Jäger und Sammler

Jäger und Sammler im Zeitalter des Betrugs

„Freiheit für Lula“ hatte sich die kleine bunte Truppe, die auf dem „Karneval der Kulturen“ Brasilien repräsentierte, auf ihre Transparente geschrieben. Sie meinen, dass der Präsident, der erfolgreich eine „Zero Hunger“-Politik eingeführt hat, zu Unrecht eingesperrt ist. Halb Südamerika versinkt nach einer Dekade sozialer Regierungen erneut im Sumpf von Korruption und Gewalt. Gewählte Regierungen werden per Tricks entmachtet, Landlose von ihren kleinen Äckern vertrieben, die sie rechtmäßig zu bestellen begonnen haben. Die Superreichen möchten sich bei der Jagd nach noch mehr Geld nicht gerne stören lassen. Seit der dot.com-Blasen-Krise ist das Investieren in „Realien“: Häuser, Rohstoffe und Land angesagt. Alle machen mit, auch die Deutsche Bank. Ist ihren Managern egal, dass Sojabarone die Regenwälder Südamerikas roden? Obwohl das illegal ist? Muss man deshalb daran Anstoßnehmende mittels Korruptions-Vorwürfen auszuschalten? Die Investoren vertreiben mittels bewaffneter Räuber die Jäger-und Sammler-Völker, die bisher im und vom Regenwald lebten. Kleinbauern, die als frühere Regenwald-Vertriebene selbst illegale Bandrodung betreiben, werden mit vertrieben. Mit Gewalt. Die Landjäger kennen keine Gnade. Die Regierungen der zivilisierten Welt schauen ungläubig zu. Sie schämen sich. Und sind froh, dass die Regeln der Diplomatie ihnen verbieten, einzugreifen.

Die weltweite Jagd nach „Realien“ wie Land produziert vor allem eines: Arbeitslosigkeit. Weltweit wächst die Erwerbslosigkeit. Sie betrifft nicht nur die Jugendlichen Griechenlands oder Spaniens. Die Neuzugezogenen in den großen afrikanischen Städten finden zu über 80% keine Jobs, schon gar nicht angemessen bezahlte. Und auch in reichen Städten des Nordens wie Berlin sind seit Jahrzehnten stets um die 20% der Bevölkerung von Sozialgeldern abhängig, in manchen Viertel 40% der Jungs ohne Jobs. Sie jobben allenfalls als Prekäre bei den ebenfalls prekär lebenden „Späti“-Inhabern oder versuchen als Putzfrauen, Fahrradkuriere oder VHS-Dozentinnen zu überleben. Diese neue Armut wird von allen Regierungen vertuscht. Erwerblose über 50 werden z.B. in Berlin nicht mitgezählt, weil sie eh keine Chance mehr hätten. Mit der Folge, dass man im globalen Süden meint, hier bekämen alle Arbeit und sich immer neue Gruppen junger Afrikaner auf den Weg machen…

In Europa merken die Menschen erst jetzt, dass wir weltweit in einer Art Zeitalter des Betrugs angekommen ist. Wenn die Leute keine – und sei es auch eine noch so schlecht bezahlte – Anstellung finden, werden sie wie in archaischen Zeiten wieder zu Nomaden, Jägern und Sammlern. Die einen mähen die Wegesränder ab, um Futter für ihre Hühner und Kaninchen zu erbeuten, die sie in der bewährten Tradition Osteuropas als Nebenerwerbs-Subsistenzbauern halten. Die anderen klauen aus purem Hunger Tomaten aus Gemeinschaftsgärten oder Ziegen aus den Kinderbauernhöfen, um sie zu verzehren. Wenige Tage später entdecke ich in den öffentlichen Parks Berlins, wie Menschen aller Kulturen einträchtig Akazienblüten sammeln, um daraus Sirup zu machen. Eine Woche später höre ich Vater und Töchterchen sich an den wegseitigen Blüten unseres Holunderbusches zu schaffen machen. „Hier ist eine besonders schöne!“ sagt das Kind. Ob sie wohl Pfannkuchen draus machen wollen? Der Holunder duftet betörend. Vielleicht sollte ich auf unserem zweiten „Vorm-Zaun-Acker“ zumindest eine Pfefferminzfarm anlegen? Offenbar brauchen Städte(r) heute solche Allmenden. Denn auch Erwerbslose und andere Prekäre möchte zu gerne ihrem urmenschlichen Betätigungsdrang nachgehen können…

Die neue Landflucht

Jeder siebte ist unterwegs. Auf der Flucht vor Krieg oder Dürren, die ihre Landwirtschaft zerstörten. Oder weil Überschwemmungen Ernten und Höfe weggespülten. Wir erleben derzeit noch nie da gewesene Massenfluchten. Im Durchschnitt setzen sich jährlich 26,4 Millionen nur in Folge des Klimawandels in Bewegung. Extremwetter und Umweltschäden vertreiben sie aus ihrer Heimat und damit oft in jahrelanges Elend. Die Eskimos, Inuit, die von Kanada bis Sibirien durch das Abschmelzen der Gletscher zum Abwandern gezwungen werden, sind in den Städten meistens erwerbslos. Zum Verlust der Heimat kommen für die meisten Flüchtlinge im Aufnahmegebiet Diskriminierungs-Erfahrungen hinzu: die Fukushima-Evakuierten etwa wurden von den anderen Japanern wie Aussätzige gemieden. Immigration großer Gruppen kann für die meistens selbst armen Gastgesellschaften zu großen Belastungen führen…

Das Leugnen des Klimawandels kann Kriege auslösen. Subsahara-Afrika ist vom Austrocknen der Sahelzone bedroht. Die Hirtenvölker kommen verstärkt und immer länger in die Regionen der Bauern. Was dann etwa in Ghana und in vielen anderen Teilen Afrikas zu einer Übernutzung der Böden führt. Gewaltsame Konflikte sind die Folge. Die Dafur-Region des Sudans erlebte Jahrzehnte andauernde Stammes-Streitereien um Land und Wasser. Es kommt so zudem zu der paradoxalen Entwicklung, dass  Klimawandel und Klimakonflikte die traditionellen Wanderbewegungen der Hirten in Afrika und Innerasien zunehmend in Frage stellen. Immerhin haben einige Westafrikanische Staaten nun ein Abkommen, dass ihren Pastoralisten erlaubt, dem Regen hinterher zu ziehen und dabei auch ungehindert die Grenzen überschreiten zu dürfen.

In Syrien trieb eine mehrjährige extreme Dürre zahllose Bauern in die Städte, wo sie sich arbeitslos an den Protesten gegen das Regime beteiligten. Die rasante Urbanisierung führt zu immer größeren Slums mit wachsenden Hygieneproblemen und als deren Folge Seuchen. Nur wenige Länder wie Bangladesh, Guinea-Bissau und Mali haben ihre Landwirtschafts- und Fischereimethoden verändert, um die problematische Urbanisierung zu verlangsamen. In Afrika hat man mit der Kampala-Konvention (2009/12) einen rechtlichen Rahmen zum Schutz von Binnenflüchtlingen, die durch Naturkatastrophen zur Flucht gezwungen wurden, geschaffen.

Migration hat natürlich oft auch gute Seiten. Die Mittel, die Wanderarbeiter aus der Ferne schicken, helfen den Daheimgeblieben beim Überleben, u.U. sogar dabei, Böden wiederaufzubauen. Der Atlas der Umweltmigration stellt die Migration infolge des Klimawandels an wichtigen Beispielen übersichtlich dar. Was fehlt ist ein Register. Dieser neue Umweltatlas des weltweiten Wanderns gehört in jede Schul- und Unibibliothek.

Atlas der Umweltmigration von Dina Ionesco, Daria Mokhnacheva, Francois Gemenne, Oekom Verlag München 2017, 170 Seiten, 22,70 € (Orig.: London 2017 )

Vom Hüten von Herden und der Erde

Commons oder Allmenden sind „Gemeinheiten,“ gemeinsames Land, auf dem etwa Dorfgesellschaften ihre Tiere hüteten. Bis ins 20.Jahrhundert hinein beschäftigten die Bauern dafür gemeinsam einen Hirten. In anderen Teilen der Erde ist das Hirtenwesen eine Lebensform, die die Menschen ernährt. Eine Herde zu hüten ist im modernen Sinne sozusagen eine Arbeit, auch wenn die Hirten das wohl kaum so sehen würden. Ähnlich wie Haus- und Subsistenzarbeiten Tätigkeitsformen sind, die von der Nationalökonomie ignoriert werden. Jedoch sind Allmenden und Allmende-typische Arbeiten in der Geschichte verschwunden und auch wieder neu entstanden, wenn die Umstände es erzwangen. Heute ist die Lage der Hirten in Afrika allerdings dramatisch. Es ist die Frage, ob wir uns diese Bedrängnis der Pastoralisten im Zeitalter des Klimawandels eigentlich leisten können.

Ein gewisses Wiederauftauchen der Gemein- und Hirtenwirtschaft gab es etwa nach der großen Pest 1348 im Languedoc. Weil hier die Bevölkerung halb ausgestorben war, kehrten die Bauern zu vermehrter Tierhaltung zurück. Oder: nachdem zwischen 1650 und 1800 in England das meiste ehemalige Gemeindeland eingehegt war, entstanden in den Alpen ab 1810 das Hütewesen auf hoch gelegenen Gemeindeländern, den Almen, neu. Senner hüteten die Tiere über die Sommermonate im Auftrag der Allmend-Genossen. Und nachdem in Mittel- und Zentral-Europa nach dem I und II. Weltkrieg infolge von vermehrten Grenzkontrollen die Wanderschäferei fast ausgestorben war, zogen ab der 1980er Jahre junge Arbeitslose aus der Schweiz, Österreich, Frankreich und Deutschland (u.a. von Longo Mai) mit Schafherden über kommunale Ländereien, sogar Ländergrenzen und Alpenpässe… Allerdings wurden mit Gründung der WTO zum 1.1.1995 das Privatisieren und das Spekulieren mit Grund und Boden weltweit in einem Maße ermöglicht, wie man es bisher nur aus der Zeit des brutalen Manchester-Kapitalismus vor dem I. Weltkrieges gekannt hatte. Dennoch gelang es einer Berliner Bürgerinitiative im Mai 2014 mittels eines Volksentscheides das Opfern eines ehemaligen innerstädtischen Flughafens, des Tempelhofer Feldes, an die Bauindustrie zu verhindern…

Heute sind weltweit die meisten Allmenden und Gemeindeländereien gefährdet. Das viel zu viele Geld, das durch Steueroasen und Finanzblasen geschaffen wurde, wird erst durch Investition in „real estates“ sozusagen „real“. Das bedroht den Lebensunterhalt der kleinen Bauern und Hirten besonders Afrikas. Bis heute dienen dort Allmenden Bauern und Hirten als Acker- und Weideland. Individualbesitz von Grund- und Boden war  z.B. in Mali, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Äthiopien etc. bis vor kurzem fast unbekannt. Besonders Hirten geraten unter Not, wenn ihre Weidegründe infolge von Privatisierungen, Staudammbauten, Kriegen, Wild Life Sanctuaries oder Klimawandel verschwinden.

Am 4. August 2017 war in der New York Times zu lesen, dass Kenia am Fuße des Mount Kenia, die Bauern von Lakipia von der Hirtenbevölkerung bedroht und ausgeräubert würden. In Nadunguru treiben die Hirten ihre darbenden  Rinder auf die Äcker der Landwirte und Bauern, und sogar auf die Äcker armer Klein-Bauern. – Dabei weiß man es seit Jahren, dass die auch etwa die Wilderer sich – als Handlanger von Fremden – oft aus ehemaligen Hirten rekrutieren. Denn seit Jahrzehnten bereits sind die Pastoralisten im Norden Kenias Opfer von Kriegen und Klimawandel, der derzeit durch den El-Nino-Effekt verstärkt wird. Das führt zu Hungersnöten unter den Hirten wie etwa den Turkana vom Turkana-See, die Fischer werden müssen. Blumenfarmen und andere Export-Landwirtschaft graben im Süden Kenias auch den Massai  das Wasser ab. Ihre Weiden fallen trocken, weil das Wasser ihrer Flüße bereits am Oberlauf abgezweigt wird.

Bis heute leben etwa 80 % der Afrikaner von ihrer Landwirtschaft. Industriearbeit gibt es kaum und andere Erwerbsmöglichkeiten nicht in ausreichendem Maßstab. Die meisten bearbeiten Land, das traditionell denjenigen zugeordnet wird, die es bewirtschaften. Traditionell gehört es keinem Einzelnem, sondern einer Dorfgemeinschaft oder einem Clan. Es wird als Kollektivbesitz als Land der Vorväter und der Enkel betrachtet. In der Forschung wird dieses Gewohnheitsrecht allerdings wenig berücksichtigt. Von 200 Aufsätzen über Boden- und Landrecht in Afrika meinte ein Experte aus Mali, würden sich nur zwei mit dem Gewohnheitsrecht befassen.

Problematisch wird es, wenn Regierungen wie 2013 die von Äthiopien, das Land, das bisher als Volkseigentum galt, zu Staatsbesitz erklären, um anschließend große Teile davon für 99 Jahre verpachten zu können. Im Westen Äthiopiens verloren so ganze Dörfer, die bisher von einer Mischung aus Ackerbau, Viehhaltung sowie Sammlen lebten, ihren Lebensunterhalt. Die neu errichteten zentralen Ansiedlungen nützen nichts, weil die Menschen dort keinen Broterwerb finden. Die neuen Großgrundbesitzer arbeiten mit Maschinen und.zahlen einen Lohn, der weit unter dem zum Leben Notwendigen liegt. Diese neue Not führt in Äthiopien, Kenia, Burkina Faso, Mali zu vermehrten Zusammenstößen zwischen Vielhaltern und Bauern, die sich das übrig gebliebene rare Land teilen müssen. Da die Hirten seit Ende des Kalten Kriegs mit Kalaschnikows statt mit Speeren bewaffnet sind, führt das zu wachsender Gewalt und Vertreibungen.

Solange die Böden als Kollektiveigentum betrachtet wurden gab es friedliche Regelungen hinsichtlich der Bodennutzung. In Burkina Faso regelte in den Dörfern ein „Chef der Erde“ die Landverteilung, nach Tradition, Bedarf und Familiengröße. Flüchtlinge bekamen Land zur Selbstversorgung. Sobald die Bauern eines Dorfs ihre Felder abgeerntet hatten, wurden die Felder den Hirten zur Nachnutzung überlassen. Die Tiere fraßen Stoppeln, Strünke und düngten den Boden. Sobald jedoch im Umkreis der Städte die Privatisierungsprozesse einsetzten und Zäune gesetzt wurden, war das nicht mehr möglich. Mit der Einhegung der Allmenden verlieren die meisten Hirten ihre Existenzen. Sogar der gut gemeinte Natur- und Landschaftsschutz kann auf ihre Kosten gehen. In Nairobi weiden die rot gewandeten Massai ihre Herden auf den Mittelstreifen der  Ausfallstraßen. Ihre traditionellen Weidegebiete sind als Nairobi-Nationalpark für Elefanten, Büffel und Nashörner eingezäunt worden. Die Massai, die mit ihren Sprüngen, Speeren und Tieren vom Tourismus eine Art Wahrzeichen des Landes sind, werden um ihre Lebensgrundlage gebracht. Für die großen Grasländer der Erde ist jedoch die Weidewirtschaft durch Hirten die beste Form ihres Erhalts. Durch Beweidung bleibt die Grasnarbe dicht. Die darüber wanderenden Tiere trampeln zudem die Bodendecke zusammen, so daß Stürme kaum Angriffsmöglichkeiten haben..

In Westafrika beweiden Fulani die Trockenzonen des Sahel- und Sudangürtels.Die Rinder gehören den Männern, aber die Milch gehört den Frauen. Der Milch-Verkauf bringt den Familien Geld-Einkünfte. Aber die Europäische Union verwandelt im Rahmen ihrer aggressiven Agrarpolitik überschüssige Milch in Milchpulver. Und subventioniert den Export des Pulvers. Daher kostet das Milchpulver in Burkina Faso weniger als die Hälfte der einheimischen Milch. Das Land hat heute 18 Millionen Einwohner. Die Jugendarbeitslosigkeit ist groß. Auch Universitätsabgänger finden vielfach keine Anstellung. Die meisten Städter arbeiten im informellen Sektor und verdienen kaum genug zum Leben. Die Lebensmittelunruhen von 2007/8 richteten sich gegen die Auswirkungen der sogenannten Sparpolitik. Die Lebensmittelpreise waren infolge der Weltfinanzkrise auf das Doppelte gestiegen.

Der Gründer der „Fairen Milch“ von Belgien, Erwin Schöpges, bemüht sich daher um die Einführung der Idee „Faire Milch“ auch in Burkina Faso. Bei der Eröffnungsfeier in einer Molkerei am Rande der Sahelzone, warnte der Vorsitzende des Verbandes der Kleinmolkereien vor den Auswirkungen der Zerstörung der einheimischen Landwirtschaft durch Weltmarkt-Firmen. Die Hinwendung zum Terrorismus, unter dem die Menschen besonders in den Nachbarländern Nigeria und Mali leiden, erfasst  besonders junge Viehalter ohne Lebensgrundlage. Hirten betrachten ihre Viehhaltung nicht als Arbeit. Aber wenn man ihnen die Möglichkeit dazu nimmt, bringt man sie um ihren Lebensunterhalt. Mit Ihrer Lebensweise verlieren sie Bescheidenheit und Stolz und wenden sich den Boko Haram oder anderen Fundamentalisten zu. Die Tuareg der Sahara etwa verbündeten sich mit dem islamischen Terror und merkten zu spät, mit wem sie sich da verbündet hatten.

Landraub und Vertreibung von Bauern und Hirten von ihren Feldern ist eine Haupt-Ursache für den nicht abbrechenden Flüchtlingsstrom nach Europa. Der Vorgang des Landgrabbing findet auch im Norden statt. Die in den Parks Schlafenden oder die osteuropäischen Musikanten sind Flüchtlinge der äußerst brutal ablaufenden Privatisierungsprozesse im Osten Europas. Aber es entstehen auch neue Formen einer gemeinsamen Landwirtschaft. Winzige, aber überzeugende Beispiels sind etwa die „Bauerngärten“ in den Landschaftsschutzgebieten von Berlin. Oder das „Speisegut“ in Gatow als erste solidarische Landwirtschaft Berlins. In beiden Modellen tragen alle Konsumenten das Risiko gemeinsam mit den Landwirten. Wenn die Ernte schlecht wird, gibt es halt für alle etwas weniger Gemüse… Oder nehmen wir das Stadtgut Blankenfelde ebenfalls in Berlin. Hier sind die Gebäude des ehemaligen Guts mittels unzähliger freiwilliger Arbeitseinsätzen an Samstagnachmittagen gerettet worden. Das Gelände steht Spaziergängern offen, im Gemeinschaftsgarten dürfen auch Nachbarn mitbuddeln und es gibt Versammlungsräume für Konzerte, Vorträge, Lesungen und Ausstellungen aller Art. Gemeinsam schuf eine Gruppe eine für alle benutzbare Allmende. Und inmitten Berlins wurde das Tempelhofer Feld im Mai 2014 für den Klima-, Natur- und Landschaftsschutz gerettet – mitsamt ihren offenen Allmende-Gärten. Fehlen sozusagen nur noch die Schafe, die zu einer traditionellen Bewirtschaftung von Allmenden dazu gehören, als Landschafts- und Klimaschützer…Besonders eine maßvolle Wanderweide-Wirtschaft schützt Grasländer vor Verwüstung.

Die Gärten von Marrakesch

majorellegartencemr marokosgaertenklcemr kleinbauerngemueseindermedinacemrMarokko ist ein fast märchenhaftes Gartenland. Da, wo es am Westabhang Bergketten regnet, oder wo man aus den Bergen Bewässerungskanäle abführen kann, dort gibt es Gärten. Gemüsegärten, Bauerngärten, Olivenhaine, berberzeltinandrehellercemrWeingärten, Stadtparks, überall gibt es Gärten, zu den großen Städten gehören überall blühende oder Früchte tragende Stadtbäume, Parks und Hausgärten. Die klassische Hausform, das „Riad“, was eigentlich Garten heißt, ist ein schön bepflanzter Innenhof mit Brunnen in der Mitte. Es handelt sich um  jene grünen Innenhof-Gärten, die Araber und Berber Marokkos von den Ägyptern, Persern und Griechen der Antike übernommen haben. Die Hotels von und bei Marrakesch sind grüne Oasen, das berühmte La Mamounia Hotel beschäfftigt über 60 Gärtner, jede reiche Villa ist umgeben von einem großen, üppigem Garten. Allerdings sind die öffentlichen Gärten derzeit gefährdet. Mancher große Stadtpark wie jener von Meknes wurden auch schon mal komplett in eine Golfanlage verwandelt und so dem Volk entzogen. Und der Klimagipfel von Marrakesch fand in einem traurig vertrockneten Olivenhain statt – gleich neben dem berühmten Menara-Garten. Einst war die Stadt Marrakesch stolz darauf, bereits seit dem 12. Jahrhundert von einem ausgeklügelten System von Bewässerungskanälen zu leben, die außer Menschen und Tieren auch die berühmten Palmenhaine der Stadt mit Wasser versorgten. Aus den nahe gelegenen Atlasbergen, an deren dem Atlantik zugewandten Hängen es stets ausreichnend regnet, kam immer genug frisches Wasser. Die Palmenhaine versorgten die Stadtbewohner mit guter Luft, ein wenig Kühlung im Schatten und Auslauf im Grünen. Die Ackerbürger und Hirten unter ihnen versorgten sie mit Arbeitsplätzen bzw. Beschäftigungs-und Selbstversorgungsmöglichkeiten. Aber der Bauboom der letzten Jahre ließ viele der Palmenhaine vertrocknen. Zum Welt-Klimagipfel in Marrakesch im November 2016 wurden im Innenstadt-nahen-Bereich einige der kleineren Stadtparks rings um die Medina wieder neu instandgesetzt und sie sind – auch wenn sie nachts geschlossen werden – für alle, auch die vielen jugendlichen Erwerblosen, zugänglich. Viele Straßenränder wurden liebevoll bepflanzt. Aber die weitere Umgebung der Stadt leidet unter Wassermangel und vertrockneten Gärten und Palmen. Die heute schönsten Gärten von Marrakesch wie der Jardin Majorelle oder der Garten „Anima“ von Andre Heller sind privat geführt und nur nach Bezahlung eines Eintrittsgeldes zugänglich. Und so sind sie für die meisten Marrokkaner und Marokkanerinnen mit Stundenlöhnen, die nur knapp über einem Euro liegen, bei um die 200 Euro im Monat, nicht zugänglich.

Vom Verschwinden der Kühe und dem Hunger im Süden

INPoUnterKaritebäumenEMRWie das wohl sein könne fragen mich die Bekannten, sie wären bis nach Portugal quer durch Europa mit dem Zug gefahren und überall, besonders aber in Frankreich, wären ehedem vielfältige Landschaften gähnender Leere und erdrückend langweiligen Flächen gewichen. Kaum sähe man noch Kühe auf der Weide, keine bunten Wiesensäume mehr, auch kleine oder wilde Tiere wären nicht mehr zu sehen. Sie sind schwer enttäuscht. Und sind nicht sehr glücklich auf meinen Hinweis auf die seit Max Webers Zeiten wider alle nationalökonomische Vernunft vornehmlich die „Großgrundbesitzer“ fördernde und darüber leider meistens zugleich „Bauernlegende“ Agrarpolitik der Europäischen Union. Sie führt heute dazu, dass über die „Laufställe“, die zugunsten des Tierwohls eingeführt wurden, den Kühen ihr Weidegang verwehrt wird. Ähnlich grübelt man auch in der FAZ darüber nach, warum der Deutsche Bauernverband noch immer auf die „Umweltschützer“ einprügelt, statt einzusehen, dass keinem Erholungssuchenden wie auch keinem Essenden mit der bisherigen Politik des Immer-größer, Immer-mehr gedient ist. Ín einem Artikel mit dem schönen Titel „Was die Nachtigall stört“ entarnt Patrick Bahners die Landwirtschaft als „kollektivistischen Großindustrie“ (FAZ, 13. Juli 2016), und fragt sich, ob eventuell die Agrarwissenschaft Abhilfe schaffen könnte. Maisfressende Kühe verbannt in dunkle Ställen, Milch, billiger als Mineral-Wasser, Industrie- statt Kulturlandschaften: das will keiner. Könnte also nicht die Agrarwissenschaft durch wissenschaftlichen Nachweis der objektiven Notwendigkeit von Bodenpflege statt Überdüngung, Klimapolitik statt Versteppung, Bienenschutz statt Vermaisung nötig ist, helfen, die Landwirte als Landschaftpfleger anzuerkennen und entsprechend zu honorieren? Um gleich im Anschluß immerhin die Annahme der Agrarökonomie, man könne der Natur unbegrenzt Material entnehmen, ohne dafür eines Tages zahlen zu müssen, kritisch zu hinterfragen… Allerdings beruht der Lösungs-Vorschlag des Autors auf einer Versöhnung von Konventioneller und Ökolandwirtschaft mitsamt dem Traum von mehr Technik z.B. auch im Ökobereich: von führerlosen Traktoren, die behutsam wertvolle Ökotope umfahren. Der Autor übersieht die Tatsache, dass die Verschuldung infolge des Einkaufs von Hightec viele Landwirte so verschuldet hat, dass sie zu immer mehr Wachstum erpressbar geworden sind. Denn es waren die Schulden, die sie zu Klienten ihrer Kreditgeber machten, denen man sagen kann, wie sie sich verhalten sollen. Der Universitätsgeograf David Montgomery zeigt in seinem Buch „Dirt“ („Dreck“), dass verschuldete Farmer seit 1918 alle Ratschläge der Wissenschaft in den Wind schlugen…

Auf der Politikseite der selben FAZ vom „Aufstand der Hungernden“ zu lesen. In Zimbabwe nämlich wollen die Menschen sich nicht mehr gefallen lassen, dass der korrupte Präsident Mugabe ihnen die letzte Mahlzeit vom Teller raubt, um Devisen zum Schuldenabbezahlen einbehalten zu können. Einzig zu dem Zweck, neue Schulen machen zu können. Da 90 % der Bevölkerung jedoch keine reguläre Beschäftigung haben, sind stark steigende Lebensmittelpreise für sie unerträglich. Besonders in diesen Jahren, da die von „El Nino“ ausgelöste Dürre auf den einheimischen Feldern vieles hat vertrocknen lassen. Autor Thomas Scheen stellt klar, dass das Abkommen vom Juni zwischen IWF, Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank sowie Finanzminister von Zimbabwe, Chinamasa, die Ursache ist, die zu den drastischen Gehaltkürzungen führte, die nun Hungersnot und Bürgerproteste hervorgerufen hat… Denn um neue Kredite bekommen zu können, musste die Regierung in Harare nicht nur Privatisierungen versprechen, sondern auch, alle Schulden abzubezahlen. Daher beschloss die Regierung, alle Gehaltzahlungen einzustellen. (FAZ 13.7.2016)

Die Milch der Hirten in Burkina Faso

MilchgefässTragedeVorMinimolkereiEMRAuf Einladung von Misereor war ich mit hiesigen Milchbauern in Burkina Faso in Westafrika.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Burkina Faso ist ein fröhliches Land, wo man sich traditionell von Hirse, Dickmilch, Bohnen, Zwiebeln und Okra ernährt. Die Städter bevorzugen allerdings Reis und Hühnchen. Wir sollten die Auswirkungen der Milchexporte aus Europa auf die dortigen Märkte studieren. Burkina Faso gilt als eines der ärmsten Länder der Welt und in der Stadt Ouagadougou sind die auskömmlichen Erwerbsgelegen-heiten rar. Auf dem Lande sind die einen Bauern, die anderen  halbsesshafte Hirten. Die Bauern sind  wie die Hirten einerseits Selbstversorger, andererseits müssen sie die Überschüsse verkaufen, um Geldeinkommen zu haben. In den letzten Jahren hat der Import von Milchpulver aus Europa den Viehhaltern dort das hergebrachte Verkaufen der Milch auf den lokalen Märkten erschwert. Nun versuchen sie, durch das Gründen kleiner Molkereien den eigenen Markt zurückzuerobern. OLYMPUS DIGITAL CAMERADie lokale Entwicklungs-Organisation Pasmep setzt sich mit Unterstützung von Misereor für das Neueinrichten oder Modernisieren von Klein-molkereien ein, um den Frauen der Viehalter ihre Einkommen zu erhalten und so die Situation der Familien zu verbessern. Denn die Milch der Kühe gehört den Frauen. In Afrika sind die Frauen die Ernährerinnen ihrer Familien. Mit dem Einkommen aus ihrer Milch kommen sie ohne Hunger durchs Jahr und können die Kinder in die Schule schicken, Gemüse, Schulhefte, Küchengeräte und z.B. Fahrräder kaufen. Mittels der Schule wird erreicht werden können, dass die Regierung die Lebenslage der „Pastoralisten“ künftig sehen und berücksichtigen wird. Das hofft zumindest die NGO Pasmep, die bisherige Schulverweigerung der Hirtenvölker kritisch sieht..

 

Schöne Bescherung: TTIP oder wer glaubt noch an den Weihnachtsmann?

 

Schöne Grüße vom Brandenburger Tor

Wieviel gentechnisch-veränderten Mais fraß unsere Weihnachtsgans? Dass die braven Vögel gentechnisch veränderte Körner bekommen, könnten künftig möglicherweise als sicher gelten. Denn EU und USA verhandeln im Geheimen über ein neues transatlantisches Handelsabkommen namens TTIP (Transaltlantic Trade and Investment Partnership). Weiterlesen