Wasserdienst im Allmende-Kontor

Aus dem Grau der Dämmerung heraus fällt sie mir um den Hals. „Elisabeth, meine Süße, wir haben uns so lange nicht mehr gesehen!“ Es ist Günner. Sie arbeitet jetzt bei einem Bäcker. Deshalb kann sie Nachmittags nicht mehr in den Garten kommen. „Kann ich mit dem Schlauch noch eben die lila Gruppe gießen“ fragt sie noch etwas atemlos. Ich muß leider verneinen. Es ist schon fast dunkel. Und im Finstern werden Neulinge wie Marie und ihre Helfer vom „Mintgrünen Klassenzimmer“ es niemals schaffen, die vier Schläuche zurück in ihre Kiste zu bringen. Sie müssen ja auch das Feuerwehrhydrantenbesteck herausschrauben und ebenfalls zurück zu legen. O. k., beruhigt sie sich sofort, Paul werde ihr morgen früh dann wohl helfen. – Ich bin seit kurz vor sechs hier und jetzt ist es bald zehn. Ich komme nicht weg, weil eine Gruppe nach der nächsten zum Schlauch an der Wasserstelle drängt. Es war allzu heiß. Sämtliche Topinambur lassen traurig die Blätter hängen, obwohl sie doch aus ihrer Prärie, wo sie herkommen, Einiges gewöhnt sein müssten. Wir hatten beschlossen, sämtliche Gemeinschaftsbeete zu gießen, auch die hinteren Heckenbeete. Dafür muß man alle vier Schläuche aneinanderschrauben.

Die vier Schläuche bis dahin zu schleppen, ist nicht ganz einfach. Aber die Wandertour entlang des Schlauchs durch den Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor ist nicht uninteressant. Adam aus Tschechien und Sarah aus Frankreich helfen mir, denn für eine(n) allein sind die schweren Schläuche nicht zu bewegen. Wir treffen auf Susanne aus dem Salzkammergut, sie hat mit ihrer Gruppe neun der Heckenbeete unter ihrer Regie, eigentlich klappe es mit dem abwechselnden Gießen ganz gut… in der Nähe der Heckenbeete zupfen zwei verzweifelt an ihrer Zucchini im zu engen Plastik-Beet. Die beiden jungen Frauen haben ihr Beet direkt neben der wohlbestellten Shamba aus Kenia. Sie berichten, dass sie dieses Jahr nur Blumen gesät hätten, weil ihnen letztes Jahr alles, aber auch alles geklaut worden sei. Der Freund der einen unterhält jetzt einen großen Selbstversorgergarten in Sachsen, da würden die Zucchini RIESIG! Dann bleibt der Schlauch bei den Söhnen der Anden hängen, die ich ewig nicht sah. Ihr Beet mit dem lustigen roten Dächlein in der Mitte sieht dieses Jahr wieder ganz gut aus. Anschließend faszinieren Adam, Sarah und mich die Kletterkürbisse an der Knöterichlaube der Italiener. Bereitwilligst erklären sie uns auch die diversen Kohlsorten, die sie gepflanzt haben. Zum Schluß füllen wir die blauen Tonnen an den Wasser-Containern ein zweites Mal und immer noch bitten uns welche, ihnen doch noch eben zehn Minuten den Schlauch zu überlassen…

Hauptstadtgärtner in der Zeitung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnnette Kuhn von der Berliner Morgenpost interviewte eine der Hauptstadtgärtnerinnen auf dem Berliner Gleisdreieck (6. März 2015, „Der Garten ist für alle da“) . „Die Ernte gehört den Gärtnern“ steht auf dem Schild, das die jugendlichen Freiwilligen eines internationalen Workcamps im Sommer 2007 für die Gärtnerinnen auf dem Gleisdreieck schufen. Man traf sich dort, wo sich die Gärtner das Gelände mit der Bauindustrie teilen müssen, obwohl Berlin noch immer eher eine schrumpfende Stadt ist, die Innenstadtbezirke zumal, wie kürzlich dem Berliner Tagesspiegl zu entnehmen war. Während die Zuwanderung erst seit 2006 die Abwanderung und zwar noch immer um nur wenige Menschen (175.000) übersteigt. Das ist keine Zahl, die zu Besorgnis Anlaß geben muß, angesichts der 1,5 Millionen Menschen, die die Hauptstadt seit der Wende an das grüne Umland verloren hat. Mehr Gärten in der Stadt  würden die Zahl der Stadtflüchtigen (und bessergestellten Steuerzahler!) wahrscheinlich nachhaltig minimieren helfen. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, Hausgärten: die Städter brauchen Grün zum Atmen, zur Erholung und um ein wenig graben zu können. Auch die Erwerbslosen brauchen eine Gelegenhiet zu sinnvollem Tun. Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor etwa werden die Leute aktiv: Die Kompost-AG höchst engagiert beim „Boden selber machen“.´(am 7.März 2015), andere kümmern sich um Bienen oder Färberpflanzen.

 

Die Hauptstadtgärtner

DieHauptstadtgaertnerSeit April 2011 sind die Gemeinschafts-Gärten auf dem ehemaligen Flugfeld Tempelhof eine Art neue Verheißung. Sie faszinieren die Besucher aus nah und fern. Die Gäste staunen über die kreativen Kistenbeet-Varianten im Hochbeete-Meer und wie gut Gemüse in Kisten wächst. Wissbegierig fragen sie die Gärtnerinnen und Gärtner aus: Wie funktioniert das hier? Aha, es geht um das „Zurückholen der Allmende“? Das vorliegende Buch erklärt die Idee des Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor und welche Gemüse in innerstädtischen Kastenbeeten gut zu kultirvieren sind…
Die Hauptstadtgärtner – Tipps vom Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld (Berlin: Jaron Verlag Februar 2015 12,95)