Sieben Stunden im Allmende-Kontor

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Heute sieben Stunden im Allmende-Kontor bei Regen und dunklem Himmel. Selbstbewässerungs-Beet-Aufbauworkshop mit einer Gruppe der Peter-Lenné-Schule. Die Jungens werden Gartenlandschaftstechniker und haben sich das Beet selbst ausgedacht: per sozusagen Ausleger-Flügel außen am Beet soll es sich Einzelheiten das Regen-Wasser selbst auffangen und von dort in einen unter der Erde liegenden Wasser-Tank fließen. Filzbahnen sollen den Pflanzen ermöglichen, sich das benötigte Wasser selbst hoch zu holen. Die Schule hat Paletten und alle Zutaten wie Antimäusedrahtgitter, Folien sowie Erde selbst besorgt. Anfangs ist etwas Leerlauf, sie haben nicht genug Sand dabei, die Fläche ist extrem uneben. An meinem Kaffee sind sie kaum interessiert, wohl aber den Keksen. Sie bleiben cool, schließlich werden sie Techniker, nicht Organisatoren. Angesichts des regnerischen Wetters und da unter der Woche (nämlich zur Schulzeit) wird unser Workshopangebot von den Gärtnern und Gärtnerinnen nicht angenommen. Abwechselnd kommen die drei betreuenden Lehrer vorbei…

alle Photos: Elisabeth Meyer-Renschhausen

Ich mache mich nützlich, indem ich Müll aufsammele und photographiere. Später gerate ich ins Gespräch mit einem älteren Herrn in leuchtend rotem Anorak. Er begärtnert derzeit das Beet der K., die für ein Jahr in Afghanistan als Frauenbeauftragte arbeitet und hat zwei andere halbbrach gefallenen Beete zusätzlich in Kommission genommen. Er ist in der Gegend hier aufgewachsen, hat Metzger gelernt, seine drei Söhne sind schon groß, seine Frau gestorben. Nun wohne er wieder hier, er hätte nie gedacht, daß er noch einmal zum Gärtner werden würde. 8 Kilo Kartoffeln hätte er aus nur einem einzigen Beet geerntet. Er stellt mir seinen Freund H. vor einen „ganz Lieben“, der immer allen überall helfe. Wir lassen uns von H. seinen Namen aufschreiben, damit wir ihn nicht wieder vergessen. H. war gerade zwei Monate in seiner Heimat, der Türkei und erklärt mir etwas ärgerlich, daß seine Beethüterinnen die Pflück-Kohlpflanzen nicht richtig beerntet hätten. Zum Schluß schenkt der Herr in Rot mir einen Teil seiner Quittenernte, die er von seinem Besuch in einem befreundeten Kleingarten im Fahrradkorb hat. Nun stoße ich auf eine zierliche Alte, sie sammelt herumliegenden Dreck in eine Plastiktüte. Ja, das mache sie öfter. Ihr Mann sei vor einem halben Jahr gestorben, nach 58 Jahren Ehe. Erst habe sie gar nicht gewusst, was nun, aber jetzt habe sie das hier entdeckt. Es stellt sich heraus, daß sie es bereits zur Kompostfee des Schiller-Kiez-Gartens gebracht hat. Stolz zeigt sie mir zwei ordentlich geführte Komposthaufen im Schiller-Kiez-harten. Und ihr Beet, daß ihr die Männer daraufhin gaben. Sie gibt mir etwas von ihrem Dill zu kosten. Sie ist voller Bewunderung für die Kompostexpertin des Allmende-Kontors, Martina…

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Elisabeth Meyer-Renschhausen, 26.9.2013