fünf Jahre Allmende-Kontor!

AllmendeKontor5JahreklVor ziemlich genau fünf Jahren begann es: das Buddeln im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld. Dem heute wohl berühmtesten Gemeinschaftsgarten Berlins, wie die „Berliner Morgenpost“ kürzlich meinte. Das wurde an einem ausgesprochen wetterwendischen Aprilnachmittag gebührend gefeiert, mit  ausführlicher Einweisung der großen Anzahl interessierter „Neuer“ samt Rundgang durch die Beete.Baumpflanzenkl Anschließend gab es (auf deutsch und arabisch und z.T. auch auf farsi) Vorstellungen und Erläuterungen für die zum heutigen Tag erstmals offiziell eingeladenen Geflüchteten aus den benachbarten Massenunterkünften. Es kamen trotz der Ansage von Regen viele Menschen, ganze Flüchtlingsfamilien mit jeder Menge kleiner und kleinster Kinder, die sich nicht immer völlig lautlos verhielten, als die wackeren Allmendegärtner ihren potentiellen neuen syrischen Mitgärtnern die Regeln der Allmende zu erläutern suchten. Es gab einen kurzen Überblick zur Eine-Welt-Geschichte des Allmende-Kontors und seines Namens, wo sogar trotz fehlender Übersetzung für einen kurzen Moment konzentrierte Aufmerksamkeit herrschte. Viele (außer den „ausgewanderten“ alle)  „alten“ Gründungsmitglieder und zeitweilige MusikZum5jährigenklMitgärtnerinnen waren gekommen und alle freuten sich, einander wieder zu sehen. Die jungen Männer aus dem Flüchtlingsgarten-projekt  „Die Gärtnerei“ vom benach-barten Thomasfriedhof hatten für alle FuFu und einen schön scharfe Paprikasuppe gekocht. Anschließend spielten die „Old Schmetterband“ und die Gruppe „Queerbeet“ und weit über 100 Menschen lauschten oder wiegten sich im Rhythmus der  wunderbaren Musik…  Zuvor aber wurde feierlich ein Apfelbäumchen gepflanzt. Ein Junges Paar hatte sich zur Hochzeit einen Obstbaum schenken lassen, ihn dem Allmende-Garten feierlich überreicht. Er wurde sofort gesetzt und begossen. Daneben durfte die wuselnde Kinderschar Nägel einhämmern… Die Verfasserin dieser Zeilen gab das mit Luca, Umut, Gerhard und Noemi in mehrtätigem Einsatz für das kommende Gartenjahr vorbereitete Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet für den Sommer an eine Flüchtlingsgruppe ab. Eine Gruppe, die regelmäßig mit den Kindern der Flüchtlinge  in den Hangars gärtnern möchte. Die Erdbeeren und die Ringelblumensaat sollen stehen bleiben. Die Kindergruppe wird im Gegenzug die vorderen Rand-Beete mitpflegen, also vor allem gießen, denn sie sind bereits besät bzw. mit neuem Gehölz besetzt. In den Beeten mit den frischgesetzten Holunderbüschen und dem Apfel-Bäumchen dürfen aber an den Rand auch noch („schwachzehrende“) Wildblumen gesäht werden. – Trotz Regen und ziemlicher Kälte war es dank dem großen Einsatz der vorbereitenden Gruppe (Severin, KD, Kristin, Claas  und Kathrin) ein sehr gelungenes Fest.16April2016imAKkl

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Biolandbau auf dem Staudenmarkt

IMG_7125Seit Jahren organisiert der „Gärtnerhof“ aus Berlin-Frohnau alljährlich zwei „Staudenmärkte“ im Botanischen Garten. Hunderte von gartenbegeisterten Berlinerinnen und Brandenburger kommen so z.B. an einem Aprilwochenende zusammen, um die Erzeugnisse der Stauden-gärtnereien aus Brandenburg oder Sachsen-Anhalt, Thüringen bis Ostfriesland oder Polen, Österreich und den Niederlanden etc. zu bewundern und zu erstehen. Der Gärtnerhof ist einer der ersten „neuen“ Gartenbau-betriebe Berlins, der vor über 30 Jahren einmal als „grüner Kollektivbetrieb“ begann. Und daher wohl wird der Staudenmarkt bis heute auch besonders von der TAZ, dem BUND oder ähnlichen Institutionen des alternativen Berlins unterstützt. Erfreulich ist, dass immer mehr zertifizierte Biobetriebe Öko-Pflanzen anbieten, die aus samenfesten Sorten gezogen wurden oder als weniger überzüchtete alte Rosen- oder Kartoffelsorten nahe an die Stabilität von Wildpflanzen heran kommen. IMG_7127Schade ist es, dass die meisten interkulturellen Gemeinschaftsgärten resp. Betriebe der neuen urbanen Agrarkultur – abgesehen von den beiden geförderten Projekten „Berlin summt“ und „Prinzessinnengarten“ – wieder von der Bildoberfläche verschwunden sind. Ursache ist die  Arbeitsüberlastung der (meistenteils ehrenamtlichen) Mitarbeiter dort. Und so gab es in diesem Jahr auf dem Staudenmarkt weder Salatsetzlinge zu erstehen noch Geschichten aus den Interkulturellen Gärten zu hören. Allerdings gibt es auf dem Staudenmarkt nunmehr mehrere Gartenbaubetriebe, die alte Saatkartoffeln oder samenfestes Saatgut anbieten. Auch der Berliner  Imkerverband ist präsent und manche Gartenzeitschriften sowie auch etwa die einschlägige „Buchhandlung am Kleistpark“. IMG_7118Richtungsweisend scheinen der verfasserin besonders jene Stände, die neue Initiativen aus dem ländlichen Raum vorstellen, in deren Rahmen z.B. Wildkräuter-Wissen, Wollverarbeitung oder Touren durch die Naturparks angeboten werden. In der Regel arbeiten sie zwar „nur“ als Nebenerwerbsbetriebe stehen damit aber in schöner Tradition von den das Ruhrgebiet ernährenden Bäuerinnen der 1920er Jahre bis hin zur „individuellen Hauswirtschaft“ der LPG-Bauern in den sozialistischen Staaten 1961 bis 1989.