1. Forum Stadtgärtnern Berlin, Mai 2014

Am Samstag, den 17. Mai trafen sich bei schönstem Sonnenwetter erstmals Gartenfreunde und Gemeinschaftsgärtner im Vereinshaus der Kolonie „Am Stadtpark I“ in Wilmersdorf zu gemeinsamer Kurztagung. Anlass war das  1. Treffen eines neu geründeten Berliner „Forum Stadtgärtnern“. Man lauschte kurzen Vorträgen, sah einen knappen Film, arbeitete in Arbeitsgruppen und freute sich bei Kuchen, Suppe und Salaten am persönlichen Austausch. Vertreter der Berliner Gartenfreunde trafen sich mit Gemeinschaftsgärtnern zum „Forum Stadtgärtnern“ als neuer gemeinsamer Plattform, die alle Berliner Gartenliebhaber von denjenigen in Kleingärten über die in Interkulturellen Gärten, den „Freiraumlabors“ bis hin zu Kinderbauernhöfen und Erwerbsbetrieben umfassen soll.DreiArbeitsgruppenElMeyer-Renschhausen

Der Initiative gingen jahrelange eher informelle Treffen der Arbeitsgruppe Kleinstlandwirtschaft, der „Berliner GartenaktivistInnen“ sowie der runde Tisch des DBU[1]-Projekts „Urban Gardening“ 2011-2013 voraus. An letzterem waren auch die Gartenarbeitschulen, die Peter-Lenné-Schule und neuere Erwerbsbetriebe wie die Bauern- oder Prinzessinengärten beteiligt. In der Zukunft sollen nach Möglichkeiten auch grüne Bürger-Projekte wie das Museumsdorf Düppel, die Domäne Dahlem, das Ökowerk e.V., der Lichtenrade Volkspark oder Landwirte wie etwa der Wendthof oder die von „Meine Ernte“ mit einbezogen werden.

Es geht darum, die bisherigen grünen Lungen und Grünzüge Berlins gegen Bebauung und/oder Vernachlässigung zu verteidigen und bei Zukunftsplänen wie etwa der „Strategie produktive Stadtlandschaften“ der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz frühzeitig und „hörbar“ mitreden zu können. Geplant sind etwa 3-4 Treffen pro Jahr an jeweils wechselnden Orten mit jeweils wechselnden Gastgebern. Die E-Mail-Liste, über die die Einladung der Interessierten erfolgt liegt derzeit in Händen von Wilfried Büttner, dem Vorsitzenden der Bahnlandwirtschaft „Tempelhofer Berg“ auf dem ehemaligen Flugfeld. Ankündigungen der nächsten Treffen erfolgen auch per „Aushang“ im Internet. Besonders auf dem www.stadtacker.net einem vom „Allmende-Kontor“ zusammen mit dem Forschungszentrum in Müncheberg ZALF geschaffenen Internetportal.

Das Treffen am 17. Mai hatte als inhaltlichen Schwerpunkt die derzeit besonders drängende „Grund- und Boden“-Frage: wie verteidigen wir die durch Bauvorhaben bedrohten Gartenanlagen? In einem einleitenden Vortrag zeigte Dr. Elisabeth Meyer-Renschhausen, Privatdozentin an der Freien Universität auf, dass auch früher die Kleingärtner zu engem Zusammenschluss gezwungen waren, wenn sie ihre Kolonien erhalten wollten. Vor dem ersten Weltkrieg trieb ein so genanntes „Generalpachtsystem“ die Pachtpreise in die Höhe. Es ist vergleichbar mit dem heutigen Konzept der „Zwischennutzung“, dem die Gemeinschaftsgärten heute in der Regel ausgesetzt sind. (Und zwar obschon die „Zwischennutzung“ in der Regel auf die vergleichsweise kostspielige und ökologisch weniger wertvollen Container-Gärtnerei verpflichtet. Ein erzwungener Garten-Umzug“ gefährdet den Zusammenhalt und weil Kräfte raubend auch die Projekte als solche.)

Dr. Gabriele Gutzmann gab  in ihrem Vortrag „Gärtnern in Raum und Zeit: Kleingartenschutz in Berlin“ einen Überblick über die verschiedenen Sicherungsstufen der Berliner Kleingartenanlagen und die aktuelle Bedrohung insbesondere der innerstädtischen Anlagen durch den Stadtentwicklungsplan Wohnen, die Strategie produktive Stadtlandschaft sowie die derzeit sich vollziehende Arbeit der Fortschreibung des Kleingartenentwicklungsplans für die 159 Anlagen mit Schutzfrist 2020.  Auch die Laubenkolonien, die als „Dauerkolonien“ gelten, sind vor Umwidmungen keineswegs gefeit. In nur wenigen Fällen haben die Bezirksämter sich die Mühe gemacht, die bestehenden Gartenanlagen im B-Plan festzuschreiben. Herr Bothe vom Vorstand der Berliner Gartenfreunde e.V. erläuterte u.a. die Unterschiede der Verteidigungsstrategien früher und heute. Seitdem die Berliner, die Westberliner zumal, nicht mehr eingemauert sind und ins Umland ausweichen könnten, sei die Kampfbereitschaft der Laubenpieper etwas verflogen. Das Land Berlin verliert durch diesen Massen-Auszug aus der Stadt jedoch viele Steuerzahler, seit der Wende sind es ganze 1,5 Millionen meistens besser Verdienende.

Im dem schönen Film „Bedrohte Paradiese“ von Nicole Walter und Kristin Radix von der ehemaligen Kolonie „Hand in Hand“, werden verschiedene derzeit bedrohte Laubenkolonien gezeigt. Neben anderem wird gezeigt, wie oft Kleingärten unnötig früh drangegeben werden, ohne dass bereits konkrete Bauvorhaben anstünden. Dem Bezirk Neukölln fehlt nach wie vor das Geld zu dem Neubau des Campus Rütli-Schule, der auf dem Gelände der Kolonie „Hand in Hand“ erfolgen sollte. Auch der Autobahn A 100 wurden vorzeitig unzählige Gärten geopfert, die außer den Menschen auch eine ganze Tierpopulation gefährdet resp. heimatlos machte. Demgegenüber konnte der 2011 ebenfalls zum Verkauf stehende „Prinzessinnengarten“ am Moritzplatz u.a. durch 27.000 Unterschriften und einen einsichtigen Bürgermeister gerettet werden.

In der anschließenden Arbeit in den Arbeitsgruppen ging es vor allem darum, konkrete nächste Schritte zu diskutieren. In der Arbeitsgruppe mit Klaus Trappmann, Vorsitzender der Gartenkolonie POG ( = Potsdamer Güterbahnhof Bahnlandwirtschaft) im neuen Park auf dem Gleisdreieck West waren die Teilnehmerinnen begierig zu hören, wie es gelingen konnte, eine Garten-Kolonie, die über 25 Jahre lang geopfert werden sollte, schließlich doch zu retten.

Abschließend wurde festgestellt, dass das nächste Forum Stadtgärtnern voraussichtlich am Samstag, den 23. August, 14.00 bis 18.00 im Garten „Spreeacker“ an der Köpenicker Straße stattfinden sollte. [Adresse: „Hinter Köpenicker Str. 48-49“]. Zwischenzeitlich lädt der Runde Tisch des DBU Projekt zu einer Abschlusstagung am 13. / 14. Juni in Berlin ein. Details bitte dem Portal www.stadtacker.net zu entnehmen.

 Elisabeth Meyer-Renschhausen

 

 

 


[1] Deutsche Bundesstiftung Umwelt