Ein Gartentag im Allmende-Kontor

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Eine frische Briese fegt über das Tempelhofer Feld und macht die Hitze sehr viel erträglicher als anderswo in der Stadt. Aber auch hier ist es heiß und die Kinder haben offenbar mit dem Wasser gespielt, nachdem welche von der „Südstadt“ unseres Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor alle Schläuche aneinander geschraubt hatten, so dass auch die südlichen Randbeete per Schlauch begießbar sind. Ich übernehme und gieße mit Hilfe eines begeisterten kleinen Kindes namens Edu die Gemeinschaftsbeete wie den ehemaligen Getreidekringel. Als das Kind keine Lust mehr hat, hilft mir die alte Hildegard die restlichen Gemeinschaftsbeete wie das Peter-Lenne-Beet und die Obst-Bäume zu gießen. Hildegard, 86, ist neuerdings über Khatol, der sie beim Bewirtschaften ihres Beets hilft, in unserem Garten aktiv. Was mich freut: sie kommt vom Lande, von einer LPG und kennt sich aus. Danach fülle ich die blauen Tonnen auf, die natürlich wieder leer sind. Und schließlich rolle ich mit Hilfe von Hildegard alle die vielen Schläuche wieder ein und verschließe das Feuerwehrbesteck in seinem Kasten. Die jungen Männer, die auf der Bankgarnitur vor dem Bienenbeet sitzen, helfen mir bereitwillig den Schlauch über die Beete zu hieven, sie freuen sich eigentlich sogar, mir kurz helfen zu können. Anschließend werden wir von der türkischen Frauengruppe eingeladen, die sich im Schatten der Weide im amerikanischen „Kibbuz“ niedergelassen haben, mit ihnen zu picknicken. Ich genieße die wunderbar schlichte türkische Rohkostkultur. Wir sitzen da sehr schön und friedlich, aber nicht alle Frauen können deutsch. Es kommt kein gemeinsames Gespräch auf. Ich erkläre meiner Nachbarin, einer jungen Mutter, die öfter hier ist, welche Beete sie zu gießen helfen könnte. Erst den Samstag darauf, als wir uns wieder treffen, beginnt Sina zu erzählen, wer von ihnen kurdisch sei. Sie wünscht sich, dass wir wieder mehr Feste machen.

Zurück zum Sommertag im Juli: später pflanze ich meine Biokräuter, gieße mit Humofix angereichertem Wasser und mulche mit meinem mitgebrachten Rasenschnitt. Obwohl sie heute sehr trocken sind, sehen unsere drei Beete ganz gut aus: Topinambur, Bohnen und Kürbisse wachsen in ihren jeweiligen Kisten tapfer vor sich hin. Die rot blühenden Feuerbohnen bringen im Verein mit den orangenen Calendula Farbtupfer hinein. Die vielen Brennnesseln rings um die Beete verhindern allerdings erfolgreich, dass ich weder Petunie noch vorgekeimte Kartoffeln im Topinambur-Container verbuddeln kann… Als ich nach Sonnenuntergang davon radele, sitzen an den verschieden Tischen oder auch auf dem Rasen zwischen den Allmende-Kontors-Beeten um die acht große Picknickgruppen, die sich englisch, italienisch, türkisch, kurdisch oder deutsch unterhalten. Im uneingezäunten Park auf dem Gleisdreieck, den ich später durchquere, der inmitten der Stadt keine Schließzeiten kennt, sitzen im Dunklen bestimmt 15 Jugendgruppen…

Wasserdienst im Allmende-Kontor

Aus dem Grau der Dämmerung heraus fällt sie mir um den Hals. „Elisabeth, meine Süße, wir haben uns so lange nicht mehr gesehen!“ Es ist Günner. Sie arbeitet jetzt bei einem Bäcker. Deshalb kann sie Nachmittags nicht mehr in den Garten kommen. „Kann ich mit dem Schlauch noch eben die lila Gruppe gießen“ fragt sie noch etwas atemlos. Ich muß leider verneinen. Es ist schon fast dunkel. Und im Finstern werden Neulinge wie Marie und ihre Helfer vom „Mintgrünen Klassenzimmer“ es niemals schaffen, die vier Schläuche zurück in ihre Kiste zu bringen. Sie müssen ja auch das Feuerwehrhydrantenbesteck herausschrauben und ebenfalls zurück zu legen. O. k., beruhigt sie sich sofort, Paul werde ihr morgen früh dann wohl helfen. – Ich bin seit kurz vor sechs hier und jetzt ist es bald zehn. Ich komme nicht weg, weil eine Gruppe nach der nächsten zum Schlauch an der Wasserstelle drängt. Es war allzu heiß. Sämtliche Topinambur lassen traurig die Blätter hängen, obwohl sie doch aus ihrer Prärie, wo sie herkommen, Einiges gewöhnt sein müssten. Wir hatten beschlossen, sämtliche Gemeinschaftsbeete zu gießen, auch die hinteren Heckenbeete. Dafür muß man alle vier Schläuche aneinanderschrauben.

Die vier Schläuche bis dahin zu schleppen, ist nicht ganz einfach. Aber die Wandertour entlang des Schlauchs durch den Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor ist nicht uninteressant. Adam aus Tschechien und Sarah aus Frankreich helfen mir, denn für eine(n) allein sind die schweren Schläuche nicht zu bewegen. Wir treffen auf Susanne aus dem Salzkammergut, sie hat mit ihrer Gruppe neun der Heckenbeete unter ihrer Regie, eigentlich klappe es mit dem abwechselnden Gießen ganz gut… in der Nähe der Heckenbeete zupfen zwei verzweifelt an ihrer Zucchini im zu engen Plastik-Beet. Die beiden jungen Frauen haben ihr Beet direkt neben der wohlbestellten Shamba aus Kenia. Sie berichten, dass sie dieses Jahr nur Blumen gesät hätten, weil ihnen letztes Jahr alles, aber auch alles geklaut worden sei. Der Freund der einen unterhält jetzt einen großen Selbstversorgergarten in Sachsen, da würden die Zucchini RIESIG! Dann bleibt der Schlauch bei den Söhnen der Anden hängen, die ich ewig nicht sah. Ihr Beet mit dem lustigen roten Dächlein in der Mitte sieht dieses Jahr wieder ganz gut aus. Anschließend faszinieren Adam, Sarah und mich die Kletterkürbisse an der Knöterichlaube der Italiener. Bereitwilligst erklären sie uns auch die diversen Kohlsorten, die sie gepflanzt haben. Zum Schluß füllen wir die blauen Tonnen an den Wasser-Containern ein zweites Mal und immer noch bitten uns welche, ihnen doch noch eben zehn Minuten den Schlauch zu überlassen…