Freie Künstlerinnen an den Unis

Die Privatdozentinnen sind die freischaffenden Künstler der deutschen Universitäten. Derzeit tagen die großen Wissenschaftsverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Soziologie in Göttingen oder der der Historiker in Münster. Die Politologen treffen sich in Frankfurt am Main. Während die Historiker wie auch die Philosophen sich mit der seit der Austeritätspolitik (1990/1995/2002) merkwürdigen Lage der Privatdozenten und Privatdozentinnen angenommen haben, hat man sich seitens der Soziologie mit der Thematik noch kaum befasst.
Tatsächlich sind die Privatdozentinnen dem Gesetz nach unbestallte also unbezahlte Hochschullehrer mit allen Rechten und Pflichten. Sie sind keine Angehörige des Mittelbaus und auch nicht auf „Arbeitssuchende“ zu reduzieren, wie man das in der DGS wohl auch tat. Sie sind vielmehr die freischaffenden Künstlerinnen unter den Hochschullehrern der deutschen Universitäten. Ebenso wie seit der Wende in Ostdeutschland nahezu jede(r) Dritte in die Freiberuflichkeit als Selbständige(r) gezwungen wurde, sind auch die Privatdozentinnen als freiberuflich tätige Kollegen zu betrachten. Während in den angelsächsischen Ländern der Brauch herrscht, dass etwa bei reduzierten Tagungsbudgets die etatierten Kollegen zugunsten der Freischaffenden auf ihr Honorar verzichten, ist das in der Bundesrepublik Deutschland eher seltener der Fall. Eventuell Ergebnis einer im Prinzip positiven gewerkschaftlichen Orientierung, die jedoch die Tatsache missachtet, dass selten viel mehr als 40 % der erwerbstätigen Bevölkerung eine „sozialversicherungspflichtige Tätigkeit“ beschieden ist. Migranten, Frauen, Querdenkern und anderen Künstlernaturen bliebt daher nur der Weg in die Selbständigkeit – soweit unrealistisch hohe Versicherungsbeiträge das zulassen. (In manchen Fällen hilft hier die Künstlersozialkasse.)

Als den Freischaffenden unter den Hochschullehrern blieben die Privatdozentinnen auf Grund ihrer besonderen Lage bis zum Lebensende aktiv und können auch nicht „pensioniert“ werden. Meistens reicht ihre Rente ohnehin nicht und zwingt sie daher, sich weiter aktiv aus der üblichen interessanten Mischung von Buch- und Vortragshonoraren und gelegentlichen Dozenturen oder Gastprofessuren über Wasser zu halten. Indem die Festangestellten resp. verbeamteten Kollegen sich die Lage der Freischaffenden in den eigen Reihen klar machen und zusehen, die kleinen Schikanen, die die neoliberal gewendeten Unis ihrer Unbezahlten so bereit halten, mindern zu helfen, wird diese Solidarität unter Intellektuellen sich auch auf das Betriebsklima an den Universitäten allgemein positiv auswirken. Eine Verabschiedung der relativen Intellektuellen- und Lehrerfeindlichkeit, die in der Missachtung der Privatdozenten angelegt ist, kann die gedrückte Stimmung an den von der Austeritätspolitik gebeutelten Universitäten mindern helfen. Denkbar wäre etwa eine Art Dienst, der freie Gastdozenturen aus den jeweiligen Fachkollegigen vorrangig den PD anbietet oder aber auch Regelungen, die das wissenschaftliche Publizieren von Freien erleichtern resp. ermöglichen.

Weiterlesen: https.privdoz.de

Elisabeth Meyer-Renschhausen, Die neue Bildungskatastrophe – Zur Lage der
Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen, in: Blätter für deutsche und
internationale Politik Heft 11/2012, S. 111-120 (im Internet als:
http://privdoz.de/c/se?p=pd/meyer1211)

Paul Kellermann, Manfred Boni, Elisabeth Meyer-Renschhausen, Hrsg., Zur
Kritik europäischer Hochschulpolitik – Forschung und Lehre unter Kuratel
betriebswirtschaftlicher Denkmuster, Wiesbaden: VS-Verlag 2009

Sommercamp der Gemeinschaftsgärten

Die Interkulturellen Gemeinschaftsgärten trafen sich zu ihrem alljährlichen Vernetzungstreffen resp. Sommercamp diesmal im Garten Neuland in Köln. Am ersten September-Wochenende führte bei schönstem Wetter interessante Spaziergänge, Radtouren oder auch solche mit der Straßenbahn zu den verschiedenen Gartenprojekten der Millionenstadt am Rhein. Die Stadt Köln unterstützt die Gärten im Rahmen der Idee „essbare Stadt“ und die Kölner Gemeinschafts-Gärten waren maßgeblich daran beteiligt, den Kölner Ernährungsrat mitzugründen.
mehr siehe hier http://www.neuland-koeln.de/ und hier: https://anstiftung.de/