Urban Gardening geht aufs Land

Im Naturschutzgebiet Dübener Heide wird derzeit geprüft, ob die Idee des „Urban Gardening“ auch etwas für das Land ist. Tatsächlich erlebten die zwei anfangs des Jahres neu gegründeten Gemeinschaftsgärten zu Ferienanfang eine ihre ersten, sommerlichen Höhepunkte. In Bad Düben hatten die Gärtner des Gemeinschaftsgartens am Wasserturm zum letzten Schultag zu einem Sommer-Fest eingeladen. Mit einem vielfältigen Programm wurde es ein grandioses Fest. Nach einer Begrüßungsrunde zu selbstgebackenen Kuchen gab es einen Vortrag von Freya Hörnig: Die Gesundheit beginnt am Tor zum Garten. Die gelernte Gärtnerin und zertifizierte Gesundheitsberaterin erklärte, wie – weil so ein Gemüsegarten alle Sinne anspricht–, das Gärtnern zu einer stabilen Gesundheit erheblich beitragen kann. Anschließend gab es eine Führung durch den Garten: die beiden Mit-Gärtner Matthias und Susanne stießen mit ihrem profunden Wissen über Wildkräuter auf ein großes Interesse im Publikum. 114 Wildkräuter haben sie auf dem Gelände gefunden! Nachdem die Gäste sich so tapfer gebildet hatten, waren sie froh dass Hussain, Arwat und die anderen Flüchtlinge ein wunderbares Gericht nach irakischer Art mitgebracht hatten. Die junge Köchin strahlte vor Freude, die Gärtnerinnen und ihre Gäste dergestalt beglücken zu können. Und ihr Hausfreund, ein gelernter Koch, kredenzte dem erstaunten Publikum eine überaus köstliche Spargelsuppe… Gitarren-Musik am Lagerfeuer rundete den Abend ab, die Kinder wippten vergnügt mit ihren Füssen. Manche mochten gar nicht wieder gehen, so urgemütlich empfanden sie den immer noch etwas wilden Garten…

Am nächsten Wochenende ging es im Gemeinschaftsgarten in Gniest, dem Waldgarten am Holzplatz, weiter. Für den Samstag hatte die Projektgruppe zu einem ganztägigen Workshop eingeladen: Wie baue ich einen Bienenkasten? Der örtliche Imker Robert holte nach seinem informativen Vortrag vorgeschnittene Bretter aus seinem Gefährt. Und er teilte seine Studenten in drei Gruppen ein. Sodann begann das große Messen, Sägen, Bohren und Festschrauben. Und tatsächlich konnten am Ende des Nachmittags eine fertige Beute aus Fichtenholz abgeflammt und zum Ort ihrer Bestimmung gebracht werden. Robert setzte eines der Bienenvölker um und bald darauf flogen die Bienen ein und aus. – Das Verschmausen der ersten eigenen Kartoffeln zu Leinöl und Kräuterquark aus dem Garten sorgte fürs Leibliche der Gärtner- und Gärtnerinnen. Während die einen sich mit einbrechender Dunkelheit zufrieden nach Hause aufmachten, erzählten andere sich noch bis tief in die Nacht Schwänke aus ihren bewegten Leben…

Die Idee vom kollektiven Gärtnern stößt in der Dübener Heide offenbar zunehmend auf Interesse. Eine Kerngruppe von regelmäßig mitbuddelnden Menschen ist da und ein gewisser „commoning“-Prozeß in Gang gekommen. Das gemeinsame Graben, Sich-weiterbilden und Feiern macht einfach Spaß. Was viele nicht für möglich gehalten hätten: momentan sieht es ganz danach aus, als wären Interkulturelle Gemeinschaftsgärten durchauch auch etwas fürs „platte Land“.

Allmenden und Genossenschaften

Zum Donnerstag, den 26.4. 12.00-13.30 vor dem Reichstag.

Wir gratulieren der Raiffeisen-Genossenschaft zur Feier ihres 200-jährigen Bestehens. Diese Agrargenossenschaften ermöglichten den Bauern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Überleben. Aber die Genossenschaften wurden im Wendeprozeß ihrer Gemeinützigkeit beraubt und sind heute – extrem gefährdet – von der UNESCO daher zum Weltkulturerbe erhoben. Denn nur Neu-Gründungen von Landbaugenossenschaften ermöglichen im 21. Jahrhundert etwa Hunderten von Kleinbäuerinnen Indiens Überleben und Erfolg. Die Allmenden können wir dabei als Vorform oder eine ältere Form von Genossenschaften oder Gemeinwirtschaft betrachten. Sie hielten sich teilweise bis heute, wie wir dank Elinor Ostrom wissen.

Die Raiffeisen-Genossenschaft möchte zu ihrem Jubiläum Anlaß dem allseits beliebten Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld 20 Hochstamm-Obstbäume schenken. Denn schließlich ist dieser Garten als neue
Allmende so etwas wie das Herz und Symbol des Tempelhofer Felds als neuer „Gemeinheit“ geworden, also einer neuen „commons“ wie es auf Englisch heißt. Vermehrte Neueinrichtungen von commons – das werden wir für die Zukunft überall brauchen. Eßbare Stadtlandschaften verwaltet in Bürgerhand bzw. konkret neuen Allmende-Genossenschaften – die werden wir gerade auch in den Städten benötigen, allein schon deshalb, um die vom Land Vertriebenen vor der für die meisten unerträglichen Bürde der Erwerbslosigkeit bewahren zu können. Um ihnen einen Raum für Eigenarbeit als tätiger Selbsthilfe geben zu können.

Die geschenkten Obst-Bäume wird das Allmende-Kontor allerdings gleich an das Tempelhofer Feld als solches resp. das Land Berlin weiter verschenken, schon mangels Platz im eigenen Garten, zumal Gemüseanbau und Obstbäume sich nur bedingt vertragen. Das Feldforum des Tempelhofer Feldes wird mit Unterstützung der „Feld-Koordination“ entscheiden, wo sie stehen sollen.

Den Namen „Allmende“-Kontor verdanken wir übrigens Ivan Illich, dem Kritiker der Expertokratie, der das schöne Buch „Das Recht auf Gemeinheit“ schrieb, sowie Karl Linn, einem Community-Gärtner in Berkeley. Karl Linns Buch heißt „Building Commons and Communities“, denn das hat er ein Leben lang getan. Karl Linns Mutter war eine erfolgreiche „Zurück-Aufs-Land“-Pionierin der ersten Stunde, 1913 baute sie allein mit Hilfe der Rentengut-Genossenschaft „Freie Scholle“ eine erfolgreiche Obstbaum-Plantage auf, die später vielen jüdischen Mädchen eine Art frühen Kibbuz mit Landbau-Ausbildungs-Möglichkeit bot. Solange die Kirschbäume noch nicht trugen, ernährte sie sich von einer Subsistenz-Landwirtschaft mit Hühnern, Kühen und Schweinen und allem drum und dran. 1933 aber wollte der Nazi-Bürgermeister ihr Land, der üble Bodenraub der Nazis… Gegen das Landgrabbing weltweit hilft nur das „Reclaim the Commons“! Henny Rosenthals Sohn, Karl Linn, trug diese Idee dann durch die halbe Welt und unterstützte dabei auch die Besetzer vom Ziegenhof in Charlottenburg. Als einer, der häufiger die Länder und Städte wechselte, wußte er wovon er sprach: Das „Wiederverwurzeln in der Fremde“, das geht am allerbesten in der Gemeinschaft einer Allmend-Genossenschaft, in einem Gemeinschaftsgarten auf einem Tempelhofer Feld als Gemeinheit, die allen gehört und daher auch auch den „Neuen“ offen steht…

Elisabeth Meyer-Renschhausen

Congress on Solidarity Economy

TonSteineGärtenEMR„You are a very driving person. You are very hard working people, it was a very good experience for me, I´m proud of you!“ Asmelash from Etiopia says to me at  the end of a one week lasting Congress on Solidarity Economy in Europe and everywhere in the world. About 1400 people were joining a conference about the new cooperative economy, told eachother how people are helping themselves in times of financial crisises. They told eachother how the have founded cooperatives to drive their factories by themselves and how they created new collectivelly working farmes at the countryside as for example by Community Supported Agriculture. In a so called Week of Changes the cooperatives of Berlin and Brandenburg were shown to interested persons, for example some of the Community Gardens of Berlin as the Allmende-Kontor on the former Airport Tempelhof.BienenwerderEMRApfelTraumEMRAllmende-KontorWandelwocheBunteBeeteEMR The result: It is hard work, this new kind of economy but it is also fun to work together. A good kind of life. May be even the good living? Conviviality.

www.solikon2015.org

Sommerfest und Workshops im Allmende-Garten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Freitag, den 12. Juni hatten wir dank Niels Rickerts und Hermann Barges Einsatz ein wunderbares Fest in unserem Gemeinschafts-Garten
Allmende-Kontor. Die „richtigen Sechs“ (oder so) aus Oranienburg haben professionell einen wunderbaren Swing gespielt, alle Kinder und auch viele Erwachsene haben mitgetanzt und gewippt. Vielen Dank vor allem Niels und Hermann
für dieses großartige Fest! Vorher las Wolf Schluchter, Prof. a.D. von der BTU Uni Cottbus aus seinem neuen Roman „Der Gral“ vor. In dem Buch geht es um die Verquickung von Atomindustrie und Macht. Die Leserin wird mit ungeahnten Zusammen-hängen konfrontiert. In den anschließenden Workshops stellten sich die Brandenburger Ökonauten als eine neue Bodengenossenschaft vor. Anschließend wurde der Kongress zur Solidarischen Ökonomie vom 5. bis 13. September in Berlin vorgestellt. Unter www.solikon2015.net ist mehr zu erfahren. Derzeit ist es noch möglich einen Workshop anzumelden.