Gartenschau zur Stadtentwicklung? Prenzlau und Hamburg

Prenzlau am SeeDie Kreisstadt der Uckermark, Prenzlau am Uckersee wirbt 2013 farbenfreudig mit der Landesgartenschau. Nicht nur zur Freude der Bewohner findet die Gartenschau auf bereits vorhandenen Park-Flächen statt: dem Kurpark am See und angrenzenden Teil des Stadtparks im Wallgraben ebenfalls längs der Stadtmauer. Wenn jedoch die Errungenschaften der Show wie Heckenrosenbüsche, Kinderspielplatz etc. anschließend weitgehend erhalten blieben, sollte sich der zeitweilige Verzicht gelohnt haben. Überhaupt: Wenn eine solche Gartenschau bedeutet, dass eine Stadt sich herausputzt und Genossenschaftshäuser berankt sowie sogar dem China-Imbiss und der Zimmervermietung außerhalb des Geländes ein paar freundliche Pflanzkübel spendiert, will ich mir diese Gartenschauen, die im Verdacht stehen, pure Reklame-Präsentationen großer GaLa-Firmen zu sein, künftig gerne gefallen lassen. In Prenzlau zumindest haben in einer geglückten Zusammenarbeit das Soziale Stadtprogramm der Europäischen Union, die Stadt Prenzlau sowie das Arbeitsamt mit den üblichen Verdächtigen aus dem Garten- und Landschaftsbau sich hier gegenseitig die Bälle zugespielt und für ein freundlich aufgeräumtes Stadtbild der durch im II. Weltkrieg so besonders geschundenen Stadt gesorgt. Das tut der Stadt Prenzlau, die im Mittelalter mal eine der größten Städte im deutschen Kaiserreich war, gut.

Das Gelände der Gartenschau ist nicht besonders groß. Im ersten Moment hat man den beruhigen Eindruck: hier wurde keineswegs unendlich Geld für einen Ex- und Hopp-Garten-Landschaftsbau (=„GaLa“) verschossen, der schon den Staudengärtner Karl Forster 1910 als wenig nachhaltig ärgerte. Stattdessen wurden im vorhandenen Stadtpark Staudenbeete angelegt, von denen jene mit einer weisen Schatten-verträglichen Bepflanzung mit Efeu, Gräsern, Storchschnabel und Hundsrosen auch in den Alltagspark der Zeit nach der Landesgartenschau gerettet werden könnten. Zugegeben: die Runden Beete auf dem Rasen des Kurparks mit etwa Schüsseln voller durchsichtiger sowie blauer Glasscherben in Schalen haben mir nicht unbedingt eingeleuchtet. Auch die niedlichen Holzdelphine, die aus blauen Bodenbelag hervorzuspringen scheinen, hätte meines Erachtens nicht partout sein müssen. Aber wenn eine Gartenschau ihre Existenz durch das Aufstellen farbenprächtiger Sitzmöbel in Hockerform, die hinterher wieder eingesammelt werden können, anzeigt, will ich mir das gefallen lassen. So wusste ich auch im dunklen Baum-Park am Hexenturm, daß ich mich noch in der Gartenschau befand.Gartenschau in Prenzlau

Sehr gelungen ist die Erläuterung der Geschichte Prenzlaus in knappen Texten auf ansehnlich grünen Schildern. Sie reicht von der ersten Besiedlung vor 8000 Jahren über den 30-jährigen Krieg bis zur Hexenverfolgung, die hierzulande bis ins 18. Jahrhundert währte. Die Knappheit der jeweiligen Geschichts-Häppchen auf den Schildern verdient nachgerade eine pädagogische „Eins“. Die Aufteilung der Gartenschau in zwei Teile suggeriert zudem einen Gang quer durch die Stadt Prenzlau, entlang der Marienkirche. Dieser Riesenbau wurde nach dem Krieg eigentlich nur provisorisch bedacht. Er beeindruckt mit einer Kunstausstellung „Eden“, in der Künstler Elemente der Natur vorstellen. Für die Berliner ist´s nicht schlecht zu erfahren, daß der beeindruckende Turm am westlichen Stadttor (16. Jahrhundert) die Vorlage für die historizistische Oberbaumbrücke von Friedrichshain nach Kreuzberg ist.

Arg versteckt jedoch liegt das in meinen Augen eigentliche Highlight der Prenzlauer Gartenschau, nämlich die Ausstellung des örtlichen Kleingartenverbandes. Auf schlichten Bette und einigen Hochbeeten wird hier ein Gemüseanbau gezeigt, der auch im frühen September noch so strotzt: Salat, Mangold, Tomaten, Kohl und Chinakohl sowie diverse Kräuter, Bohnen und sogar eine wunderschöne Avocado: alles in Hülle und Fülle da. Dazu zwei alte Obstbäume, zwei ordentlich gefüllte Kompostbehälter und zwei Winzighütten, gedämmt mit Feuerholz und das Ganze eingefasst von Spalierobstbäumen: ausgesprochen erfreulich. Warum aber so versteckt?

Neue Formen der Isolation von Hütten in KleingärtenHier – scheint mir – fehlt es an Selbstbewusstsein! Auch wünsche ich mir für das nächste Mal genauere Erläuterungen, mit welchen (biologischen Mitteln) hier Schneckenfraß verhindert oder Kohlkopfpracht erreicht wurde. Positiv überrascht bei meinem Prenzlaubesuch am 4. September 2013 das Konzert der Aktivisten für ein „engagiertes Prenzlau“, die mit einer Orchestergruppe vor dem Eingang zur Gartenschau am Rathaus aufspielten. Eine bunte Truppe mit Posauen und Geige, Gitarre und Trommel spielte mittelalterliche und osteuropäische Tanzweisen. Die hingebungsvoll lauschenden Zuschauer belebten den großen Rathausplatz. Eine gelungene Form auf den Unsinn von Vorurteilen aufmerksam zu machen.

Alles zusammen sicher eine Gartenschau mit mehr menschlichem Maß, als die interessante IGS in Hamburg, die arg groß und zu teuer geworden ist. Die Internationale Gartenschau auf der Elbinsel Wilhelmsburg hat der in Prenzlau allerdings voraus, zu zeigen wie künftig und sehr schön, Kleingartenkolonie in öffentliche Parks integriert werden können. Auch der Stolz der Hamburger Kleingärtner, nämlich eine Art Gemeinschaftsgarten, in dem jede Parzelle nur 200 Quadratmeter hat und der Zaun außen „um zu“ läuft, überzeugt. Hier gibt es zwischen den Parzellen keine Hecken mehr, ein Spielrasen liegt in der Mitte und alles ist überzeugend schön und rein ökologisch bepflanzt. Sehr gelungen, den hier ehrenamtlich tätigen KleingärtnerInnen gebührt hier ein großes Lob. Dieses bestechende Modell könnte jedoch leider auch von der flächengierigen Bauindustrie, die schon die Verwässerung des Bundeskleingartengesetzes der 1980er Jahre auf dem Gewissen hat, gegen die Kleingärtner in Innenstadtlagen missbraucht werden. Daher scheint es der Verfasserin unklug, die Interkulturellen Gemeinschaftsgärten weder in die Gartenschau integriert zu haben, noch sie hier zu zitieren. Denn wäre es nicht viel angebrachter, dass gegen die Gier des Finazkapitals, das seit 2007 lieber in Sachwerte anlegt, heute alle Gartenfreunde jeglicher Coloeur zusammenarbeiteten?

© Elisabeth Meyer-Renschhausen