Land, Flucht und Armut: Filmfestspiele

Land, Flucht sowie Armutsmigration infolge Erwerbslosigkeit als dominierende Themen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 11. bis 21. Februar 2016

Das momentaner Hauptthema der Europäer bestimmte den Gewinner des Wettbewerbs: Der Film „Fuocammare“ von Gianfranco Rosi über die Insel Lampedusa bzw. was die Ankunft der Flüchtlinge dort mit den Leuten macht. Der Film zeigt  aus der Perspektive eines Zwölfjährigen, wie die Menschen dort hilfsbereit auf die Flüchtlinge zugegingen, obwohl Europa die Inselbewohner wie die Asylsuchenden dabei teilweise grausam allein gelassen hat.

Im außerhalb des Wettbewerbs gezeigten „Forum“ geht es ebenfalls vielfach um die Situation von Flüchtlingen: In einem chinesischen Beitrag sitzen Bauern einer ethnischen Minderheit im Norden Burmas in den Berge gefangen. Sie sind auf der Flucht vor Grenzstreitikeiten, da sie schon öfter deren Opfer waren. Zum Glück können sie sich auf Zuckerrohrfarmen verdingen, so dass sie unter ihren notdürftigen Plastikplanen immerhin jeden Abend Kochen können. Die Kinder finden das neue Zusammenleben des halben Dorfs in Plastik-Tunneln lustig. Ihr Schwatzen und Streiten bildet eine anstrengende ständige Geräuschkulisse auch Nachts. Aber Bauern müssen ihre Felder bestellen und so gingen viele zurück, während andere sich erneut auf die Flucht machten. (Ta´and von Wang Bing). – In Israel sind die Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan nicht willkommen. Sie finden kaum Jobs und werden als Schwarze diskriminiert. Die Regierung hat mitten in der Wüste nahe der ägyptischen Grenze ein Lager eingerichtet, wo sie viele von ihnen interniert hat, um sie abzuschieben, Ägypten nimmt die Leute aber nicht zurück. Ein Filmer und ein Theatermann kommen auf die Idee, mit einigen der Internierten ein Theaterstück über ihre Situation einzustudieren. Der Film bzw. das Theaterstück konnte dazu beitragen, dass die Regierung dieses Lager wieder auflösen musste (Bein gderot von Avi Mograbi). – Ein junger dänischer und ein deutscher Filmmacher drücken einem Westafrikanischen Flüchtling eine Kamera in die Hand, er möge ihre Flucht-Erlebnisse filmen. Die jungen Männer aus Mali und Côte d’Ivoire haben sich angesichts der schlechten Verdienstmöglichkeiten in ihren Ländern aufgemacht, in Europa Geld zu verdienen. Sie wollen ihren Familien helfen. Sie warten im Wald auf dem Berg Gurugu auf eine günstige Gelegenheit als Gruppe den drei mal sieben Meter hohen Zaun in die spanische Enklave Melilla überwinden zu können. Und zwar ohne dass die Polizei sie widerrechtlich wieder zurück jagt. 15 Monate wartet Abou bereits, hat mehrere vergebliche Versuche hinter sich, bis er es schließlich doch schafft. 15 Monate lebte er in Angst vor der marokkanischen Polizei, die immer wieder zu ihnen ins Lager kam, um sie zu vertreiben, indem sie ihre Decken und ihre Nahrungsvorräte verbrannten. ( Les Sauteurs – d.h. die (Zaun)Springer von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé).26

Zwei Freundinnen in Istanbul finden keine Stellen und verdingen sich in ihrer Not als Putzfrauen, obwohl sie als solche nicht genug für Miete und Strom verdienen können. Irgendwann kann die von ihrem erwerbslosen Mann verlassene Nesrin schließlich nicht mehr, sie gibt auf, ihre kleine Tochter ihrem Schicksal bzw. der Freundin überlassend (Toz bezi von Ahu Ötztürk). Merkwürdiger Weise ist der Film nicht als einer zum Thema Erwerbslosennot verstanden worden. – Im „Landstück“ von Volker Koepp geht es um das Landgrabbing und die Vergiftung der Agrarlandschaften nordöstlich von Berlin, der Uckermark. Humorvoll erzählen junge Einheimische, warum sie zurück kamen und jetzt Biolandwirtschaft betreiben. Sie werden ergänzt von den Berichten von zwei Neubrandenburgern, die Biolandwirtschaft im ganzen großen Stil betreiben. Umweltforscher Michael Succow fasst die Sachlage mit wenigen Sätze zusammen: Weil die Europäer mit unkluger Subvention der von der Energiebilanz her völlig unrentablen industriellen Landwirtschaft die Bauernmärkte Afrikas zerstören, klopfen die Menschen von dort jetzt hier bei uns an…

Meeres- und Artenschutz statt “low fat” Impressionen vom GreenMe Festival

Eine Ursache für die Zunahme der zerstörerischen Tornados, Überschwemmungen und entsetzlichen Dürren der letzten Jahre sind die Ozeane. Genauer gesagt: ihr „Kippen“. Die Meere versauern durch den zu hohen Eintrag von Kunstdüngern und Pflanzengiften. Was dazu kommt sind die lebensvernichtenden Wirkungen von regelmäßig auslaufenden Öltankern und die traditionell übliche „Verklappung“ von Schiffsabfällen in die Meere. Die Unterwasserökonomie mit ihren gewaltigen Lärmemissionen zerstört das Kommunikationssystem der Wale, von denen viele daraufhin verenden und das feingliedrige Ökogefüge zerbricht. Aber es gibt auch Hoffnung und Widerstand. Die heute 82jährige nordamerikanische Umweltaktivistin Sylvia Earle wurde als junge Frau zur Meeresbiologin, weil die Unterwasserwelt im Golf von Mexiko so unbeschreiblich bunt und schön war. Heute sind die ehemaligen Korallenriffe dort zu grauen Wüsten geworden, die bunte Fischwelt ist verschwunden. Sylvia Earle, die zeitweilig auch Regierungsämter inne hatte, macht sich Sorgen um das Leben auf der Erde überhaupt, wenn jenes in den Ozeanen unbemerkt erstirbt. Sie taucht noch immer, um filmend zu erreichen, dass zumindest Teile der Meere als Naturschutzreservate im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben („Mission Blue“). – Der Film („Racing Extinction“) von Louie Psihoyos bestätigt Sylvia Earles Thesen und zeigt anschaulich, warum gerade die Ärmsten der Armen wie z.B. Fischer in den Philippinen an der Ausrottungen seltener Arten beteiligen: Die Überfischung der Weltmeere hat sie um ihre herkömmlichen Lebensgrundlage resp. Fischbestände gebracht. – Besonders bedrückend ist die eindrücklich geschilderte Geschichte vom jungen Arbeitsmigranten Ayiva aus Burkina Faso, der in der Wüste überfallen und ausgeraubt, auf dem Mittelmeer fast ertrinkt, um schließlich in Italien frierend und ohne ernsthafte Unterkunft gewaltbereiten Arbeitslosen gegenüber zu stehen („Mediterranea – Refugees Welcome?). Weiterlesen