Neues Gärtnern belebt das Land

Das neue Gärtnern, urban Gardening oder interkulturelles Gärtnern genannt, gibt es jetzt auch auf dem Land. Zumindest in der Dübener Heide, z.B. am aufgebenen Bahnhof von Bad Düben. Jede Woche am Mittwoch trifft sich die Gruppe des Gemeinschaftsgartens am Wasserturm hinter dem Bahnhof und zu tun gibt es immer genug. Nachdem im Sommer es ständig ums Gießen ging, ist man – genauer gesagt: hauptsächlich „frau“ – nun froh, eine gute Bohnen-, Kartoffel- und Kürbisernte erzielt zu haben. Am Ende dieser Gartentag wird fast immer gemeinsam gekocht und geschmaust. Kurzum: das gemeinschaftliche Gärtnern bestärkt als Variante einer geselligen gegenseitigen Umweltbildung zugleich die Idee von Ernährungsouveränität und Selbstversorgung und würdigt so gerade auch und besonders die Gärtner*innen auf dem Land. Dazu wird immer wieder auch die interessierte Allgemeinheit eingeladen. In Bad Düben bereitet die Gruppe jetzt – nachdem man ein wunderschönes Sommerfest hinter sich gebracht hat – zum 19. Oktober einen Workshop zum Wassersparen und Brunnenbau vor. Übrigens: dazu kann jeder kommen, den das Thema interessiert, Details auf der Website: https://naturpark-duebener-heide.de/gardening/ Ansonsten hilft die Gartengruppe, wenn es denn wirklich auch mal regnet, der Bahnhofsgenossenschaft Bad Düben, mit der der Garten eng zusammenarbeitet, beim Vorbereiten des Gebäudes für ein am 11./12. Oktober stattfindenes kleines Musikfestival. Auch dazu sind alle eingeladen, Eintritt frei. – Wie es zu den beiden Gemeinschaftsgärten in der Dübener Heide kam, das steht hier: https://naturpark-duebener-heide.de/wp-content/uploads/2019/09/Meyer-Renschhausen-E.-2019-Gemeinschaftsg%C3%A4rten-im-l%C3%A4ndlichen-Raum-und-ihre-Gelingensbedingungen-D%C3%BCbener-Heide-1.pdf

für Ernährungssouveränität mit Nyeleni

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„Wir wollen auf die Kleinlandwirtschaft als Kampfbegriff nicht verzichten“. Das hörte ich Januar 2018 bei der Projekte-Vorstellung in der Böll-Stiftung nach „Wir haben es satt“-Demo zum ersten Mal. Nun trafen sich 200 meistens junge Kämpfer~innen für das Recht auf Ernährungssouveränität. Gärtnerinnen, Studentinnen, Bäckerinnen und Kleinbauern und andere Food-Aktivisten wieder. Sie luden ein zu einem ersten regionalen Nyeleni-Treffen für deutschsprachige Raum Anfang Dezember 2018 in Freiburg, Schweizer, Österreicher und Südtiroler dabei. – Bäckerin Anke aus dem Hannoverschen war von dem Treffen beeindruckt. Auch wenn es aus ihrer Sicht etwas wenig Verarbeiter dabei waren. Besonders begeisterte sie die Arbeitsgruppe Technik für Agrarökologie von den Freiburger „Agronauten“. Einfache (Acker-)Geräte u.a., deren Baupläne von den Entwicklern ins Internet gestellt werden, die jeder nachbauen und reparieren kann. „Da muss der Bauer nicht erst Ingenieur werden, um seine Geräte reparieren zu können!“ Hier vielmehr geht’s um Technik als open source. In England und Frankreich sind die entsprechenden Gruppen schon gut etabliert. Denn es sei so viel an einfacher Technik verschwunden. Als kürzlich einige Bauern hier wieder Hirse anbauen wollte, mussten sie feststellen, dass in der ganzen Republik keinen mehr gibt, der noch Hirse schälen kann.  Aber es sind kleine Techniken wie Bauern-Bäcker-Mühlen die finanzierbar sind  und die Kreisläufe klein halten. Zu große Anfangsinvestitionen hingegen verunmöglichen kleinere Betrieb neu einzurichten.

Der Kongress begann mit einer öffentlichen Abend-Veranstaltung im Audimax der Freiburger Universität: „Essen. Macht. Glück,“ zur Forderung nach Ernährungssouveränität für die anstehende Transformation. Am zweiten Tag wurde via Exkursionen die vielfältige Agrarszene von Freiburg und Umgebung vorgestellt bis hin zu den Saatguterhaltenden Gärten im Kaiserstuhl. Freiburger Gemeinschaftsgärten arbeiten erfolgreich mit Flüchtlingen… Am nächsten Tag berichteten die teilweise von weither angereisten Tagungsteilnehmer sich begeistert gegenseitig davon.

Am dritten Tag ging es in der Turnhalle und einigen Klassenräumen in einer Waldorfschule „theoretisch“ weiter, d.h. es wurde in Kleingruppen zu unterschiedlichen Themen gearbeitet. Es ging es um Themen wie „Ernährungssouveränität gesetzlich verankern“, „Saatgut als Allmende“  oder den Zusammenhang zwischen Klima und Ernährungsweise. Was können Ernährungsräte für die kleinbäuerliche Landwirtschaft tun? war eine andere Frage etc. etc. Im Hintergrund wurde mit regionalen Produkten vegan gekocht“.  Brot aus Sauerteig, Bärlauchmargarine, Linsen-Pesto und Früchteriegel ohne alle Chemie- und Zucker-Zusätze, ausschließlich aus fair gehandelten, ökologischen Beeren und Datteln.

Die Agronauten organisierten auch eine Arbeitsgruppe „access to land“ und hatten Referentinnen aus mehreren Ländern dazu geladen. Denn Europaweit sind die meisten Bauern über 50 und stehen vor keiner geregelten Hofnachfolge. Die wenigsten kommen von allein darauf, ihren Hof jenen jungen Agrar-Studierenden anzubieten, die keinen Hof erben werden. Dafür braucht es Vermittlergruppen, die sogar anonym arbeiten müssen, damit vor einer ev. anstehenden Hofübergabe die Nachbarn nicht sofort versuchen, das Land zu übernehmen.Meike aus Bern arbeitete über Jahre an einer Erhebung zur Landwirtschaft in Europa. Sie erinnerte daran, dass nicht nur in der ganzen Welt sondern auch in Europa, das meiste Essen von kleinbäuerlichen Höfe stammt, dass in Rumänien 70 % der Höfe unter 5 Ha groß  sind und generell auch in ganz Europa die Durchschnittsgröße der Höfe bei gerade mal 14 Hektar liegt.

Biobauer Wolfgang berichtete von der Landlosenbewegung in Brasilien, die er seit Jahrzehnten unterstützt, die erfolgreich mithilfe der Gesetze über Hunderte von Hektar unter die Hacke nehmen konnten, jedoch durch die neue Regierung wieder gefährdet sind. Meike aus Bern arbeitete über Jahre an einer Erhebung zur Landwirtschaft in Europa. Sie erinnerte daran, dass nicht nur in der ganzen Welt sondern auch in Europa, das meiste Essen von kleinbäuerlichen Höfe stammt, dass in Rumänien 70 % der Höfe unter 5 Hektar haben und generell in ganz Europa die Durchschnittsgröße der Höfe bei gerade mal 14 Hektar liegt…

Weiterlesen in der „Bauernstimme“ Nr.1 /2019, S. 20

und hier: http://nyeleni.de/kongress-fuer-ernaehrungssouveraenitaet/

Liebe geht durch den Magen: Bauern fördern!

Es war ein Fest: All´ die Engagierten aus allen Teilen der Republik und aus lange verstrichenen Konferenzen und Zusammenhängen wieder zu sehen – in alter Frische und mit immer noch ungebremstem Engagement. Junge und alte vielfältig Aktive hatten die lustigsten Sprüche erfunden und Schilder gemalt, die sie nun tapfer in die Luft hielten: wie etwa „Liebe geht durch den Magen“ oder „Bauer sucht Biene“ oder giftiger: „Weil Du bist, was Du isst: Fresst doch selbst Euren Mist!“ Es gab auch mehr ernsthafte Forderungen auf den Transparenten wie etwa „Gerechte Preise für Milcherzeugnisse“, „Wer TTIP sät, wird Tierfabriken ernten“ oder mehr auf die Not der Landwirte im globalen Süden orientiert: „KleinbäuerInnen fördern – Landraub stoppen!“ oder „Rechte von Bauern und Bäuerinnen stärken – für eine UN-Kleinbauernerklärung!“ Die wunderbaren Gartenaktivisten kamen mit einem so großen Banner, mit dem sie forderten, die mit so viel Engagement und Liebe begärtnerten Freiräume zu erhalten, dass es schier unfotografierbar war. Besonderen Jubel erzielten die Klima-Aktivisten von „Ende Gelände“ als sie von einem Rohbau ganz in der Nähe des Wirtschaftsministeriums ein riesenhaftes Transparent mit der einleuchtenden Forderung „Grünkohl statt Braunkohle“ herunter lassen konnten. – Nach der Demo gab es zum „Supp´n Talk“ wie schon in den Jahren vorher einen fast vierstündigen Maraton mit der jeweils 5-minütigen Vorstellung einiger der besten Projekte aus der Bundesrepublik Deutschland und ganz Europa. Besonders begeisterte der Bericht aus Frankreich, wo man auf dem besten Wege ist, die Ackergifte der konventionelIen Landwirtschaft ganz zu verbieten. Ebenso erfreute die Nachricht, dass auf Grund des internationalen Engagments der externe Landaufkauf resp. das Landgrabbing in manchen Ländern des Südens vorerst beendet werden konnte. Junge Aktive von La via Campesina u.a. traten für die Rechte der Kleinbäuerinnen des Südens ein und vertraten die Idee, diesen Begriff als quasi eine Art „Kampfbegriff“ beizubehalten. Auch der Report der „AG Kleinstlandwirtschaft“ mit ihren Konferenzen, Büchern und Gemeinschaftsgärten stießen auf ein erstaunliches Interesse und viel Zuspruch… (hier der Beitrag als pdf.)

Ernährungsrevolution in der Kirche

Stadt – Land – Food: Zum Erntedankfest 2016 zurück zum Essen der kurzen Wege, mit ökologisch vertrebarem „Fußabdruck“, Qualität statt Quantität. In Berlin fand Anfang essenskongressinderkircheOktober erneut rings um die gerettete Markthalle Neun ein Festival des Guten Essens als auch ethisch vertretbarem Sich-Verköstigen statt. Eine große Vielfalt von handwerklichen Nahrungsmittel-Verarbeitern präsentierten bei schönstem Sonnenwetter ihre Käse-Sorten, Brote, lokalen Biere, Öko-Blumen, Vielfalt an Apfelsorten, Würsten etc. Die Berliner würdigten das Angebot und schlenderten in unendlichen Massen durch den alternativen  Lebensmittelmarkt unter freiem Himmel. Nebenbei konnte man in den anliegenden Cafés sich etwa erläutern lassen, was richtigen türkischen Kaffee ausmacht. Immer wieder ist erstaunlich, dass eben dort, wo die Statistiken die handwerkliche Lebensmittelerstellung für nicht mehr rentabel hält, junge und auch weniger junge Leute bereits den nächsten Betrieb aufgemacht haben.Die Motive sind eine Melange aus ästhetischen, physiologischen, ökologischen und ethischen Ansprüchen. Zu deutsch: Man hat einfach keine Lust mehr, durch sein Ernährungsverhalten die Menschen vom Horn von Afrika oder Südamerika in den Hunger infolge Dürre durch Kilmawandel zu treiben. Daher beflügeln diese Ansprüche offenbar in so hohem Maße, dass niedrige Einkünfte oder längeren Hängepartien bei Betriebseröffnung in Kauf genommen werden. Man ist zufrieden im Gefühl, das gute Leben im falschen immerhin zu probieren und dabei von intessanten Gesinnungsgenossen umgeben zu sein. In zahlreichen Workshops, sogenannten Lebensmittelwerkstätten, konnte man in der Markthalle Neun viele Praktiker und Engagierte kennenlernen und mit Bauern und Politikern diskutieren.

berichtausburkinafasoemrParallel dazu fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz ein Kongress statt mit dem p1010542Titel „Wir haben es statt! – Landwirtschaft macht Essen“. Es wurde über Landgrabbng diskutiert und wie eine enseitig auf die industrielle Landwirschaft fixierte Landes Politik Brandenburgs die Böden des Berliner Umlandes zerstört. Es wurde erkärt, wie die wahnsinnige Überproduktion von Milch in Europa, den Milchviehhaltern in Afrika die lokalen Absatzmärkte untergräbt. Zum Schluß traf sich eine Runde junger Aktivistinnen und Aktivisten für das Ziel der „Ernährungsouveränität“, wozu sie sich in einer Organisation namens Nyeleni zusammen geschlossen haben. Man wird gemeinsam zum europaweiten Nyeleni-Kongress nach Cluj in Rumänien, ehedem Klausenburg, fahren, wo sich 800 Ernährungsaktivisten aus ganz Europa treffen werden. Es geht darum zu kären, wie lokales und umweltverträges Essen künftig möglich sein wird, viele der jetztigen food-activits studieren Landwirtschaft oder Gartenbau oder sind schon Jungbäuerinnen oder Gärtner und meistetuerkischkaffeemachenemrns auf der Suche nach geeignetem, bewirtschaftbarem Land…

 

 

Blog „Auf nach Cluj!“: http://nyeleni.de/auf-nach-cluj/ernaehrungslehreniiemr
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