Jäger und Sammler

Jäger und Sammler im Zeitalter des Betrugs

„Freiheit für Lula“ hatte sich die kleine bunte Truppe, die auf dem „Karneval der Kulturen“ Brasilien repräsentierte, auf ihre Transparente geschrieben. Sie meinen, dass der Präsident, der erfolgreich eine „Zero Hunger“-Politik eingeführt hat, zu Unrecht eingesperrt ist. Halb Südamerika versinkt nach einer Dekade sozialer Regierungen erneut im Sumpf von Korruption und Gewalt. Gewählte Regierungen werden per Tricks entmachtet, Landlose von ihren kleinen Äckern vertrieben, die sie rechtmäßig zu bestellen begonnen haben. Die Superreichen möchten sich bei der Jagd nach noch mehr Geld nicht gerne stören lassen. Seit der dot.com-Blasen-Krise ist das Investieren in „Realien“: Häuser, Rohstoffe und Land angesagt. Alle machen mit, auch die Deutsche Bank. Ist ihren Managern egal, dass Sojabarone die Regenwälder Südamerikas roden? Obwohl das illegal ist? Muss man deshalb daran Anstoßnehmende mittels Korruptions-Vorwürfen auszuschalten? Die Investoren vertreiben mittels bewaffneter Räuber die Jäger-und Sammler-Völker, die bisher im und vom Regenwald lebten. Kleinbauern, die als frühere Regenwald-Vertriebene selbst illegale Bandrodung betreiben, werden mit vertrieben. Mit Gewalt. Die Landjäger kennen keine Gnade. Die Regierungen der zivilisierten Welt schauen ungläubig zu. Sie schämen sich. Und sind froh, dass die Regeln der Diplomatie ihnen verbieten, einzugreifen.

Die weltweite Jagd nach „Realien“ wie Land produziert vor allem eines: Arbeitslosigkeit. Weltweit wächst die Erwerbslosigkeit. Sie betrifft nicht nur die Jugendlichen Griechenlands oder Spaniens. Die Neuzugezogenen in den großen afrikanischen Städten finden zu über 80% keine Jobs, schon gar nicht angemessen bezahlte. Und auch in reichen Städten des Nordens wie Berlin sind seit Jahrzehnten stets um die 20% der Bevölkerung von Sozialgeldern abhängig, in manchen Viertel 40% der Jungs ohne Jobs. Sie jobben allenfalls als Prekäre bei den ebenfalls prekär lebenden „Späti“-Inhabern oder versuchen als Putzfrauen, Fahrradkuriere oder VHS-Dozentinnen zu überleben. Diese neue Armut wird von allen Regierungen vertuscht. Erwerblose über 50 werden z.B. in Berlin nicht mitgezählt, weil sie eh keine Chance mehr hätten. Mit der Folge, dass man im globalen Süden meint, hier bekämen alle Arbeit und sich immer neue Gruppen junger Afrikaner auf den Weg machen…

In Europa merken die Menschen erst jetzt, dass wir weltweit in einer Art Zeitalter des Betrugs angekommen ist. Wenn die Leute keine – und sei es auch eine noch so schlecht bezahlte – Anstellung finden, werden sie wie in archaischen Zeiten wieder zu Nomaden, Jägern und Sammlern. Die einen mähen die Wegesränder ab, um Futter für ihre Hühner und Kaninchen zu erbeuten, die sie in der bewährten Tradition Osteuropas als Nebenerwerbs-Subsistenzbauern halten. Die anderen klauen aus purem Hunger Tomaten aus Gemeinschaftsgärten oder Ziegen aus den Kinderbauernhöfen, um sie zu verzehren. Wenige Tage später entdecke ich in den öffentlichen Parks Berlins, wie Menschen aller Kulturen einträchtig Akazienblüten sammeln, um daraus Sirup zu machen. Eine Woche später höre ich Vater und Töchterchen sich an den wegseitigen Blüten unseres Holunderbusches zu schaffen machen. „Hier ist eine besonders schöne!“ sagt das Kind. Ob sie wohl Pfannkuchen draus machen wollen? Der Holunder duftet betörend. Vielleicht sollte ich auf unserem zweiten „Vorm-Zaun-Acker“ zumindest eine Pfefferminzfarm anlegen? Offenbar brauchen Städte(r) heute solche Allmenden. Denn auch Erwerbslose und andere Prekäre möchte zu gerne ihrem urmenschlichen Betätigungsdrang nachgehen können…

Vom Paradies, Allmenden und Kühen

Der kleine Küstenort Agonda in Goa ist ein Paradies. Die Fischer und Bauern leben in offenen Palmenhainen. Die Touristen ergötzen sich an den am Strand frei laufenden Kühen. Rindviecher in allen Farben wie auf den Gemälden der Renaissance. Fast alle lieben die Kühe. Aus den edlen Ressorts werden sie jedoch verjagt, wenn sie sich zum Wiederkäuen hingelegt haben. Am abendlichen Strand jedoch müssen manche Mütter länger nach ihren Töchterchen schreien. Da die eben mit einem der Kälbchen schäkern. Das Kalb versteckt sich scheu neugierig hinter der Alten. Erst als das Kind eingesammelt worden ist, macht das kleine Kalb übermütige Bocksprünge, offenbar vor lauter Begeisterung so viel Bewunderung hervorgerufen zu haben. Es versucht einen Altersgenossen mitzureißen, mit Erfolg. Die lustigen Sprünge der Kälber sind ansteckend. Viele der den Strand entlang wandelenden Touristinnen zücken ihre Handys, um an dieser Lebensfreude teilzuhaben.

Zum Sonnenuntergang veranstalten die Kellner mancher Strandressorts fast eine Art Schaufüttern. Einer setzt sich mit den Brotresten in die Herde und ernährt die Kälber. Das Gros der Herde steht um einige Plastikboxen mit den gesammelten Küchenresten. Harte Papaya- und Ananasschalen sind darunter, an denen die Kühe geduldig kauen. Die Abendsonnen-Wanderer bleiben beeindruckt stehen. Später erklärt mir der jüngste Kellner des „Jardim a Mar“, dass sie die Kühe eigentlich nicht füttern dürften, wegen der Hygiene. Wenn sie dabei erwischt werden, müssten sie zahlen. Deshalb warten sie bis zum Abend, weil dann keine Beamte mehr unterwegs wären. Der junge Mann mit der falsch herum aufgesetzten Baseballkappe stammt aus Nepal. Sie wären hier fast alle aus dem Himalaya. Sie wäre Hindus und gäben deshalb den Kühen die Küchen-Abfälle etwa aus der Obstsaft-Herstellung. Die Kühe hätten jetzt Ende der Trockenheit kaum noch etwa zu fressen. Wer die Kühe während des Monsuns füttere, wenn die Touristen weg und die Restaurant zu sind, wisse er auch nicht. Er glaubt, dass die Kühe herrenlos wären.

Nach der Fütterung beginnt das Sozialleben unter den Rindviechern. Jetzt geht das Gerangel unter den verwunderlich vielen Stieren in der Herde los. Die Stirnen aneinandergelegt schieben sie sich über den Strand. Manchmal geraten zwei Bullen auch ernsthafter aneinander. Ihr Kampf wird heißer, sie bewegen sich dabei auf den Wanderstreifen der Feriengäste zu. Da kommt die weibliche Müllbrigade in orange und grün mit Müllsäcken und Reisigbesen bewaffnet. Die zierlichste von ihnen mit Wetter-gegerbtem Gesicht unter dem mit einem Schal festgebundenen Hut winkt mich heftig weg. Dann bewirft sie die Bullen energisch mit einigen Handvoll Sand. Die Tiere lassen sofort voneinander ab. Die zierliche Dame ist stolz und von Stund´ an grüßen wir uns wie alte Bekannte. Andere Jungbullen sind ohnehin friedfertig und beginnen – nachdem sie eine Weile gerangelt hatten – sich gegenseitig abzuschlecken und zu kraulen. Währenddessen die Kühe ihre Kälber anstubsen, nun doch bitte aufzustehen und brav zu saufen. Die freilaufenden Kühe sind jung, halbe Färsen, keine wird gemolken. Zumindest noch nicht.

Am nächsten Tag sehe ich im Dorf zwei blitzblanke Milchkannen. Dahinter wäscht ein Bauer sein Milchgeschirr. Ja erklärt er mir froh, er sei Milchbauer und melke morgens und abends. Davon könne er ganz gut leben. Jeden morgen um neun käme der Milchwagen und hole die Milch seiner fünf Kühe. Da kommt ein weißes Pritschenauto und er hilft beim Aufladen der schweren Stahlkannen und erhält zwei leere zurück. Die indische Regierung ist bemüht genügend Molkereiprodukte für alle anbieten zu können. Die staatliche Molkerei Almu wirbt für ihre Milch und Butter. Tee mit Milch, eine Art Kefir namens Lassie und Süßigkeiten aus Milch gehören in Indien zu Leben dazu. Später sehe ich in anderen Teilen Indiens an viel befahrenen Landstraßen angebunden gehaltene Einzelkühe mit strammen Eutern. Kühe und Büffel als Zug- und Pflugtiere und Milch- sowie Düngerproduzenten sind aus der Indiens Landwirtschaft nicht wegzudenken und bringen der Bauern einen wichtigen Teil ihrer Einkommen.

Ein allzu intensives Interesse an der Herde am Strand zwecks eventueller Fotos wird von den Rindern auch schon mal falsch verstanden. Einmal bemerke ich gerade noch rechtzeitig wie ein Viermonats-Kalb hinter mir seinen noch hörnerlosen Schädel mit schlangenartigen Bewegungen angriffslustig zu drehen und zu wenden beginnt. So als wolle es mir sogleich den wohlverdienten Schubs geben. Als ich mich umdrehe und es auf den Irrtum hinweise, merkt es, dass es sich im Spielkameraden geirrt hat. Es trollt sich von dannen… Es sind wohl besonders diese freilaufenden Tiere, die im christlichen Goa unbekannteren Strände Indiens etwas Paradiesisches verleihen. Aber wie lange noch? Noch sind die meisten Palmen- und Cashewnußhaine rings um die Häuser uneingezäunt. Noch können Affen, Schweinchen und Kühe sowie auch manches Pferd oder auch alte Büffel sich freilaufend durch die Nutzbaumhaine bewegen.

Aber auch in Indien wird sogar in entlegenen Orten Land privatisiert. Immer mehr Land gehört immer weniger Großgrundbesitzern. Der Mittelstand baut sich auch auf dem Land größere Häuser und zieht Zäune ums Grundstück. Die Dorfallmende mit dem öffentlichen Badestrand sei erst kürzlich von einem Investor aufgekauft und mit neuen Holzhütten zu einem Ressort verwandelt worden, erzählt mir eine Dame aus Wien, eine der vielen Dauergäste. Es handelt sich um jenen Palmenhain, den die Kühe gerne für ihre mittägliche Verdauungsrunde benutzen. Mit den freilaufenden Kühen jedoch, wird mir klar, verlöre der ansonsten eher langweilige Badeort zweifelsohne das Paradiesische.

In anderen Teilen Indiens wurden die Flußauen der derzeitigen Bauwut bereits illegal geopfert, erzählt mir die Ökoaktivistin Vandana Shiva empört. Damit verschwänden die wesentlichen Weidegründe der Rinder und der Wasserbüffel. Nun fristen Kühe und Büffel mit ihren prall gefüllten Eutern ein trauriges Dasein in Anbindehaltung an den Straßenbäumen oder in den Höfen. Es sei denn, ihre Besitzer treiben sie wie früher in den Staatsforst, was heute aber nicht mehr statthaft ist. Opfert Indien seine Allmenden? Geht auch hier das Landgrabbing auf Kosten von Viehhaltern und das mittelständige Tourismus-Gewerbe, obschon Landwirtschaft und Kleingewerbe die allermeisten Inder ernähren?

Liebe geht durch den Magen: Bauern fördern!

Es war ein Fest: All´ die Engagierten aus allen Teilen der Republik und aus lange verstrichenen Konferenzen und Zusammenhängen wieder zu sehen – in alter Frische und mit immer noch ungebremstem Engagement. Junge und alte vielfältig Aktive hatten die lustigsten Sprüche erfunden und Schilder gemalt, die sie nun tapfer in die Luft hielten: wie etwa „Liebe geht durch den Magen“ oder „Bauer sucht Biene“ oder giftiger: „Weil Du bist, was Du isst: Fresst doch selbst Euren Mist!“ Es gab auch mehr ernsthafte Forderungen auf den Transparenten wie etwa „Gerechte Preise für Milcherzeugnisse“, „Wer TTIP sät, wird Tierfabriken ernten“ oder mehr auf die Not der Landwirte im globalen Süden orientiert: „KleinbäuerInnen fördern – Landraub stoppen!“ oder „Rechte von Bauern und Bäuerinnen stärken – für eine UN-Kleinbauernerklärung!“ Die wunderbaren Gartenaktivisten kamen mit einem so großen Banner, mit dem sie forderten, die mit so viel Engagement und Liebe begärtnerten Freiräume zu erhalten, dass es schier unfotografierbar war. Besonderen Jubel erzielten die Klima-Aktivisten von „Ende Gelände“ als sie von einem Rohbau ganz in der Nähe des Wirtschaftsministeriums ein riesenhaftes Transparent mit der einleuchtenden Forderung „Grünkohl statt Braunkohle“ herunter lassen konnten. – Nach der Demo gab es zum „Supp´n Talk“ wie schon in den Jahren vorher einen fast vierstündigen Maraton mit der jeweils 5-minütigen Vorstellung einiger der besten Projekte aus der Bundesrepublik Deutschland und ganz Europa. Besonders begeisterte der Bericht aus Frankreich, wo man auf dem besten Wege ist, die Ackergifte der konventionelIen Landwirtschaft ganz zu verbieten. Ebenso erfreute die Nachricht, dass auf Grund des internationalen Engagments der externe Landaufkauf resp. das Landgrabbing in manchen Ländern des Südens vorerst beendet werden konnte. Junge Aktive von La via Campesina u.a. traten für die Rechte der Kleinbäuerinnen des Südens ein und vertraten die Idee, diesen Begriff als quasi eine Art „Kampfbegriff“ beizubehalten. Auch der Report der „AG Kleinstlandwirtschaft“ mit ihren Konferenzen, Büchern und Gemeinschaftsgärten stießen auf ein erstaunliches Interesse und viel Zuspruch… (hier der Beitrag als pdf.)

fünf Jahre Allmende-Kontor!

AllmendeKontor5JahreklVor ziemlich genau fünf Jahren begann es: das Buddeln im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld. Dem heute wohl berühmtesten Gemeinschaftsgarten Berlins, wie die „Berliner Morgenpost“ kürzlich meinte. Das wurde an einem ausgesprochen wetterwendischen Aprilnachmittag gebührend gefeiert, mit  ausführlicher Einweisung der großen Anzahl interessierter „Neuer“ samt Rundgang durch die Beete.Baumpflanzenkl Anschließend gab es (auf deutsch und arabisch und z.T. auch auf farsi) Vorstellungen und Erläuterungen für die zum heutigen Tag erstmals offiziell eingeladenen Geflüchteten aus den benachbarten Massenunterkünften. Es kamen trotz der Ansage von Regen viele Menschen, ganze Flüchtlingsfamilien mit jeder Menge kleiner und kleinster Kinder, die sich nicht immer völlig lautlos verhielten, als die wackeren Allmendegärtner ihren potentiellen neuen syrischen Mitgärtnern die Regeln der Allmende zu erläutern suchten. Es gab einen kurzen Überblick zur Eine-Welt-Geschichte des Allmende-Kontors und seines Namens, wo sogar trotz fehlender Übersetzung für einen kurzen Moment konzentrierte Aufmerksamkeit herrschte. Viele (außer den „ausgewanderten“ alle)  „alten“ Gründungsmitglieder und zeitweilige MusikZum5jährigenklMitgärtnerinnen waren gekommen und alle freuten sich, einander wieder zu sehen. Die jungen Männer aus dem Flüchtlingsgarten-projekt  „Die Gärtnerei“ vom benach-barten Thomasfriedhof hatten für alle FuFu und einen schön scharfe Paprikasuppe gekocht. Anschließend spielten die „Old Schmetterband“ und die Gruppe „Queerbeet“ und weit über 100 Menschen lauschten oder wiegten sich im Rhythmus der  wunderbaren Musik…  Zuvor aber wurde feierlich ein Apfelbäumchen gepflanzt. Ein Junges Paar hatte sich zur Hochzeit einen Obstbaum schenken lassen, ihn dem Allmende-Garten feierlich überreicht. Er wurde sofort gesetzt und begossen. Daneben durfte die wuselnde Kinderschar Nägel einhämmern… Die Verfasserin dieser Zeilen gab das mit Luca, Umut, Gerhard und Noemi in mehrtätigem Einsatz für das kommende Gartenjahr vorbereitete Peter-Lenné-Gemeinschaftsbeet für den Sommer an eine Flüchtlingsgruppe ab. Eine Gruppe, die regelmäßig mit den Kindern der Flüchtlinge  in den Hangars gärtnern möchte. Die Erdbeeren und die Ringelblumensaat sollen stehen bleiben. Die Kindergruppe wird im Gegenzug die vorderen Rand-Beete mitpflegen, also vor allem gießen, denn sie sind bereits besät bzw. mit neuem Gehölz besetzt. In den Beeten mit den frischgesetzten Holunderbüschen und dem Apfel-Bäumchen dürfen aber an den Rand auch noch („schwachzehrende“) Wildblumen gesäht werden. – Trotz Regen und ziemlicher Kälte war es dank dem großen Einsatz der vorbereitenden Gruppe (Severin, KD, Kristin, Claas  und Kathrin) ein sehr gelungenes Fest.16April2016imAKkl

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Land, Flucht und Armut: Filmfestspiele

Land, Flucht sowie Armutsmigration infolge Erwerbslosigkeit als dominierende Themen der Internationalen Filmfestspiele Berlin 11. bis 21. Februar 2016

Das momentaner Hauptthema der Europäer bestimmte den Gewinner des Wettbewerbs: Der Film „Fuocammare“ von Gianfranco Rosi über die Insel Lampedusa bzw. was die Ankunft der Flüchtlinge dort mit den Leuten macht. Der Film zeigt  aus der Perspektive eines Zwölfjährigen, wie die Menschen dort hilfsbereit auf die Flüchtlinge zugegingen, obwohl Europa die Inselbewohner wie die Asylsuchenden dabei teilweise grausam allein gelassen hat.

Im außerhalb des Wettbewerbs gezeigten „Forum“ geht es ebenfalls vielfach um die Situation von Flüchtlingen: In einem chinesischen Beitrag sitzen Bauern einer ethnischen Minderheit im Norden Burmas in den Berge gefangen. Sie sind auf der Flucht vor Grenzstreitikeiten, da sie schon öfter deren Opfer waren. Zum Glück können sie sich auf Zuckerrohrfarmen verdingen, so dass sie unter ihren notdürftigen Plastikplanen immerhin jeden Abend Kochen können. Die Kinder finden das neue Zusammenleben des halben Dorfs in Plastik-Tunneln lustig. Ihr Schwatzen und Streiten bildet eine anstrengende ständige Geräuschkulisse auch Nachts. Aber Bauern müssen ihre Felder bestellen und so gingen viele zurück, während andere sich erneut auf die Flucht machten. (Ta´and von Wang Bing). – In Israel sind die Flüchtlinge aus Eritrea und dem Sudan nicht willkommen. Sie finden kaum Jobs und werden als Schwarze diskriminiert. Die Regierung hat mitten in der Wüste nahe der ägyptischen Grenze ein Lager eingerichtet, wo sie viele von ihnen interniert hat, um sie abzuschieben, Ägypten nimmt die Leute aber nicht zurück. Ein Filmer und ein Theatermann kommen auf die Idee, mit einigen der Internierten ein Theaterstück über ihre Situation einzustudieren. Der Film bzw. das Theaterstück konnte dazu beitragen, dass die Regierung dieses Lager wieder auflösen musste (Bein gderot von Avi Mograbi). – Ein junger dänischer und ein deutscher Filmmacher drücken einem Westafrikanischen Flüchtling eine Kamera in die Hand, er möge ihre Flucht-Erlebnisse filmen. Die jungen Männer aus Mali und Côte d’Ivoire haben sich angesichts der schlechten Verdienstmöglichkeiten in ihren Ländern aufgemacht, in Europa Geld zu verdienen. Sie wollen ihren Familien helfen. Sie warten im Wald auf dem Berg Gurugu auf eine günstige Gelegenheit als Gruppe den drei mal sieben Meter hohen Zaun in die spanische Enklave Melilla überwinden zu können. Und zwar ohne dass die Polizei sie widerrechtlich wieder zurück jagt. 15 Monate wartet Abou bereits, hat mehrere vergebliche Versuche hinter sich, bis er es schließlich doch schafft. 15 Monate lebte er in Angst vor der marokkanischen Polizei, die immer wieder zu ihnen ins Lager kam, um sie zu vertreiben, indem sie ihre Decken und ihre Nahrungsvorräte verbrannten. ( Les Sauteurs – d.h. die (Zaun)Springer von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé).26

Zwei Freundinnen in Istanbul finden keine Stellen und verdingen sich in ihrer Not als Putzfrauen, obwohl sie als solche nicht genug für Miete und Strom verdienen können. Irgendwann kann die von ihrem erwerbslosen Mann verlassene Nesrin schließlich nicht mehr, sie gibt auf, ihre kleine Tochter ihrem Schicksal bzw. der Freundin überlassend (Toz bezi von Ahu Ötztürk). Merkwürdiger Weise ist der Film nicht als einer zum Thema Erwerbslosennot verstanden worden. – Im „Landstück“ von Volker Koepp geht es um das Landgrabbing und die Vergiftung der Agrarlandschaften nordöstlich von Berlin, der Uckermark. Humorvoll erzählen junge Einheimische, warum sie zurück kamen und jetzt Biolandwirtschaft betreiben. Sie werden ergänzt von den Berichten von zwei Neubrandenburgern, die Biolandwirtschaft im ganzen großen Stil betreiben. Umweltforscher Michael Succow fasst die Sachlage mit wenigen Sätze zusammen: Weil die Europäer mit unkluger Subvention der von der Energiebilanz her völlig unrentablen industriellen Landwirtschaft die Bauernmärkte Afrikas zerstören, klopfen die Menschen von dort jetzt hier bei uns an…

Hauptstadtgärtner in der Zeitung

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnnette Kuhn von der Berliner Morgenpost interviewte eine der Hauptstadtgärtnerinnen auf dem Berliner Gleisdreieck (6. März 2015, „Der Garten ist für alle da“) . „Die Ernte gehört den Gärtnern“ steht auf dem Schild, das die jugendlichen Freiwilligen eines internationalen Workcamps im Sommer 2007 für die Gärtnerinnen auf dem Gleisdreieck schufen. Man traf sich dort, wo sich die Gärtner das Gelände mit der Bauindustrie teilen müssen, obwohl Berlin noch immer eher eine schrumpfende Stadt ist, die Innenstadtbezirke zumal, wie kürzlich dem Berliner Tagesspiegl zu entnehmen war. Während die Zuwanderung erst seit 2006 die Abwanderung und zwar noch immer um nur wenige Menschen (175.000) übersteigt. Das ist keine Zahl, die zu Besorgnis Anlaß geben muß, angesichts der 1,5 Millionen Menschen, die die Hauptstadt seit der Wende an das grüne Umland verloren hat. Mehr Gärten in der Stadt  würden die Zahl der Stadtflüchtigen (und bessergestellten Steuerzahler!) wahrscheinlich nachhaltig minimieren helfen. Gemeinschaftsgärten, Kleingärten, Hausgärten: die Städter brauchen Grün zum Atmen, zur Erholung und um ein wenig graben zu können. Auch die Erwerbslosen brauchen eine Gelegenhiet zu sinnvollem Tun. Im Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor etwa werden die Leute aktiv: Die Kompost-AG höchst engagiert beim „Boden selber machen“.´(am 7.März 2015), andere kümmern sich um Bienen oder Färberpflanzen.

 

Die Wiederkehr der Bauern

Galerie

Diese Galerie enthält 5 Fotos.

. La Via Campesina oder die Wiederkehr der „Peasants“ ( = Subsistenz- bzw. Kleinbauern) auf dem Weltsozialforum in Tunis Klimagerechtigkeit ist nur möglich durch kleinbäuerliche Landwirtschaft. Den Klimawandel zu bekämpfen und einzudämmen, das erfordert die Rückkehr zu einer kleinbäuerlichen Agrarkultur. … Weiterlesen