Ende des dritten Gartenjahrs des Allmende-Kontor

Ein Gartenjahr ist zu Ende. Am heutigen Gartenarbeitstreffen des Allmende-Kontors gab erst einen kleinen Überblick über drei Jahre Allmende-Kontor in 35 Bildern. Später wurde in Arbeitsgruppen gearbeitet. Es gibt in dem chaotischen Haufen der 300-700 Mitgärtnerinnen immerhin deutlich über ein gutes Dutzend, die von sich aus aktiv wurden, Bienen-Projekte gründeten, eine Facebookseite einrichteten, Kompost-Workshops abhielten und jetzt auch bereit sind, sich um die Gründung eines eigenen Vereins und die Finanzen zu kümmern. Das ist durchaus Hoffnung machend, nun fragt sich nur ob die Seite der Stadt resp. des Landes Berlin, diese Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement ausreichend würdigen wird. Die Veranstaltung seitens der Investoren gestern im Flughafen-Gebäude zur Bebauung des Ostrandes des Tempelhofes Feldes läßt da Zweifel aufkommen. Dort bezahlte man als Eintritt für einen Tag Seminar, Messe und Verköstigung ungefähr so viel, wie die viele der Gartenkünstlerinnen und Mitgärtner des Allmende-Kontor in einem ganzen Monat zum Leben haben. Man verteilte teure Hochglanzbroschüren ohne eigentliche Inhalte: Hauptbotschaft: Häuser in der Nähe von Parks und Gärten sind doppelt so wertvoll. Der Mehrpreis geht nicht ins Stadtsäckel, sondern bleibt beim „Investor“.- Interessant waren im Verlauf des Jahres sind die Unterschiede hinsichtlich der Mikroklimata etc. zwischen den verschiedenen Gärten. Während auf dem Tempelhofer Feld trotz Wind und Wetter die Dahlien, Kürbisse, Wildblumen und Cosmea grünten und blühten, wurden sie im Gemeinschaftsgarten auf Gelände der Eisenbahnlandwirtschaft Potsdamer-Güterbahnhof meistens nichts. Die kleingärtnerische Schneckenplage ließ keine einzige Dahlie und kaum einen Kürbis hochkommen. Die Hälfte der Kleingärtner verstand nicht recht, welch´ ein Wunder es ist, daß wir diese Kleingartenanlage haben retten könnten und sind dem Vereinsvorsitzendenden wegen Lapalien böse. Sie bewundern weder das vielgefragte Outdoor-Gartenlokal „Café Eule“ und auch nicht den wunderbaren Gemüsewuchs im Garten der koreanischen Frauengruppe… Im Interkulturellen Garten am Magdeburger Platz dem „Citygarten“ hingegen konnten die Gärtnerinnen im Gegensatz zum Allmende-Kontor ihre Tomaten auch ernten… Aber da war beim Gartenjahrabschluß bereits vor knapp vier Wochen es doch etwas frustrierend festzustellen: engagiert sind fast immer dieselben. Immer wieder landen auf den Komposthaufen dicke Strünke unzerschnitten, wird das Wäldchen hinter den Beeten wie schnödes Hinterland behandelt. Immerhin war unser Herbstgarteneinsatz lustig, wir haben viel geschafft; die Hecken haben jetzt die hübsch sanft geschwungenen Formen weiblicher Handarbeiterinnen, es gab viel Tee und wilde Geschichten aus den Schulen z.B. und die Kinder haben tüchtig Tulpenzwiebeln eingebuddelt. Jetzt beginnt wieder ein Winter, wo man wieder nur „trocken“ gärtnert auf den diversen Veranstaltungen und Runden Tischen, schreibend oder redend wie hier z.B. beim „Politischen Suppentopf“ von Inkota und der „Zukunftstiftung Landwirtschaft“ letztes Wochende in Berlin……

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