Allmenden statt Randbebauung

Der Tagesspiegel räumt zwei jungen Männern von der FDP eine ganze Seite ein, weil sie glauben, eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes wäre ein Leuchtturmprojekt“. (TS 30.12. und 31.1.2019)

Eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes würde sämtliches bisherige Bürgerengagement auf dem Tempelhofer Feld mit einem Schlag auslöschen. Alles was Bürger bisher in Gruppen, als Einzelne oder in der Feldkoordination bisher für den Park auf dem Tempelhofer Feld taten, indem sie sich für Schatten-Bäume oder Schafe, die Feldlerchen oder WCs und Sitzbänke etc. etc. einsetzten. Alle mit viel Liebe und tausenden von ehrenamtlichen Stunden aufgebauten Allmende-Gärten etc. wären hops und perdü. Ehrenamtliches Engagement würde – wie alle unbezahlte Haus- und Frauenarbeit – in unserem Gesellschaftssystem weiterhin mit Füssen getreten. Jüngere Männer aus der Schicht der Besserverdienden, wie die zwei Herren der FDP, interessieren sich zudem auch nicht für die Erholungsbedürfnisse der Neuköllner, die auf dem Feld bisher vielfach vor allem die schattigen Plätze im Randbereich des Feldes genutzt haben.

Die Wohnungskrise ist allein ein Ergebnis einer verfehlten Finanzpolitik. Preiswerter Wohnungsneubau für alle ist nicht möglich, solange der Staat und die EU weiterhin ermöglicht, dass mit Grund und Boden spekuliert werden kann, was leider auch die Baupreise hoch jagt. Mit Haus und Grund wird solange spekuliert werden, bis die Niedrigzinspolitik beendet sein wird. Bis klar sein wird, dass die EU sich nicht noch eine „griechische Tragödie“ wird leisten können. Erst dann wird der Wohnungslehrstand verschwinden, den neben Großinvestoren auch „Geldpark-Wohnungsankäufe“ von Mittelständlern und Bestverdienden aus Ausland in Berlin erzeugt haben.

Auch ist der vielbeschworene Zuzug nach Berlin minimal. Das angebliche Wachstum Berlins ist eine Schimäre, die die Politik sich einredet, weil Wachstum angeblich aus der Krise hilft. Im Übrigen leben nicht ganz wenige unserer Zuwanderer auf der Straße, da ihnen Arbeitsplätze mit entsprechenden Verdienstmöglichkeiten nicht angeboten werden. Nur ein gutes Drittel der Bevölkerung ist vollbeschäfftigt und verdient jene 2000 bis 4000 im Monat, mit denen man sich die neuen Wohnungen leisten kann. Alle anderen liegen ganz erheblich darunter, bei um 1700 brutto und noch weiter darunter. Umbau von Leerstand wäre daher für alle Beteiligten erheblich sinnvoller und Leerstand hat Berlin immer noch in Hülle und Fülle. Die Randbebauung ist sozial gesehen daher blanker Unsinn, so lange man die Bedürftigen ihre Hütten nicht selbst bauen lässt. Aber auch dafür könnte man besser erst einmal die vielen anderen unansehnlichen Brachen Berlins hernehmen, statt Bürgerengagement mit Füssen zu treten.