Die Einhegung der Allmenden

„Einhegen der Allmenden“ – ein merkwürdiges Wort. Denn im Wort „Hege“ steckt die freundliche und bedächtige Pflege eines Stück Lands: „Agrarkultur“. Und der „Hag“, der Erdwall, die Hecke, ist ja das, was einen Garten vor Wildfraß hütet. Aber mit diesen Worten bezeichnete Karl Marx just den Prozeß der Privatisierung der Gemeingüter. Denn wo kam das unendliche Geld her, das dem aufkommenden Kapitalismus in der Neuzeit ermöglichte, sich durchzusetzen? Es entstammte der Einhegung der Allmenden. Den landlosen Witwen wurde von Stund´ an untersagt, ihre Ziegen auf den Gemeindeangern zu weiden. Dass es ihnen von dem Moment an Milch zum Haferbrei fehlte, übersahen die bestimmenden Herrschaften herzlos. Karl Marx schreibt das auf eindrückliche Art und Weise in seinem Kapital, Bd. 1 im 24. Kapitel, m.E. eines der besten Kapitel in seinem Oeuvre. Heute stehen wir weltweit vor einer Art III. Weltkrieg, der so abläuft, dass die da haben, es denen nehmen, die da nicht haben. Den Kleinbäuerinnen und Nomaden des Südens werden ihr Land und ihr Wasser sowie ihre Weidegründe genommen, z.B. in Ruanda, in Kenia oder in Äthiopien. Mittels sogenannter Entwicklungshilfeprojekte berauben die Länder des globalen Nordens die Kleinbäuerinnen des globalen Südens. Diese unglückseligen Bereicherungsformen lassen den Norden nicht unbeschädigt. Die Folgen reichen aufgrund grassierender Ewerbslosigkeit und zunehmender Armut bis in die NGO-Szene hinein. Eine eingehegte Allmende, auf die einer/eine allein einen Besitzanspruch erhebt, ist keine Commons mehr, sondern vielmehr das Gegenteil. Die dazugehörige Gemeinschaft zerfällt und das Land verödet. Die im Hintergrund wartenden Hyänen haben leichtes Spiel.

Aufsatz zum Thema „Von der Bodenfrage zum Reclaim the Commons„…“ in „Zeitschrift für Sozialökonomie“, April 2014