Sommercamp der Gemeinschaftsgärten

Die Interkulturellen Gemeinschaftsgärten trafen sich zu ihrem alljährlichen Vernetzungstreffen resp. Sommercamp diesmal im Garten Neuland in Köln. Am ersten September-Wochenende führte bei schönstem Wetter interessante Spaziergänge, Radtouren oder auch solche mit der Straßenbahn zu den verschiedenen Gartenprojekten der Millionenstadt am Rhein. Die Stadt Köln unterstützt die Gärten im Rahmen der Idee „essbare Stadt“ und die Kölner Gemeinschafts-Gärten waren maßgeblich daran beteiligt, den Kölner Ernährungsrat mitzugründen.
mehr siehe hier http://www.neuland-koeln.de/ und hier: https://anstiftung.de/

Allmenden und Genossenschaften

Zum Donnerstag, den 26.4. 12.00-13.30 vor dem Reichstag.

Wir gratulieren der Raiffeisen-Genossenschaft zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens. Diese Agrargenossenschaften ermöglichten den Bauern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Überleben. Aber die Genossenschaften wurden im Wendeprozeß ihrer Gemeinützigkeit beraubt und sind heute – extrem gefährdet – von der UNESCO daher zum Weltkulturerbe erhoben. Denn nur Neu-Gründungen von Landbaugenossenschaften ermöglichen im 21. Jahrhundert etwa Hunderten von Kleinbäuerinnen Indiens Überleben und Erfolg. Die Allmenden können wir dabei als Vorform oder eine ältere Form von Genossenschaften oder Gemeinwirtschaft betrachten. Sie hielten sich teilweise bis heute, wie wir dank Elinor Ostrom wissen.

Die Raiffeisen-Genossenschaft möchte zu ihrem Jubiläum Anlaß dem allseits beliebten Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld 20 Hochstamm-Obstbäume schenken. Denn schließlich ist dieser Garten als neue
Allmende so etwas wie das Herz und Symbol des Tempelhofer Felds als neuer „Gemeinheit“ geworden, also einer neuen „commons“ wie es auf Englisch heißt. Vermehrte Neueinrichtungen von commons – das werden wir für die Zukunft überall brauchen. Eßbare Stadtlandschaften verwaltet in Bürgerhand bzw. konkret neuen Allmende-Genossenschaften – die werden wir gerade auch in den Städten benötigen, allein schon deshalb, um die vom Land Vertriebenen vor der für die meisten unerträglichen Bürde der Erwerbslosigkeit bewahren zu können. Um ihnen einen Raum für Eigenarbeit als tätiger Selbsthilfe geben zu können.

Die geschenkten Obst-Bäume wird das Allmende-Kontor allerdings gleich an das Tempelhofer Feld als solches resp. das Land Berlin weiter verschenken, schon mangels Platz im eigenen Garten, zumal Gemüseanbau und Obstbäume sich nur bedingt vertragen. Das Feldforum des Tempelhofer Feldes wird mit Unterstützung der „Feld-Koordination“ entscheiden, wo sie stehen sollen.

Den Namen „Allmende“-Kontor verdanken wir übrigens Ivan Illich, dem Kritiker der Expertokratie, der das schöne Buch „Das Recht auf Gemeinheit“ schrieb, sowie Karl Linn, einem Community-Gärtner in Berkeley. Karl Linns Buch heißt „Building Commons and Communities“, denn das hat er ein Leben lang getan. Karl Linns Mutter war eine erfolgreiche „Zurück-Aufs-Land“-Pionierin der ersten Stunde, 1913 baute sie allein mit Hilfe der Rentengut-Genossenschaft „Freie Scholle“ eine erfolgreiche Obstbaum-Plantage auf, die später vielen jüdischen Mädchen eine Art frühen Kibbuz mit Landbau-Ausbildungs-Möglichkeit bot. Solange die Kirschbäume noch nicht trugen, ernährte sie sich von einer Subsistenz-Landwirtschaft mit Hühnern, Kühen und Schweinen und allem drum und dran. 1933 aber wollte der Nazi-Bürgermeister ihr Land, der üble Bodenraub der Nazis… Gegen das Landgrabbing weltweit hilft nur das „Reclaim the Commons“! Henny Rosenthals Sohn, Karl Linn, trug diese Idee dann durch die halbe Welt und unterstützte dabei auch die Besetzer vom Ziegenhof in Charlottenburg. Als einer, der häufiger die Länder und Städte wechselte, wußte er wovon er sprach: Das „Wiederverwurzeln in der Fremde“, das geht am allerbesten in der Gemeinschaft einer Allmend-Genossenschaft, in einem Gemeinschaftsgarten auf einem Tempelhofer Feld als Gemeinheit, die allen gehört und daher auch auch den „Neuen“ offen steht…

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Bodenfragen? Humusrevolution!

Unsere Landwirtschaftspolitik ist bodenlos. Von Herren bestimmt und Ökonomie-fixiert – die ersten Frauenrechtlerinnen von 1900 wie Helene Lange hätten gesagt: „einseitig männlich.“ Dem widerspricht nicht, dass sich die Kanzlerin sich von der großen Industrie mal wieder rumkriegen ließ. Und der Zustimmung zum Ackergift Glyphosat entgegen der Koalitionsvereinbarungen und dem Votum der Umweltministerin Hendricks offenbar mitzuverantworten hat… – Es war Anfang der 1990er Jahre, als der Fortschrittskritiker Ivan Illich und der Freiburger Germanist Uwe Pörksen zusammen mit der alten Nonne Mother Jerome von Regina Laudris die „Bodenlosigkeit“ unseres Umgangs mit unseren Mutterböden thematisierten. Es war eine wunderbare Konferenz in einem nordostamerikanischem Kloster. Die Benediktinerinnen bewirteten uns ausschließlich mit Lokalem wie etwa selbstgemachtem Käse. Das Kloster war zeitweilig Zufluchtsort erledigter Hippies, die mal eine Auszeit brauchten.

Ergebnis war: Die Landwirtschaftspolitik der jüngsten Zeit zerstört die Erde mitsamt dem Klima. Sie ist für die Menschheit nicht länger tragbar. Die Agrarindustrie zerstört die zarte Humushaut, die den Globus umgibt und Garant für die Fruchtbarkeit unserer Erde ist. Die Zwangsfütterung der Menschen mit Fleisch aus Massentierhaltung verschlingt die Hälfte der weltweiten Getreideerzeugung. Die Produktion sogenannter Bio-Energie vertilgt Wälder, verbraucht die Äcker und zerstört die Subistenzwirtschaften der Indonesier. Mais- oder Palm-Monokulturen zerstören die Biodiversität, so dass künftige Agrarkultur fraglich wird. Vor allem aber zerstört eine maschinenbestimmte Bodennutzung die Wasserkreisläufe. Böden ohne Wälder oder buschige Feldraine an kanalisierten Flüssen können kaum noch Regenwasser aufnehmen und verdunsten. Die dadurch fehlenden kleinen Wasserkreisläufe lassen die Gletscher schmelzen und heben die Meeresspiegel.

Um diese Fehlentwicklung zu beenden, hat sich ein Teil der Menschheit aufgemacht, die Ruder herumzureißen. Die Aktivisten gärtnern in Städten, gründen solidarische Landwirtschaften oder bilden Bodenfonds, um Junglandwirten einen Einstieg zu ermöglichen. Andere entwickeln ausgeklügelte Systeme von Weidewirtschaften, wo nach nacheinander Kühe, Hühner und etwa Schweine auf einem Landstück grasen und dieses so anschließend einen sehr guten Ackerboden abgibt. In Südamerika blickt man mit Respekt auf die mehrgeschossigen Waldgärten, die dortige Indigene Tausende von Jahren mit Erfolg betrieben haben…

Das Buch „Die Humusrevolution“ stellt in Form von Reisbeschreibungen alternative Ansätze vor, den Boden wieder aufzubauen. Initiativen wie Incredible Edible von Todmorden zeigen, wie eine ganze Stadt erfolgreich mit Gemüse bestellt werden kann. Kleinstädte wie Andernach können mithilfe von Arbeitslosen zu essbaren Städten verwandelt werden. Großstädte könnten generell wieder von einem Ring von Gärtnereien und Kleinbauernhöfen umgeben werden, auf denen Gärtner im Zweiterwerb Lokales zu direktem Vor-Ort-Verzehr anbauen. Co-Autor Stefan Schwarzer betreibt in der Lebensgemeinschaft Ökohof Tempelhof selbst einen Permakultur-Garten. Als wissenschaftlich ausgebildete Autoren unterlegen die Verfasser Ute Scheub und Schwarzer die Versuche ihrer Protagonisten  mittels der Forschungsergebnisse von einschlägigen Institutionen wie vom Rodals Institut in Pennsylvanien (USA)  oder vom Schweizer FiBl-Institut. – Das Buch bietet im Anhang eine lange Liste von Vorschlägen, was unmittelbar jetzt getan werden kann, für jeden einzelnen als auch für Politiker. Hübsch ist der abschließende kleine Ausblick von Hans Peter Rusch ins Jahr 2050: in dem die Menschen mehr im Anbau klimaverträgliche Nüsse, Früchte und Staudengemüse verzehren. Parkplätze samt Supermärkten sind in Urban Gardening-Projekte verwandelt worden, da keiner mehr anonyme Lebensmittel einkaufen mochte. Erwerbslose, Flüchtlinge oder Rentnerinnen können sich nun auch in den Städten ihr eigenes Gemüse anbauen…

Ute Scheub, Stefan Schwarzer, Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen, Oekom Verlag München 2017, 235 Seiten, zahl. Abb., 19,95 €

Gemeinsam Ackern in Allmenden

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Ein sonnendurchfluteter Jugendstilhörsaal mit knarrenden Bänken: Farida Akhter aus Bangladesh singt die Lieder der Kleinbäuerinnen von Nayakrishi Andolon. Edie Stone erzählt vom Verteidigungskampf der Community Gardeners in New York City und Brigitte Vogl-Lukasser aus Wien über die Hausgärten als Wohnzimmer der Mayas. Bauer Christian Hiß berichtet in kaum verständlichem Alemannisch von seinem Gemüsegarten am Kaiserstuhl und Krankenpfleger Wolfgang Eisenberg von seinem Nebenerwerbshof im Wendland. Im Hintergrund erzählen die Fotos von den Internationalen Gärten in Göttingen…

Als im Jahr 2000 in Berlin an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät die Konferenz „Kleinstlandwirtschaft und Gärten in Stadt und Land als weibliche Ökonomie“ stattfand,sollte mit dem Terminus „weibliche Ökonomie“ auf die Zuständigkeit von Frauen für Überlebens- und Krisenwirtschaften hingewiesen werden. Damals ahnte niemand, dass das Thema nur ein Dutzend Jahre später unten dem Label Urban Gardening zu einem Medienhype werden würde. Keine von uns hätte damals gedacht, dass Berlin fünfzehn Jahre später – wohl nur für einen kurzen Moment der Geschichte – zu einer Art europäischer Hauptstadt der Gemeinschaftsgärten avancieren würde.

Zur Jahreswende 2003/2004 wurde als Ergebnis einer Tagung in Berlin-Köpenick die Stiftung Interkultur mit dem Ziel geschaffen, die Gründung „Interkultureller Gärten“ voran zu treiben. Zugleich entstand nach dem Vorbild der 1996 in Göttingen gegründeten ersten „Internationalen Gärten“ ein interkultureller Garten in Berlin-Köpenick. Die deutschen Medien berichteten seit 2009 zunehmend über interkulturelles Gärtnern und städtischen Gemüseanbau. Artikel wie „Kräuter gegen die Krise“ oder „Gurken statt Kapitalismus“ passten zur Tatsache, dass in den USA die Gattin des eben gewählten neuen Präsidenten, Michelle Obama, nach Aufforderung von Slow Food und amerikanischen Community Gardeners in ihrem Hausgarten am Weißen Haus in Washington einen Gemüsegarten einrichtete, in dem sie zusammen mit den Schulkindern der benachbarten Bancroft-Grundschule gärtnert. Als im gleichen Jahr mitten in Berlin-Kreuzberg die Prinzessinnengärten gegründet wurden, war die Zeit jedenfalls reif für ein solches Projekt. Plötzlich interessierten sich alle für das neue Gärtnern in Kisten. Die Prinzessinnengärten wurden über Nacht zum Medienstar… Bals verzeichnete eine Berliner „Gartenkarte“ nahezu hundert neuere Gemeinschaftsgärten bzw. Projekte der urbanen Landwirtschaft im engeren Sinne.

Auch das im April 2011 auf dem Tempelhofer Feld entstandene „Allmende-Kontor“ ist zusammen mit den anderen Gemeinschaftsgärten dort zum absoluten Medienstar geworden, es wird wieder und wieder abgebildet, meistens, ohne das Ross und Reiter  genannt würden. Im Buch „Urban Gardening in Berlin“ (BeBra verlag Berlin 2016) sind die meisten dieser grünen Erzeugnisse von Berliner Bürgerengagement. sozusagen mit vollem Namen sowie Kontakt- resp. Lage-Adresse geannt. Das Allmende-Kontor ließ das verregnete Garten-Jahr mit einem gemeinsamen Kompostworkshop, einem tapferen Smoothiemachen per Rad und einem feierlichen Zeltdachabbauen zu edlem Fruchtpunsch ausklingen…

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Urban Gardening strebt aufs Land

AnnaLindeEinsEMR VorhandeneProjekteKennenLernenEMR MöglicheFlächenErkundenGniesterSchweizEMR PottenBeiDerBahnhofsGenossenschaftBadDübenEMRMittels verschiedener Workshops im Rahmen des Naturparks Dübener Heide e.V. prüfen derzeit Gartenbegeisterte aus Stadt und Land, ob das Phänomen des derzeit allseitig bestaunten „Urban Gardenings“, also der gemeinschaftlichen Gärtnerei auch auf dem Land eine Chance hat. Insofern es beim Urban Gardening um kollektive Weiterbildung geht in Richtung eines Klima-neutralem und giftfreiem Essens sollte dem eigentlich nichts entgegen stehen. Und die Rückbesinnung auf regionale Eigenarten und traditionelles Wissen und „local food“ hat ebenfalls die meisten bereits überzeugt. So begann man nach einem theoretischen Auftaktworkshops mit einer Exkursion zum bekannten Gemeinschaftsgarten AnnaLinde in Leipzig. Zudem besuchte das Team die im Land bereits vorhandenen Projekte ähnlicher Ausrichtung wie z.B. Mischkultur e.V. in Gniest. Auf der Suche nach geeigneten Flächen streift man so durchs Land und lernt wunderbar verwunschene Orte kennen, geeignet für spannende Experimente aller Art. Zwischenzeitlich mussten die dem Vorhaben bereits zugewachsenen Pflänzchen umgetopft werden. Hoffentlich müssen sie das nicht allzu oft. Aber bevor die Setzlinge an ihren endgültigen Bestimmungsort kommen können, möchten die Projekt-Beiräte erst alle Möglichkeiten nach geeigneten Garten-Orten sorgfältig gesichtet haben. Dazu sucht man auch und besonders nach experimentierfreudigen „Pfadfindern“ und Gemüsefreaks aller Art, Umweltschützern, Naturfreunden und Gartenfreunden, die vielleicht Interesse und Zeit hätten, für kürzer oder länger eine Weile dabei zu helfen und mitzumachen. Bei Interesse bitte melden: torsten.reinsch@naturpark.duebener-heide.de

weiterlesen hier:UrbanGardeningInBadDüben.pdf

und hier: Paula Passin

Gerda Münnich (1939 – 2017)

GerdaMünnichbeiderAGKleinstlandwirtschaft2007EMRDie Berliner Gartenaktivistin Gerda Münnich starb am 12. April 2017 im 78. Lebensjahr. Geboren wurde sie am 4. Oktober 1939 im Spreewald. Im Bild sieht man sie auf einer Sitzung der AG Kleinstlandwirtschaft im ersten Interkulturellen Garten auf dem noch wilden Gleisdreieck 2006 ganz rechts. Sie gehörte zu den bekanntesten Gemeinschaftsgarten-Gründerinnen Berlins. Gerade bereitete sie mit großem Einsatz ihre berühmte Garten-Bustour zum nächsten „Langen Tag der Stadtnatur“ vor, wo es diesmal ganz besonders um das Tempelhofer Feld mit der Kleingartenkolonien Tempelhofer sowie Neuköllner Berg sowie gefährdete Gärten und Bürgergrüns in Neukölln und Marzahn gehen sollte. Im letzten Jahr beriet Gerda Münnich als Vertreterin der Berliner Gartenszene das „Klimagärten“-Projekt an der Humboldt-Universität, wo sie zugleich im Projekt-Beirat war. Für das „Allmende-Kontor“ hat sie unendlich viele Schüler-Gruppen und Studierende empfangen und ihnen den Garten und sein Anliegen erklärt.

Ein Nachruf erschien am 21.4. in der taz – die tageszeitung: Gerda Münnich taz

weitere siehe http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/report/brri0065.html

und hier: http://www.tempelhoferfeld.info/

Antinationaler Wurmhumus in der POG

künstlerinnenwurmhumus POGBücherMarmelade P1000823 DerSchönsteGartenDerPOGKartoffeln-Ernten an der Müritz, Tiere aus altem Eisen in einem Garten in Dangast am Jadebusen, Wildschöne Gemeinschafts-Gärten wie „O gpflanzt is“ im grünen München, ein freundlich gut besuchter Interkultureller Garten Rosenduft im Park auf dem Gleisdreieck Ost und schließlich der Wurmhumus des Ostasiatischen Gemeinschaftsgarten in der POG im Park auf dem Gleisrdreieck West – republikweit wird in Stadt und Land voller Leidenschaft gegärtnert und erfreut die Menschen mit erstaunlichen Ernten. Die Autorin kommt mit dem Beschreiben beeindruckender Gartenprojekte und ihrer Aktivitäten und Feste schier nicht hinterher.

Am Sonntag nun das Radio-1-Fest auf dem Gleisdreieck. Die wildeste Kleingartenanlage der Stadt, die POG, machte mit. POG heißt übrigens „Potsdamer Güterbahnhof Eisenbahn-Landwirtschaft“. Die Kolonie liegt am Bülowbogen in Berlin unter der hier hochlegten U-Bahn Nr.2.  Sie entstand ab 1945 in Westberlin zwischen zertrümmerten Bahnhöfen, nachdem die Sowjets die Schienen abmontiert hatten.Das Bahngelände gehörte wie die ganze Reichsbahn jedoch zu Ostberlin und so entwickelte sich unter der U-2 ein ganz besonderer Wildwuchs, da kein Bezirksamt je prüfen konnte, ob dort wohl das Kleingartengesetz auch brav eingehalten würde. Seitdem diese letzte Gartenkolonie Kreuzbergs vor eingen Jahren in den Park auf dem Gleisdreieck eingegliedert wurde, sind die hohen Bäume, die in Kleingärten nicht erwünscht sind, hier eigentlich sogar gerne geduldet. Denn ein Park ohne Schattenbäume, was wäre das in einer oft so aufgehitzten Großstadt wie Berlin? Unter solchen hohen Bäumen pflegen Okyun und ihre Freundinnen einen kleinen – nur 110 qm umfassenden – Gemeinschafts-Garten: einer der schönsten überhaupt. Hier blüht und gedeiht es hier in einem fort und fast alles ist eßbar. Die besondere Spezialität von Okyoung ist der Wurmhumus, den sie mit ihren Mitgärtnerinnen auf dem oben genannten Park-Fest dem staunenden Publikum vorführt. Im Stand nebenan bietet Laure eigene Kirschmarmelade an und Christophe präsentiert Berlin-Garten-Bücher der AG Kleinstlandwirtschaft. Und viele weitere Stände mit Stauden, Erdforscherprogrammen und Thüringer Würsten und anderem zeigen die erstaunliche Vielfalt, die heutige Kleingartenkolonien aufweisen können. Der Höhepunkt des Fests der POG-Aktiven vor dem Café Eule am 28.8. aber war sicherlich der Auftritt der Band „Antinational Embassy“, einer Gruppe junger Leute Hiesiger und Geflüchteter, die sich im letzten Jahr in Kreuzberg in der der Schule in der Ohlauer Straße kennen gelernt haben. Sie gründeten dort zusammen eine Hipp-Hopp-Band, mit der sie nun durch die Lande ziehen. – Der nimmermüde Volkmar von der AG Gleisdreieck bzw. der POG hatte die Verstärkeranlage besorgt und auf dem neuen Dorfplatz in der Gartenanlage aufgestellt. Und so begeisterten die Klänge der jungen Leute aus drei Kontinenten Alt und Jung, sogar die ganz kleinen Kinder tanzten mit… Erstaunlich und bewundernswert was ehrenamtliches Engagement so zustande bringen kann… mehr und weitere links hier: gleisdreieck-blog.de

Ein Gartentag im Allmende-Kontor

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Eine frische Briese fegt über das Tempelhofer Feld und macht die Hitze sehr viel erträglicher als anderswo in der Stadt. Aber auch hier ist es heiß und die Kinder haben offenbar mit dem Wasser gespielt, nachdem welche von der „Südstadt“ unseres Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor alle Schläuche aneinander geschraubt hatten, so dass auch die südlichen Randbeete per Schlauch begießbar sind. Ich übernehme und gieße mit Hilfe eines begeisterten kleinen Kindes namens Edu die Gemeinschaftsbeete wie den ehemaligen Getreidekringel. Als das Kind keine Lust mehr hat, hilft mir die alte Hildegard die restlichen Gemeinschaftsbeete wie das Peter-Lenne-Beet und die Obst-Bäume zu gießen. Hildegard, 86, ist neuerdings über Khatol, der sie beim Bewirtschaften ihres Beets hilft, in unserem Garten aktiv. Was mich freut: sie kommt vom Lande, von einer LPG und kennt sich aus. Danach fülle ich die blauen Tonnen auf, die natürlich wieder leer sind. Und schließlich rolle ich mit Hilfe von Hildegard alle die vielen Schläuche wieder ein und verschließe das Feuerwehrbesteck in seinem Kasten. Die jungen Männer, die auf der Bankgarnitur vor dem Bienenbeet sitzen, helfen mir bereitwillig den Schlauch über die Beete zu hieven, sie freuen sich eigentlich sogar, mir kurz helfen zu können. Anschließend werden wir von der türkischen Frauengruppe eingeladen, die sich im Schatten der Weide im amerikanischen „Kibbuz“ niedergelassen haben, mit ihnen zu picknicken. Ich genieße die wunderbar schlichte türkische Rohkostkultur. Wir sitzen da sehr schön und friedlich, aber nicht alle Frauen können deutsch. Es kommt kein gemeinsames Gespräch auf. Ich erkläre meiner Nachbarin, einer jungen Mutter, die öfter hier ist, welche Beete sie zu gießen helfen könnte. Erst den Samstag darauf, als wir uns wieder treffen, beginnt Sina zu erzählen, wer von ihnen kurdisch sei. Sie wünscht sich, dass wir wieder mehr Feste machen.

Zurück zum Sommertag im Juli: später pflanze ich meine Biokräuter, gieße mit Humofix angereichertem Wasser und mulche mit meinem mitgebrachten Rasenschnitt. Obwohl sie heute sehr trocken sind, sehen unsere drei Beete ganz gut aus: Topinambur, Bohnen und Kürbisse wachsen in ihren jeweiligen Kisten tapfer vor sich hin. Die rot blühenden Feuerbohnen bringen im Verein mit den orangenen Calendula Farbtupfer hinein. Die vielen Brennnesseln rings um die Beete verhindern allerdings erfolgreich, dass ich weder Petunie noch vorgekeimte Kartoffeln im Topinambur-Container verbuddeln kann… Als ich nach Sonnenuntergang davon radele, sitzen an den verschieden Tischen oder auch auf dem Rasen zwischen den Allmende-Kontors-Beeten um die acht große Picknickgruppen, die sich englisch, italienisch, türkisch, kurdisch oder deutsch unterhalten. Im uneingezäunten Park auf dem Gleisdreieck, den ich später durchquere, der inmitten der Stadt keine Schließzeiten kennt, sitzen im Dunklen bestimmt 15 Jugendgruppen…

Sommerfest und Workshops im Allmende-Garten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Freitag, den 12. Juni hatten wir dank Niels Rickerts und Hermann Barges Einsatz ein wunderbares Fest in unserem Gemeinschafts-Garten
Allmende-Kontor. Die „richtigen Sechs“ (oder so) aus Oranienburg haben professionell einen wunderbaren Swing gespielt, alle Kinder und auch viele Erwachsene haben mitgetanzt und gewippt. Vielen Dank vor allem Niels und Hermann
für dieses großartige Fest! Vorher las Wolf Schluchter, Prof. a.D. von der BTU Uni Cottbus aus seinem neuen Roman „Der Gral“ vor. In dem Buch geht es um die Verquickung von Atomindustrie und Macht. Die Leserin wird mit ungeahnten Zusammen-hängen konfrontiert. In den anschließenden Workshops stellten sich die Brandenburger Ökonauten als eine neue Bodengenossenschaft vor. Anschließend wurde der Kongress zur Solidarischen Ökonomie vom 5. bis 13. September in Berlin vorgestellt. Unter www.solikon2015.net ist mehr zu erfahren. Derzeit ist es noch möglich einen Workshop anzumelden.