Immer was los im Allmende-Kontor

Vorletzten Freitag gleichzeitig Besuch aus Frankreich und Australien. Die Pariser berichteten, dass man in Paris jetzt schon 120 Gemeinschaftsgärten habe, die anders als in Berlin seines der Stadt gefördert würden. Tobby aus Australien meinte, dass möglicherweise Australien am progressivsten im Umgang mit der städtischen Landschaftwirtschaft sei. Dort hätten sie gerade erfolgreich ehrenamtliche Gemeinschaftsgärten in staatlich geförderte Projekte verwandeln können, wo nun gezielt mit Erwerbslosen und anderen Marginalisierten gearbeitet werden kann, die für ihre Gartenarbeit bezahlt würden. — Anfang der Woche wies unsere Praktikantin aus den USA, Esther Schlotterbeck unsere neue Praktikantin Solaine Marie-Theres aus Angers, Frankreich ein. Und immer wieder Nachfragen seitens der Presse.  Manchmal ergibt das dann Internetartikel wie etwa hier. Interview mit Elisabeth Meyer-Renschhausen

Die Einhegung der Allmenden

„Einhegen der Allmenden“ – ein merkwürdiges Wort. Denn im Wort „Hege“ steckt die freundliche und bedächtige Pflege eines Stück Lands: „Agrarkultur“. Und der „Hag“, der Erdwall, die Hecke, ist ja das, was einen Garten vor Wildfraß hütet. Aber mit diesen Worten bezeichnete Karl Marx just den Prozeß der Privatisierung der Gemeingüter. Denn wo kam das unendliche Geld her, das dem aufkommenden Kapitalismus in der Neuzeit ermöglichte, sich durchzusetzen? Es entstammte der Einhegung der Allmenden. Den landlosen Witwen wurde von Stund´ an untersagt, ihre Ziegen auf den Gemeindeangern zu weiden. Dass es ihnen von dem Moment an Milch zum Haferbrei fehlte, übersahen die bestimmenden Herrschaften herzlos. Karl Marx schreibt das auf eindrückliche Art und Weise in seinem Kapital, Bd. 1 im 24. Kapitel, m.E. eines der besten Kapitel in seinem Oeuvre. Heute stehen wir weltweit vor einer Art III. Weltkrieg, der so abläuft, dass die da haben, es denen nehmen, die da nicht haben. Den Kleinbäuerinnen und Nomaden des Südens werden ihr Land und ihr Wasser sowie ihre Weidegründe genommen, z.B. in Ruanda, in Kenia oder in Äthiopien. Mittels sogenannter Entwicklungshilfeprojekte berauben die Länder des globalen Nordens die Kleinbäuerinnen des globalen Südens. Diese unglückseligen Bereicherungsformen lassen den Norden nicht unbeschädigt. Die Folgen reichen aufgrund grassierender Ewerbslosigkeit und zunehmender Armut bis in die NGO-Szene hinein. Eine eingehegte Allmende, auf die einer/eine allein einen Besitzanspruch erhebt, ist keine Commons mehr, sondern vielmehr das Gegenteil. Die dazugehörige Gemeinschaft zerfällt und das Land verödet. Die im Hintergrund wartenden Hyänen haben leichtes Spiel.

Aufsatz zum Thema „Von der Bodenfrage zum Reclaim the Commons„…“ in „Zeitschrift für Sozialökonomie“, April 2014

 

Frühling mit Parkpflege und Katze

Viel zu früh aber doch: Frühling. Schon seit Tagen machen die Spatzen auf dem Balkon einen Lärm, als wollten sie den Frühling gewaltsam herbei schilpen. Noch machen sie sich ganz dick. Sie plustern sich tüchtig auf. Noch ist es kalt. Aber die Sonne scheint. Viele Bäume und Büsche scheinen kurz vor dem Austreiben zu stehen. Im kleinen Park lärmt die Parkpflege mit ihrer Maschinerie. Weiterlesen

Tempelhofer Freiheit: Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor

Für die meisten Beteiligten überraschend hat der Volksentscheid für die Nicht-Bebauung des Tempelhofer Feldes eine klare Mehrheit erhalten. Fast schien es so, als habe die entsprechende senatorische Entwicklungs-Gruppe das Wort „Tempelhofer Freiheit“ kurz vor der Wahl wieder verschwinden lassen, weil es den für die Nichtbebauung eintretenden Bürgern gelungen war, das Wort für ihre Vision von freiem Feld „zu übernehmen“. Am 25. Mai votierten im Rahmen der Europawahl über 700.000 Berlinerinnen für die Nicht-Bebauung der großen Brache im Herzen Berlins. Es wäre spannend zu erfahren warum. Ging es ihnen darum, dass nicht schon wieder Freiflächen mit Licht und Luft für Spiel und beruhigung oder Gemeinschaftsgärten samt Kleingärten ewig leerstehenden Gewerbeparks geopfert würden? Oder ging es besonders um die Brutflächen der 180 Feldlerchen-Paare? Wollten die Berliner und Berlinerinnen die Fläche einfach für Sport und Spiel behalten, oder überzeugte sie besonders die interkulturelle Zusammenarbeit in den Gemeinschaftsgärten? Sicher ist: Der Bürgerentscheid war ein Votum für mehr Demokratie, ernst gemeinte Partizipation und Transparenz.

weiterlesen: Tempelhofer.Freiheit.fuer.alle

Allmende-Kontor offenbar zerstört worden. Ersatzweise kann  auch die Emailadresse allmende-kontor@web.de verwendet werden. Am Donnerstag, den 6.6.20014 wurde der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor zum eigenständigen Verein.

 

„Jetzt gehen wir in die Gärten!“

sagte eine Mutter zu ihrer kleinen Tochter als ich vorhin das Tempelhofer Feld verließ. Seit 11.00 morgens war ich dort gewesen, bereits um 11.00 hatten sich etwa 200 Besucher aus aller Welt auf dem keinen Hektar großen Stück Land aufgehalten, um 12.00 picknickte eine ganze Gruppe aus Schwaben dort verteilt auf viel verschieden Sitzgelegenheiten. Bescheiden vertilgten sie ihr Körnerbrotschnitten und pulten dazu gemütlich die hart gekochten Eier aus. Mehr versteckt sassen zwei junge Radlerinnen aus Israel. Und eine Gruppe schwedischer Gartenaktiver wollte ebenfalls gerne viel erfahren. Überhaupt war an diesem 3. Oktober das gesamte Tempelhofer Feld rappelvoll, aber die Besucheranstürme in die Gemeinschaftsgärten waren schier unbeschreiblich. Zwischen einigen Beeten wurde zum Bier polnisch gesprochen, in einer Ecke Kurdisch, in der entgegengesetzten Türkisch, am Nordwestrand Englisch, dazwischen Spanisch und irgendwo auch Deutsch. Auf allen Bänken saßen sie und zwischen den Bänken lagen sie. „Wie auf einem Festival“ meinte eine junge Besucherin zu mir, fasziniert von der friedlichen Stimmung und mochte sich gar nicht aufmachen….