Schafe auf demTempelhofer Feld

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Allmenden und Genossenschaften

Zum Donnerstag, den 26.4. 12.00-13.30 vor dem Reichstag.

Wir gratulieren der Raiffeisen-Genossenschaft zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens. Diese Agrargenossenschaften ermöglichten den Bauern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Überleben. Aber die Genossenschaften wurden im Wendeprozeß ihrer Gemeinützigkeit beraubt und sind heute – extrem gefährdet – von der UNESCO daher zum Weltkulturerbe erhoben. Denn nur Neu-Gründungen von Landbaugenossenschaften ermöglichen im 21. Jahrhundert etwa Hunderten von Kleinbäuerinnen Indiens Überleben und Erfolg. Die Allmenden können wir dabei als Vorform oder eine ältere Form von Genossenschaften oder Gemeinwirtschaft betrachten. Sie hielten sich teilweise bis heute, wie wir dank Elinor Ostrom wissen.

Die Raiffeisen-Genossenschaft möchte zu ihrem Jubiläum Anlaß dem allseits beliebten Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld 20 Hochstamm-Obstbäume schenken. Denn schließlich ist dieser Garten als neue
Allmende so etwas wie das Herz und Symbol des Tempelhofer Felds als neuer „Gemeinheit“ geworden, also einer neuen „commons“ wie es auf Englisch heißt. Vermehrte Neueinrichtungen von commons – das werden wir für die Zukunft überall brauchen. Eßbare Stadtlandschaften verwaltet in Bürgerhand bzw. konkret neuen Allmende-Genossenschaften – die werden wir gerade auch in den Städten benötigen, allein schon deshalb, um die vom Land Vertriebenen vor der für die meisten unerträglichen Bürde der Erwerbslosigkeit bewahren zu können. Um ihnen einen Raum für Eigenarbeit als tätiger Selbsthilfe geben zu können.

Die geschenkten Obst-Bäume wird das Allmende-Kontor allerdings gleich an das Tempelhofer Feld als solches resp. das Land Berlin weiter verschenken, schon mangels Platz im eigenen Garten, zumal Gemüseanbau und Obstbäume sich nur bedingt vertragen. Das Feldforum des Tempelhofer Feldes wird mit Unterstützung der „Feld-Koordination“ entscheiden, wo sie stehen sollen.

Den Namen „Allmende“-Kontor verdanken wir übrigens Ivan Illich, dem Kritiker der Expertokratie, der das schöne Buch „Das Recht auf Gemeinheit“ schrieb, sowie Karl Linn, einem Community-Gärtner in Berkeley. Karl Linns Buch heißt „Building Commons and Communities“, denn das hat er ein Leben lang getan. Karl Linns Mutter war eine erfolgreiche „Zurück-Aufs-Land“-Pionierin der ersten Stunde, 1913 baute sie allein mit Hilfe der Rentengut-Genossenschaft „Freie Scholle“ eine erfolgreiche Obstbaum-Plantage auf, die später vielen jüdischen Mädchen eine Art frühen Kibbuz mit Landbau-Ausbildungs-Möglichkeit bot. Solange die Kirschbäume noch nicht trugen, ernährte sie sich von einer Subsistenz-Landwirtschaft mit Hühnern, Kühen und Schweinen und allem drum und dran. 1933 aber wollte der Nazi-Bürgermeister ihr Land, der üble Bodenraub der Nazis… Gegen das Landgrabbing weltweit hilft nur das „Reclaim the Commons“! Henny Rosenthals Sohn, Karl Linn, trug diese Idee dann durch die halbe Welt und unterstützte dabei auch die Besetzer vom Ziegenhof in Charlottenburg. Als einer, der häufiger die Länder und Städte wechselte, wußte er wovon er sprach: Das „Wiederverwurzeln in der Fremde“, das geht am allerbesten in der Gemeinschaft einer Allmend-Genossenschaft, in einem Gemeinschaftsgarten auf einem Tempelhofer Feld als Gemeinheit, die allen gehört und daher auch auch den „Neuen“ offen steht…

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Bodenfragen? Humusrevolution!

Unsere Landwirtschaftspolitik ist bodenlos. Von Herren bestimmt und Ökonomie-fixiert – die ersten Frauenrechtlerinnen von 1900 wie Helene Lange hätten gesagt: „einseitig männlich.“ Dem widerspricht nicht, dass sich die Kanzlerin sich von der großen Industrie mal wieder rumkriegen ließ. Und der Zustimmung zum Ackergift Glyphosat entgegen der Koalitionsvereinbarungen und dem Votum der Umweltministerin Hendricks offenbar mitzuverantworten hat… – Es war Anfang der 1990er Jahre, als der Fortschrittskritiker Ivan Illich und der Freiburger Germanist Uwe Pörksen zusammen mit der alten Nonne Mother Jerome von Regina Laudris die „Bodenlosigkeit“ unseres Umgangs mit unseren Mutterböden thematisierten. Es war eine wunderbare Konferenz in einem nordostamerikanischem Kloster. Die Benediktinerinnen bewirteten uns ausschließlich mit Lokalem wie etwa selbstgemachtem Käse. Das Kloster war zeitweilig Zufluchtsort erledigter Hippies, die mal eine Auszeit brauchten.

Ergebnis war: Die Landwirtschaftspolitik der jüngsten Zeit zerstört die Erde mitsamt dem Klima. Sie ist für die Menschheit nicht länger tragbar. Die Agrarindustrie zerstört die zarte Humushaut, die den Globus umgibt und Garant für die Fruchtbarkeit unserer Erde ist. Die Zwangsfütterung der Menschen mit Fleisch aus Massentierhaltung verschlingt die Hälfte der weltweiten Getreideerzeugung. Die Produktion sogenannter Bio-Energie vertilgt Wälder, verbraucht die Äcker und zerstört die Subistenzwirtschaften der Indonesier. Mais- oder Palm-Monokulturen zerstören die Biodiversität, so dass künftige Agrarkultur fraglich wird. Vor allem aber zerstört eine maschinenbestimmte Bodennutzung die Wasserkreisläufe. Böden ohne Wälder oder buschige Feldraine an kanalisierten Flüssen können kaum noch Regenwasser aufnehmen und verdunsten. Die dadurch fehlenden kleinen Wasserkreisläufe lassen die Gletscher schmelzen und heben die Meeresspiegel.

Um diese Fehlentwicklung zu beenden, hat sich ein Teil der Menschheit aufgemacht, die Ruder herumzureißen. Die Aktivisten gärtnern in Städten, gründen solidarische Landwirtschaften oder bilden Bodenfonds, um Junglandwirten einen Einstieg zu ermöglichen. Andere entwickeln ausgeklügelte Systeme von Weidewirtschaften, wo nach nacheinander Kühe, Hühner und etwa Schweine auf einem Landstück grasen und dieses so anschließend einen sehr guten Ackerboden abgibt. In Südamerika blickt man mit Respekt auf die mehrgeschossigen Waldgärten, die dortige Indigene Tausende von Jahren mit Erfolg betrieben haben…

Das Buch „Die Humusrevolution“ stellt in Form von Reisbeschreibungen alternative Ansätze vor, den Boden wieder aufzubauen. Initiativen wie Incredible Edible von Todmorden zeigen, wie eine ganze Stadt erfolgreich mit Gemüse bestellt werden kann. Kleinstädte wie Andernach können mithilfe von Arbeitslosen zu essbaren Städten verwandelt werden. Großstädte könnten generell wieder von einem Ring von Gärtnereien und Kleinbauernhöfen umgeben werden, auf denen Gärtner im Zweiterwerb Lokales zu direktem Vor-Ort-Verzehr anbauen. Co-Autor Stefan Schwarzer betreibt in der Lebensgemeinschaft Ökohof Tempelhof selbst einen Permakultur-Garten. Als wissenschaftlich ausgebildete Autoren unterlegen die Verfasser Ute Scheub und Schwarzer die Versuche ihrer Protagonisten  mittels der Forschungsergebnisse von einschlägigen Institutionen wie vom Rodals Institut in Pennsylvanien (USA)  oder vom Schweizer FiBl-Institut. – Das Buch bietet im Anhang eine lange Liste von Vorschlägen, was unmittelbar jetzt getan werden kann, für jeden einzelnen als auch für Politiker. Hübsch ist der abschließende kleine Ausblick von Hans Peter Rusch ins Jahr 2050: in dem die Menschen mehr im Anbau klimaverträgliche Nüsse, Früchte und Staudengemüse verzehren. Parkplätze samt Supermärkten sind in Urban Gardening-Projekte verwandelt worden, da keiner mehr anonyme Lebensmittel einkaufen mochte. Erwerbslose, Flüchtlinge oder Rentnerinnen können sich nun auch in den Städten ihr eigenes Gemüse anbauen…

Ute Scheub, Stefan Schwarzer, Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen, Oekom Verlag München 2017, 235 Seiten, zahl. Abb., 19,95 €

Die neue Landflucht

Jeder siebte ist unterwegs. Auf der Flucht vor Krieg oder Dürren, die ihre Landwirtschaft zerstörten. Oder weil Überschwemmungen Ernten und Höfe weggespülten. Wir erleben derzeit noch nie da gewesene Massenfluchten. Im Durchschnitt setzen sich jährlich 26,4 Millionen nur in Folge des Klimawandels in Bewegung. Extremwetter und Umweltschäden vertreiben sie aus ihrer Heimat und damit oft in jahrelanges Elend. Die Eskimos, Inuit, die von Kanada bis Sibirien durch das Abschmelzen der Gletscher zum Abwandern gezwungen werden, sind in den Städten meistens erwerbslos. Zum Verlust der Heimat kommen für die meisten Flüchtlinge im Aufnahmegebiet Diskriminierungs-Erfahrungen hinzu: die Fukushima-Evakuierten etwa wurden von den anderen Japanern wie Aussätzige gemieden. Immigration großer Gruppen kann für die meistens selbst armen Gastgesellschaften zu großen Belastungen führen…

Das Leugnen des Klimawandels kann Kriege auslösen. Subsahara-Afrika ist vom Austrocknen der Sahelzone bedroht. Die Hirtenvölker kommen verstärkt und immer länger in die Regionen der Bauern. Was dann etwa in Ghana und in vielen anderen Teilen Afrikas zu einer Übernutzung der Böden führt. Gewaltsame Konflikte sind die Folge. Die Dafur-Region des Sudans erlebte Jahrzehnte andauernde Stammes-Streitereien um Land und Wasser. Es kommt so zudem zu der paradoxalen Entwicklung, dass  Klimawandel und Klimakonflikte die traditionellen Wanderbewegungen der Hirten in Afrika und Innerasien zunehmend in Frage stellen. Immerhin haben einige Westafrikanische Staaten nun ein Abkommen, dass ihren Pastoralisten erlaubt, dem Regen hinterher zu ziehen und dabei auch ungehindert die Grenzen überschreiten zu dürfen.

In Syrien trieb eine mehrjährige extreme Dürre zahllose Bauern in die Städte, wo sie sich arbeitslos an den Protesten gegen das Regime beteiligten. Die rasante Urbanisierung führt zu immer größeren Slums mit wachsenden Hygieneproblemen und als deren Folge Seuchen. Nur wenige Länder wie Bangladesh, Guinea-Bissau und Mali haben ihre Landwirtschafts- und Fischereimethoden verändert, um die problematische Urbanisierung zu verlangsamen. In Afrika hat man mit der Kampala-Konvention (2009/12) einen rechtlichen Rahmen zum Schutz von Binnenflüchtlingen, die durch Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen wurden, geschaffen.

Migration hat natürlich oft auch gute Seiten. Die Mittel, die Wanderarbeiter aus der Ferne schicken, helfen den Daheimgeblieben beim Überleben, u.U. sogar dabei, Böden wiederaufzubauen. Der Atlas der Umweltmigration stellt die Migration infolge des Klimawandels an wichtigen Beispielen übersichtlich dar. Was fehlt ist ein Register. Dieser neue Umweltatlas des weltweiten Wanderns gehört in jede Schul- und Unibibliothek.

Atlas der Umweltmigration von Dina Ionesco, Daria Mokhnacheva, Francois Gemenne, Oekom Verlag München 2017, 170 Seiten, 22,70 € (Orig.: London 2017 )

Vom Hüten von Herden und der Erde

Commons oder Allmenden sind „Gemeinheiten,“ gemeinsames Land, auf dem etwa Dorfgesellschaften ihre Tiere hüteten. Bis ins 20.Jahrhundert hinein beschäftigten die Bauern dafür gemeinsam einen Hirten. In anderen Teilen der Erde ist das Hirtenwesen eine Lebensform, die die Menschen ernährt. Eine Herde zu hüten ist im modernen Sinne sozusagen eine Arbeit, auch wenn die Hirten das wohl kaum so sehen würden. Ähnlich wie Haus- und Subsistenzarbeiten Tätigkeitsformen sind, die von der Nationalökonomie ignoriert werden. Jedoch sind Allmenden und Allmende-typische Arbeiten in der Geschichte verschwunden und auch wieder neu entstanden, wenn die Umstände es erzwangen. Heute ist die Lage der Hirten in Afrika allerdings dramatisch. Es ist die Frage, ob wir uns diese Bedrängnis der Pastoralisten im Zeitalter des Klimawandels eigentlich leisten können.

Ein gewisses Wiederauftauchen der Gemein- und Hirtenwirtschaft gab es etwa nach der großen Pest 1348 im Languedoc. Weil hier die Bevölkerung halb ausgestorben war, kehrten die Bauern zu vermehrter Tierhaltung zurück. Oder: nachdem zwischen 1650 und 1800 in England das meiste ehemalige Gemeindeland eingehegt war, entstanden in den Alpen ab 1810 das Hütewesen auf hoch gelegenen Gemeindeländern, den Almen, neu. Senner hüteten die Tiere über die Sommermonate im Auftrag der Allmend-Genossen. Und nachdem in Mittel- und Zentral-Europa nach dem I und II. Weltkrieg infolge von vermehrten Grenzkontrollen die Wanderschäferei fast ausgestorben war, zogen ab der 1980er Jahre junge Arbeitslose aus der Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland (u.a. von Longo Mai) mit Schafherden über kommunale Ländereien, sogar Ländergrenzen und Alpenpässe… Allerdings wurden mit Gründung der WTO zum 1.1.1995 das Privatisieren und das Spekulieren mit Grund und Boden weltweit in einem Maße ermöglicht, wie man es bisher nur aus der Zeit des brutalen Manchester-Kapitalismus vor dem I. Weltkrieges gekannt hatte. Dennoch gelang es einer Berliner Bürgerinitiative im Mai 2014 mittels eines Volksentscheides das Opfern eines ehemaligen innerstädtischen Flughafens, des Tempelhofer Feldes, an die Bauindustrie zu verhindern…

Heute sind weltweit die meisten Allmenden und Gemeindeländereien gefährdet. Das viel zu viele Geld, das durch Steueroasen und Finanzblasen geschaffen wurde, wird erst durch Investition in „real estates“ sozusagen „real“. Das bedroht den Lebensunterhalt der kleinen Bauern und Hirten besonders Afrikas. Bis heute dienen dort Allmenden Bauern und Hirten als Acker- und Weideland. Individualbesitz von Grund- und Boden war  z.B. in Mali, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Äthiopien etc. bis vor kurzem fast unbekannt. Besonders Hirten geraten unter Not, wenn ihre Weidegründe infolge von Privatisierungen, Staudammbauten, Kriegen, Wild Life Sanctuaries oder Klimawandel verschwinden.

Am 4. August 2017 war in der New York Times zu lesen, dass Kenia am Fuße des Mount Kenia, die Bauern von Lakipia von der Hirtenbevölkerung bedroht und ausgeräubert würden. In Nadunguru treiben die Hirten ihre darbenden  Rinder auf die Äcker der Landwirte und Bauern, und sogar auf die Äcker armer Klein-Bauern. – Dabei weiß man es seit Jahren, dass die auch etwa die Wilderer sich – als Handlanger von Fremden – oft aus ehemaligen Hirten rekrutieren. Denn seit Jahrzehnten bereits sind die Pastoralisten im Norden Kenias Opfer von Kriegen und Klimawandel, der derzeit durch den El-Nino-Effekt verstärkt wird. Das führt zu Hungersnöten unter den Hirten wie etwa den Turkana vom Turkana-See, die Fischer werden müssen. Blumenfarmen und andere Export-Landwirtschaft graben im Süden Kenias auch den Massai  das Wasser ab. Ihre Weiden fallen trocken, weil das Wasser ihrer Flüße bereits am Oberlauf abgezweigt wird.

Bis heute leben etwa 80 % der Afrikaner von ihrer Landwirtschaft. Industriearbeit gibt es kaum und andere Erwerbsmöglichkeiten nicht in ausreichendem Maßstab. Die meisten bearbeiten Land, das traditionell denjenigen zugeordnet wird, die es bewirtschaften. Traditionell gehört es keinem Einzelnem, sondern einer Dorfgemeinschaft oder einem Clan. Es wird als Kollektivbesitz als Land der Vorväter und der Enkel betrachtet. In der Forschung wird dieses Gewohnheitsrecht allerdings wenig berücksichtigt. Von 200 Aufsätzen über Boden- und Landrecht in Afrika meinte ein Experte aus Mali, würden sich nur zwei mit dem Gewohnheitsrecht befassen.

Problematisch wird es, wenn Regierungen wie 2013 die von Äthiopien, das Land, das bisher als Volkseigentum galt, zu Staatsbesitz erklären, um anschließend große Teile davon für 99 Jahre verpachten zu können. Im Westen Äthiopiens verloren so ganze Dörfer, die bisher von einer Mischung aus Ackerbau, Viehhaltung sowie Sammlen lebten, ihren Lebensunterhalt. Die neu errichteten zentralen Ansiedlungen nützen nichts, weil die Menschen dort keinen Broterwerb finden. Die neuen Großgrundbesitzer arbeiten mit Maschinen und.zahlen einen Lohn, der weit unter dem zum Leben Notwendigen liegt. Diese neue Not führt in Äthiopien, Kenia, Burkina Faso, Mali zu vermehrten Zusammenstößen zwischen Vielhaltern und Bauern, die sich das übrig gebliebene rare Land teilen müssen. Da die Hirten seit Ende des Kalten Kriegs mit Kalaschnikows statt mit Speeren bewaffnet sind, führt das zu wachsender Gewalt und Vertreibungen.

Solange die Böden als Kollektiveigentum betrachtet wurden gab es friedliche Regelungen hinsichtlich der Bodennutzung. In Burkina Faso regelte in den Dörfern ein „Chef der Erde“ die Landverteilung, nach Tradition, Bedarf und Familiengröße. Flüchtlinge bekamen Land zur Selbstversorgung. Sobald die Bauern eines Dorfs ihre Felder abgeerntet hatten, wurden die Felder den Hirten zur Nachnutzung überlassen. Die Tiere fraßen Stoppeln, Strünke und düngten den Boden. Sobald jedoch im Umkreis der Städte die Privatisierungsprozesse einsetzten und Zäune gesetzt wurden, war das nicht mehr möglich. Mit der Einhegung der Allmenden verlieren die meisten Hirten ihre Existenzen. Sogar der gut gemeinte Natur- und Landschaftsschutz kann auf ihre Kosten gehen. In Nairobi weiden die rot gewandeten Massai ihre Herden auf den Mittelstreifen der  Ausfallstraßen. Ihre traditionellen Weidegebiete sind als Nairobi-Nationalpark für Elefanten, Büffel und Nashörner eingezäunt worden. Die Massai, die mit ihren Sprüngen, Speeren und Tieren vom Tourismus eine Art Wahrzeichen des Landes sind, werden um ihre Lebensgrundlage gebracht. Für die großen Grasländer der Erde ist jedoch die Weidewirtschaft durch Hirten die beste Form ihres Erhalts. Durch Beweidung bleibt die Grasnarbe dicht. Die darüber wanderenden Tiere trampeln zudem die Bodendecke zusammen, so daß Stürme kaum Angriffsmöglichkeiten haben..

In Westafrika beweiden Fulani die Trockenzonen des Sahel- und Sudangürtels.Die Rinder gehören den Männern, aber die Milch gehört den Frauen. Der Milch-Verkauf bringt den Familien Geld-Einkünfte. Aber die Europäische Union verwandelt im Rahmen ihrer aggressiven Agrarpolitik überschüssige Milch in Milchpulver. Und subventioniert den Export des Pulvers. Daher kostet das Milchpulver in Burkina Faso weniger als die Hälfte der einheimischen Milch. Das Land hat heute 18 Millionen Einwohner. Die Jugendarbeitslosigkeit ist groß. Auch Universitätsabgänger finden vielfach keine Anstellung. Die meisten Städter arbeiten im informellen Sektor und verdienen kaum genug zum Leben. Die Lebensmittelunruhen von 2007/8 richteten sich gegen die Auswirkungen der sogenannten Sparpolitik. Die Lebensmittelpreise waren infolge der Weltfinanzkrise auf das Doppelte gestiegen.

Der Gründer der „Fairen Milch“ von Belgien, Erwin Schöpges, bemüht sich daher um die Einführung der Idee „Faire Milch“ auch in Burkina Faso. Bei der Eröffnungsfeier in einer Molkerei am Rande der Sahelzone, warnte der Vorsitzende des Verbandes der Kleinmolkereien vor den Auswirkungen der Zerstörung der einheimischen Landwirtschaft durch Weltmarkt-Firmen. Die Hinwendung zum Terrorismus, unter dem die Menschen besonders in den Nachbarländern Nigeria und Mali leiden, erfasst  besonders junge Viehalter ohne Lebensgrundlage. Hirten betrachten ihre Viehhaltung nicht als Arbeit. Aber wenn man ihnen die Möglichkeit dazu nimmt, bringt man sie um ihren Lebensunterhalt. Mit Ihrer Lebensweise verlieren sie Bescheidenheit und Stolz und wenden sich den Boko Haram oder anderen Fundamentalisten zu. Die Tuareg der Sahara etwa verbündeten sich mit dem islamischen Terror und merkten zu spät, mit wem sie sich da verbündet hatten.

Landraub und Vertreibung von Bauern und Hirten von ihren Feldern ist eine Haupt-Ursache für den nicht abbrechenden Flüchtlingsstrom nach Europa. Der Vorgang des Landgrabbing findet auch im Norden statt. Die in den Parks Schlafenden oder die osteuropäischen Musikanten sind Flüchtlinge der äußerst brutal ablaufenden Privatisierungsprozesse im Osten Europas. Aber es entstehen auch neue Formen einer gemeinsamen Landwirtschaft. Winzige, aber überzeugende Beispiels sind etwa die „Bauerngärten“ in den Landschaftsschutzgebieten von Berlin. Oder das „Speisegut“ in Gatow als erste solidarische Landwirtschaft Berlins. In beiden Modellen tragen alle Konsumenten das Risiko gemeinsam mit den Landwirten. Wenn die Ernte schlecht wird, gibt es halt für alle etwas weniger Gemüse… Oder nehmen wir das Stadtgut Blankenfelde ebenfalls in Berlin. Hier sind die Gebäude des ehemaligen Guts mittels unzähliger freiwilliger Arbeitseinsätzen an Samstagnachmittagen gerettet worden. Das Gelände steht Spaziergängern offen, im Gemeinschaftsgarten dürfen auch Nachbarn mitbuddeln und es gibt Versammlungsräume für Konzerte, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen aller Art. Gemeinsam schuf eine Gruppe eine für alle benutzbare Allmende. Und inmitten Berlins wurde das Tempelhofer Feld im Mai 2014 für den Klima-, Natur- und Landschaftsschutz gerettet – mitsamt ihren offenen Allmende-Gärten. Fehlen sozusagen nur noch die Schafe, die zu einer traditionellen Bewirtschaftung von Allmenden dazu gehören, als Landschafts- und Klimaschützer…Besonders eine maßvolle Wanderweide-Wirtschaft schützt Grasländer vor Verwüstung.

fünf Jahre Allmende-Kontor!

AllmendeKontor5JahreklVor ziemlich genau fünf Jahren begann es: das Buddeln im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld. Dem heute wohl berühmtesten Gemeinschaftsgarten Berlins, wie die „Berliner Morgenpost“ kürzlich meinte. Das wurde an einem ausgesprochen wetterwendischen Aprilnachmittag gebührend gefeiert, mit  ausführlicher Einweisung der großen Anzahl interessierter „Neuer“ samt Rundgang durch die Beete.Baumpflanzenkl Anschließend gab es (auf deutsch und arabisch und z.T. auch auf farsi) Vorstellungen und Erläuterungen für die zum heutigen Tag erstmals offiziell eingeladenen Geflüchteten aus den benachbarten Massenunterkünften. Es kamen trotz der Ansage von Regen viele Menschen, ganze Flüchtlingsfamilien mit jeder Menge kleiner und kleinster Kinder, die sich nicht immer völlig lautlos verhielten, als die wackeren Allmendegärtner ihren potentiellen neuen syrischen Mitgärtnern die Regeln der Allmende zu erläutern suchten. Es gab einen kurzen Überblick zur Eine-Welt-Geschichte des Allmende-Kontors und seines Namens, wo sogar trotz fehlender Übersetzung für einen kurzen Moment konzentrierte Aufmerksamkeit herrschte. Viele (außer den „ausgewanderten“ alle)  „alten“ Gründungsmitglieder und zeitweilige MusikZum5jährigenklMitgärtnerinnen waren gekommen und alle freuten sich, einander wieder zu sehen. Die jungen Männer aus dem Flüchtlingsgarten-projekt  „Die Gärtnerei“ vom benach-barten Thomasfriedhof hatten für alle FuFu und einen schön scharfe Paprikasuppe gekocht. Anschließend spielten die „Old Schmetterband“ und die Gruppe „Queerbeet“ und weit über 100 Menschen lauschten oder wiegten sich im Rhythmus der  wunderbaren Musik…  Zuvor aber wurde feierlich ein Apfelbäumchen gepflanzt. Ein Junges Paar hatte sich zur Hochzeit einen Obstbaum schenken lassen, ihn dem Allmende-Garten feierlich überreicht. Er wurde sofort gesetzt und begossen. Daneben durfte die wuselnde Kinderschar Nägel einhämmern… Die Verfasserin dieser Zeilen gab das mit Luca, Umut, Gerhard und Noemi in mehrtätigem Einsatz für das kommende Gartenjahr vorbereitete Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet für den Sommer an eine Flüchtlingsgruppe ab. Eine Gruppe, die regelmäßig mit den Kindern der Flüchtlinge  in den Hangars gärtnern möchte. Die Erdbeeren und die Ringelblumensaat sollen stehen bleiben. Die Kindergruppe wird im Gegenzug die vorderen Rand-Beete mitpflegen, also vor allem gießen, denn sie sind bereits besät bzw. mit neuem Gehölz besetzt. In den Beeten mit den frischgesetzten Holunderbüschen und dem Apfel-Bäumchen dürfen aber an den Rand auch noch („schwachzehrende“) Wildblumen gesäht werden. – Trotz Regen und ziemlicher Kälte war es dank dem großen Einsatz der vorbereitenden Gruppe (Severin, KD, Kristin, Claas  und Kathrin) ein sehr gelungenes Fest.16April2016imAKkl

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Land, Flucht und Armut: Filmfestspiele

Land, Flucht sowie Armutsmigration infolge Erwerbslosigkeit als dominierende Themen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 11. bis 21. Februar 2016

Das momentaner Hauptthema der Europäer bestimmte den Gewinner des Wettbewerbs: Der Film „Fuocammare“ von Gianfranco Rosi über die Insel Lampedusa bzw. was die Ankunft der Flüchtlinge dort mit den Leuten macht. Der Film zeigt  aus der Perspektive eines Zwölfjährigen, wie die Menschen dort hilfsbereit auf die Flüchtlinge zugegingen, obwohl Europa die Inselbewohner wie die Asylsuchenden dabei teilweise grausam allein gelassen hat.

Im außerhalb des Wettbewerbs gezeigten „Forum“ geht es ebenfalls vielfach um die Situation von Flüchtlingen: In einem chinesischen Beitrag sitzen Bauern einer ethnischen Minderheit im Norden Burmas in den Berge gefangen. Sie sind auf der Flucht vor Grenzstreitikeiten, da sie schon öfter deren Opfer waren. Zum Glück können sie sich auf Zuckerrohrfarmen verdingen, so dass sie unter ihren notdürftigen Plastikplanen immerhin jeden Abend Kochen können. Die Kinder finden das neue Zusammenleben des halben Dorfs in Plastik-Tunneln lustig. Ihr Schwatzen und Streiten bildet eine anstrengende ständige Geräuschkulisse auch Nachts. Aber Bauern müssen ihre Felder bestellen und so gingen viele zurück, während andere sich erneut auf die Flucht machten. (Ta´and von Wang Bing). – In Israel sind die Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan nicht willkommen. Sie finden kaum Jobs und werden als Schwarze diskriminiert. Die Regierung hat mitten in der Wüste nahe der ägyptischen Grenze ein Lager eingerichtet, wo sie viele von ihnen interniert hat, um sie abzuschieben, Ägypten nimmt die Leute aber nicht zurück. Ein Filmer und ein Theatermann kommen auf die Idee, mit einigen der Internierten ein Theaterstück über ihre Situation einzustudieren. Der Film bzw. das Theaterstück konnte dazu beitragen, dass die Regierung dieses Lager wieder auflösen musste (Bein gderot von Avi Mograbi). – Ein junger dänischer und ein deutscher Filmmacher drücken einem Westafrikanischen Flüchtling eine Kamera in die Hand, er möge ihre Flucht-Erlebnisse filmen. Die jungen Männer aus Mali und Côte d’Ivoire haben sich angesichts der schlechten Verdienstmöglichkeiten in ihren Ländern aufgemacht, in Europa Geld zu verdienen. Sie wollen ihren Familien helfen. Sie warten im Wald auf dem Berg Gurugu auf eine günstige Gelegenheit als Gruppe den drei mal sieben Meter hohen Zaun in die spanische Enklave Melilla überwinden zu können. Und zwar ohne dass die Polizei sie widerrechtlich wieder zurück jagt. 15 Monate wartet Abou bereits, hat mehrere vergebliche Versuche hinter sich, bis er es schließlich doch schafft. 15 Monate lebte er in Angst vor der marokkanischen Polizei, die immer wieder zu ihnen ins Lager kam, um sie zu vertreiben, indem sie ihre Decken und ihre Nahrungsvorräte verbrannten. ( Les Sauteurs – d.h. die (Zaun)Springer von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé).26

Zwei Freundinnen in Istanbul finden keine Stellen und verdingen sich in ihrer Not als Putzfrauen, obwohl sie als solche nicht genug für Miete und Strom verdienen können. Irgendwann kann die von ihrem erwerbslosen Mann verlassene Nesrin schließlich nicht mehr, sie gibt auf, ihre kleine Tochter ihrem Schicksal bzw. der Freundin überlassend (Toz bezi von Ahu Ötztürk). Merkwürdiger Weise ist der Film nicht als einer zum Thema Erwerbslosennot verstanden worden. – Im „Landstück“ von Volker Koepp geht es um das Landgrabbing und die Vergiftung der Agrarlandschaften nordöstlich von Berlin, der Uckermark. Humorvoll erzählen junge Einheimische, warum sie zurück kamen und jetzt Biolandwirtschaft betreiben. Sie werden ergänzt von den Berichten von zwei Neubrandenburgern, die Biolandwirtschaft im ganzen großen Stil betreiben. Umweltforscher Michael Succow fasst die Sachlage mit wenigen Sätze zusammen: Weil die Europäer mit unkluger Subvention der von der Energiebilanz her völlig unrentablen industriellen Landwirtschaft die Bauernmärkte Afrikas zerstören, klopfen die Menschen von dort jetzt hier bei uns an…

Hauptstadtgärtner in der Zeitung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnnette Kuhn von der Berliner Morgenpost interviewte eine der Hauptstadtgärtnerinnen auf dem Berliner Gleisdreieck (6. März 2015, „Der Garten ist für alle da“) . „Die Ernte gehört den Gärtnern“ steht auf dem Schild, das die jugendlichen Freiwilligen eines internationalen Workcamps im Sommer 2007 für die Gärtnerinnen auf dem Gleisdreieck schufen. Man traf sich dort, wo sich die Gärtner das Gelände mit der Bauindustrie teilen müssen, obwohl Berlin noch immer eher eine schrumpfende Stadt ist, die Innenstadtbezirke zumal, wie kürzlich dem Berliner Tagesspiegl zu entnehmen war. Während die Zuwanderung erst seit 2006 die Abwanderung und zwar noch immer um nur wenige Menschen (175.000) übersteigt. Das ist keine Zahl, die zu Besorgnis Anlaß geben muß, angesichts der 1,5 Millionen Menschen, die die Hauptstadt seit der Wende an das grüne Umland verloren hat. Mehr Gärten in der Stadt  würden die Zahl der Stadtflüchtigen (und bessergestellten Steuerzahler!) wahrscheinlich nachhaltig minimieren helfen. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, Hausgärten: die Städter brauchen Grün zum Atmen, zur Erholung und um ein wenig graben zu können. Auch die Erwerbslosen brauchen eine Gelegenhiet zu sinnvollem Tun. Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor etwa werden die Leute aktiv: Die Kompost-AG höchst engagiert beim „Boden selber machen“.´(am 7.März 2015), andere kümmern sich um Bienen oder Färberpflanzen.