Schafe auf demTempelhofer Feld

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Allmenden und Genossenschaften

Zum Donnerstag, den 26.4. 12.00-13.30 vor dem Reichstag.

Wir gratulieren der Raiffeisen-Genossenschaft zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens. Diese Agrargenossenschaften ermöglichten den Bauern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Überleben. Aber die Genossenschaften wurden im Wendeprozeß ihrer Gemeinützigkeit beraubt und sind heute – extrem gefährdet – von der UNESCO daher zum Weltkulturerbe erhoben. Denn nur Neu-Gründungen von Landbaugenossenschaften ermöglichen im 21. Jahrhundert etwa Hunderten von Kleinbäuerinnen Indiens Überleben und Erfolg. Die Allmenden können wir dabei als Vorform oder eine ältere Form von Genossenschaften oder Gemeinwirtschaft betrachten. Sie hielten sich teilweise bis heute, wie wir dank Elinor Ostrom wissen.

Die Raiffeisen-Genossenschaft möchte zu ihrem Jubiläum Anlaß dem allseits beliebten Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld 20 Hochstamm-Obstbäume schenken. Denn schließlich ist dieser Garten als neue
Allmende so etwas wie das Herz und Symbol des Tempelhofer Felds als neuer „Gemeinheit“ geworden, also einer neuen „commons“ wie es auf Englisch heißt. Vermehrte Neueinrichtungen von commons – das werden wir für die Zukunft überall brauchen. Eßbare Stadtlandschaften verwaltet in Bürgerhand bzw. konkret neuen Allmende-Genossenschaften – die werden wir gerade auch in den Städten benötigen, allein schon deshalb, um die vom Land Vertriebenen vor der für die meisten unerträglichen Bürde der Erwerbslosigkeit bewahren zu können. Um ihnen einen Raum für Eigenarbeit als tätiger Selbsthilfe geben zu können.

Die geschenkten Obst-Bäume wird das Allmende-Kontor allerdings gleich an das Tempelhofer Feld als solches resp. das Land Berlin weiter verschenken, schon mangels Platz im eigenen Garten, zumal Gemüseanbau und Obstbäume sich nur bedingt vertragen. Das Feldforum des Tempelhofer Feldes wird mit Unterstützung der „Feld-Koordination“ entscheiden, wo sie stehen sollen.

Den Namen „Allmende“-Kontor verdanken wir übrigens Ivan Illich, dem Kritiker der Expertokratie, der das schöne Buch „Das Recht auf Gemeinheit“ schrieb, sowie Karl Linn, einem Community-Gärtner in Berkeley. Karl Linns Buch heißt „Building Commons and Communities“, denn das hat er ein Leben lang getan. Karl Linns Mutter war eine erfolgreiche „Zurück-Aufs-Land“-Pionierin der ersten Stunde, 1913 baute sie allein mit Hilfe der Rentengut-Genossenschaft „Freie Scholle“ eine erfolgreiche Obstbaum-Plantage auf, die später vielen jüdischen Mädchen eine Art frühen Kibbuz mit Landbau-Ausbildungs-Möglichkeit bot. Solange die Kirschbäume noch nicht trugen, ernährte sie sich von einer Subsistenz-Landwirtschaft mit Hühnern, Kühen und Schweinen und allem drum und dran. 1933 aber wollte der Nazi-Bürgermeister ihr Land, der üble Bodenraub der Nazis… Gegen das Landgrabbing weltweit hilft nur das „Reclaim the Commons“! Henny Rosenthals Sohn, Karl Linn, trug diese Idee dann durch die halbe Welt und unterstützte dabei auch die Besetzer vom Ziegenhof in Charlottenburg. Als einer, der häufiger die Länder und Städte wechselte, wußte er wovon er sprach: Das „Wiederverwurzeln in der Fremde“, das geht am allerbesten in der Gemeinschaft einer Allmend-Genossenschaft, in einem Gemeinschaftsgarten auf einem Tempelhofer Feld als Gemeinheit, die allen gehört und daher auch auch den „Neuen“ offen steht…

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Allmende-Kontors Gemeinschaftsbeete

GetreideKringelZuStaudenbeetEMRGärtnerinHildegardHEMR Im Gemein-schaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld gibt es wie in anderen Interkulturellen Gärten etwa 250 individuelle Beete, die von Kleingruppen oder auch von Einzelnen gepflegt werden. Manche Beete sind winzig, andere hingegen sind nahezu schon ganze Haziendas. Denn einige Gärtner haben über die Jahre die Beete der Nachbarn, die andauernd verreist sind, mit in Pflege genommen. Andere wohnen sehr nah und finden auf ihren Wegen immer wieder verstoßene oder sonstwie heimatlose Pflanzen… Und so buchten sich ihre Beete in alle Richtungen aus. Wachsen wie ein Feigenkaktus, mal hier mal da in die schmalen Wege hinein, die so nicht überall mehr die geforderte Schubkarrenbreite aufweisen. — Gemeinschaftsbeete gibt es aber auch. Zum Beispiel sind die meisten Randbeete mit ihren bienenfreundlichen Schlehen, Sanddorn- oder anderen Beerenbüschen oder Apfelbäumchen Gemeinschaftsbeete. Auch der sogenannte Getreidekringel – ein Beet, das im ersten Allmende-Jahr von befreundeten Projekten als Kornkreis angelegt wurde. Nachdem die Krähen heraus hatten, dass hier für sie gesät worden war, war es aus mit den hochwogenden Roggenhalmen. So versuchen einige wackere Allmende-Gärtnerinnen seit Jahren ein Staudenbeet daraus zu machen, um ein lauschiges Plätzchen zu schaffen, in dem sich Gärtnerinnen und Besucher auch mal mit ihrem Buch verstecken können oder pfiffige Überlebens-Künstlerinnen etwa wieder Massagestunden anbieten können. Nachdem im Winter die Rosen- und Holunderbabies aus diesem Common mal wieder lange Beine bekommen hatten und ein Teil der Wildaussaat von einem tapferen Mitgärtner mit Erde zugedeckt worden war, versuchten es einige Nimmermüde kürzlich wieder das runde Hügelbeet zu festigen, zu besäen und als Kräuter- und Staudenbeet zu bepflanzen. Während unter dem Zeltdach die Jugend der Welt fröhlich musizierte, kamen zum ersten Arbeitseinsatz fünf. Das Durchschnittsalter war 77. Kein Kunstück – dank Gärtnerin Hildegard, die mit 87 immer noch mitackert. Dieses Wochenende gibt es ein kleines Porträt von der vielleicht „dienstältesten“ Gärtnerin des in der taz – der tageszeitung.

Hildegard im Allmende-Kontor

SpontanMusikImAllmendeGartenEMRInternationalerJugendaustauschImAllmendeEMR

Gerda Münnich (1939 – 2017)

GerdaMünnichbeiderAGKleinstlandwirtschaft2007EMRDie Berliner Gartenaktivistin Gerda Münnich starb am 12. April 2017 im 78. Lebensjahr. Geboren wurde sie am 4. Oktober 1939 im Spreewald. Im Bild sieht man sie auf einer Sitzung der AG Kleinstlandwirtschaft im ersten Interkulturellen Garten auf dem noch wilden Gleisdreieck 2006 ganz rechts. Sie gehörte zu den bekanntesten Gemeinschaftsgarten-Gründerinnen Berlins. Gerade bereitete sie mit großem Einsatz ihre berühmte Garten-Bustour zum nächsten „Langen Tag der Stadtnatur“ vor, wo es diesmal ganz besonders um das Tempelhofer Feld mit der Kleingartenkolonien Tempelhofer sowie Neuköllner Berg sowie gefährdete Gärten und Bürgergrüns in Neukölln und Marzahn gehen sollte. Im letzten Jahr beriet Gerda Münnich als Vertreterin der Berliner Gartenszene das „Klimagärten“-Projekt an der Humboldt-Universität, wo sie zugleich im Projekt-Beirat war. Für das „Allmende-Kontor“ hat sie unendlich viele Schüler-Gruppen und Studierende empfangen und ihnen den Garten und sein Anliegen erklärt.

Ein Nachruf erschien am 21.4. in der taz – die tageszeitung: Gerda Münnich taz

weitere siehe http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/report/brri0065.html

und hier: http://www.tempelhoferfeld.info/

Wandelwoche im Allmende-Kontor

wandelwocheauftaktWandelwoche im Allmende-Kontor: Ein wunderschönes Wandelwochen-Auftakt-Fest, mit Debatte zu Frage der Wiederkehr der Allmenden, ein Permakultur-Workshop mit Swantje vom Gleisbeet und Caterina, Martina und noch einer vom Allmende-Kontor resp. der Kompostgruppe. Zum Schluß bepflanzten die Workshopteilnehmerinnen das in Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet zwischen die gut angekommenen Erdbeeren vom letzten Jahr Kohlstauden-Setzlinge, die der Biohof „herb´s“ aus Dötlingen (im Oldenburger Land) gespendet hatte.

Während des tief in den Abend währenden Auftaktfests waren besonders die Gäste aus München und Stuttgart  entzückt von Blumen- und Gemüsefülle zu Wildwuchs und fantasievoller Anlage des Gartens.

Auch Filippos Polatsidis von „den Gärtnern“, einem Solidaritätsgarten von Arbeitslosen für Arbeitslose in Thessaloniki in wandelwocheimallmendekontorGriechenland war beeindruckt vom Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor, dem neuen Windrad und der Fahrrad-Reparaturinitiative auf dem Tempelhofer Feld… Auch eine öffentliche Debatte einiger Parlamentarierinnen, organisiert vom in Berlin neu gegründeten „Ernährungsrat“, mehr unter www.ernaehrungsratschlag.de, war Teil der Wandelwoche. Die Wandelwoche läuft noch eine ganze Woche in Berlin und Brandenburg mehr hier: bbb.wandelwoche.org

wandelwochebeackertlennebeetPS.: Und auch im Bundesumweltministerium ist der Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor angekommen: auf der neuesten Postkarte zum 30-jährigen Bestehen des BUMB wirbt man mit einer Ansicht des Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld… Zum „Geburtstags-Fest“ im TU-Campus am Gasometer in Berlin-Schöneberg war das „Urban Gardening“ – wie man so sagt – „prominent“ vertreten und auch nicht nur in Form von Postkarten und Pflanzenbegrünten Palettenbänken, sondern auch im Rahmen eines Workshops zum „Urban Gardening im Quartier“.

besucherimallmendegartenemr

Die Hauptstadtgärtner von Tempelhof

Meyer-RenschhausenAm 8. Juli 2016 wurde auf Initaitive einer örtlichen Naturschützerin in der Kiez-Buchhandlung Menger am Tempelhofer Damm in Berlin-Tempelhof das Buch „Die Hauptstadtgärtner“ erneut vorgestellt. Und zwar diesmal nahe des „Orts des Geschehens“, dem Tempelhofer Feld. Anschließend wurde es mit Renate Künast, der ehemaligen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und langjährigen Abgeordneten im Deutschen Bundestag diskutiert. Die Juristin Künast ist nämlich zudem leidenschaftliche Gärtnerin und hat gerade die Schirmherschaft über einen Flüchtlingsgarten übernommen. Als eine Voraussetzung einer neuen urbanen Agrarkultur interessierte das Publikum besonders die Frage des Umgangs mit den Commons, also den „Gemeinheiten“ und Allmenden – zumal angesichts des Flüchtlingsdramas. Wissen wollten die Zuhörer aber auch, wie man sich „fair“ so ernährt, dass man durch sein Einkauf- und Kochverhalten weder Klima, Böden oder die Bauern schädigt und möglichst auch keine Kleinbäuerinnen im globalen Süden. Renate Künast lobte, dass im Buch nicht nur erklärt wird, wie man  etwa Tomaten in Kisten pflegt, und  von wo aus die Pflanzen jeweils eingewandert sind, sondern dass auch die ernährungsphysiologischen Seiten der einzelnen Gemüse angesprochen sind. So wäre es möglich, nicht nur die Kräuter, sondern auch alle Gartengemüse (altmodisch gesprochen:) „diätetisch“, also „therapeutisch“ einsetzen. Das anregende Gespräch in der gemütlichen Buchhandlung führte schließlich zu diversen Buchkäufen…

 

Sommerfest und Workshops im Allmende-Garten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Freitag, den 12. Juni hatten wir dank Niels Rickerts und Hermann Barges Einsatz ein wunderbares Fest in unserem Gemeinschafts-Garten
Allmende-Kontor. Die „richtigen Sechs“ (oder so) aus Oranienburg haben professionell einen wunderbaren Swing gespielt, alle Kinder und auch viele Erwachsene haben mitgetanzt und gewippt. Vielen Dank vor allem Niels und Hermann
für dieses großartige Fest! Vorher las Wolf Schluchter, Prof. a.D. von der BTU Uni Cottbus aus seinem neuen Roman „Der Gral“ vor. In dem Buch geht es um die Verquickung von Atomindustrie und Macht. Die Leserin wird mit ungeahnten Zusammen-hängen konfrontiert. In den anschließenden Workshops stellten sich die Brandenburger Ökonauten als eine neue Bodengenossenschaft vor. Anschließend wurde der Kongress zur Solidarischen Ökonomie vom 5. bis 13. September in Berlin vorgestellt. Unter www.solikon2015.net ist mehr zu erfahren. Derzeit ist es noch möglich einen Workshop anzumelden.

Hauptstadtgärtner in der Zeitung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnnette Kuhn von der Berliner Morgenpost interviewte eine der Hauptstadtgärtnerinnen auf dem Berliner Gleisdreieck (6. März 2015, „Der Garten ist für alle da“) . „Die Ernte gehört den Gärtnern“ steht auf dem Schild, das die jugendlichen Freiwilligen eines internationalen Workcamps im Sommer 2007 für die Gärtnerinnen auf dem Gleisdreieck schufen. Man traf sich dort, wo sich die Gärtner das Gelände mit der Bauindustrie teilen müssen, obwohl Berlin noch immer eher eine schrumpfende Stadt ist, die Innenstadtbezirke zumal, wie kürzlich dem Berliner Tagesspiegl zu entnehmen war. Während die Zuwanderung erst seit 2006 die Abwanderung und zwar noch immer um nur wenige Menschen (175.000) übersteigt. Das ist keine Zahl, die zu Besorgnis Anlaß geben muß, angesichts der 1,5 Millionen Menschen, die die Hauptstadt seit der Wende an das grüne Umland verloren hat. Mehr Gärten in der Stadt  würden die Zahl der Stadtflüchtigen (und bessergestellten Steuerzahler!) wahrscheinlich nachhaltig minimieren helfen. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, Hausgärten: die Städter brauchen Grün zum Atmen, zur Erholung und um ein wenig graben zu können. Auch die Erwerbslosen brauchen eine Gelegenhiet zu sinnvollem Tun. Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor etwa werden die Leute aktiv: Die Kompost-AG höchst engagiert beim „Boden selber machen“.´(am 7.März 2015), andere kümmern sich um Bienen oder Färberpflanzen.

 

Common Ground

Treffen der attac AG Solidarische Ökonomie Berlin-Brandenburg

am Donnerstag, 14. MÄRZ 2013, 19 h
Thema: Common Ground. Die Wiederkehr der Allmenden?

Common Ground: So hieß die Architektur-Biennale 2012 in Venedig. Öffentlicher Raum. Gemeinsames Erbe. Gemeine Gründe. Common Ground, das bedeutet sowohl gemeinsames Wissenserbe als auch öffentliche Plätze. Common Ground, das sind überkommene Traditionen und tradiertes Wissen, „Wissensallmenden“. Common Ground, das sind öffentliche Räume, wo wir uns treffen und reden wie Plätze, Parks, Straßen.

Elisabeth Meyer-Renschhausen gibt einen Überblick über das Thema. Klaus Prätor wird einige Beispiele aus Wien und Franken beisteuern.

Die attac AG Solidarische Ökonomie Berlin-Brandenburg trifft sich immer am zweiten Donnerstag des Monats um 19 Uhr im Stadtteilzentrum Pankow, Schönholzer Straße 10/11 im Seminarraum im zweiten Stock.

Information sowie einen ausführlicheren Text von Elisabeth Meyer-Renschhausen auch auf
http://soliblog.org

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Gemeinschaftsgarten des Allmende-Kontor auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof Foto: (c) Elisabeth Meyer-Renschhausen