Antinationaler Wurmhumus in der POG

künstlerinnenwurmhumus POGBücherMarmelade P1000823 DerSchönsteGartenDerPOGKartoffeln-Ernten an der Müritz, Tiere aus altem Eisen in einem Garten in Dangast am Jadebusen, Wildschöne Gemeinschafts-Gärten wie „O gpflanzt is“ im grünen München, ein freundlich gut besuchter Interkultureller Garten Rosenduft im Park auf dem Gleisdreieck Ost und schließlich der Wurmhumus des Ostasiatischen Gemeinschaftsgarten in der POG im Park auf dem Gleisrdreieck West – republikweit wird in Stadt und Land voller Leidenschaft gegärtnert und erfreut die Menschen mit erstaunlichen Ernten. Die Autorin kommt mit dem Beschreiben beeindruckender Gartenprojekte und ihrer Aktivitäten und Feste schier nicht hinterher.

Am Sonntag nun das Radio-1-Fest auf dem Gleisdreieck. Die wildeste Kleingartenanlage der Stadt, die POG, machte mit. POG heißt übrigens „Potsdamer Güterbahnhof Eisenbahn-Landwirtschaft“. Die Kolonie liegt am Bülowbogen in Berlin unter der hier hochlegten U-Bahn Nr.2.  Sie entstand ab 1945 in Westberlin zwischen zertrümmerten Bahnhöfen, nachdem die Sowjets die Schienen abmontiert hatten.Das Bahngelände gehörte wie die ganze Reichsbahn jedoch zu Ostberlin und so entwickelte sich unter der U-2 ein ganz besonderer Wildwuchs, da kein Bezirksamt je prüfen konnte, ob dort wohl das Kleingartengesetz auch brav eingehalten würde. Seitdem diese letzte Gartenkolonie Kreuzbergs vor eingen Jahren in den Park auf dem Gleisdreieck eingegliedert wurde, sind die hohen Bäume, die in Kleingärten nicht erwünscht sind, hier eigentlich sogar gerne geduldet. Denn ein Park ohne Schattenbäume, was wäre das in einer oft so aufgehitzten Großstadt wie Berlin? Unter solchen hohen Bäumen pflegen Okyun und ihre Freundinnen einen kleinen – nur 110 qm umfassenden – Gemeinschafts-Garten: einer der schönsten überhaupt. Hier blüht und gedeiht es hier in einem fort und fast alles ist eßbar. Die besondere Spezialität von Okyoung ist der Wurmhumus, den sie mit ihren Mitgärtnerinnen auf dem oben genannten Park-Fest dem staunenden Publikum vorführt. Im Stand nebenan bietet Laure eigene Kirschmarmelade an und Christophe präsentiert Berlin-Garten-Bücher der AG Kleinstlandwirtschaft. Und viele weitere Stände mit Stauden, Erdforscherprogrammen und Thüringer Würsten und anderem zeigen die erstaunliche Vielfalt, die heutige Kleingartenkolonien aufweisen können. Der Höhepunkt des Fests der POG-Aktiven vor dem Café Eule am 28.8. aber war sicherlich der Auftritt der Band „Antinational Embassy“, einer Gruppe junger Leute Hiesiger und Geflüchteter, die sich im letzten Jahr in Kreuzberg in der der Schule in der Ohlauer Straße kennen gelernt haben. Sie gründeten dort zusammen eine Hipp-Hopp-Band, mit der sie nun durch die Lande ziehen. – Der nimmermüde Volkmar von der AG Gleisdreieck bzw. der POG hatte die Verstärkeranlage besorgt und auf dem neuen Dorfplatz in der Gartenanlage aufgestellt. Und so begeisterten die Klänge der jungen Leute aus drei Kontinenten Alt und Jung, sogar die ganz kleinen Kinder tanzten mit… Erstaunlich und bewundernswert was ehrenamtliches Engagement so zustande bringen kann… mehr und weitere links hier: gleisdreieck-blog.de

Ein Gartentag im Allmende-Kontor

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Eine frische Briese fegt über das Tempelhofer Feld und macht die Hitze sehr viel erträglicher als anderswo in der Stadt. Aber auch hier ist es heiß und die Kinder haben offenbar mit dem Wasser gespielt, nachdem welche von der „Südstadt“ unseres Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor alle Schläuche aneinander geschraubt hatten, so dass auch die südlichen Randbeete per Schlauch begießbar sind. Ich übernehme und gieße mit Hilfe eines begeisterten kleinen Kindes namens Edu die Gemeinschaftsbeete wie den ehemaligen Getreidekringel. Als das Kind keine Lust mehr hat, hilft mir die alte Hildegard die restlichen Gemeinschaftsbeete wie das Peter-Lenne-Beet und die Obst-Bäume zu gießen. Hildegard, 86, ist neuerdings über Khatol, der sie beim Bewirtschaften ihres Beets hilft, in unserem Garten aktiv. Was mich freut: sie kommt vom Lande, von einer LPG und kennt sich aus. Danach fülle ich die blauen Tonnen auf, die natürlich wieder leer sind. Und schließlich rolle ich mit Hilfe von Hildegard alle die vielen Schläuche wieder ein und verschließe das Feuerwehrbesteck in seinem Kasten. Die jungen Männer, die auf der Bankgarnitur vor dem Bienenbeet sitzen, helfen mir bereitwillig den Schlauch über die Beete zu hieven, sie freuen sich eigentlich sogar, mir kurz helfen zu können. Anschließend werden wir von der türkischen Frauengruppe eingeladen, die sich im Schatten der Weide im amerikanischen „Kibbuz“ niedergelassen haben, mit ihnen zu picknicken. Ich genieße die wunderbar schlichte türkische Rohkostkultur. Wir sitzen da sehr schön und friedlich, aber nicht alle Frauen können deutsch. Es kommt kein gemeinsames Gespräch auf. Ich erkläre meiner Nachbarin, einer jungen Mutter, die öfter hier ist, welche Beete sie zu gießen helfen könnte. Erst den Samstag darauf, als wir uns wieder treffen, beginnt Sina zu erzählen, wer von ihnen kurdisch sei. Sie wünscht sich, dass wir wieder mehr Feste machen.

Zurück zum Sommertag im Juli: später pflanze ich meine Biokräuter, gieße mit Humofix angereichertem Wasser und mulche mit meinem mitgebrachten Rasenschnitt. Obwohl sie heute sehr trocken sind, sehen unsere drei Beete ganz gut aus: Topinambur, Bohnen und Kürbisse wachsen in ihren jeweiligen Kisten tapfer vor sich hin. Die rot blühenden Feuerbohnen bringen im Verein mit den orangenen Calendula Farbtupfer hinein. Die vielen Brennnesseln rings um die Beete verhindern allerdings erfolgreich, dass ich weder Petunie noch vorgekeimte Kartoffeln im Topinambur-Container verbuddeln kann… Als ich nach Sonnenuntergang davon radele, sitzen an den verschieden Tischen oder auch auf dem Rasen zwischen den Allmende-Kontors-Beeten um die acht große Picknickgruppen, die sich englisch, italienisch, türkisch, kurdisch oder deutsch unterhalten. Im uneingezäunten Park auf dem Gleisdreieck, den ich später durchquere, der inmitten der Stadt keine Schließzeiten kennt, sitzen im Dunklen bestimmt 15 Jugendgruppen…

Sommerfest und Workshops im Allmende-Garten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Freitag, den 12. Juni hatten wir dank Niels Rickerts und Hermann Barges Einsatz ein wunderbares Fest in unserem Gemeinschafts-Garten
Allmende-Kontor. Die „richtigen Sechs“ (oder so) aus Oranienburg haben professionell einen wunderbaren Swing gespielt, alle Kinder und auch viele Erwachsene haben mitgetanzt und gewippt. Vielen Dank vor allem Niels und Hermann
für dieses großartige Fest! Vorher las Wolf Schluchter, Prof. a.D. von der BTU Uni Cottbus aus seinem neuen Roman „Der Gral“ vor. In dem Buch geht es um die Verquickung von Atomindustrie und Macht. Die Leserin wird mit ungeahnten Zusammen-hängen konfrontiert. In den anschließenden Workshops stellten sich die Brandenburger Ökonauten als eine neue Bodengenossenschaft vor. Anschließend wurde der Kongress zur Solidarischen Ökonomie vom 5. bis 13. September in Berlin vorgestellt. Unter www.solikon2015.net ist mehr zu erfahren. Derzeit ist es noch möglich einen Workshop anzumelden.

Wasserdienst im Allmende-Kontor

Aus dem Grau der Dämmerung heraus fällt sie mir um den Hals. „Elisabeth, meine Süße, wir haben uns so lange nicht mehr gesehen!“ Es ist Günner. Sie arbeitet jetzt bei einem Bäcker. Deshalb kann sie Nachmittags nicht mehr in den Garten kommen. „Kann ich mit dem Schlauch noch eben die lila Gruppe gießen“ fragt sie noch etwas atemlos. Ich muß leider verneinen. Es ist schon fast dunkel. Und im Finstern werden Neulinge wie Marie und ihre Helfer vom „Mintgrünen Klassenzimmer“ es niemals schaffen, die vier Schläuche zurück in ihre Kiste zu bringen. Sie müssen ja auch das Feuerwehrhydrantenbesteck herausschrauben und ebenfalls zurück zu legen. O. k., beruhigt sie sich sofort, Paul werde ihr morgen früh dann wohl helfen. – Ich bin seit kurz vor sechs hier und jetzt ist es bald zehn. Ich komme nicht weg, weil eine Gruppe nach der nächsten zum Schlauch an der Wasserstelle drängt. Es war allzu heiß. Sämtliche Topinambur lassen traurig die Blätter hängen, obwohl sie doch aus ihrer Prärie, wo sie herkommen, Einiges gewöhnt sein müssten. Wir hatten beschlossen, sämtliche Gemeinschaftsbeete zu gießen, auch die hinteren Heckenbeete. Dafür muß man alle vier Schläuche aneinanderschrauben.

Die vier Schläuche bis dahin zu schleppen, ist nicht ganz einfach. Aber die Wandertour entlang des Schlauchs durch den Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor ist nicht uninteressant. Adam aus Tschechien und Sarah aus Frankreich helfen mir, denn für eine(n) allein sind die schweren Schläuche nicht zu bewegen. Wir treffen auf Susanne aus dem Salzkammergut, sie hat mit ihrer Gruppe neun der Heckenbeete unter ihrer Regie, eigentlich klappe es mit dem abwechselnden Gießen ganz gut… in der Nähe der Heckenbeete zupfen zwei verzweifelt an ihrer Zucchini im zu engen Plastik-Beet. Die beiden jungen Frauen haben ihr Beet direkt neben der wohlbestellten Shamba aus Kenia. Sie berichten, dass sie dieses Jahr nur Blumen gesät hätten, weil ihnen letztes Jahr alles, aber auch alles geklaut worden sei. Der Freund der einen unterhält jetzt einen großen Selbstversorgergarten in Sachsen, da würden die Zucchini RIESIG! Dann bleibt der Schlauch bei den Söhnen der Anden hängen, die ich ewig nicht sah. Ihr Beet mit dem lustigen roten Dächlein in der Mitte sieht dieses Jahr wieder ganz gut aus. Anschließend faszinieren Adam, Sarah und mich die Kletterkürbisse an der Knöterichlaube der Italiener. Bereitwilligst erklären sie uns auch die diversen Kohlsorten, die sie gepflanzt haben. Zum Schluß füllen wir die blauen Tonnen an den Wasser-Containern ein zweites Mal und immer noch bitten uns welche, ihnen doch noch eben zehn Minuten den Schlauch zu überlassen…

Hauptstadtgärtner in der Zeitung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnnette Kuhn von der Berliner Morgenpost interviewte eine der Hauptstadtgärtnerinnen auf dem Berliner Gleisdreieck (6. März 2015, „Der Garten ist für alle da“) . „Die Ernte gehört den Gärtnern“ steht auf dem Schild, das die jugendlichen Freiwilligen eines internationalen Workcamps im Sommer 2007 für die Gärtnerinnen auf dem Gleisdreieck schufen. Man traf sich dort, wo sich die Gärtner das Gelände mit der Bauindustrie teilen müssen, obwohl Berlin noch immer eher eine schrumpfende Stadt ist, die Innenstadtbezirke zumal, wie kürzlich dem Berliner Tagesspiegl zu entnehmen war. Während die Zuwanderung erst seit 2006 die Abwanderung und zwar noch immer um nur wenige Menschen (175.000) übersteigt. Das ist keine Zahl, die zu Besorgnis Anlaß geben muß, angesichts der 1,5 Millionen Menschen, die die Hauptstadt seit der Wende an das grüne Umland verloren hat. Mehr Gärten in der Stadt  würden die Zahl der Stadtflüchtigen (und bessergestellten Steuerzahler!) wahrscheinlich nachhaltig minimieren helfen. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, Hausgärten: die Städter brauchen Grün zum Atmen, zur Erholung und um ein wenig graben zu können. Auch die Erwerbslosen brauchen eine Gelegenhiet zu sinnvollem Tun. Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor etwa werden die Leute aktiv: Die Kompost-AG höchst engagiert beim „Boden selber machen“.´(am 7.März 2015), andere kümmern sich um Bienen oder Färberpflanzen.

 

Die Hauptstadtgärtner

DieHauptstadtgaertnerSeit April 2011 sind die Gemeinschafts-Gärten auf dem ehemaligen Flugfeld Tempelhof eine Art neue Verheißung. Sie faszinieren die Besucher aus nah und fern. Die Gäste staunen über die kreativen Kistenbeet-Varianten im Hochbeete-Meer und wie gut Gemüse in Kisten wächst. Wissbegierig fragen sie die Gärtnerinnen und Gärtner aus: Wie funktioniert das hier? Aha, es geht um das „Zurückholen der Allmende“? Das vorliegende Buch erklärt die Idee des Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor und welche Gemüse in innerstädtischen Kastenbeeten gut zu kultirvieren sind…
Die Hauptstadtgärtner – Tipps vom Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld (Berlin: Jaron Verlag Februar 2015 12,95)