Ernährungsrevolution in der Kirche

Stadt – Land – Food: Zum Erntedankfest 2016 zurück zum Essen der kurzen Wege, mit ökologisch vertrebarem „Fußabdruck“, Qualität statt Quantität. In Berlin fand Anfang essenskongressinderkircheOktober erneut rings um die gerettete Markthalle Neun ein Festival des Guten Essens als auch ethisch vertretbarem Sich-Verköstigen statt. Eine große Vielfalt von handwerklichen Nahrungsmittel-Verarbeitern präsentierten bei schönstem Sonnenwetter ihre Käse-Sorten, Brote, lokalen Biere, Öko-Blumen, Vielfalt an Apfelsorten, Würsten etc. Die Berliner würdigten das Angebot und schlenderten in unendlichen Massen durch den alternativen  Lebensmittelmarkt unter freiem Himmel. Nebenbei konnte man in den anliegenden Cafés sich etwa erläutern lassen, was richtigen türkischen Kaffee ausmacht. Immer wieder ist erstaunlich, dass eben dort, wo die Statistiken die handwerkliche Lebensmittelerstellung für nicht mehr rentabel hält, junge und auch weniger junge Leute bereits den nächsten Betrieb aufgemacht haben.Die Motive sind eine Melange aus ästhetischen, physiologischen, ökologischen und ethischen Ansprüchen. Zu deutsch: Man hat einfach keine Lust mehr, durch sein Ernährungsverhalten die Menschen vom Horn von Afrika oder Südamerika in den Hunger infolge Dürre durch Kilmawandel zu treiben. Daher beflügeln diese Ansprüche offenbar in so hohem Maße, dass niedrige Einkünfte oder längeren Hängepartien bei Betriebseröffnung in Kauf genommen werden. Man ist zufrieden im Gefühl, das gute Leben im falschen immerhin zu probieren und dabei von intessanten Gesinnungsgenossen umgeben zu sein. In zahlreichen Workshops, sogenannten Lebensmittelwerkstätten, konnte man in der Markthalle Neun viele Praktiker und Engagierte kennenlernen und mit Bauern und Politikern diskutieren.

berichtausburkinafasoemrParallel dazu fand in der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz ein Kongress statt mit dem p1010542Titel „Wir haben es statt! – Landwirtschaft macht Essen“. Es wurde über Landgrabbng diskutiert und wie eine enseitig auf die industrielle Landwirschaft fixierte Landes Politik Brandenburgs die Böden des Berliner Umlandes zerstört. Es wurde erkärt, wie die wahnsinnige Überproduktion von Milch in Europa, den Milchviehhaltern in Afrika die lokalen Absatzmärkte untergräbt. Zum Schluß traf sich eine Runde junger Aktivistinnen und Aktivisten für das Ziel der „Ernährungsouveränität“, wozu sie sich in einer Organisation namens Nyeleni zusammen geschlossen haben. Man wird gemeinsam zum europaweiten Nyeleni-Kongress nach Cluj in Rumänien, ehedem Klausenburg, fahren, wo sich 800 Ernährungsaktivisten aus ganz Europa treffen werden. Es geht darum zu kären, wie lokales und umweltverträges Essen künftig möglich sein wird, viele der jetztigen food-activits studieren Landwirtschaft oder Gartenbau oder sind schon Jungbäuerinnen oder Gärtner und meistetuerkischkaffeemachenemrns auf der Suche nach geeignetem, bewirtschaftbarem Land…

 

 

Blog „Auf nach Cluj!“: http://nyeleni.de/auf-nach-cluj/ernaehrungslehreniiemr
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Mutter Erde geht in die Stadt

imvalentinoparkemr   albanientanztemr Der 9. Terra Madre Kongress von Slow Food verließ die dunklen Fiat-Hallen und ging in die Stadt. An allen Ecken Turins wuchs der Kohl. Auf dem Marktplatz wurde beispielhaft gekocht. Im Innenhof der Universität gab es eine Ausstellung zu der unglaublichen Diversität von Honig und dessen Sammelformen. Im wunderschönen Valentino-Park entlang des Flusses Po standen saatgutundmusikausborneoemrklHunderte von Ständen und präsentierten traditionelles Saatgut, alte meterhohe Roggensorten oder das Bier aus handwerklichem Betrieb. Die 7000 Delegierten aus 141 Ländern der Erde präsentierten ihr Engagement für klimatisch und landschaftlich angepasste Rindersorten, ihre auch zu Heilzwecken guten Kräutertees und diskutierten in zahllosen Workshops kohlinmittenturinsemrklauch bedrückende Probleme, wie das fortgesetzte Landgrabbing auf Kosten von Kleinbäuerinnen weltweit. Oder sie freuten sich über so ermutigende Projekte wie „10.000 Gärten für Afrika“, das rein aus Afrikanischer Initiative vor etwa fünf Jahren in Ruanda entstanden, jetzt schon über 2400 Gemeinschaftsgärten umfasst, in den vorbildlich und ökologisch Gemüse angebaut und kompostiert wird.  Viele der Delegierten hatten ihre traditionellen Gewänder mitgebracht und manche dazu auch ihre Musikinstrumente. So wurde spontan immer wieder mal getanzt, beispielsweise  bei den Albaniern oder bei den Musikanten aus Borneo.

Im Carignano-Theater, in dem ehedem Italien einmal gegründet worden war, fanden die großen Konferenzen statt. Alice Waters aus konferenzimtheateremrKalifornien, die Vizepräsidentin von Slow Food, bekannt dafür, dass sie die Menschen in ihrem Restaurant aus dem eigenen Garten versorgte, präsentierte stolz ihre Initiative für Schulgärten in der Westküstenregion der USA. Slow-Food-Gründer Carlos Petrini war begeistert von den Massai in Tansania, denen es gelungen ist, einen Angriff auf ihre traditionellen Landnutzungsrechte abzuwehren.

Insgesamt kann man den Slow Food Terra Madre Kongress 22. bis 29. September als eine gelungene Kooperation zwischen der Kommune Turin, der Region Piemont und einer überaus erfolgreichen „NGO“ betrachten, auf die Turiner nach anfänglichem Desinteresse heute stolz sind. Der bunte Umzug, die „Slow Food Parade“, hat mit den dieschoenstenaufderparadedietaiwaneremrbeeindruckenden Wildpilze-Sammlern mit ihren Kiepen (übrigens aus New England), den wunderschön bunt gewandeten Südost-Asiaten oder den lustigen Delegierten-Gruppen aus Afrika alle vergnügt gestimmt. Auf der Abschlußkundgebung beschenkten die Beteiligten sich gegenseitig, Alemitu neben mir bekam japanische Salzfischchen geschenkt, ich geräuchertes Salz aus Südafrika. „Vote with your Fork“ und unterstütze so die weltweit ackernden 500 Millionen Familienbetriebe, die die uns vielfältig ernähren, trotz der Übermacht der wenigen, den Weltmark dominierenden Giganten. Beeindruckende Foto-Ausstellungen, Kurz-Workshops von lokalen Wasserspar-Initiativen, Künstler-Events und Installationen in der ganzen Innenstadt zogen Tausende an…

Die Milch der Hirten in Burkina Faso

MilchgefässTragedeVorMinimolkereiEMRAuf Einladung von Misereor war ich mit hiesigen Milchbauern in Burkina Faso in Westafrika.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Burkina Faso ist ein fröhliches Land, wo man sich traditionell von Hirse, Dickmilch, Bohnen, Zwiebeln und Okra ernährt. Die Städter bevorzugen allerdings Reis und Hühnchen. Wir sollten die Auswirkungen der Milchexporte aus Europa auf die dortigen Märkte studieren. Burkina Faso gilt als eines der ärmsten Länder der Welt und in der Stadt Ouagadougou sind die auskömmlichen Erwerbsgelegen-heiten rar. Auf dem Lande sind die einen Bauern, die anderen  halbsesshafte Hirten. Die Bauern sind  wie die Hirten einerseits Selbstversorger, andererseits müssen sie die Überschüsse verkaufen, um Geldeinkommen zu haben. In den letzten Jahren hat der Import von Milchpulver aus Europa den Viehhaltern dort das hergebrachte Verkaufen der Milch auf den lokalen Märkten erschwert. Nun versuchen sie, durch das Gründen kleiner Molkereien den eigenen Markt zurückzuerobern. OLYMPUS DIGITAL CAMERADie lokale Entwicklungs-Organisation Pasmep setzt sich mit Unterstützung von Misereor für das Neueinrichten oder Modernisieren von Klein-molkereien ein, um den Frauen der Viehalter ihre Einkommen zu erhalten und so die Situation der Familien zu verbessern. Denn die Milch der Kühe gehört den Frauen. In Afrika sind die Frauen die Ernährerinnen ihrer Familien. Mit dem Einkommen aus ihrer Milch kommen sie ohne Hunger durchs Jahr und können die Kinder in die Schule schicken, Gemüse, Schulhefte, Küchengeräte und z.B. Fahrräder kaufen. Mittels der Schule wird erreicht werden können, dass die Regierung die Lebenslage der „Pastoralisten“ künftig sehen und berücksichtigen wird. Das hofft zumindest die NGO Pasmep, die bisherige Schulverweigerung der Hirtenvölker kritisch sieht..

 

Bauern ernähren die Welt

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA„Wir haben es satt“

Am Samstag den 16.1.2016 trafen sich 23.00 Bauern, Tierschützer, Vegetarierer mitsamt von 130 Treckern in Berlin zu einer Kundgebung und Demonstration gegen die unvernünftige Agrarpolitik der Europäischen Union resp. der Bundesrepublik und der Bundesländer. Gerade hatten die Brandenburger per erfolgreichem Volksbegehren gezeigt, dass die Bevölkerung mehrheitlich gegen Massentierhaltung ist. Auch wenn es diesmal mit „nur“ 23.000 nicht ganz so viele waren wie im letzten Jahr, wo 50.000 Demonstranten gekommen waren, war die Stimmung  vergnügt wie die Sprüche auf vielen Transparenten kreativ und lustig.  „Power to the Power“  war auf einem der Traktoren von der organisierenden „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (ABL) zu lesen. „Die Zeit ist reif für Ernährungsouveränität“ stand auf einem anderen. „Kein TTIP“ ( = Transatlantisches Handelsabkommen) stand auf sehr, sehr vielen Fahnen oder Transparenten. Abgesehen von der AbL hatten zahlreiche andere Gruppen, Vereine und Stiftung wie etwa die „Zukunftstiftung Landwirtschaft“ oder der „BUND“ und viele, veile andere bei der Organisation geholfen. Die Demo-Route führte durch die Innenstadt, so dass immerhin der eine oder andere Tourist die Protestierenden bestaunen konnte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA TierschutzkleinP1160060 StoppTTipklP1160058Eigentlich wissen alle, dass kleine und mittlere Betriebe, egal ob in der Landwirtschaft oder in Produktion und Handwerk die Mehrzahl der Menschen beschäftigen. Es ist daher verwunderlich, dass die Politik allzu einseitig auf Exporterhöhung und Handelabkommen setzt, statt sich um menschenwürdige Lebensbedingungen im eigenen Land zu kümmern. Zumal der Verzicht auf tierquälerische Milchmassen-produktion niemanden in Versuchung bringen würde, Kleinbäuerinnen in West-Afrika um ihr Einkommen und Brot zu bringen wie etwa durch Einfuhr von Milchpulver zu Dumpingpreisen, wie ein Redner aus Westafrika auf der Abschlußkundgebung anmahnte.

Die auf der Demo gut vertretene Jugend hatte in einer geselligen „Schnippelsdisko“ am Abend zuvor dafür gesorgt, dass es anschließend bei der Heinrich-Böll-Stiftung für die ausgekühlten Demonstranten warme Suppe zu Musik, Kaffee, Vorträgen und neuem „Fleischatlas“ gab.

Besonders beeindruckend waren die Berichte von neuen Initiativen aus der Praxis: es gibt mehrere neue Bodengenossenschaften und überall neue Hofinitiativen. Besonders beeindruckend war der tatsächlich live zustande kommende Bericht aus Syrien, von wo aus einer einge-schlossenen Stadt ein dortiger Gartenaktivist berichete: Seit zwei Jahren bauen sie dort auf jedem nur möglichen Flecken Gemüse an, auf Dächern, in Höfen und auf allen Brachen. Die Einführungskurse in das Gärtnern ohne Gift und Geld fanden im Libanon oder in der Türkei statt. Das nötige Saatgut kommt von hier und natürlich muss es samenfest sein, damit sie jedes Jahr neu wieder aussäen und ernten können. Der Erfolg ist, dass niemand mehr verhungert und die Menschen wieder etwas Mut fassen; die Lebensmittelpreise sanken sogar wieder ein wenig.

Schwarze Küchen: Zur Kulturanthropologie der Ernährung

Die Küchen der alten Gesellschaften Europas, der ländlichen Gesellschaften waren schwarz. Ihre offenen Herdfeuer füllten die Räume mit Qualm und Rauch. Das wärmende und stets gefährliche Feuer erinnerte die Menschen an seine Abhängigkeit von den Mächten der Natur. Das Feuer war ein Symbol für die Zweiseitigkeit aller Naturgewalten, die das Leben geben, aber auch nehmen können. Ähnlich wie nach den Vorstellungen der griechischen Antike etwa die breithüftige Gaia, diejenige war, die während der schwarzen Nacht, das Leben gibt aber auch wieder nimmt. Die Frau am Herd war – in all ihrer Alltäg-
lichkeit – zugleich eine etwas geheimnisvolle Figur, weil sie mit den sich nie ganz offenbarenden Naturgewalten umzugehen verstand. Bis ins 19. Jahrhundert hinein kannten Kochbücher die Regeln der antiken Säftelehre, konnte eine kundige Hausfrau mittels ihrer Kochkunst sowohl heilen als auch vergiften.

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https://www.weltbild.de/media/txt/pdf/9783865816887-098473358-mahlzeitenpolitik.pdf

http://www.myvillages.org/uploads/tischrede_tafelrunde_vorratskammer.pdf