Allmende-Kontors Gemeinschaftsbeete

GetreideKringelZuStaudenbeetEMRGärtnerinHildegardHEMR Im Gemein-schaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld gibt es wie in anderen Interkulturellen Gärten etwa 250 individuelle Beete, die von Kleingruppen oder auch von Einzelnen gepflegt werden. Manche Beete sind winzig, andere hingegen sind nahezu schon ganze Haziendas. Denn einige Gärtner haben über die Jahre die Beete der Nachbarn, die andauernd verreist sind, mit in Pflege genommen. Andere wohnen sehr nah und finden auf ihren Wegen immer wieder verstoßene oder sonstwie heimatlose Pflanzen… Und so buchten sich ihre Beete in alle Richtungen aus. Wachsen wie ein Feigenkaktus, mal hier mal da in die schmalen Wege hinein, die so nicht überall mehr die geforderte Schubkarrenbreite aufweisen. — Gemeinschaftsbeete gibt es aber auch. Zum Beispiel sind die meisten Randbeete mit ihren bienenfreundlichen Schlehen, Sanddorn- oder anderen Beerenbüschen oder Apfelbäumchen Gemeinschaftsbeete. Auch der sogenannte Getreidekringel – ein Beet, das im ersten Allmende-Jahr von befreundeten Projekten als Kornkreis angelegt wurde. Nachdem die Krähen heraus hatten, dass hier für sie gesät worden war, war es aus mit den hochwogenden Roggenhalmen. So versuchen einige wackere Allmende-Gärtnerinnen seit Jahren ein Staudenbeet daraus zu machen, um ein lauschiges Plätzchen zu schaffen, in dem sich Gärtnerinnen und Besucher auch mal mit ihrem Buch verstecken können oder pfiffige Überlebens-Künstlerinnen etwa wieder Massagestunden anbieten können. Nachdem im Winter die Rosen- und Holunderbabies aus diesem Common mal wieder lange Beine bekommen hatten und ein Teil der Wildaussaat von einem tapferen Mitgärtner mit Erde zugedeckt worden war, versuchten es einige Nimmermüde kürzlich wieder das runde Hügelbeet zu festigen, zu besäen und als Kräuter- und Staudenbeet zu bepflanzen. Während unter dem Zeltdach die Jugend der Welt fröhlich musizierte, kamen zum ersten Arbeitseinsatz fünf. Das Durchschnittsalter war 77. Kein Kunstück – dank Gärtnerin Hildegard, die mit 87 immer noch mitackert. Dieses Wochenende gibt es ein kleines Porträt von der vielleicht „dienstältesten“ Gärtnerin des in der taz – der tageszeitung.

Hildegard im Allmende-Kontor

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Gerda Münnich (1939 – 2017)

GerdaMünnichbeiderAGKleinstlandwirtschaft2007EMRDie Berliner Gartenaktivistin Gerda Münnich starb am 12. April 2017 im 78. Lebensjahr. Geboren wurde sie am 4. Oktober 1939 im Spreewald. Im Bild sieht man sie auf einer Sitzung der AG Kleinstlandwirtschaft im ersten Interkulturellen Garten auf dem noch wilden Gleisdreieck 2006 ganz rechts. Sie gehörte zu den bekanntesten Gemeinschaftsgarten-Gründerinnen Berlins. Gerade bereitete sie mit großem Einsatz ihre berühmte Garten-Bustour zum nächsten „Langen Tag der Stadtnatur“ vor, wo es diesmal ganz besonders um das Tempelhofer Feld mit der Kleingartenkolonien Tempelhofer sowie Neuköllner Berg sowie gefährdete Gärten und Bürgergrüns in Neukölln und Marzahn gehen sollte. Im letzten Jahr beriet Gerda Münnich als Vertreterin der Berliner Gartenszene das „Klimagärten“-Projekt an der Humboldt-Universität, wo sie zugleich im Projekt-Beirat war. Für das „Allmende-Kontor“ hat sie unendlich viele Schüler-Gruppen und Studierende empfangen und ihnen den Garten und sein Anliegen erklärt.

Ein Nachruf erschien am 21.4. in der taz – die tageszeitung: Gerda Münnich taz

weitere siehe http://www.schattenblick.de/infopool/buerger/report/brri0065.html

und hier: http://www.tempelhoferfeld.info/

Ein Gartentag im Allmende-Kontor

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Eine frische Briese fegt über das Tempelhofer Feld und macht die Hitze sehr viel erträglicher als anderswo in der Stadt. Aber auch hier ist es heiß und die Kinder haben offenbar mit dem Wasser gespielt, nachdem welche von der „Südstadt“ unseres Gemeinschaftsgartens Allmende-Kontor alle Schläuche aneinander geschraubt hatten, so dass auch die südlichen Randbeete per Schlauch begießbar sind. Ich übernehme und gieße mit Hilfe eines begeisterten kleinen Kindes namens Edu die Gemeinschaftsbeete wie den ehemaligen Getreidekringel. Als das Kind keine Lust mehr hat, hilft mir die alte Hildegard die restlichen Gemeinschaftsbeete wie das Peter-Lenne-Beet und die Obst-Bäume zu gießen. Hildegard, 86, ist neuerdings über Khatol, der sie beim Bewirtschaften ihres Beets hilft, in unserem Garten aktiv. Was mich freut: sie kommt vom Lande, von einer LPG und kennt sich aus. Danach fülle ich die blauen Tonnen auf, die natürlich wieder leer sind. Und schließlich rolle ich mit Hilfe von Hildegard alle die vielen Schläuche wieder ein und verschließe das Feuerwehrbesteck in seinem Kasten. Die jungen Männer, die auf der Bankgarnitur vor dem Bienenbeet sitzen, helfen mir bereitwillig den Schlauch über die Beete zu hieven, sie freuen sich eigentlich sogar, mir kurz helfen zu können. Anschließend werden wir von der türkischen Frauengruppe eingeladen, die sich im Schatten der Weide im amerikanischen „Kibbuz“ niedergelassen haben, mit ihnen zu picknicken. Ich genieße die wunderbar schlichte türkische Rohkostkultur. Wir sitzen da sehr schön und friedlich, aber nicht alle Frauen können deutsch. Es kommt kein gemeinsames Gespräch auf. Ich erkläre meiner Nachbarin, einer jungen Mutter, die öfter hier ist, welche Beete sie zu gießen helfen könnte. Erst den Samstag darauf, als wir uns wieder treffen, beginnt Sina zu erzählen, wer von ihnen kurdisch sei. Sie wünscht sich, dass wir wieder mehr Feste machen.

Zurück zum Sommertag im Juli: später pflanze ich meine Biokräuter, gieße mit Humofix angereichertem Wasser und mulche mit meinem mitgebrachten Rasenschnitt. Obwohl sie heute sehr trocken sind, sehen unsere drei Beete ganz gut aus: Topinambur, Bohnen und Kürbisse wachsen in ihren jeweiligen Kisten tapfer vor sich hin. Die rot blühenden Feuerbohnen bringen im Verein mit den orangenen Calendula Farbtupfer hinein. Die vielen Brennnesseln rings um die Beete verhindern allerdings erfolgreich, dass ich weder Petunie noch vorgekeimte Kartoffeln im Topinambur-Container verbuddeln kann… Als ich nach Sonnenuntergang davon radele, sitzen an den verschieden Tischen oder auch auf dem Rasen zwischen den Allmende-Kontors-Beeten um die acht große Picknickgruppen, die sich englisch, italienisch, türkisch, kurdisch oder deutsch unterhalten. Im uneingezäunten Park auf dem Gleisdreieck, den ich später durchquere, der inmitten der Stadt keine Schließzeiten kennt, sitzen im Dunklen bestimmt 15 Jugendgruppen…

Urban Gardening in Berlin

In Berlin sind zwischen 2004 und 2015 wohl um die 100 Interkuturelle Gärten, Gemeinschaftsgärten und andere Projekte einer neuen Urbanen Argrarkultur entstanden.  Die meisten von ihnen werden ehrenamtlich betrieben. Erst in den letzten Jahren entstanden auch einige wenige Gärten, die „ihren Mann“ auch ernähren können. In dem Buch „Urban Gardening in Berlin“ werden etwa 60 von ihnen in Wort und Bild vorgestellt. Zudem werden einige ältere Kinderbauernhöfe aus den 1980er Jahren, sowie UrbangardeningInBerlinGartenarbeitschulen und Kleingartenkolonien aus dem früheren und mittleren 20. Jahrhundert geschildert. Die um 1900 weltweite Begeisterung hervorrufende Bewegung für Gartenstädte hatte übrigens ebenfalls kurz vor und nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin einen ihrer Schwerpunkte. Auch von diesen „Gartenstadt“-Siedlungen werden einige beispielhaft vorgestellt. Die beschriebenen Gärten sind in Form von möglichen Touren zu Kapitel zusammengefasst, die man am besten per Rad unternimmt, denn Berlin entwickelt sich zunehmend zu einer Fahrradstadt. Aber auch mit den Öffentlichen Verkehrsbetrieben, der BVG, zu Fuß oder per Auto kann man sich die Touren oder zumindest Teile davon etwa für einen innerstädtischen Sonntag im Grünen vornehmen.

nächste Buchvorstellung  am 13.4., 19.30 in der Buchhandlung Buchkönigin

Hobrechtstraße 65, 12047 Berlin www.buchkoenigin.de/veranstaltungen/

Common Ground

Treffen der attac AG Solidarische Ökonomie Berlin-Brandenburg

am Donnerstag, 14. MÄRZ 2013, 19 h
Thema: Common Ground. Die Wiederkehr der Allmenden?

Common Ground: So hieß die Architektur-Biennale 2012 in Venedig. Öffentlicher Raum. Gemeinsames Erbe. Gemeine Gründe. Common Ground, das bedeutet sowohl gemeinsames Wissenserbe als auch öffentliche Plätze. Common Ground, das sind überkommene Traditionen und tradiertes Wissen, „Wissensallmenden“. Common Ground, das sind öffentliche Räume, wo wir uns treffen und reden wie Plätze, Parks, Straßen.

Elisabeth Meyer-Renschhausen gibt einen Überblick über das Thema. Klaus Prätor wird einige Beispiele aus Wien und Franken beisteuern.

Die attac AG Solidarische Ökonomie Berlin-Brandenburg trifft sich immer am zweiten Donnerstag des Monats um 19 Uhr im Stadtteilzentrum Pankow, Schönholzer Straße 10/11 im Seminarraum im zweiten Stock.

Information sowie einen ausführlicheren Text von Elisabeth Meyer-Renschhausen auch auf
http://soliblog.org

(c) Elisabeth Meyer-Renschhausen

Gemeinschaftsgarten des Allmende-Kontor auf dem ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof Foto: (c) Elisabeth Meyer-Renschhausen