Vom Paradies, Allmenden und Kühen

Der kleine Küstenort Agonda in Goa ist ein Paradies. Die Fischer und Bauern leben in offenen Palmenhainen. Die Touristen ergötzen sich an den am Strand frei laufenden Kühen. Rindviecher in allen Farben wie auf den Gemälden der Renaissance. Fast alle lieben die Kühe. Aus den edlen Ressorts werden sie jedoch verjagt, wenn sie sich zum Wiederkäuen hingelegt haben. Am abendlichen Strand jedoch müssen manche Mütter länger nach ihren Töchterchen schreien. Da die eben mit einem der Kälbchen schäkern. Das Kalb versteckt sich scheu neugierig hinter der Alten. Erst als das Kind eingesammelt worden ist, macht das kleine Kalb übermütige Bocksprünge, offenbar vor lauter Begeisterung so viel Bewunderung hervorgerufen zu haben. Es versucht einen Altersgenossen mitzureißen, mit Erfolg. Die lustigen Sprünge der Kälber sind ansteckend. Viele der den Strand entlang wandelenden Touristinnen zücken ihre Handys, um an dieser Lebensfreude teilzuhaben.

Zum Sonnenuntergang veranstalten die Kellner mancher Strandressorts fast eine Art Schaufüttern. Einer setzt sich mit den Brotresten in die Herde und ernährt die Kälber. Das Gros der Herde steht um einige Plastikboxen mit den gesammelten Küchenresten. Harte Papaya- und Ananasschalen sind darunter, an denen die Kühe geduldig kauen. Die Abendsonnen-Wanderer bleiben beeindruckt stehen. Später erklärt mir der jüngste Kellner des „Jardim a Mar“, dass sie die Kühe eigentlich nicht füttern dürften, wegen der Hygiene. Wenn sie dabei erwischt werden, müssten sie zahlen. Deshalb warten sie bis zum Abend, weil dann keine Beamte mehr unterwegs wären. Der junge Mann mit der falsch herum aufgesetzten Baseballkappe stammt aus Nepal. Sie wären hier fast alle aus dem Himalaya. Sie wäre Hindus und gäben deshalb den Kühen die Küchen-Abfälle etwa aus der Obstsaft-Herstellung. Die Kühe hätten jetzt Ende der Trockenheit kaum noch etwa zu fressen. Wer die Kühe während des Monsuns füttere, wenn die Touristen weg und die Restaurant zu sind, wisse er auch nicht. Er glaubt, dass die Kühe herrenlos wären.

Nach der Fütterung beginnt das Sozialleben unter den Rindviechern. Jetzt geht das Gerangel unter den verwunderlich vielen Stieren in der Herde los. Die Stirnen aneinandergelegt schieben sie sich über den Strand. Manchmal geraten zwei Bullen auch ernsthafter aneinander. Ihr Kampf wird heißer, sie bewegen sich dabei auf den Wanderstreifen der Feriengäste zu. Da kommt die weibliche Müllbrigade in orange und grün mit Müllsäcken und Reisigbesen bewaffnet. Die zierlichste von ihnen mit Wetter-gegerbtem Gesicht unter dem mit einem Schal festgebundenen Hut winkt mich heftig weg. Dann bewirft sie die Bullen energisch mit einigen Handvoll Sand. Die Tiere lassen sofort voneinander ab. Die zierliche Dame ist stolz und von Stund´ an grüßen wir uns wie alte Bekannte. Andere Jungbullen sind ohnehin friedfertig und beginnen – nachdem sie eine Weile gerangelt hatten – sich gegenseitig abzuschlecken und zu kraulen. Währenddessen die Kühe ihre Kälber anstubsen, nun doch bitte aufzustehen und brav zu saufen. Die freilaufenden Kühe sind jung, halbe Färsen, keine wird gemolken. Zumindest noch nicht.

Am nächsten Tag sehe ich im Dorf zwei blitzblanke Milchkannen. Dahinter wäscht ein Bauer sein Milchgeschirr. Ja erklärt er mir froh, er sei Milchbauer und melke morgens und abends. Davon könne er ganz gut leben. Jeden morgen um neun käme der Milchwagen und hole die Milch seiner fünf Kühe. Da kommt ein weißes Pritschenauto und er hilft beim Aufladen der schweren Stahlkannen und erhält zwei leere zurück. Die indische Regierung ist bemüht genügend Molkereiprodukte für alle anbieten zu können. Die staatliche Molkerei Almu wirbt für ihre Milch und Butter. Tee mit Milch, eine Art Kefir namens Lassie und Süßigkeiten aus Milch gehören in Indien zu Leben dazu. Später sehe ich in anderen Teilen Indiens an viel befahrenen Landstraßen angebunden gehaltene Einzelkühe mit strammen Eutern. Kühe und Büffel als Zug- und Pflugtiere und Milch- sowie Düngerproduzenten sind aus der Indiens Landwirtschaft nicht wegzudenken und bringen der Bauern einen wichtigen Teil ihrer Einkommen.

Ein allzu intensives Interesse an der Herde am Strand zwecks eventueller Fotos wird von den Rindern auch schon mal falsch verstanden. Einmal bemerke ich gerade noch rechtzeitig wie ein Viermonats-Kalb hinter mir seinen noch hörnerlosen Schädel mit schlangenartigen Bewegungen angriffslustig zu drehen und zu wenden beginnt. So als wolle es mir sogleich den wohlverdienten Schubs geben. Als ich mich umdrehe und es auf den Irrtum hinweise, merkt es, dass es sich im Spielkameraden geirrt hat. Es trollt sich von dannen… Es sind wohl besonders diese freilaufenden Tiere, die im christlichen Goa unbekannteren Strände Indiens etwas Paradiesisches verleihen. Aber wie lange noch? Noch sind die meisten Palmen- und Cashewnußhaine rings um die Häuser uneingezäunt. Noch können Affen, Schweinchen und Kühe sowie auch manches Pferd oder auch alte Büffel sich freilaufend durch die Nutzbaumhaine bewegen.

Aber auch in Indien wird sogar in entlegenen Orten Land privatisiert. Immer mehr Land gehört immer weniger Großgrundbesitzern. Der Mittelstand baut sich auch auf dem Land größere Häuser und zieht Zäune ums Grundstück. Die Dorfallmende mit dem öffentlichen Badestrand sei erst kürzlich von einem Investor aufgekauft und mit neuen Holzhütten zu einem Ressort verwandelt worden, erzählt mir eine Dame aus Wien, eine der vielen Dauergäste. Es handelt sich um jenen Palmenhain, den die Kühe gerne für ihre mittägliche Verdauungsrunde benutzen. Mit den freilaufenden Kühen jedoch, wird mir klar, verlöre der ansonsten eher langweilige Badeort zweifelsohne das Paradiesische.

In anderen Teilen Indiens wurden die Flußauen der derzeitigen Bauwut bereits illegal geopfert, erzählt mir die Ökoaktivistin Vandana Shiva empört. Damit verschwänden die wesentlichen Weidegründe der Rinder und der Wasserbüffel. Nun fristen Kühe und Büffel mit ihren prall gefüllten Eutern ein trauriges Dasein in Anbindehaltung an den Straßenbäumen oder in den Höfen. Es sei denn, ihre Besitzer treiben sie wie früher in den Staatsforst, was heute aber nicht mehr statthaft ist. Opfert Indien seine Allmenden? Geht auch hier das Landgrabbing auf Kosten von Viehhaltern und das mittelständige Tourismus-Gewerbe, obschon Landwirtschaft und Kleingewerbe die allermeisten Inder ernähren?

Liebe geht durch den Magen: Bauern fördern!

Es war ein Fest: All´ die Engagierten aus allen Teilen der Republik und aus lange verstrichenen Konferenzen und Zusammenhängen wieder zu sehen – in alter Frische und mit immer noch ungebremstem Engagement. Junge und alte vielfältig Aktive hatten die lustigsten Sprüche erfunden und Schilder gemalt, die sie nun tapfer in die Luft hielten: wie etwa „Liebe geht durch den Magen“ oder „Bauer sucht Biene“ oder giftiger: „Weil Du bist, was Du isst: Fresst doch selbst Euren Mist!“ Es gab auch mehr ernsthafte Forderungen auf den Transparenten wie etwa „Gerechte Preise für Milcherzeugnisse“, „Wer TTIP sät, wird Tierfabriken ernten“ oder mehr auf die Not der Landwirte im globalen Süden orientiert: „KleinbäuerInnen fördern – Landraub stoppen!“ oder „Rechte von Bauern und Bäuerinnen stärken – für eine UN-Kleinbauernerklärung!“ Die wunderbaren Gartenaktivisten kamen mit einem so großen Banner, mit dem sie forderten, die mit so viel Engagement und Liebe begärtnerten Freiräume zu erhalten, dass es schier unfotografierbar war. Besonderen Jubel erzielten die Klima-Aktivisten von „Ende Gelände“ als sie von einem Rohbau ganz in der Nähe des Wirtschaftsministeriums ein riesenhaftes Transparent mit der einleuchtenden Forderung „Grünkohl statt Braunkohle“ herunter lassen konnten. – Nach der Demo gab es zum „Supp´n Talk“ wie schon in den Jahren vorher einen fast vierstündigen Maraton mit der jeweils 5-minütigen Vorstellung einiger der besten Projekte aus der Bundesrepublik Deutschland und ganz Europa. Besonders begeisterte der Bericht aus Frankreich, wo man auf dem besten Wege ist, die Ackergifte der konventionelIen Landwirtschaft ganz zu verbieten. Ebenso erfreute die Nachricht, dass auf Grund des internationalen Engagments der externe Landaufkauf resp. das Landgrabbing in manchen Ländern des Südens vorerst beendet werden konnte. Junge Aktive von La via Campesina u.a. traten für die Rechte der Kleinbäuerinnen des Südens ein und vertraten die Idee, diesen Begriff als quasi eine Art „Kampfbegriff“ beizubehalten. Auch der Report der „AG Kleinstlandwirtschaft“ mit ihren Konferenzen, Büchern und Gemeinschaftsgärten stießen auf ein erstaunliches Interesse und viel Zuspruch… (hier der Beitrag als pdf.)

Solidarisches Olivenöl: von Athen lernen

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Die Gründer des Solioli fuhren anlässlich des Kongresses für Solidarische Ökonomie „Universse2017“ im Juni 2017 nach Athen. Nachdem die Initiative „Solioli“ und die beiden von ihr unterstützen Kooperativen „Greenland“ und „Modousa“ sich in Athen vorgestellt hatten, machte sich ein Teil der Gruppe auf den Weg in den Peloponnes bzw. nach Lesbos, um die Kooperativen genauer kennen zu lernen.

Auf dem Kongress für solidarische Ökonomie „Solikon“ im September 2015 regten junge Leute der Athener Initiative „Solidarity4All“ an, griechischen Kooperativen auf direktem Wege Öl abzukaufen. So entstand die Berliner Initiative „Solioli“. Der Solioli nimmt griechischen Kooperativen das Öl ohne Zwischenhandel ab. Die Produzenten erhalten, statt wie sonst nur 10% vom Ertrag ihres Produkts, bis zu 60% des Endpreises. Federführend ist der Berliner Philosoph und Informatiker Klaus Prätor. Nach zwei erfolgreichen Direkt-Bestellungen ging’s los: einige Mitglieder der Attac-AG Solidarische Ökonomie fuhren nach Griechenland. Anlass war der Kongress für Solidarische Ökonomie „Universse2017“ in Athen, den griechische Initiativen wie „Dock“ und „Solidarity4all“ zusammen mit RIPESS – dem Solidarity Economy Europe Network – organisiert hatten. Bei Kalamata hatten sich z.B. vier junge Leute nach ihrem Studium auf die kooperative Landwirtschaft besonnen, mit einigen gleichaltrigen Nachbarn eine neue Kooperative gegründet und mit dieser neuen Genossenschaft namens „Greenland“ die Zusammenarbeit in der ganzen Gegend neu beleben können…

DieJungeKoopVorDenRäumenDerAltenKoopEMRÄhnlich wurde die Kooperative Modousa auf Lesbos erst vor drei Jahren mitten in der Krise, nämlich im Jahr 2014 gegründet, um den Olivenbauern der Region Gera (an der Gera-Bucht) durch gemeinsame Verarbeitung und Vermarktung bessere Einkünfte zu verschaffen. Zwei der Hauptgründer der Kooperative Modousa, Panagiotis Karavotakis und Kostas Artakianos, waren nach längeren Studien- und Wanderjahren um das Jahr 2000 auf ihre Heimat-Insel Lesbos zurückgekehrt. Kostas und seine Frau Siggi, die sich an den Stränden von Kreta resp. beim Arbeiten in den Kibbuzim Israels kennen gelernt haben, betreiben seither ein wunderschönes Gartenlokal, was sie samt Garten dazu im Rahmen eines EU-Programms selbst aufbauten.  Sogar die drei Fremdenappartements bauten sie selbst in ihren steil den Berg hoch kletternden Olivenhain hinein. In ihrem Gartenrestaurant „Taverna Avlonas“ bedienen, schnippeln, kochen und spülen sie selbst. Mittlerweile sind sogar die beiden Töchter Daphne und Artemis mit eingestiegen, die eine als gelernte Köchin sogar ganz. An allen Sommer-Wochenenden ist Hochbetrieb, an denen alle vier von morgens bis abends ranklotzen müssen. Denn im Kreis der Familie oder mit Freunden gemeinsam am Busen der Natur zu tafeln ist den Griechen einer der Hauptgenüsse des Lebens, worauf sie auch in Krisenzeiten unmöglich ganz verzichten können.

Besonders beeindruckend ist das aus-der-Krise-eine-Chance zu machen: zwar arbeiten sie mitsamt aller Familienmitglieder hart, freuen sich aber auch, wieder in ihren altangestammten Paradiesen leben zu können, ohne dort zu vereinsamen. Die Gastfreundschaft war überwältigend, die gemeinsamen Tafelrunden im Schatten eines großen Walnussbaums anregend und friedlich zugleich. Damit wir aber nicht etwa faul würden, wurden wir die jeweils nächsten Tage wieder die Berge hochgescheucht, um uns die über 1000-jährigen Städte der griechischen Geschichte erklären zu lassen oder aber Kräuter wie den griechischen Bergtee zu suchen resp. zu finden… „Von Griechenland lernen“ war das Motto der diesjährigen Dokumenta-Ausstellung in Kassel und Athen mit dem Leitbild eines Iglu-Zelts auf dem Hügel gegenüber der Akropolis, offenbar keine schlechte Idee. Weiterlesen:

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http://solioli.de/die-fruechte-der-krise-kooperative-olivenproduktion-in-griechenlandKostasUndSiggiInIhrerKücheEMR

 

Nyeleni-Kongress für Selbstversorgung

Ende Oktober trafen sich in Cluj, Rumänen, in den Zelten der „Expo Transilvania“ 2000 überwiegend junge Ernährungsaktivisten und Bäuerinnen aus ganz Europa. Hauptanliegen war, für das Recht auf eine eigenständige Ernährung einzutreten. Schließlich würde 70 Prozent der Menschheit immer noch mittels kleinbäuerlicher Landwirtschaft ernährt. Lebensmittel nachhaltig vor Ort anzubauen und auf lokalen Märkten zu verkaufen, erhält nicht nur ländliche Arbeitsplätze und überhaupt weltweit überall benötigte Erwerbsgelegenheiten, sondern auch die Artenvielfalt, Biodiversität und die Umwelt. Und zwar in Osteuropa oder Südeuropa oder Afrika so gut wie in Asien, es gab neben der Chefin von La via Campesino Afrika, Elizabeth aus Zimbabwe, auch einige Delegierte aus Birma, Sibirien oder Kirgisien. Beeindruckend war sich an den Länder-Ständen zu informieren, wie etwa der Kampf für den Erhalt der Umwelt und der bäuerlichen Landwirtschaft etwa in Griechenland oder der Türkei von vielen verschiedenen Organisationen getragen wird. In Ungarn haben Ernährungsaktivisten die ersten Gemeinschaftsgärten gegründet, in Polen boomt derzeit die Solidarische Landwirtschaft (CSA, community supported agriculture). Der Kongress wurde ausschließlich von regionalen Produkten ernährt, die von einem schweizerisch-österreichisch-rumänischem Kochkollektiv täglich frisch zubereitet wurden. Das Interessanteste waren natürlich die Besuche lokaler Umweltinitiativen und Bauern oder Bäuerinnen am Exkursionstag.

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Nyéléni calls to action!

Ernährungsrevolution in der Kirche

Stadt – Land – Food: Zum Erntedankfest 2016 zurück zum Essen der kurzen Wege, mit ökologisch vertrebarem „Fußabdruck“, Qualität statt Quantität. In Berlin fand Anfang essenskongressinderkircheOktober erneut rings um die gerettete Markthalle Neun ein Festival des Guten Essens als auch ethisch vertretbarem Sich-Verköstigen statt. Eine große Vielfalt von handwerklichen Nahrungsmittel-Verarbeitern präsentierten bei schönstem Sonnenwetter ihre Käse-Sorten, Brote, lokalen Biere, Öko-Blumen, Vielfalt an Apfelsorten, Würsten etc. Die Berliner würdigten das Angebot und schlenderten in unendlichen Massen durch den alternativen  Lebensmittelmarkt unter freiem Himmel. Nebenbei konnte man in den anliegenden Cafés sich etwa erläutern lassen, was richtigen türkischen Kaffee ausmacht. Immer wieder ist erstaunlich, dass eben dort, wo die Statistiken die handwerkliche Lebensmittelerstellung für nicht mehr rentabel hält, junge und auch weniger junge Leute bereits den nächsten Betrieb aufgemacht haben.Die Motive sind eine Melange aus ästhetischen, physiologischen, ökologischen und ethischen Ansprüchen. Zu deutsch: Man hat einfach keine Lust mehr, durch sein Ernährungsverhalten die Menschen vom Horn von Afrika oder Südamerika in den Hunger infolge Dürre durch Kilmawandel zu treiben. Daher beflügeln diese Ansprüche offenbar in so hohem Maße, dass niedrige Einkünfte oder längeren Hängepartien bei Betriebseröffnung in Kauf genommen werden. Man ist zufrieden im Gefühl, das gute Leben im falschen immerhin zu probieren und dabei von intessanten Gesinnungsgenossen umgeben zu sein. In zahlreichen Workshops, sogenannten Lebensmittelwerkstätten, konnte man in der Markthalle Neun viele Praktiker und Engagierte kennenlernen und mit Bauern und Politikern diskutieren.

berichtausburkinafasoemrParallel dazu fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz ein Kongress statt mit dem p1010542Titel „Wir haben es statt! – Landwirtschaft macht Essen“. Es wurde über Landgrabbng diskutiert und wie eine enseitig auf die industrielle Landwirschaft fixierte Landes Politik Brandenburgs die Böden des Berliner Umlandes zerstört. Es wurde erkärt, wie die wahnsinnige Überproduktion von Milch in Europa, den Milchviehhaltern in Afrika die lokalen Absatzmärkte untergräbt. Zum Schluß traf sich eine Runde junger Aktivistinnen und Aktivisten für das Ziel der „Ernährungsouveränität“, wozu sie sich in einer Organisation namens Nyeleni zusammen geschlossen haben. Man wird gemeinsam zum europaweiten Nyeleni-Kongress nach Cluj in Rumänien, ehedem Klausenburg, fahren, wo sich 800 Ernährungsaktivisten aus ganz Europa treffen werden. Es geht darum zu kären, wie lokales und umweltverträges Essen künftig möglich sein wird, viele der jetztigen food-activits studieren Landwirtschaft oder Gartenbau oder sind schon Jungbäuerinnen oder Gärtner und meistetuerkischkaffeemachenemrns auf der Suche nach geeignetem, bewirtschaftbarem Land…

 

 

Blog „Auf nach Cluj!“: http://nyeleni.de/auf-nach-cluj/ernaehrungslehreniiemr
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Mutter Erde geht in die Stadt

imvalentinoparkemr   albanientanztemr Der 9. Terra Madre Kongress von Slow Food verließ die dunklen Fiat-Hallen und ging in die Stadt. An allen Ecken Turins wuchs der Kohl. Auf dem Marktplatz wurde beispielhaft gekocht. Im Innenhof der Universität gab es eine Ausstellung zu der unglaublichen Diversität von Honig und dessen Sammelformen. Im wunderschönen Valentino-Park entlang des Flusses Po standen saatgutundmusikausborneoemrklHunderte von Ständen und präsentierten traditionelles Saatgut, alte meterhohe Roggensorten oder das Bier aus handwerklichem Betrieb. Die 7000 Delegierten aus 141 Ländern der Erde präsentierten ihr Engagement für klimatisch und landschaftlich angepasste Rindersorten, ihre auch zu Heilzwecken guten Kräutertees und diskutierten in zahllosen Workshops kohlinmittenturinsemrklauch bedrückende Probleme, wie das fortgesetzte Landgrabbing auf Kosten von Kleinbäuerinnen weltweit. Oder sie freuten sich über so ermutigende Projekte wie „10.000 Gärten für Afrika“, das rein aus Afrikanischer Initiative vor etwa fünf Jahren in Ruanda entstanden, jetzt schon über 2400 Gemeinschaftsgärten umfasst, in den vorbildlich und ökologisch Gemüse angebaut und kompostiert wird.  Viele der Delegierten hatten ihre traditionellen Gewänder mitgebracht und manche dazu auch ihre Musikinstrumente. So wurde spontan immer wieder mal getanzt, beispielsweise  bei den Albaniern oder bei den Musikanten aus Borneo.

Im Carignano-Theater, in dem ehedem Italien einmal gegründet worden war, fanden die großen Konferenzen statt. Alice Waters aus konferenzimtheateremrKalifornien, die Vizepräsidentin von Slow Food, bekannt dafür, dass sie die Menschen in ihrem Restaurant aus dem eigenen Garten versorgte, präsentierte stolz ihre Initiative für Schulgärten in der Westküstenregion der USA. Slow-Food-Gründer Carlos Petrini war begeistert von den Massai in Tansania, denen es gelungen ist, einen Angriff auf ihre traditionellen Landnutzungsrechte abzuwehren.

Insgesamt kann man den Slow Food Terra Madre Kongress 22. bis 29. September als eine gelungene Kooperation zwischen der Kommune Turin, der Region Piemont und einer überaus erfolgreichen „NGO“ betrachten, auf die Turiner nach anfänglichem Desinteresse heute stolz sind. Der bunte Umzug, die „Slow Food Parade“, hat mit den dieschoenstenaufderparadedietaiwaneremrbeeindruckenden Wildpilze-Sammlern mit ihren Kiepen (übrigens aus New England), den wunderschön bunt gewandeten Südost-Asiaten oder den lustigen Delegierten-Gruppen aus Afrika alle vergnügt gestimmt. Auf der Abschlußkundgebung beschenkten die Beteiligten sich gegenseitig, Alemitu neben mir bekam japanische Salzfischchen geschenkt, ich geräuchertes Salz aus Südafrika. „Vote with your Fork“ und unterstütze so die weltweit ackernden 500 Millionen Familienbetriebe, die die uns vielfältig ernähren, trotz der Übermacht der wenigen, den Weltmark dominierenden Giganten. Beeindruckende Foto-Ausstellungen, Kurz-Workshops von lokalen Wasserspar-Initiativen, Künstler-Events und Installationen in der ganzen Innenstadt zogen Tausende an…

Bauern ernähren die Welt

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Wir haben es satt“

Am Samstag den 16.1.2016 trafen sich 23.00 Bauern, Tierschützer, Vegetarierer mitsamt von 130 Treckern in Berlin zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die unvernünftige Agrarpolitik der Europäischen Union resp. der Bundesrepublik und der Bundesländer. Gerade hatten die Brandenburger per erfolgreichem Volksbegehren gezeigt, dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen Massentierhaltung ist. Auch wenn es diesmal mit „nur“ 23.000 nicht ganz so viele waren wie im letzten Jahr, wo 50.000 Demonstranten gekommen waren, war die Stimmung  vergnügt wie die Sprüche auf vielen Transparenten kreativ und lustig.  „Power to the Power“  war auf einem der Traktoren von der organisierenden „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (ABL) zu lesen. „Die Zeit ist reif für Ernährungsouveränität“ stand auf einem anderen. „Kein TTIP“ ( = Transatlantisches Handelsabkommen) stand auf sehr, sehr vielen Fahnen oder Transparenten. Abgesehen von der AbL hatten zahlreiche andere Gruppen, Vereine und Stiftung wie etwa die „Zukunftstiftung Landwirtschaft“ oder der „BUND“ und viele, veile andere bei der Organisation geholfen. Die Demo-Route führte durch die Innenstadt, so dass immerhin der eine oder andere Tourist die Protestierenden bestaunen konnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA TierschutzkleinP1160060 StoppTTipklP1160058Eigentlich wissen alle, dass kleine und mittlere Betriebe, egal ob in der Landwirtschaft oder in Produktion und Handwerk die Mehrzahl der Menschen beschäftigen. Es ist daher verwunderlich, dass die Politik allzu einseitig auf Exporterhöhung und Handelabkommen setzt, statt sich um menschenwürdige Lebensbedingungen im eigenen Land zu kümmern. Zumal der Verzicht auf tierquälerische Milchmassen-produktion niemanden in Versuchung bringen würde, Kleinbäuerinnen in West-Afrika um ihr Einkommen und Brot zu bringen wie etwa durch Einfuhr von Milchpulver zu Dumpingpreisen, wie ein Redner aus Westafrika auf der Abschlußkundgebung anmahnte.

Die auf der Demo gut vertretene Jugend hatte in einer geselligen „Schnippelsdisko“ am Abend zuvor dafür gesorgt, dass es anschließend bei der Heinrich-Böll-Stiftung für die ausgekühlten Demonstranten warme Suppe zu Musik, Kaffee, Vorträgen und neuem „Fleischatlas“ gab.

Besonders beeindruckend waren die Berichte von neuen Initiativen aus der Praxis: es gibt mehrere neue Bodengenossenschaften und überall neue Hofinitiativen. Besonders beeindruckend war der tatsächlich live zustande kommende Bericht aus Syrien, von wo aus einer einge-schlossenen Stadt ein dortiger Gartenaktivist berichete: Seit zwei Jahren bauen sie dort auf jedem nur möglichen Flecken Gemüse an, auf Dächern, in Höfen und auf allen Brachen. Die Einführungskurse in das Gärtnern ohne Gift und Geld fanden im Libanon oder in der Türkei statt. Das nötige Saatgut kommt von hier und natürlich muss es samenfest sein, damit sie jedes Jahr neu wieder aussäen und ernten können. Der Erfolg ist, dass niemand mehr verhungert und die Menschen wieder etwas Mut fassen; die Lebensmittelpreise sanken sogar wieder ein wenig.

Land, Flucht und Armut: Filmfestspiele

Land, Flucht sowie Armutsmigration infolge Erwerbslosigkeit als dominierende Themen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 11. bis 21. Februar 2016

Das momentaner Hauptthema der Europäer bestimmte den Gewinner des Wettbewerbs: Der Film „Fuocammare“ von Gianfranco Rosi über die Insel Lampedusa bzw. was die Ankunft der Flüchtlinge dort mit den Leuten macht. Der Film zeigt  aus der Perspektive eines Zwölfjährigen, wie die Menschen dort hilfsbereit auf die Flüchtlinge zugegingen, obwohl Europa die Inselbewohner wie die Asylsuchenden dabei teilweise grausam allein gelassen hat.

Im außerhalb des Wettbewerbs gezeigten „Forum“ geht es ebenfalls vielfach um die Situation von Flüchtlingen: In einem chinesischen Beitrag sitzen Bauern einer ethnischen Minderheit im Norden Burmas in den Berge gefangen. Sie sind auf der Flucht vor Grenzstreitikeiten, da sie schon öfter deren Opfer waren. Zum Glück können sie sich auf Zuckerrohrfarmen verdingen, so dass sie unter ihren notdürftigen Plastikplanen immerhin jeden Abend Kochen können. Die Kinder finden das neue Zusammenleben des halben Dorfs in Plastik-Tunneln lustig. Ihr Schwatzen und Streiten bildet eine anstrengende ständige Geräuschkulisse auch Nachts. Aber Bauern müssen ihre Felder bestellen und so gingen viele zurück, während andere sich erneut auf die Flucht machten. (Ta´and von Wang Bing). – In Israel sind die Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan nicht willkommen. Sie finden kaum Jobs und werden als Schwarze diskriminiert. Die Regierung hat mitten in der Wüste nahe der ägyptischen Grenze ein Lager eingerichtet, wo sie viele von ihnen interniert hat, um sie abzuschieben, Ägypten nimmt die Leute aber nicht zurück. Ein Filmer und ein Theatermann kommen auf die Idee, mit einigen der Internierten ein Theaterstück über ihre Situation einzustudieren. Der Film bzw. das Theaterstück konnte dazu beitragen, dass die Regierung dieses Lager wieder auflösen musste (Bein gderot von Avi Mograbi). – Ein junger dänischer und ein deutscher Filmmacher drücken einem Westafrikanischen Flüchtling eine Kamera in die Hand, er möge ihre Flucht-Erlebnisse filmen. Die jungen Männer aus Mali und Côte d’Ivoire haben sich angesichts der schlechten Verdienstmöglichkeiten in ihren Ländern aufgemacht, in Europa Geld zu verdienen. Sie wollen ihren Familien helfen. Sie warten im Wald auf dem Berg Gurugu auf eine günstige Gelegenheit als Gruppe den drei mal sieben Meter hohen Zaun in die spanische Enklave Melilla überwinden zu können. Und zwar ohne dass die Polizei sie widerrechtlich wieder zurück jagt. 15 Monate wartet Abou bereits, hat mehrere vergebliche Versuche hinter sich, bis er es schließlich doch schafft. 15 Monate lebte er in Angst vor der marokkanischen Polizei, die immer wieder zu ihnen ins Lager kam, um sie zu vertreiben, indem sie ihre Decken und ihre Nahrungsvorräte verbrannten. ( Les Sauteurs – d.h. die (Zaun)Springer von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé).26

Zwei Freundinnen in Istanbul finden keine Stellen und verdingen sich in ihrer Not als Putzfrauen, obwohl sie als solche nicht genug für Miete und Strom verdienen können. Irgendwann kann die von ihrem erwerbslosen Mann verlassene Nesrin schließlich nicht mehr, sie gibt auf, ihre kleine Tochter ihrem Schicksal bzw. der Freundin überlassend (Toz bezi von Ahu Ötztürk). Merkwürdiger Weise ist der Film nicht als einer zum Thema Erwerbslosennot verstanden worden. – Im „Landstück“ von Volker Koepp geht es um das Landgrabbing und die Vergiftung der Agrarlandschaften nordöstlich von Berlin, der Uckermark. Humorvoll erzählen junge Einheimische, warum sie zurück kamen und jetzt Biolandwirtschaft betreiben. Sie werden ergänzt von den Berichten von zwei Neubrandenburgern, die Biolandwirtschaft im ganzen großen Stil betreiben. Umweltforscher Michael Succow fasst die Sachlage mit wenigen Sätze zusammen: Weil die Europäer mit unkluger Subvention der von der Energiebilanz her völlig unrentablen industriellen Landwirtschaft die Bauernmärkte Afrikas zerstören, klopfen die Menschen von dort jetzt hier bei uns an…

Die Wiederkehr der Bauern

Galerie

Diese Galerie enthält 5 Fotos.

. La Via Campesina oder die Wiederkehr der „Peasants“ ( = Subsistenz- bzw. Kleinbauern) auf dem Weltsozialforum in Tunis Klimagerechtigkeit ist nur möglich durch kleinbäuerliche Landwirtschaft. Den Klimawandel zu bekämpfen und einzudämmen, das erfordert die Rückkehr zu einer kleinbäuerlichen Agrarkultur. … Weiterlesen