Meeres- und Artenschutz statt “low fat” Impressionen vom GreenMe Festival

Eine Ursache für die Zunahme der zerstörerischen Tornados, Überschwemmungen und entsetzlichen Dürren der letzten Jahre sind die Ozeane. Genauer gesagt: ihr „Kippen“. Die Meere versauern durch den zu hohen Eintrag von Kunstdüngern und Pflanzengiften. Was dazu kommt sind die lebensvernichtenden Wirkungen von regelmäßig auslaufenden Öltankern und die traditionell übliche „Verklappung“ von Schiffsabfällen in die Meere. Die Unterwasserökonomie mit ihren gewaltigen Lärmemissionen zerstört das Kommunikationssystem der Wale, von denen viele daraufhin verenden und das feingliedrige Ökogefüge zerbricht. Aber es gibt auch Hoffnung und Widerstand. Die heute 82jährige nordamerikanische Umweltaktivistin Sylvia Earle wurde als junge Frau zur Meeresbiologin, weil die Unterwasserwelt im Golf von Mexiko so unbeschreiblich bunt und schön war. Heute sind die ehemaligen Korallenriffe dort zu grauen Wüsten geworden, die bunte Fischwelt ist verschwunden. Sylvia Earle, die zeitweilig auch Regierungsämter inne hatte, macht sich Sorgen um das Leben auf der Erde überhaupt, wenn jenes in den Ozeanen unbemerkt erstirbt. Sie taucht noch immer, um filmend zu erreichen, dass zumindest Teile der Meere als Naturschutzreservate im ursprünglichen Zustand erhalten bleiben („Mission Blue“). – Der Film („Racing Extinction“) von Louie Psihoyos bestätigt Sylvia Earles Thesen und zeigt anschaulich, warum gerade die Ärmsten der Armen wie z.B. Fischer in den Philippinen an der Ausrottungen seltener Arten beteiligen: Die Überfischung der Weltmeere hat sie um ihre herkömmlichen Lebensgrundlage resp. Fischbestände gebracht. – Besonders bedrückend ist die eindrücklich geschilderte Geschichte vom jungen Arbeitsmigranten Ayiva aus Burkina Faso, der in der Wüste überfallen und ausgeraubt, auf dem Mittelmeer fast ertrinkt, um schließlich in Italien frierend und ohne ernsthafte Unterkunft gewaltbereiten Arbeitslosen gegenüber zu stehen („Mediterranea – Refugees Welcome?).

Ein junger australischer Filmer, Damon Gameau, unternahm den einen Selbstversuch. Er beschloss sich für seinen Film („Voll verzuckert“) sechs Wochen lang nur von „low fat“-Fertiggerichten aus dem Supermarkt zu ernähren. Da in diesen Produkten das Fett meistens ungeniert durch Zucker ersetzt wird, musste er so indirekt um die 40 Portionen Würfelzucker pro Tag verzehren. Die ihn begleitende Ärztin stellte bereits nach 14 Tagen eine entstehende Fettleber fest. Am Ende der sechs Wochen war seine Leber in dramatischem Zustand und er hatte 9 Kilo zugenommen, bedrückende Bauchfettansammlungen und das, obwohl er täglich nicht mehr als 2300 Kalorien pro Tag verzehrt hatte… Ein junger österreichischer Filmer, David Groß, fuhr mit seiner „Abfall-Küche“ durch Europa, um überall „er-containerte“ Lebensmittel zu verkochen („Wastecooking“) und stieß auf wackere Bürgerinitiativen. Kurzum: Das Green Me Festival war einen Besuch mehr als wert, leider riss die Verlagerung von Kongressort und Abschlussparty weit weg vom Kinogeschehen die Veranstaltung unglücklich auseinander. Und kleine Frage nebenbei: wer wusste eigentlich vom Green Me Festival? Warum wird Derartiges in den Medien vorher so wenig angezeigt?