Bauern ernähren die Welt

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Wir haben es satt“

Am Samstag den 16.1.2016 trafen sich 23.00 Bauern, Tierschützer, Vegetarierer mitsamt von 130 Treckern in Berlin zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die unvernünftige Agrarpolitik der Europäischen Union resp. der Bundesrepublik und der Bundesländer. Gerade hatten die Brandenburger per erfolgreichem Volksbegehren gezeigt, dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen Massentierhaltung ist. Auch wenn es diesmal mit „nur“ 23.000 nicht ganz so viele waren wie im letzten Jahr, wo 50.000 Demonstranten gekommen waren, war die Stimmung  vergnügt wie die Sprüche auf vielen Transparenten kreativ und lustig.  „Power to the Power“  war auf einem der Traktoren von der organisierenden „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (ABL) zu lesen. „Die Zeit ist reif für Ernährungsouveränität“ stand auf einem anderen. „Kein TTIP“ ( = Transatlantisches Handelsabkommen) stand auf sehr, sehr vielen Fahnen oder Transparenten. Abgesehen von der AbL hatten zahlreiche andere Gruppen, Vereine und Stiftung wie etwa die „Zukunftstiftung Landwirtschaft“ oder der „BUND“ und viele, veile andere bei der Organisation geholfen. Die Demo-Route führte durch die Innenstadt, so dass immerhin der eine oder andere Tourist die Protestierenden bestaunen konnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA TierschutzkleinP1160060 StoppTTipklP1160058Eigentlich wissen alle, dass kleine und mittlere Betriebe, egal ob in der Landwirtschaft oder in Produktion und Handwerk die Mehrzahl der Menschen beschäftigen. Es ist daher verwunderlich, dass die Politik allzu einseitig auf Exporterhöhung und Handelabkommen setzt, statt sich um menschenwürdige Lebensbedingungen im eigenen Land zu kümmern. Zumal der Verzicht auf tierquälerische Milchmassen-produktion niemanden in Versuchung bringen würde, Kleinbäuerinnen in West-Afrika um ihr Einkommen und Brot zu bringen wie etwa durch Einfuhr von Milchpulver zu Dumpingpreisen, wie ein Redner aus Westafrika auf der Abschlußkundgebung anmahnte.

Die auf der Demo gut vertretene Jugend hatte in einer geselligen „Schnippelsdisko“ am Abend zuvor dafür gesorgt, dass es anschließend bei der Heinrich-Böll-Stiftung für die ausgekühlten Demonstranten warme Suppe zu Musik, Kaffee, Vorträgen und neuem „Fleischatlas“ gab.

Besonders beeindruckend waren die Berichte von neuen Initiativen aus der Praxis: es gibt mehrere neue Bodengenossenschaften und überall neue Hofinitiativen. Besonders beeindruckend war der tatsächlich live zustande kommende Bericht aus Syrien, von wo aus einer einge-schlossenen Stadt ein dortiger Gartenaktivist berichete: Seit zwei Jahren bauen sie dort auf jedem nur möglichen Flecken Gemüse an, auf Dächern, in Höfen und auf allen Brachen. Die Einführungskurse in das Gärtnern ohne Gift und Geld fanden im Libanon oder in der Türkei statt. Das nötige Saatgut kommt von hier und natürlich muss es samenfest sein, damit sie jedes Jahr neu wieder aussäen und ernten können. Der Erfolg ist, dass niemand mehr verhungert und die Menschen wieder etwas Mut fassen; die Lebensmittelpreise sanken sogar wieder ein wenig.