventioneller und Ökolandwirtschaft mitsamt dem Traum von mehr Technik z.B. auch im Ökobereich: von führerlosen Traktoren, die behutsam wertvolle Ökotope umfahren. Der Autor übersieht die Tatsache, dass die Verschuldung infolge des Einkaufs von Hightec viele Landwirte so verschuldet hat, dass sie zu immer mehr Wachstum erpressbar geworden sind. Denn es waren die Schulden, die sie zu Klienten ihrer Kreditgeber machten, denen man sagen kann, wie sie sich verhalten sollen. Der Universitätsgeograf David Montgomery zeigt in seinem Buch „Dirt“ („Dreck“), dass verschuldete Farmer seit 1918 alle Ratschläge der Wissenschaft in den Wind schlugen…

Auf der Politikseite der selben FAZ vom „Aufstand der Hungernden“ zu lesen. In Zimbabwe nämlich wollen die Menschen sich nicht mehr gefallen lassen, dass der korrupte Präsident Mugabe ihnen die letzte Mahlzeit vom Teller raubt, um Devisen zum Schuldenabbezahlen einbehalten zu können. Einzig zu dem Zweck, neue Schulen machen zu können. Da 90 % der Bevölkerung jedoch keine reguläre Beschäftigung haben, sind stark steigende Lebensmittelpreise für sie unerträglich. Besonders in diesen Jahren, da die von „El Nino“ ausgelöste Dürre auf den einheimischen Feldern vieles hat vertrocknen lassen. Autor Thomas Scheen stellt klar, dass das Abkommen vom Juni zwischen IWF, Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank sowie Finanzminister von Zimbabwe, Chinamasa, die Ursache ist, die zu den drastischen Gehaltkürzungen führte, die nun Hungersnot und Bürgerproteste hervorgerufen hat… Denn um neue Kredite bekommen zu können, musste die Regierung in Harare nicht nur Privatisierungen versprechen, sondern auch, alle Schulden abzubezahlen. Daher beschloss die Regierung, alle Gehaltzahlungen einzustellen. (FAZ 13.7.2016)

Schwarze Küchen: Zur Kulturanthropologie der Ernährung

Die Küchen der alten Gesellschaften Europas, der ländlichen Gesellschaften waren schwarz. Ihre offenen Herdfeuer füllten die Räume mit Qualm und Rauch. Das wärmende und stets gefährliche Feuer erinnerte die Menschen an seine Abhängigkeit von den Mächten der Natur. Das Feuer war ein Symbol für die Zweiseitigkeit aller Naturgewalten, die das Leben geben, aber auch nehmen können. Ähnlich wie nach den Vorstellungen der griechischen Antike etwa die breithüftige Gaia, diejenige war, die während der schwarzen Nacht, das Leben gibt aber auch wieder nimmt. Die Frau am Herd war – in all ihrer Alltäg-
lichkeit – zugleich eine etwas geheimnisvolle Figur, weil sie mit den sich nie ganz offenbarenden Naturgewalten umzugehen verstand. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kannten Kochbücher die Regeln der antiken Säftelehre, konnte eine kundige Hausfrau mittels ihrer Kochkunst sowohl heilen als auch vergiften.

weiterlesen hier:

https://www.weltbild.de/media/txt/pdf/9783865816887-098473358-mahlzeitenpolitik.pdf

http://www.myvillages.org/uploads/tischrede_tafelrunde_vorratskammer.pdf