Botanische Gärten: Orte der Forschung

bot-garten-coverAktuelle Fotos und Grafiken aus alten Handschriften illustrieren außerordentlich ansprechend im Band „Der Garten als Wissensraum“ 20 der schönsten botanische Gärten Europas. Die botanischen Anlagen Europas sind – als Kinder der Aufklärung entstanden jedoch in noch „fürstlich“ geprägten Zeiten – nahezu alle bühnenartig um ihren Zweck – die Präsentation botanischer Vielfalt – angelegt. Da man nach Linné zur Einsicht kommen musste, dass Vollständigkeit unmöglich ist, spezialisierten sich die meisten Botanischen Gärten Europas im Verlauf des 19. Jahrhunderts auf bestimmte Pflanzenarten und Forschungsbereiche, ohne dabei der Idee, möglich viele verschiedene botanische Besonderheiten zu zeigen völlig zu entsagen. Der „Nationale Plantentuin van Belgie“ beispielsweise beherbergt die wohl größte Sammlung an Kaffeepflanzen der Welt. Der Schwerpunkt Afrika ist Ergebnis der Kolonialgeschichte Belgiens. Ursprünglich entstanden sind die botanischen Gärten aus Heilpflanzengärten, wie etwa dem „Hortus Simplicium“, der 1545 in Padua gegründet wurde. Auch der Botanische Garten Wiens entstand aus einem Garten mit Medizinalpflanzen. Kaiserin Maria Theresia hatte ihn für Medizinstudenten neben dem Schloss Belvedere anlegen lassen. Die Botanischen Gärten wurden seither zu Forschungsstätten, wo Mediziner und Biologen die Wunder der Botanik mit Lupe und Pinzette erkundeten, beschrieben, zeichneten, pressten und katalogisierten. Mancher ehemalige Hof- und Küchengarten musste – so wie in Berlin – ein paar Mal umziehen, bis er seinen heutigen Standort erreichte. Im Herbarium der dortigen Bibliothek befinden sich bis heute Blätter von Alexander von Humboldt. Im größten „stützenlosen“ Gewächshaus der Welt gelang die Nachzucht der kurios anmutenden Welwitschia Mirabilis, einer Urpflanze aus der Namib Wüste. Heute sind manche Botanische Gärten „ex-situ-Genpoole“ für gefährdete Arten. Denn so konservativ sie als altväterliche Einrichtungen den Jüngeren auch erscheinen mögen, sind doch heute die meisten Botanischen Gärten am Arten- und Naturschutz aktiv beteiligt. Der Botanische Garten in Barcelona etwa beforscht die Auswirkungen des Klimawandels auf den mediterranen Raum und unterhält eine große Saatgutsammlung. Das informative Werk entstanden im Rahmen eins Forschungsprojektes am Institut für Städtebau an der Universität Wien. Ausgesprochen schön gestaltet wirkt es fast wie ein Kunstkatalog 2014 wurde es ausgezeichnet als vorzügliches Gartenreisebuch.

Karin Stadler, Der Garten als Wissensraum – Eine Reise zu Gärten der botanischen Sammlungen Europas 104 Seiten, zahlreichen Abbildungen, 25,-€ (bestellbar über info@privatplots.at)

für Völkerverständigung: Enno Meyer 1913-1996

Am 10. und 11.Oktober 2015 wurde an der Universität Oldenburg auf einer kleinen Tagung die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen bearbeitet. Der Oldenburger Studienrat und Zeithistoriker Dr. phil. Enno Meyer war einer der wesentlichen Initiatoren der deutsch-polnischen Schulbuchgespräche. Er setzte sich auch schon für die Anerkennung der Grenze zwischen Polen und Deutschland sein, als die Politik des Kalten Krieges samt der Vertriebenenverbände davon noch nichts wissen wollten. Als Lehrer ermunterte er seine Schüler, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Er unterstütze die Schüler-Zeitung seines Gymnasiums – unter anderem durch die Namensschöpfung „Allmende“ – und betrieb zeitweilig auch die Schulbibliothek. Seine Frau Magdalene Meyer geb. Renschhausen bedauerte, dass er nicht kandidierte, als die Stelle des Direktors seiner Schule vakant war. Aber er wollte Zeit für seine Forschungen und gesellschaftspolitischen Interventionen behalten: Er schrieb zur Geschichte der NS-Zeit in Oldenburg und Niedersachen, zur Geschichte der deutschen Juden und die der Armenier sowie der deutsch-polnischen Beziehungen… Als später allerdings seine vier Kinder taten, was er empfahl und sich in Schülerbünden u.ä. engagierten und Leserbriefe in der örtlichen „Nordwestzeitung“ publizierten, war es ihm zu viel des Aufsehens… Seine Schüler würdigten seinen Einsatz für die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnischer Grenze und seine generellen Ermunterungen, sich staatsbürgerlich zu betätigen. Mit seiner bescheidenen und zurückhaltenden Art gepaart mit einem enormen historischen und geografischem Wissen blieb er ihnen als eine Art Original größtenteils freundlich im Gedächtnis…

Demnächst wird In Oldenburg ein Sammelband zum Thema erscheinen.

Tempelhofer Feld: Freiraum für alle

Tempelhofer Feld: Bauen oder Freiraum?
Vor dem I. Weltkrieg sprach man von Bodenspekulation
Der Streit um das Tempelhofer Feld ist nicht neu. Kurz vor dem ersten Weltkrieg versuchte das Militär aus dem Verkauf des Tempelhofer Feldes Kapital zu schlagen. Genauer gesagt aus einem Teil der Tempelhofer Feldes, das es für Paradeaufzüge nicht mehr brauchte. Übrigens mit Erfolg. Zumindest zunächst. Wenig später kam dem Fiskus der Krieg dazwischen… Weiterlesen