Demo gegen Bäuerinnen-vernichtende Tötungsfabrik in Wietze bei Celle 31.Aug. 2013

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuf dem Fernradweg von Hannover nach Lüneburg liegt am Südrand der Lüneburger Heide das Straßendorf Wietze. Bis in die 1960er Jahre war der Ort ein Zentrum der nordwestdeutschen Erdölproduktion. Heute zeugt nur noch ein Erdölmuseum von den Einkünften der Vergangenheit. Anfahrt per Bahn ist möglich über die Kreisstadt Celle mit schöner Fachwerk-Innenstadt. Wenn man von Celle kommend den Aller-Radweg nach Norden gen „Reiterstadt“ Verden folgt, lockt die Karte nördlich von Wietze mit einem Aussichtpunkt, der Fernblicke in sämtliche Himmels-Richtungen verheißt. Seit zwei drei Jahren jedoch ist die Aussicht nach Süden durch einen Beton-Koloss besetzt. Hier steht am westlichen Ortsausgang von Wietze eine neue Schlachtfabrik. Über Mannshohe Zäune, undurchsichtige Betonwände, Nato-Stacheldraht und auf den Dächern alle paar Meter eine Kamera. Der größte Schlachthof Europas wirkt abweisend wie ein Bunker im Wirtschaftskrieg. 400.000 Hühner sollen hier pro Tag künftig geschlachtet werden. Bisher ist die Anlage jedoch noch keineswegs ausgelastet, es gibt nicht genügend Massentierhalter in der Gegend. Die Belastung der Anwohnerschaft durch ständig durch den Ort rollende Riesen-LKWs, die aus dem Landkreis Vechta, Dänemark, Polen oder von noch weiter her die zu schlachtenden Hähnchen bringen, ist schon jetzt erheblich. Die Vorgärten sind voller Federn der in den Autos zusammengepferchten Hähnchen.

Derartige Mammutschlachthöfe, wo über den regionalen Bedarf hinaus investiert wird, sind keine nur eine deutsche Angelegenheit, erklärte ein Vertreter der Kleinbauern aus Südamerika, Brasilien. Denn die für derartige Fabriken notwendige Massentierhaltung ist nur mittels Soja aus Brasilien möglich. Dafür werden dort immer weitere Teile des Amazonas-Urwaldes abgeholzt und werden (wider das Gesetz!) Kleinbauern von ihren Äckern vertrieben. Wenn eine Fleischerei wie ein Atomkraftwerk eingezäunt und von Hunderten von Polizisten vor Demonstrierenden geschützt werden müsse, rief ergänzend Pavlos Georgiadis, ein Weinbauer aus Griechenland, hätte die Demokratie ein Problem. Eine der größten Bürgerinitiativen der Republik, die BI Wietze, mit zeitweilig über 1200 Mitgliedern, 200 allein aus dem Ort, sah es ähnlich. Sie hatte jahrelang den Bau der Tiertötungsfabrik zu verhindern gesucht. Vergeblich.

Am Samstag, den 31. August 2013, trafen sich mehrere Tausende Bauern und Bäuerinnen, Tierschützer und Naturschützerinnen erneut in Wietze, um mit einem Camp samt Zukunftswerkstätten, einer Kundgebung sowie einer Demonstration gegen die Wahnsinnschlachterei und den Lobbyismus in der europäischen Agrarpolitik zu protestieren. Auf der großen bunten Kundgebung führte Milchbäuerin Johanna Böse-Hartje von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft selbstbewusst aus, daß eine nachhaltige Klima- und Weltsozialpolitik nur durch eine vom Wachstumszwang befreite bäuerliche Landwirtschaft möglich ist. Eine junge Frau aus Rumänien verwies auf die Auswirkungen von Fabrikschlachthäusern in Osteuropa hin: Landgrabbing und Landvertreibungen nehmen in Osteuropa dramatisch zu. Dazu kommt der vielfache Betrug an den osteuropäischen Arbeitern in derartigen Schlächtereien. Auch hier in Wietze bekamen die Arbeiter 13 € die Stunde versprochen, aber nur 8 ausgezahlt. Viele von ihnen bekamen Hautsauschläge und Vergiftungserscheinungen von den eingesetzten Chemikalien. Das sprachliche Tohuwabohu macht eine gewerkschaftliche Interessensvertretung unmöglich.

Schließlich marschierte der Zug mit hunderten von phantasievollen Transparenten, beweglichen Huhnskulpturen u.ä. los, um eine Menschenkette rings um die Tötungsfabrik zu bilden. Da öffnete der Himmel seine Toren und die große Göttin weinte mit. Als den Demonstrierenden es gelungen war, trotz raumgreifenden Polizeieinsatzes die Menschenkette um den Hochsicherheitstrack zu schließen, unterbrachen die himmlischen Mächte ihre Trauer und grinsten breit mit einem dicken Sonnenstrahl.  Für den Tourismus sind eher solche bunten Scharen förderlich, denn die Hochsicherheitstrakte der Investoren.

Informationen zur Massentierhaltung beim Verein Tier & Mensch e.V.